Als der Frühling den kleinen Marienkäfer weckte

Als der kleine Marienkäfer aus dem Winterschlaf erwachte

„Nanu?“, brummte der kleine Marienkäfer. Er schnupperte. „Besuch in meinem Winterquartier? Hm! Hm! Riecht gut. Riecht köstlich fein. Es wird doch nicht schon Frühling sein?“
Ein süßer Duft war unter die dichte Laubdecke, unter der sich der kleine Käfer in den Wintermonaten zum Schlaf verkrochen hatte, gezogen.
„Hmmm! Es riecht tatsächlich nach Frühling. Habe ich ihn etwa verschlafen?“ Vorsichtig reckte er die Beine, die er im Schlaf fest an seinen Panzer gepresst hatte. Er streckte sich, strampelte und hatte einige Mühe, auf die Füße zu kommen.
„Ich muss wohl sehr lange geschlafen haben. Richtig eingerostet fühle ich mich an.“ Er nickte. „Ja, es wird Zeit, dass der Frühling kommt.“
Vorsichtig kroch er aus seinem Blätterversteck hervor – und fand sich unter Continue reading »

Der kleine Rabe und der Fastnachtsschmuck

Seltsame Sachen findet der kleine Rabe in diesen Späterwintertagen in der Stadt

Eines Spätwintertages brachte einer der Jungraben eine seltsame Tüte voller bunter Kringel von einem seiner Ausflüge in die nahe Stadt mit in das Wäldchen, wo die Raben überwinterten.
“Was ist das?”, fragte der kleine Rabe und starrte auf die vielen kleinen runden Papierstücke in dem Tütchen.
“Die ganze Stadt ist heute voll davon”, meinte sein Rabenkollege. “Sogar auf den Köpfen vieler Leute liegen diese bunten Dinger herum.”
“Wozu soll das gut sein?”
“Die Menschen sagen Konfetti dazu”, erklärte der schlaue Jungrabe gewichtig. “Ist das etwas Besonderes?”
Aufgeregt zerrten die anderen Raben an allen Seiten der seltsamen Tüte. Nur der kleine Rabe hielt sich zurück, denn bei solchen Rangeleien zog er meist den Kürzeren. Da – ritsch, ratsch – zerriss die Tüte, und ein Konfettiregen ergoss sich genau über den kleinen Raben. Das sah lustig aus! Aus dem kleinen, schwarzen Raben war ein Continue reading »

Der Schneemann und die Sonne

Schneemänner mögen die Sonne nicht unbedingt gut leiden

„Ha! Du kriegst mich nicht!“, sagte der Schneemann, der von Tag zu Tag etwas mitgenommener aussah. Er blickte zur Sonne und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn. „Gleich wirst du hinter dem Berg verschwinden und die Kälte der Nacht wird meinen tropfenden Körper wieder in ein prachtvolles Eiskostüm verwandeln.“
„Mag sein“, lachte die Sonne. „Aber morgen werde ich wieder da sein.“ Mit einem letzten Strahlen verschwand sie hinter dem Berg.
Der Schneemann seufzte. Lange würde er sich den Sonnenstrahlen nicht mehr widersetzen können. Aber was tun?
„Könnte ich nur bei der Tanne im Schatten stehen“, überlegte er laut. „Dort würde mich die Sonne nicht erwischen.“
„Keine schlechte Idee“, kicherte es da.
Erstaunt blickte sich der Schneemann um und sah einen Hasen, der sehnsüchtig auf seine Mohrrübennase schielte.
„Stimmt“, sagte er. „Keine schlechte Idee. Aber wie soll ich den Weg zur Tanne finden? Ich Continue reading »

“Bärige” Weihnacht

Was haben Bären mit Weihnachten zu tun? Nichts eigentlich, und das ist der Grund, weshalb sich die Bären eines Tages wehrten

Einmal wimmelte es im Land nur so von Bären. In Häusern, Läden und Kiosken hockten sie herum; manche trugen Hüte, Röcke oder Lederhosen. Von Pullis, Krawatten und Hosen grinsten sie ebenso breitbackig wie von Postkarten, Tassen, Tüten, Bildern, Büchern, Haarspangen und Broschen. Es gab Bärendosen, -kekse, -uhren, -kalender, -kettchen, -seifen, sogar Bärenhampelmänner, Bärenschneekugeln, Bärenschränke, Bärenundsoweiter…!
Die Leute liebten all die Bären über alles und sagten ´Wie niedlich!´, Goldige Kerlchen!´, ´Herzige Zottelbärchen!´, ´Schmuseliebchen´ und andere unbärige Dinge zu ihnen.
Den Bären blieb nichts übrig als immer lieb und herzig zu grinsen. Steife Grimassengesichter hatten sie schon von diesem ewigen Gegrinse bekommen. Das aber war nicht schlimm, denn sie fühlten sich geschmeichelt und nahmen dafür all diesen Krimskrams in Kauf.
“Von nichts kommt nichts”, sagten sie und belächelten die vergeblichen Versuche der Mäuse, Vögel, Katzen, Hunde, Kühe, Rehe, Tiger, Elefanten und Dinosaurier, es ihnen gleich zu tun.
Zuerst waren die anderen Tiere beleidigt, dann fingen sie an zu lästern.
“Wie kann man nur so doof sein und auf Klamotten, Geschirr und anderem Kram dämlich herumgrinsen?”, sagten sie. “Das ist doch nicht bärig!”
Dieser Meinung war auch der Oberbär, der Continue reading »

Ein Hund zu Weihnachten?

Ein Tier unterm Weihnachtsbaum? Ob das eine gute Idee ist?

Elsa wünscht sich zu Weihnachten einen Hund. Mama und Papa wünschen sich zu Weihnachten keinen Hund. Sie wünschen sich auch keinen Hund zu Ostern, zu Pfingsten oder zum Geburtstag.
„Ein Hund macht Stress“, sagt Mama und erzählt Elsa etwas von x-Mal Gassi gehen am Tag, von Bewegung, von Schmutzpfoten auf dem Fußboden und Hundehaaren überall im Haus.
„Ein Hund erfordert Verantwortung“, sagt Papa und erzählt Elsa etwas von Aufpassen müssen, von ‚Nicht-überall-hin-verreisen’ können, von Regeln, die man mit einem Hund einhalten müsse und vom Ärger, wenn man den Hund zu einem Ausflug in die Stadt oder in ein Lokal mitnimmt. Oder wenn man ihn alleine Zuhause lässt. Dann nämlich hat man Ärger mit seinem eigenen schlechten Gewissen. Weil nämlich kein Hund gerne alleine zu Hause sitzt und wartet.
Ein Hund macht Freude!“, sagt Elsa und erzählt Mama und Papa etwas von einem besten Freund, der zuhört und immer Zeit hat. Ein Freund, mit dem man kuscheln und toben, lachen, weinen, reden und schweigen kann. Ein Freund, der da ist, wenn die Eltern nicht da sind – und weil beide anstrengende Jobs haben, ist Elsa oft alleine in dem großen Haus mit dem großen Garten.
„Ein Hund ist kein Weihnachtsgeschenk“, sagt Mama.
„Willst du nicht doch lieber Continue reading »

Als der kleine Igel über die große Katze stolperte

Auf der Futtersuche lernte der kleine Igel die große Katze kennen. Der Beginn einer tollen Freundschaft

Es dämmerte und der kleine Igel machte sich auf den Weg. Am Tag hatte er sich ausgeruht und nun war er hungrig. Er hielt sein Näschen in die frische Abendluft und schnupperte.
„Abendzeit. Essenszeit“, sagte er. „Ich weiß auch schon, wo das Nachtmahl auf mich wartet.“
Er fuselte los. Die Wiesenböschung am kleinen Teich war sein Ziel. Dort würde er Futter finden. Er roch es schon und musste nur seiner Nase folgen.
„Ich muss mich beeilen“, brabbelte er vor sich hin, während er sich einen Weg durch das hohe Gras bahnte. „Hungrig bin ich nämlich. Sehr hungrig. Und bald muss ich bereit sein für den längsten Schlaf im Jahr. Die Tage werden kürzer, der Abend beginnt jeden Tag früher und damit die Zeit für die Futtersuche. Futter, ja, Futter muss ich suchen. Und essen muss ich. Essen, essen, die ganze Nacht bis zum Morgengrauen. Der längste Schlaf dauert lange und wer vorher nicht genügend Nahrung zu sich genommen hat, der wird … Au! Aua!“
Er war Continue reading »

Das Eichhörnchen und die kostbare Zeit

Überall trifft das Eichhörnchen heute Tiere und Pflanzen, die traurig sind über das Ende des Sommers? Aber ist Herbst nicht auch schön?

“Hoffentlich treffe ich heute nicht wieder einen weinenden Apfel”, murmelte das Eichhörnchen, als es sich an diesem frühen Herbsttag auf seine tägliche Waldrunde begab.
Leise schlich es an den Apfelbäumen vorbei. Vor lauter Schleichen vergaß es, vorsichtig zu sein und stieß gegen die großen, hohen Blumen, deren Köpfe kleinen Sonnen glichen. Es hatte diese sonnigen Blumen schon oft gesehen, aber warum ließen sie heute die Köpfe hängen? Der Tag war doch so sonnig und warm und schön!
Das Eichhörnchen wunderte sich.
“Wenn ich es nicht besser wüsste”, murmelte es, “würde ich sagen, sie trauern. Aber warum nur?”
Traurige Sonnen? Hm!
Das Eichhörnchen machte, dass es weiter kam. Mit Traurigkeit hatte es heute nichts am Hut!
Unterwegs traf es Continue reading »

Das Eichhörnchen und der traurige Apfel

Vom Regen und von Regentränen. Können auch Äpfel weinen?

“Warum weinst du, Apfel?”, fragt das Eichhörnchen, das in den Bäumen der Streuobstwiese im kleinen Waldtälchen auf Nahrungssuche unterwegs war.
“Phschhhhhh!” Der Apfel schluchzte. “Wei-hei-einen? Wa-a-as ist das?”
“Weinen?” Das Eichhörnchen überlegte. In den Menschengärten hatte es das Weinen kennen gelernt und – irgendwie – rasch wieder vergessen. Hier im Wald weinte nämlich keiner. Naja, fast keiner.
Der Apfel schluchzte wieder, lauter nun.
“Weinen, das ist, wenn Wasserperlchen über deine Wangen tropfen und deine Apfelhaut nass machen”, sagte das Eichhörnchen schnell. Es war nun etwas verlegen. Eigentlich hatte es geplant, ein wenig von dem köstlichen Fruchtfleisch des Apfels zu naschen. Aber wer brachte es übers Herz, in schluchzende Apfelbäckchen zu beißen?
“Re-e-egen ma-hc-chat meine Apfelbacken auch nass”, klagte der Apfel. “Aber er ma-hc-chat mich ni-hi-hicht so-ho traurig.”
Ein Zittern durchlief den Apfelkörper und viele Continue reading »

Als Tim ‚Stierkampf’ spielte

Die Sache mit Stieren, Ochsen und dem “Rot”-Sehen – Eine Feriengeschichte auf dem Land

Der Stadtjunge Tim hatte Lust auf ein tolles Ferienabenteuer. Er deutete zur Weide. „Die Kuh dort langweilt sich bestimmt.“
„Die Kuh ist ein Ochse“, sagte Jonas, der Sohn des Bauern.
„Umso besser“, freut ich Tim. „Eine Kuh wäre für einen Stierkampf viel zu langsam.“
„Du willst Stierkampf spielen?“, fragte Jonas. „Lass das lieber!“
„Ich hab keine Angst.“
Ehe Jonas noch etwas sagen konnte, zog Tim seinen roten Pullover aus, stieg über den Zaun und stapfte zu dem Ochsen hinüber. Mutig baute er sich fünf Schritte vor ihm auf.
„Wir spielen Stierkampf“, sagte er zu dem Ochsen. „Ich bin Continue reading »

Jules Schmetterlingstraum

Wie kann man zarte bunte Schmetterlinge in die Gärten locken? Jule hat da eine ganz besondere Idee

Aus dicken, hässlichen Raupen schlüpfen zarte, bunte Schmetterlinge, hat Jule gehört. Das kann Jule erst nicht glauben, doch weil sie Schmetterlinge über alles leiden mag, träumt sie von einem fröhlich kunterbunten Schmetterlingsgarten.
Schmetterlinge aber sieht Jule im Garten nur wenige. Weil die nämlich ihre Eier, aus denen die Raupen schlüpfen, lieber auf Brennnesseln, Wildkräutern und -büschen ablegen, und die gibt es in den gepflegten Gärten der Siedlung nicht.
Schade, findet Jule, und denkt an ihren Schmetterlingstraum. Dann hat sie eine Idee. Sie nimmt ein Einmachglas und geht zum Wäldchen hinter dem Spielplatz. Dort wachsen Brennnesseln, Wildkräuter, Büsche und Birken, und von denen sammelt Jule alle Raupen, die sie finden kann, in ihr Glas. Vorsichtig trägt sie ihre Beute heim in den Garten und setzt die Raupen auf die Blätter der Bäume, Büsche, Rosen, Stauden und Salatköpfe. Mehrere Tage lang macht sie das, und es ist keine einfache Sache.
Am Anfang Continue reading »

Davids Schneckenzoo

Ein lauter Schreckensschrei aus dem Nachbargarten riss alle Bewohner des Wohnviertels aus der Mittagsruhe. Nachbar L. stapfte wütend und schimpfend durch seine Gemüsebeete und sein kleiner Sohn stand dabei, grinsend. Was war passiert?
So etwas Ähnliches vielleicht wie Davids Vater in der folgenden Geschichte?

Davids Schneckenzoo

Eine tolle Idee hat David heute. Während Papa im Garten die neuen Gemüsebeete vorbereitet und Kräuter und Gemüse pflanzt, baut David aus großen Steinen ein viereckiges Gehege. Er legt Steine, Salatblätter, Äste, Strohhalme, eine Hütte aus Bausteinen und eine Wasserschale hinein.
„Was baust du da?“, fragt Papa neugierig.
„Einen Schneckenzoo“, sagt David und deutet auf das Glas voller Schnecken, das im Schatten der Hecke steht. „Die hab ich auf den Feldern gesammelt. Sie kommen in meinen Schneckenzoo, und ich werde gut auf sie aufpassen.“
„Sehr gut.“ Papa klopft David anerkennend auf die Schulter. „Ich mag es, wenn Kinder gute Ideen haben“, sagt er und seine Stimme klingt sehr zufrieden. „Aus Naturbeobachtungen kann man viel lernen.“
Papa findet alles gut, was sich zum Lernen eignet, und David freut sich, wenn Papa ihn lobt. Den ganzen Tag kümmert er sich um seinen Zoo, und Papa guckt immer mal bei ihm vorbei und blickt sehr stolz und glücklich drein.
Am nächsten Tag aber ist Papas Blick überhaupt und gar nicht mehr stolz und glücklich. Davids Schnecken haben nämlich während der Nacht mit großem Appetit eine kleine Klettertour über die ‚Zoo‘-Mauern hinüber zu Papas jungem Salatbeet gemacht. Dort ruhen sie sich nun unter Erdkrumen und Steinen versteckt von der üppigen Salat-Mahlzeit aus.
„Sauerei“, schimpft Papa los und blickt auf die zerfressenen Salatreste. „Da haben wir den Salat! Die ganze Arbeit war umsonst. Du immer mit deinen blödsinnigen Ideen!“
Papa tobt. Er ist nun gar nicht mehr stolz auf David.
„Was für Ideen?“, fragt David. Er grinst. „Und was für einen Salat?“
Er deutet er auf das kahl gefressene Beet.
„Weißt du“, sagt er mit einem schelmischen Kichern zu Papa, „aus Naturbeobachtungen kann man wirklich mächtig viel lernen.“
Was bleibt Papa da noch übrig als mitzulachen?

© Elke Bräunling

Schnecke unterwegs
© Elke Bräunling, Weinbergschnecke auf der Suche nach Salatblättern


Ein Glückskäfer-Glück für Jule

Wie ein Marienkäfer der grübelnden Jule doch ein bisschen Glück brachte … und vielleicht sogar den Eintritt ins Zirkuszelt?

Traurig sitzt Jule am Rande des Festplatzes und blickt auf das bunte Zirkuszelt. Zu gerne hätte sie sich die Nachmittagsvorstellung mit den beiden Clowns, die am Eingang fröhlich ihre Späßchen machen und die Leute ins Zelt einladen, angesehen. Ihre Freunde sind schon im Zelt. Nur sie hat kein Geld für die Eintrittskarte. Nie hat Jule Geld, seit ihre Eltern arbeitslos sind. Immer muss sie sich all die Dinge, die ihre Freunde erleben, von draußen ansehen. Jule schüttelt den Kopf. Sie mag nicht weiter grübeln. „Grübeln”, sagt Papa immer, „macht nur ein Griesgramgesicht. Aber helfen, nein, das tut es nicht.”
Jule will kein Griesgramgesicht haben. Sie zwingt sich zu einem kleinen Lächeln, und weil niemand zum Anlächeln da ist, schenkt sie ihr Lächeln der Margerite, die neben ihr am Wegrand wächst. Ja, und ihr ist, als lächelte die Blume zurück. Oder hat sie das geträumt? Nachdenklich Continue reading »

Die Königin des Waldes


Fingerhut, königlich, heilsam, giftig

 

Die Königin des Waldes

Eine Königin muss nicht unbedingt laut sein. Ob die Fingerhutblüte dies auch begreifen wird?

“Ich bin die Königin des Waldes”, sagte die besonders große pink-weiß-purpurfarbene Blume mit ihren tiefen Blütenkelchen. “Die Königin und Wächterin in einem.”
Sie blickte sich nach Anerkennung heischend um.
Schweigen. Keiner der Waldbewohner wusste darauf etwas zu sagen.
Nur ihre nicht ganz so besonders großen pink-weiß-purpurfarbenen Kolleginnen auf der Waldlichtung nickten ihr beifällig zu.
„Bist du! Bist du! Wer wenn nicht du?“, sirrten sie ihr im Hauch des leisen Sommerwindes.
„Ja! Ich! Ich bin die Königin des Waldes. Ich bin einzigartig”, sagte die besonders große und besonders einzigartige Fingerhut-Blüte wieder. Nun etwas lauter. Nein, sie rief es in den Waldmorgen hinein. “Hört ihr?”
Noch immer herrschte Schweigen im Walde.
Die wunderschöne große pink-weiß-purpurfarbene Blume mit den tiefen Blütenkelchen begann sich zu ärgern. Erregt bimmelte sie mit ihren Blütenglöckchen.
“Hallo! Aufwachen! Zuhören! Ich bin die …” Continue reading »

Ein “echter” Ochse

Ochse Berti lebt im Museumsdorf und dort hat er seine ganz besonderen Aufgaben

Friedlich grast Ochse Berti auf der Weide. Er ist heute ganz alleine hier. Seine Gefährtinnen, die Kühe, sind heute Morgen mit dem Bauern auf eine andere Weide weiter gezogen. „Du bleibst hier, Berti“, hat der Bauer gesagt. „Es wird Zeit, dass du lernst, einen Erntewagen und einen Pflug zu ziehen.“
Einen Erntewagen soll ich ziehen?, überlegt Berti. Und einen Pflug? Was ist das überhaupt, ein Pflug?
„Ich bin doch kein dummer Ochse, oder?“, brummt er.
Berti denkt nach. Zum Ernten und Pflügen gibt es Maschinen. Das hat er in den letzten Monaten auf der Weide immer wieder gesehen und gehört. Nur einen Ochsen, der so schwer arbeiten soll, nein, den hat er nicht gesehen. Er hat auch nichts davon gehört.
Halt! Da war doch etwas? Stimmt. Neulich waren Leute da. Vom Museumsdorf.
Lange sind sie durch die Ställe gegangen, haben Continue reading »

Der kleine Bär und das hässliche Raupending

Das komische fremde Ding, das eine Raupe ist, erstaunt den kleinen Bären sehr

“Wer bist du denn?”, fragte der kleine Bär. Misstrauisch sah er zu, wie ein braunes, stachelhaariges Ding langsam über den Wiesenboden kroch. Wie ein Erdwurm sah es aus.
Der kleine Bär kicherte. “Ein Erdwurm mit Igelstachelfell”, rief er. “Ein grässlich hässlicher Erdwurm sogar. Hihi!”
Er beobachtete, wie sich dieser seltsame Erdwurm am Stängel einer Kleeblume aufrichtete. Er umklammerte ihn mit seinen kurzen Beinen, bevor er an ihm hoch krabbelte. Oben angekommen öffnete er weit seinen Mund, als wollte er gähnen, dann biss er – happs – mitten in die Kleeblüte hinein, kaute, schluckte, biss wieder hinein, kaute, schluckte, kaute, schluckte, bis nichts mehr von der Blüte übrig war. Doch noch immer war er nicht zufrieden: Jetzt nämlich hangelte er gierig nach Continue reading »

Die Sache mit den Ameisen

Ameisen sind ganz besonders interessante Tiere, das sagen auch Tim und Nora in dieser Geschichte

Tim und Nora liegen bäuchlings im Gras und denken sich Gedichte aus.
„Du fängst an!“, bestimmt Tim.
Nora kaut auf einem Grashalm und überlegt. „Hmm … ich muss erst nachdenken … Also: Eine kleine Ameise kroch mal heimlich, still und leise in das Ohr von Meiers Tim. Dieser fand das mächtig schlimm.“
Tim grinst. Jetzt ist er an der Reihe mit dem Dichten. Ganz schön schwierig ist das, doch da hat er eine Idee: „Hey, Ameise, komm wieder raus, sonst pust ich dir das Leben aus!“
Nora richtet sich auf und schaut Tim empört an. „Das darfst du nicht tun. Ameisen sind nützliche Tiere“, schimpft sie und vergisst vor Eifer ganz, dass Tims Gedicht nur ein Spaßgedicht ist.
„Dein Gedicht war aber auch gemein, denn du hast einfach eine Ameise in mein Ohr krabbeln lassen“, wehrt sich Tim.
Jetzt muss Nora doch lachen. „Ist ja bloß ein Gedicht, aber Ameisen sind wirklich tolle Arbeiter. Sie halten den Wald sauber.“
„Hoho! So ein Unsinn!“ Tim kann das nicht glauben.
„Soll ich dir einen Ameisenhügel zeigen?“, schlägt Nora vor.
Tim springt auf. Klar. Continue reading »

Mia und der Wetterzauberer

Das Wetter ist schlecht? Vielleicht liegt’s ja am Wetterzauberer, der wieder einmal seine goldene Sonnenspitze verloren hat?

Mia sitzt auf ihrer Schaukel und wartet auf die Sonne.
„Hey, ich will Sonne haben!”, ruft sie.
„Geht nicht.” Ein Zwerg mit Glitzerumhang plumpst vor Mia auf den Boden. „Ein Vogel hat die goldene Sonnenspitze meines Wetterstabs gestohlen. Seither kann ich die Wolken nicht mehr wegzaubern.”
Erregt deutete das Männlein, das niemand anderes als der Wetterzauberer ist, auf die Bäume. „Hier irgendwo muss dieser Dieb sein Nest haben.“
„Zaubere doch den Vogel mit der Sonnenspitze hierher!”, schlägt Mia vor.
„Bin ich ein Vogelzauberer?” Empört sieht das Männlein Mia an. „Ich kann Wetter zaubern, aber ohne meine funkelhelle Sonnenspitze zaubert mein Stab nur finstertrübe Wolken. Ist das nicht ärgerlich?” Continue reading »

Ein Abenteuer im Bärenwald

Eine Mutmachgeschichte mit dem kleinen Bären, Papa Bär und vorwitzigen Bärengeschwistern

Wieder einmal hat der Oberbär alle Bären zu einem Festmahl in den Bärenwald eingeladen. Dieses Mal möchte der kleine Bär unbedingt mitkommen. Er ist ja so neugierig auf dieses Fest! Seine Geschwister aber lachen ihn aus. “Du bist noch viel zu klein, kleiner Bär!”, rufen sie. “Du kannst nicht mitkommen. Bestimmt fürchtest du dich dort gruselgrausig.”
Das ärgert den kleinen Bären gewaltig.
“Ein Bär hat keine Angst”, ruft er und bettelt so lange, bis Mama Bär “Also gut, du darfst mitkommen!” sagt.
Da freut sich der kleine Bär wie ein Schneekönig.
„Juchhu!”, jubelt er. “Ich darf mitkommen zum großen Bärenfestmahl. Juchhu!!!”
Die Weg zum Oberbärenfest ist weit, und Papa Bär muss den kleinen Bären huckepack Continue reading »

Die Tränen der Birken zur Maikäferzeit

Wer sich nicht über die Maikäfer freut, das sind die Birken und alle anderen Bäume im Wald. Das gibt den Maikäfern zu denken

“Was ist nur mit unseren Maikäferfreunden los? Haben sie den Frühling verschlafen?”
Ratlos flog die kleine Elfe durch das Birkenwäldchen. Seit Tagen schon war sie auf der Suche nach den Maikäfern. Sie konnte aber keinen von ihnen entdecken.
“Hast du unsere Maikäferfreunde gesehen? Oder wenigstens einen von ihnen?”, fragte sie jeden, den sie unterwegs traf.
“Zum Glück habe ich sie nicht gesehen”, antwortete die große Birke. “Nicht mal einen von ihnen. Und das ist gut so. Diese gefräßigen Kerle knabbern nämlich immer meine jungen Blattkinder an und bohren mit ihren Kiefern tiefe Löcher in sie hinein.” Die Birke schüttelte ihre lindgrün helle Krone. “Nein, ich vermisse sie nicht.”
“Ich auch nicht.”
“Ich auch nicht.”
“Ha! Wir natürlich auch nicht.”
“Wir wollen die Maikäfer Continue reading »

Glückskäfer Hicks und die Sonne

Auch Glückskäfer können manchmal schlechte Laune haben oder ängstlich sein oder gleich beides zusammen

„Hey! Was ist das denn mitten im Frühling?“
Glückskäfer Hicks war entsetzt, als er eines Frühlingsmorgens über die verschneite Wiese blickte.
„Ich dachte, der Winter sei vorbei“, schimpfte er und seine Flügelchen zitterten. „Wo ist die Sonne? Ich friere. Diese Kälte mag ich nicht leiden. Gemein ist sie und überhaupt. Ich bin ganz schön…“
„Oha! Höre ich recht? Ein Glückskäfer, der meckert? Haha!“, tönte plötzlich eine helle Stimme und dann sang sie ein Lied, diese Stimme, die zu einer Amsel gehörte. So einen wunderschönen Gesang hatte Glückskäfer Hicks noch nie vernommen. Hmmmm…
Hicks wurde es warm ums Herz und er Continue reading »