Der schöne schöne Waldpilz

 

Der schöne schöne Waldpilz

Ein prächt’ger Pilz am Waldrand stand
in einem Bett aus Moos,
und ein Mensch, der ihn hier fand,
der staunte: „Wie famos
du bist! So wunderschön
perfekt. Dich lass ich stehn.“

Der prächt’ge Pilz am Waldrand rief:
„Ich bin so toll, seht her!“
Doch jeder, der vorüber lief,
wollt’s bald nicht hören mehr.
Ein eitler Pfau, der stört,
weil er nicht hergehört.

Es war, als würde keiner mehr
ihn sehn im ganzen Wald.
Kein Mensch, kein Tier kam zu ihm her.
Das wunderte ihn bald.
Was nutzt‘ es, schön zu sein
und prächtig und … allein?

Das grämte diesen Prachtpilz sehr.
Er fühlte sich auch schlapp,
und faulig riechend immer mehr,
dann fiel der Hut ihm ab.
Da lag er, nackt und kahl.

Auch Schönsein wird zur Qual.

© Elke Bräunling

07. September 2017 von Elke
Kategorien: Herbstgeschichten, Kindergedichte, Sommergeschichten, Waldgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der Apfelkönig und seine Kinder

Nun ist’s Zeit, die Äpfel zu ernten, sagt auch der Apfelkönig

„Oh! Hey! Hallo!“, rief der Apfelkönig. „Endlich werden meine Kinder, die lieblichen Äpfelchen mit ihren roten Bäckchen erlöst. Ich dachte schon, da ist keiner, der sie pflücken oder von der Wiese auflesen möchte. Was für ein Unglück wäre das!“
Der Apfelkönig, der seine Äpfel so sehr liebte, dass er mit ihnen nur in der Kindersprache sprach, atmete auf.
Gerade eben war nämlich Bauer Franz mit seinem Trecker gekommen. Er hatte viele leere Körbe auf den Anhänger geladen, die nun mit Äpfeln gefüllt werden sollten.
„Sehr ihr, meine Kinderchen, ihr werdet sogar mit diesem wunderbaren Gefährt abgeholt. Ist das nicht wunderbar?“
„Hallo, ihr süßen Schätzchen. Nun endlich seid ihr an der Reihe“, rief im gleichen Augenblick Bauer Franz. „Ich habe viele Plätzchen für euch.“ Er rieb sich voller Vorfreude den Bauch.
„Schätzchen? Und Plätzchen? Das sind doch meine Worte!“ Der Apfelkönig wunderte sich.
Der Bauer Franz lehnte seine Leiter an den ersten Apfelbaum, kletterte hinauf und pflückte Apfel für Apfel. Behutsam legte er die empfindlichen Früchte in den Korb.
Der Apfelkönig war froh darüber, dass der Franz so zart mit seinen Kindern umging. Bestimmt würden sie es gut bei ihm haben. Er glitt aus seinem Baumwurzelversteck, schlich zum Apfelkorb und streichelte über die Apfelbäckchen. Die röteten sich noch ein bisschen mehr und über ihre Haut legte sich eine feine, glänzende Schicht.
„Wie bezaubernd ihr ausseht! Man wird sich um euch reißen, ihr Lieben!“
Die Äpfel bekamen es nun doch mit der Angst zu tun. Wer würde sich um sie reißen? Und würden sie dabei zu Schaden kommen?
„Was wird denn nun aus uns werden, lieber König?“, fragte einer.
„Nur das Beste“, antwortete der Apfelkönig. „Ich entlasse euch nun in euer neues Leben. Es wird kurz sein und aufregend und ihr werden es genießen. Zum Genuss nämlich seid ihr auf der Welt.“
In diesem Augenblick packte der Franz den Korb und hievte ihn auf den Anhänger. Er nahm gleich einen neuen, leeren Korb und stieg wieder auf die Leiter. Der Apfelkönig aber hatte sich schnell in den Korb gesetzt und war zusammen mit dem Franz in der Baumkrone gelandet. Stolz betrachtete er von hier sein Apfelland.
„So geht es“, sagte er zufrieden. „Und es wird immer so weiter gehen. Ein Kommen und Gehen ist’s jedes Jahr aufs Neue. Meine Apfelkinder werden Freude bringen und Gutes tun. Ich aber werde mich nun zurückziehen und Kräfte tanken für das nächste Apfeljahr.“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Apfelbaum und ApfelkönigWarten auf den Apfelkönig – und auf Bauer Franz

05. September 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Baumgeschichten, Geschichen für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Herbstgeschichten, Kindergeschichten, Märchen | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Herbstzaubermorgen auf der Waldwiese

Aus Wiesen werden nach Nebelnächten manchmal Zauberwiesen

Eine Fee hatte über Nacht viele tausend und mehr kleiner Glitzerperlchen über der kleinen Waldwiese am Rande der Straße ausgestreut. Die legten sich über Gräser und Spinnennetze, kullerten in die Blütenköpfe oder kuschelten sich zwischen Blütenstängeln und Samenkapseln.
Wie verzaubert sah die Wiese nun aus. Es war, als hätten viele tausend und mehr kleine Waldwesen sie für ein Waldfest mit Perlenketten geschmückt.
Dies sah so schön und einladend aus, dass die Sonne lächelte, als sie sich am Morgen über die Hügel am Horizont lupfte. Sie schickte gleich ein paar Sonnenstrahlen zu der kleinen „Festwiese“. Die huschten über die Feen-Glitzerperlen, umschmiegten die Gräser, Blüten und Spinnennetze und verwandelten die Wiese in eine Märchenwelt. Wie eine Schatztruhe voller Diamanten, Perlen und Silberketten sah sie nun aus.
„Da liegt ein Schatz auf der Wiese!“, rief ein Kind. Es saß in einem Schulbus, der wie jeden Morgen die Kinder in die große Stadt brachte.
Ein Schatz? Wo? Nun wollten alle Kinder im Bus den Schatz sehen und der Busfahrer, der gerne Schulbusfahrer war, lächelte. Er stoppte den Bus am Straßenrand in einer Parkbucht, schaltete die Warnblinkleuchten ein und öffnete die Türen.
Ein Schulbus mit Warnblinkleuchten? War da vielleicht etwas passiert? Sogleich hielten ein Milchlaster und ein Postauto an. Auch die Fahrer der vielen Autos, die es sonst immer sehr eilig hatten, stoppten und hatten auf einmal Zeit. Einer nach dem anderen parkten sie am Straßenrand und blickten auf die geheimnisvolle Zauberwiese hinab.
„Wie schön!“, riefen sie.
„Was für ein einzigartiges Naturwunder!“
„Ohhh! Ahhhh!“
„Toll!“
Und weil sich nun so viele an den Straßenrand drängelten, blieben noch mehr Autos stehen. So drängelten sich immer mehr Leute am Rand der Wiese. Sie taten, als hätten sie noch nie eine Wiese mit Tautropfen und Spinnweben, die sich im Licht der Morgensonne spiegelten, gesehen. Sie zückten Kameras und Handys und fotografierten Wiesenfotos. Die schickten sie nach Hause oder zu Freunden oder sie stellten sie ins Internet, so dass alle Menschen auf der Welt die Wiese sehen konnten.
Die Sonne wunderte sich. Es war doch nur eine Wiese wie viele andere auch! Sie wandte ihre Strahlen ab und zog weiter zur nächsten Wiese und zur nächsten und nächsten. Es gab so viele davon in jenen Herbsttagen, die die Menschen auch ‚Altweibersommer’ nannten.

© Elke Bräunling

 

Hier finden sich zum Thema weitere Geschichten und Gedichte:
Die Zauberfee im Wald
Der Sommer und seine Geisterschar – Ein Märchen zum Altweibersommer
Der Zauberer – Ein Rätselgedicht
Ein Zaubertag im Herbst – Gedicht zum Altweibersommer
Der Herbst und seine Oma
Altweibersommertage

Viel Spaß im Altweibersommer!

 

 


Spätsommerliche Schmuckschatulle voller Perlenketten – oder schlicht Wiesen an einem Altweibesommermorgen 😉 – Eine musikalische Impression mit vielen Bildern von Andrea Oberdorfer und meditativer Musik von Paul G. Walter, Fotos © Andrea Oberdorfer

Aus dem Buch:
Hör mal, Oma! Ich erzähle dir eine Geschichte vom Herbst

Taschenbuch Hör mal, Oma! Ich erzähle dir eine Geschichte vom Herbst: Herbstgeschichten – von Kindern erzählt
Ebook: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Herbst *

NEU: Dieses Buch ist ab September 2017 in allen Buchhandlungen erhältlich

 

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03. September 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Geschichen für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Herbstgeschichten, Kindergeschichten, Naturgeschichten, Waldgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 2 Kommentare

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