Die Novemberparty der bunten Blätter

Eine Novembergeschichte von den letzten Blättern

„Frei! Endlich frei!“
Jubelnd und singend tanzen die Blätter durch die Luft des Spätnovembertages.
„Frei! Frei! nun sind wir an der Reih!“
Sie sind übermütig, schweben, gleiten, fegen, jagen einander und spielen ihr Spiel der Freiheit.
Lange haben sie von diesem Augenblick, an dem sie nicht länger an ihren Plätzen in der Krone der alten Eiche festgehalten werden, geträumt. Viele Monate, einen Sommer lang. Es sind schöne Träume gewesen, warme, duftige, luftige … sehnsüchtige. Wer wird auch schon gerne von einem Baum festgehalten?
„Huiiii!“
Jetzt aber geht es los. Jetzt ist endlich Party angesagt. Party am Novemberhimmel.
Die Blätter lachen, während sie sich eines nach dem anderen von den Ästen lösen und einem neuen, aufregenden Leben zufliegen. Huiiii!
„Huiiii!“, macht auch der Wind. Er schleudert die welken Blätter mit einem tiefen Puster weit in die Luft hinauf.
So gaukeln sie für eine leise Weile in der Luft weit über dem Wäldchen mit der alten Eiche und lachen.
Sie lachen und singen ihre Lieder von Abenteuer, Freiheit und einem neuen Leben.
Der Wind lacht auch. Er lacht ein, zwei, drei Sekunden, dann wird es ihm langweilig. Er schickt einen letzten Puster auf die Blätterbande … und macht sich auf den Weg zum nächsten Baum. Huiii!
Huiii?
Die Blätter kommen ins Trudeln und vergessen darüber ihre Tanzschritte. Nach einem kurzen, verdutzten Augenblick, der sie reglos fast in der Luft verharren lässt, kommen sie ins Trudeln. Stet und steil fallen sie zu Boden. Die Party ist vorbei. Die Reise, gerade eben begonnen, ist schon wieder zu Ende.
Und dann liegen sie da auf dem Waldboden, die reiselustigen Blätter. Wirr und kunterbunt am Fuß des alten Baumes. Ihr Sommertraum von Abenteuer und Freiheit ist ausgeträumt. Ein neues Leben hier unten am Boden wird nun beginnen. Sie müssen es sich nur schnell noch erträumen.
Pssst!
Der alte Baum schmunzelt. Er weiß es besser.

© Elke Bräunling

12. November 2017 von Elke
Kategorien: Baumgeschichten, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Herbstgeschichten, Kindergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der Ritter im Nebelland

Der kleine Ritter mit dem Lichtschwert zieht durch die Lande

„Ich bin ein Jediritter. Mit meinem Lichtschwert werde ich euch alle von hier verjagen. Huh!“
Mit seinem gefährlich leuchtenden Schwert zog der kleine Weltenritter kämpfend durchs Nebelland. Alle, die er unterwegs traf, zuckten vor Schreck zusammen, wenn sie die Blitze seines Schwertes sahen.
„Krabah Haha!“, krächzten auch die Riesenmonsterraben, die eigentlich nur Amseln waren, und flogen davon. Unheimlich sahen sie aus im Nebellicht. Wie Kleinvampire.
„Alle fürchtet ihr euch vor mir!“, rief der kleine Ritter. „Ich bin ein Wächter der guten Macht.“
Er ruderte mit den Armen, drohte den Baumkronen mit dem Schwert und verzog das Gesicht zu einer furchterregenden Grimasse.
„Huh! Huahhhh!“
„Jaja, haha, jaja-a-a-a“, sirrten die letzten Blätter in den Ästen und es klang wie ein trockenes Kichern. „Wir hö-hö-ören dich.“ Einige von ihnen trudelten zu Boden und versteckten sich im Gras.
„Vor lauter Angst können sie sich nicht mehr an den Zweigen halten“, freute sich der kleine Ritter. Zufrieden sah er sich um. Wen konnte er noch vertreiben?
Da! Das grau-weiße Urweltmonster. Bedrohlich funkelten ihm dessen gelbe Augen entgegen. Gleich würden sie zwei Feuerstrahlen gegen ihn abschießen. Diesen Feind konnte man nur durch eine List besiegen.
„Wau“, bellte der kleine Ritter und ruderte mit dem Schwert durch die Luft. „Wau wau. Ich bin ein Hund! Wauuu!“
Das Urweltmonster sprang auf, fauchte und verschwand – wusch – im Dschungeldickicht.
„Ho! Wir Ritter sind schlau.“ Stolz klopfte sich der Weltenheld auf die Brust. Er hatte erneut gezeigt, was für ein gewaltigmächtiger Ritter doch war.
Der Nebel war dichter geworden. Er machte den Tag dunkel. Oder war es schon die finstere Macht, die das Licht erschreckte?
„So ist es.“ Laut rief der kleine Ritter in den Wald hinein. „Diese Nacht werdet ihr niemals vergessen! Hört ihr?“
„Und du wirst diesen Tag niemals vergessen, wenn du nicht sofort zum Essen kommst! Hörst du?“
Eine helle Stimme dröhnte durch die Nebelwelt. Die Planetenhexe! Der kleine Ritter seufzte.
„Möge die Macht mit euch sein!“, rief er. Dann kämpfte er sich durch das Dickicht des Urwaldes, der nichts anderes als der Garten der Familie Becker war. Auch Heldenmägen konnten nämlich vor Hunger knurren.
„Wo steckst du wieder?“ Die Stimme der Planetenhexe klang ungeduldig.
„Ich komme!“ Der kleine Ritter rannte auf das Tor des Jedischlosses zu, das von der großmächtigen Hexe bewacht wurde, und warf sein Schwert in die Ecke.
Die blickte ihm mit einem Grinsen entgegen. „Na, du kleine Nervensäge, wen hast du heute wieder geärgert“, fragte sie.
Der kleine Ritter, der eigentlich Fabian Becker hieß, grinste und ging an der Hexe vorbei ins Haus, wo es gewaltigmächtig gut nach Spaghettisoße duftete. Das beste Rittermahl auf der Welt.
Morgen, überlegte er, werde ich kein Ritter sein. Nein, als Nervensäge besiege ich noch mehr Feinde, denn vor der fürchten sie sich noch mehr.

© Elke Bräunling

11. November 2017 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Kindergeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der kleine Bär und der erste Nebeltag

Eines Morgens sah der kleine Bär nur noch „grau“

Als der kleine Bär eines Herbstmorgens aus der Bärenhöhle trat, erschrak er. Er rieb sich über die Augen, schaute wieder und sah … nichts. Die Welt war über Nacht grau geworden. Grau und nass und kalt. Und es war so seltsam still. Nur ab und zu knackte es leise und eine Eichel oder ein trockenes Herbstblatt fielen zu Boden.
„Das ist bestimmt nur ein böser Traum“, brummte der kleine Bär.
Er fuhr sich mit den Tatzen über die Augen, doch das Grau war noch immer da. Irgendwie kam es sogar immer näher, so dass der kleine Bär fast keinen Schritt weiter sehen konnte.
„Haben wir einen Grautag heute?“
Der kleine Bär spähte in das fremde Grau hinein, tapste noch einen Schritt und noch einen immer weiter dorthin, wo gestern noch die drei mächtigen Eichen ihren Platz gehabt hatten.
„Würde mich nicht wundern, wenn dieses Graudings die Bäume aufgefressen hätte.“
Vor lauter Wundern vergaß der kleine Bär seine Furcht. Er lief weiter dorthin, wo er gestern unter den Eichen gespielt hatte.
Bums! Hart knallte er auf einmal mit dem Kopf an den Stamm der mittleren Eiche.
„Aua!“ Der kleine Bär rieb sich die schmerzende Stirn. „Das hat weh getan.“
Fast vorwurfsvoll klopfte er mit der Tatze an den Baumstamm. „Das ist nicht nett von dir. Sag, warum versteckst du dich vor mir, du Baum, du?“
Die Eiche schwieg. Nur ganz sacht raschelten ihre Blätter, die der Herbst, dieser unsichtbare Geist, in den letzten Wochen erst gelb und dann braun gefärbt und dann getrocknet hat.
Leise sirrten sie: „Das ist Nebel-Nebel-bel-bel-bellll …“
Der kleine Bär dachte nach.
Ob der Herbst, dieser fremde Kerl, dieses Grauzeugs geschickt hatte so wie er auch die Blätter bunt bemalt hatte? Seltsam.
„Ich glaube“, murmelte er, „ich muss noch viel lernen. Morgen. Heute fühle ich mich – irgendwie – etwas grau.“
Und vorsichtig tastete er sich zurück zur Höhle und kuschelte sich in seine Schlafecke.

© Elke Bräunling

Die lange Fassung dieser Geschichte findest du hier: Der kleine Bär und der graue Traum

10. November 2017 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der Stein der schönen Träume

Einmal hatte die Traumfee den Stein der schönen Träume verloren

Irgendwo auf der Mondlichtwiese hatte die Traumfee eines Nachts den funkelblauen Stein der schönen Träume, den sie an einer Kette bei sich trug, verloren.
„Nun haben die Kinder keine schönen Träume mehr”, klagte die Fee.
„Du musst den Traumstein wieder finden”, sagte der Sandmann. „Ich helfe dir beim Suchen.
Die Traumfee schluchzte. „Nur ein Erdenkind, das böse Träume nicht fürchtet, kann mir den Weg zu meinem Traumstein zeigen. Nie werde ich ein so mutiges Kind finden.”
Der Sandmann machte ein bedenkliches Gesicht. „Wir werden ein mutiges Kind finden“, versprach er. „Wir müssen es versuchen.“
Dann machte er sich auf den Weg zur Erde.
„Wo”, überlegte er laut, „finde ich ein mutiges Kind?”
„Hier!” Ein kleines Mädchen lachte den Sandmann von seinem Zimmerfenster aus an.
„Du solltest längst schlafen”, brummte der Sandmann.
„Geht nicht”, sagte das Mädchen. „Ich muss auf das Monster mit den fünf Köpfen warten. Mein großer Bruder hat nämlich von ihm geträumt und fürchtet sich nun so sehr, dass er nicht einschlafen mag. Deshalb will ich diesem Blödmonster sagen, dass wir keine Angst vor ihm haben. Es soll nicht mehr im Traum bei uns spuken.“
„So, so”, staunte der Sandmann. „Hast du auch von bösen Geistern geträumt?“
Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe von der Traumfee geträumt”, antwortete es. „Sie ist über eine silberne Wiese gelaufen. Gelacht hat sie und getanzt. Dann hat sie sich über die große graue Blume gebeugt. Dabei ist ihre Kette mit dem blauen Funkelstein ins Gras gefallen. Und nun ist die Traumfee traurig.”
„Das hast du geträumt?”, fragte der Sandmann aufgeregt. „Sag, weißt du auch noch, wo diese große graue Blume blüht?”
„Auf der Wiese neben dem Bach, wo die Sternengräser wachsen”, sagte das Mädchen. „Aber jetzt bin ich müde. Sag du dem Fünfkopfgruselmonster, dass ich nicht mehr warten mag. Gute Nacht!”
Und bevor sich der Sandmann bedanken konnte, hatte das kleine Mädchen bereits das Fenster geschlossen und die Vorhänge zugezogen.
Der Sandmann lächelte. Dann machte er sich flugs auf den Weg zur Traumfee. Die würde Augen machen! Und lachen würde sie bestimmt bald auch wieder.

© Elke Bräunling

 

Diese Geschichte findest du in der längeren Fassung hier: Als die Traumfee ihren Traumstein verloren hatte

Diese Geschichte stammt aus dem Buch: Opas Gutenachtgeschichten


Taschenbuch: Opas Gutenachtgeschichten: Betthupferl-Geschichten für Kinder
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09. November 2017 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Märchen, Mutgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Nebelkind

 

Nebelkind

Kindergedicht im Herbst

Ein Nebelkind
legt sich geschwind
auf´s Land tief in der Nacht.
Es hat die Welt,
weil´s ihm gefällt,
ganz unsichtbar gemacht.
Triffst du´s, kann´s sein,
es hüllt dich ein
in Nebelschleiergrau.
So stehst du hier
allein mit dir.
Das Nebelkind ist schlau.
Es ist nicht weit
und schenkt dir Zeit
für einen Märchentraum.
Du träumst dich fort
an fremdem Ort,
du glaubst es selber kaum.
“Komm, geh mit mir!
Ich zeige dir
das Nebelzauberland!”,
raunt es dir zu
und da nimmst du
des Nebelkindes Hand.
So wandert ihr
von da nach hier
durch die Nebelwelt.
Der Tag ist schön,
und ihr könnt gehn,
so weit, wie´s dir gefällt.

© Elke Bräunling

08. November 2017 von Elke
Kategorien: Herbstgeschichten, Kindergedichte | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der Zauber der silbernen Flöte

Ein geheimnisvoller Fremder hilft beim Flöteüben

Es war einer jener Tage, an denen es nicht hell werden wollte. Kalt war es, feucht und nebelig.
„Du musst noch Flöte üben“, sagte die Mutter nach dem Abendessen zu dem Kind.
Ihre Laune war genau so dunkel wie dieser Tag und das Kind nickte. Es hatte keine Lust zum Üben, aber es wusste, dass es heute besser war, dies nicht laut zu sagen. Es ging in sein Zimmer und blätterte in der Flötenschule. Als es schließlich lustlos nach der Blockflöte griff, hörte es plötzlich eine Melodie. Schön klang sie. Zauberzart schön und wie von fern aus einer anderen Welt. Wer spielte da?
Das Kind öffnete das Fenster und lauschte. Da war niemand. Das Flötenspiel aber wurde laut und lauter.
„Toll!“, rief das Kind laut in die Nebelwelt hinaus. „Du spielst toll.“
Eine dürre, hoch gewachsene Gestalt, vom Nebel umflort, bog in die Gasse ein. Sie machte ein paar Schritte vor dem Haus, in dem das Kind wohnte, Halt. Das Flötenspiel verstummte und eine Hand winkte zu dem Kind herauf. Eine Hand, die eine silberne Flöte hielt.
„Spielst du mit mir?“, fragte der Fremde und seine helle Stimme lachte.
Das Kind zögerte. „Ich kann nicht gut spielen“, antwortete es dann. „Ich muss noch üben.“
Der Fremde lachte. „Spiele einfach!“
Er hob die Flöte, die viel zu klein zu sein schien für seine langen, dürren Finger, an seinen Mund und setzte sein Spiel fort.
Das Kind staunte. Die Melodie klang noch schöner, noch glockenheller und reiner.
„Jetzt du! Nein, wir spielen gemeinsam!“, rief der Fremde. „Trau dich!“
Und da versuchte es das Kind. Zaghaft erst, dann immer mutiger und fester blies es ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben und noch mehr Flötentöne und fügte sie zu einer Melodie zusammen, die der des Fremden in nichts nachstand.
Und so spielten die beiden und spielten. Viele wunderreine Melodien hallten durch die Nebelwelt und machten sie ein bisschen heller. Und das war genau das, was dieser Tag brauchte, um als ein guter Tag in Erinnerung zu bleiben.
Schön war das. Wunderfein schön. Nie hätte das Kind gedacht, dass Flöte spielen so viel Vergnügen bereiten konnte.
„Flöte spielen ist toll!“, rief es in die Nacht hinaus. Der Fremde aber war verschwunden. Da waren nur noch eins, zwei, drei Flötentöne, die von sehr weit weg leise als Antwort zurück hallten.
„So schön hast du noch nie gespielt“, sagte die Mutter, die ins Zimmer gekommen war. „Sei weiter so fleißig und übe! Nur wer lernt, erreicht mehr im Leben. Und nun mach das Fenster zu! Es ist kalt.“
Da klappte das Kind den Fensterladen zu. Die silberne Flöte, die auf dem Fensterbrett lag, sah es heute noch nicht.

© Elke Bräunling

 

06. November 2017 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Kindergeschichten, Märchen, Traumgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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