Die Reisen der Julifrau

Ständig auf Achse ist die Julifrau in ihrem Monat

„Es ist mein Los, ständig auf Achse zu sein und das ist auch gut so. Heute Morgen watete ich über den Meeresstrand, jetzt streife ich durch Wiesen und Felder, die Weinberge und Obstgärten werde ich gleich noch besuchen und in den Wäldern nach dem Rechten sehen und den Abend werde ich in den Bergen verbringen. Ein guter Plan für einen guten Tag.“ Die Julifrau nickte zufrieden.
„Hast du dir da nicht ein bisschen zu viel vorgenommen?“, wisperte der Rosenkäfer, dessen grüne Flügel im Sonnenlicht schimmerten. „Du hast doch viele Tage Zeit für deinen Job! Mach eines nach dem anderen!“
Die Julifrau lachte. „Du hast recht, kleiner Käfer, aber ich liebe meine Arbeit so sehr, dass ich alles auf einmal machen möchte.“
„Alles? Auf einmal?“ Der Käfer spreizte die Flügel. „Was ist das überhaupt, dieses ‚Alles‘? Und das gleich auch noch mit diesem ‚Auf einmal‘? Nein, das verstehe ich nicht. Meine Kollegen und ich nämlich, wir, ja, wir machen alles eines nach dem anderen. Stück für Stück für Stück.“
„Genau so ist es richtig“, rief die Julifrau und ihre Stimme klang lauter noch und fröhlicher und voller Energie. „Das mache ich auch. Stück für Stück für Stück wandere ich durch mein Land und das ist auch mein Job.“
„So, so!“, meinte der Rosenkäfer, der sich die Beinchen putzte. „Dann ist es ja gut! Aber meinst du nicht, du verlangst zu viel von dir? Ich meine gehört zu haben, dass dein Monat auch so etwas wie ein Monat der Ruhe und der Pause ist. Die Menschen sagen dies immer und sie lieben deine Zeit, um sich zu erholen … und um im Land herumzureisen.“
Die Julifrau lachte. „Da siehst du es! Sie machen es wie ich.“
„Stimmt!“ Der Rosenkäfer nickte zustimmend und überlegte, ob er auch verreisen sollte. Er kam dann aber zu dem Schluss, dass er ja nicht alles so machen musste wie die Menschen und die Julifrau. Er würde hierbleiben und seine Arbeit machen und am Abend würde er sich ausruhen und die schönen Julinächte genießen.
„Ich hoffe, du wirst Zeit finden, dich um das Wetter zu kümmern“, brummte er daher nur. „Und besonders auf laue Abende und angenehme Nächte. Die liebe ich nämlich und wie mir zu Ohren gekommen ist, mögen die Menschen sie auch über alles gut leiden. Also bitte, streng dich an, gute Frau!“
„Alles wird im rechten Maß geschehen, Sonne, Regen und Sommerspaß, Gewitter und Abkühlung, verlass dich drauf!“, versprach die Julifrau und machte sich auf den Weg in die Berge.
Die Sonne war gerade hinter den Bergen untergegangen, als sie ihr Ziel erreichte. Sie seufzte. „Alles im richtigen Maß!“, murmelte sie. „Wachen und schlafen, arbeiten und ausruhen!“ Dann schlief sie mit einem Lächeln ein.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

11. Juli 2017 von Elke
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Von kleinen und große Welten und von Goldfisch Fritz

Wie der dicke Goldfisch Fritz die Geschwister Lia und Luke verzaubert

„Es ist nicht schlimm, dass wir in diesem Jahr nicht verreisen werden. Ich habe ja meine eigene kleine Welt zu Hause, in die ich abtauchen kann!“, erzählte Opa Baumann seinem Freund Egon im Park.
„Du meinst deine kleine Unterwasserwelt?“, fragte Egon Werners, der mit seinen Enkelkindern, den Zwillingen Lia und Luke, auf dem Weg zum Spielplatz war. „Tauchen kannst du darin aber nicht!“
„Wer weiß?“ Opa Baumann grinste. „Wenn ich es so recht betrachte, kann ich sehr wohl dort untertauchen, nein, abtauchen. Und glaubt mir, diese kleine Welt ist eine ganz besondere. Und spannende.“
„Ehrlich?“ Luke hörte auf, auf seinem Handy herumzuspielen. „Das klingt spannend.“
„Und wie!“, rief Lia. „Ich will diese kleine Welt sehen.“  
„Dann lade ich euch ein, sie kennenzulernen!“, schlug Opa Baumann vor. „Kommt mit zu mir, dann zeige ich sie euch!“
Das musste er nicht zweimal sagen. Wenig später schon betraten sie Opa Baumanns Wohnküche. Gemütlich sah es hier aus und es duftete süß nach Kakao und Streuselkuchen. Der stand auf dem Tisch, als hätte er auf sie gewartet.
„Erwartest du Besuch?“, fragte Egon. 
„Ist der für uns?“, erkundigte sich Luke und sein Magen begann zu knurren, während sich Lia auf das runde Goldfischglas stürzte, das neben dem Tisch auf der Anrichte stand. Ein dicker, schillernd orangefarbener Goldfisch schwamm darin und schien ihnen aus großen, aufmerksamen Augen entgegen zu blicken.
„Oh, wie toll!“, rief sie. „Ist das deine Unterwasserwelt?“
„Pah!“, machte Luke. „Das ist nur ein Fisch. Was für ein Beschiss. Und der Kuchen ist bestimmt auch nicht für uns, denn du wusstest doch gar nicht, dass wir dich heute besuchen kommen, Opa Baumann. Oder?“
Der alte Mann grinste. „Eigentlich kommen in den Ferien fast jeden Tag Kinder, um mit mir in kleine Welten abzutauchen. Und der Kuchen wartet auf sie ebenso wie meine Fische es tun.“ Er deutete auf den Goldfisch. „Und wie Fritz, der sich gerade sehr über euren Besuch freut.“
Er ging zum Tisch und schnitt für jeden ein Stück Kuchen ab. „Lasst es euch schmecken. Reisen in kleine Welten können nämlich hungrig machen. Und dann gehen wir ins Zimmer nebenan zum großen Aquarium.“
„Woran siehst du denn, dass der Fritz sich freut?“, wollte Luke wissen. „Grinst er?“
„Nein, er blubbert, schau doch!“ 
Und tatsächlich, Fritz machte „Blubb“ und kleine Bläschen stiegen an die Wasseroberfläche.
„Das heißt „Willkommen!“, übersetzte Opa Baumann.
„Cool!“ Wie gebannt starren die Geschwister den Goldfisch an. 
„Was für ein lustiger Fisch er ist!“, sagte Lia. „Ich glaube, jetzt lacht er.“
„Nein“, widersprach Luke. „Er will uns etwas erzählen. Sieh doch, wie er uns seine Worte entgegen blubbert. Und ehrlich, fast glaube ich, ihn zu verstehen.“
„Aber das ist doch nur der Fritz“, wunderte sich Opa Baumann. „Den wollte ich euch nicht zeigen. Die kleinen Welten findet ihr im großen Aquarium im Zimmer nebenan. Wollt ihr sie euch nicht ansehen?“
„Doch, aber erstmal muss ich mich noch mit dem Fritz unterhalten!“, sagte Luke. „Er guckt gerade so lieb.“
„Ich auch. Vielleicht erzählt er uns gerade von seinen kleinen Welten.“ Auch Lia war nicht von Goldfisch Fritz in seinem Kugelglas wegzulocken.
Opa Baumann lachte. „So ist das manchmal mit den kleinen und doch so spannenden Welten. Bleiben wir für heute alle bei Fritz! Das große Aquarium freut sich auch morgen noch auf euren Besuch. Oder übermorgen …“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

08. Juli 2017 von Elke
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Das Lied der Sommerelfen

Eine kleine Sommerfantasiereise und das Lied der Sommerelfen

„Bunt ist wieder unsre Welt.
Mit allen Farben, wie’s gefällt,
malen wir die Tage an,
wie es keiner besser kann.
Bunte Zeiten, Elfenlicht.
Farbenfroh wie dies Gedicht.
Ja, so bunt ist unsre Welt,
wie von dieser Zeit bestellt.“

Ein kleines Lied hallt zart durch den Tag. Überall in den Gärten, auf den Wiesen und Feldern, in den Parks und den Wäldern kann man es in diesen Tagen des Sommers hören. Es ist der Gesang der Sommerelfen, und der klingt fröhlich und bunt. Elfenbunt.
Auch du kannst den Elfengesang hören. Selbst in deinem Zimmer.
Er lockt dich und du bekommst eine Riesenlust, die Arbeit, an der du gerade sitzt, für einen Moment ruhen zu lassen und von der bunten Welt der singenden Elfen zu träumen.
Und schon schließt du die Augen.
Und da! Nun singen sie alleine für dich, die kleinen Elfen.
Lausche!
Hörst du ihr Lied?
Pssst!

„Kommt zu uns in unsre Welt,
in der es nun auch dir gefällt.
Wir ziehn dir bunte Farben an,
mit denen man gut träumen kann,
und singen dir das Elfenlied,
das durch deine Träume zieht.
So kunterbunt ist unsre Welt,
wie von diesem Tag bestellt.“

Schön ist es, das bunte Lied der Sommerelfen.
In Gedanken summst auch du nun die kleine Melodie.
Sie stimmt dich fröhlich und du fühlst dich bunt.
Du lächelst und siehst dich im Traum Hand in Hand mit fröhlichen Elfen durch das Wiesengras der bunten Sommerwiesen tanzen.
Ihr singt und tanzt und lacht und habt viel Spaß miteinander.
Und die Gräser und Kräuter und Blumen winken euch mit roten, gelben, grünen, blauen, weißen, rosa- und pinkfarbenen Blütenköpfen eifrig zu.
Sie winken und winken und bald kannst du nur noch schwer zwischen Elfen und Blüten unterscheiden.
Alles ist eins geworden und alles passt zusammen.
Schön sieht das aus.
Bunt. Fröhlich. Unbeschwert. Heiter.
Und genau so fühlst auch du dich nun.
Bunt. Fröhlich. Unbeschwert. Heiter.
Spürst du es?
Tief atmest du ein und aus und genießt das heitere Farbenspiel der Blüten und Elfen.
Bunt. Fröhlich. Unbeschwert. Heiter.
Schön!
„So kunterbunt ist nun die Welt,
wie nun auch für mich bestellt“,

singst auch du nun, als du die Augen wieder öffnest und in deinen Tag zurückkehrst.
Nichts hat sich verändert in deinem Zimmer, und doch ist alles anders nun.
Bunter nämlich und fröhlicher und unbeschwerter.
Du lächelst und machst dich wieder an die Arbeit.
Von weitem hörst du sie noch immer singen und lachen, die kleinen bunten Elfen des Sommers, und das ist gut so.

© Elke Bräunling

06. Juli 2017 von Elke
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Pfau Arthur, Friedrich, der Hahn, und die Schiffschaukel

Eine lustige Sommergeschichte von einem Nachmittag auf dem Bauernhof

Leckeren Pflaumenkuchen gab es am Sonntag. Mit süßer Sahne. Die ganze Familie saß auf der Terrasse und alles hätte wunderbar sein können, wenn da nicht plötzlich ein markerschütternder Schrei die fröhliche Runde erschreckt hätte.
Opa sprang auf. „Dieses Mal erwische ich den Übeltäter!“, rief er und rannte um die Ecke zum Schuppen hinüber.
Alle anderen sprangen ebenfalls auf und folgten Opa. Hinter dem Schuppen befand sich das Gehege für das Federvieh und der Schrei konnte nur von Arthur kommen. Der spazierte aufgeregt im Gehege herum und seine Kumpels, die Hühner gackerten.
Wer Arthur war? Ein Pfau, der bei Opa Asyl gefunden hatte und der die Ruhe im Hühnerhof gerne mal störte. Wo aber steckte Friedrich, der Hahn?
„Arthur? Was hast du mit Friedrich angestellt?“, rief Opa und die kleine Anna fing an zu weinen. Friedrich war nämlich ihr allerliebstes Tier und auch ihr bester Freund.
„Ist Friedrich tot?“, schluchzte sie. „Hat Arthur dem Friedrich weh getan?“
„Beruhige dich. Ich glaube, der Übeltäter ist nicht Arthur, sondern Friedrich. Wo hat er sich nur wieder versteckt, dieser Feigling.“ Opa hatte schon einige Male beobachtet, wie der Friedrich dem Pfau eine Feder auszupfen wollte.
„Warum ist Friedrich gemein zu Arthur?“, fragte Anna.
„Weil er ein Halunke ist“, antwortete Opa mit Empörung in der Stimme.
„Ach was“, sagte Oma. „Er ist eifersüchtig, der dumme, alte Kerl.“
„Ja, ja, die Männer!“, sagte Mama mit einem Seitenblick auf Papa, der gerade über das Tor zum Hühnerhof stieg und auf den Hühnerstall zuging. Er bückte sich, schaute kurz hinein und dann lachte er. Er konnte sich gar nicht mehr beruhigen.
„Das müsste ihr euch anschauen!“, rief er und hielt sich den Bauch vor Lachen.
In der hintersten Ecke des kleinen Stalls saß Friedrich. Er war kaum zu sehen, weil drei Hennen sich schützend vor ihn gestellt hatten.
„Dieser Feigling lässt sich von den Frauen beschützen!“, rief Oma und versuchte die Hennen zu verjagen. „Weg, weg, weg mit euch!“
Da war sie aber bei Anna an der falschen Adresse. „Lasst Friedrich in Ruhe!“, rief sie empört. „Er ist nur müde von gestern. Wir haben Schiffschaukel gespielt, der Friedrich und ich.“
Sie deutete zur Schaukel am Nussbaum hinüber. „Das hat großen Spaß gemacht! Auch Friedrich war glücklich. Er hat auf meinem Schoß gesessen und wir sind ganz hoch in den Baum hinauf geschaukelt. Nein, bis zum Himmel fast. Dann ist Friedrich sogar ein kurzes Stück geflogen. Sehr glücklich war er, das weiß ich. Auch den Hennen hat es Spaß gemacht. Sie haben uns zugesehen und laut gegackert. Oh! Da war vielleicht etwas los!“ Anna lachte, dann zeigte sie mit spitzem Finger zu Pfau Arthur hinüber. „Nur Arthur war sauer. Und wie!“
Da mussten alle nun aber lachen. Was für Ideen Anna immer hatte!
Nur Pfau Arthur war beleidigt. Er schlug ein Rad und stolzierte davon. Er konnte nicht verstehen, warum das kleine Mädchen diesen blöden Hahn ihm vorzog, wo er doch so ein prächtiges Federkleid hatte und überhaupt das schönste Wesen unter der Sonne war! Oder etwa nicht?

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl 2016

05. Juli 2017 von Elke
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Kartoffelpuffer bei Großtante Regine

Als Mama und Papa einmal keine Lust zum Kochen hatten

„Heute habe ich keine Lust zum Kochen“, verkündete Mama eines Samstagmorgens.
„Ich auch nicht“, sagte Papa schnell. Eigentlich kochte er ja gerne, aber heute fühlte er sich etwas faul. „Lass uns essen gehen!“
„Au ja“, rief Anton. „Gehen wir Hamburger essen?“
„Oder Pizza?“, fragte Annabell.
„Oder …“, überlegte der kleine Aaron, doch er kam nicht weiter, denn Mama zerstörte gleich mal alle Hoffnungen mit einem „Dazu haben wir kein Geld“. Sie sagte das oft in letzter Zeit. Es nervte.
„Dann gehen wir zu Großtante Regine“, sagte der kleine Aaron schnell. Er liebte Tante Regine, denn die konnte leckeren Milchreis kochen, den mochte er so gerne.
„Wir können Regine nicht ständig auf den Wecker gehen und schon gar nicht, um bei ihr zu essen“, sagte Mama bekümmert, auch wenn sie selbst gern hingegangen wäre.
„Sie backt heute aber Kartoffelpuffer, hat sie gesagt. Mit Apfelmus.“ Aaron wollte nicht so schnell aufgeben. Außerdem hatte er großen Appetit auf genau dieses Essen.
„Kartoffelpuffer?“ Papas Augen glänzten.
„Okay, ich gebe mich geschlagen, aber wir bringen ihr einen Strauß Dahlien mit, die blühen gerade so schön.“ Mama mochte auch gern Kartoffelpuffer essen.
Und ehe sie es sich anders überlegen konnten, waren sie auch schon auf dem Weg zur Großtante. Die freute sich riesig, als sie vor der Tür standen.
„Wie gut, dass ihr kommt“, begrüßte sie sie. „Ich wollte euch gerade anrufen. Ihr müsst mir helfen!“
„Helfen? Aber selbstverständlich“, sagte Mama, und Papa bestätigte:
„Dir immer.“
Großtante Regina strahlte. „Das ist fein. Es ist nämlich so: Ich habe mich ein wenig vertan und nun muss ich in einer Stunde Kartoffelpuffer für zwölf Kinder gebacken haben. Das habe ich der kleinen Marie von nebenan versprochen. Sie hat Geburtstag und hat all ihre Kindergartenfreunde eingeladen. Ihre Mama ist ganz verzweifelt, wo sie doch so viel Stress hat mit ihrem Job und den Zwillingen und…“
Die Großtante redete und redete. Sie redete noch, als Mama und Papa längst in der Küche standen und Kartoffeln schälten und rieben und vermengten und .. und dann buken sie gemeinsam die leckersten Kartoffelpuffer auf der Welt. Für achtzehn hungrige Mägen. So war das manchmal mit Großtante Regine.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

03. Juli 2017 von Elke
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Sei kein Esel, Sommer!

Eine Spaßgeschichte zum Sommerwetter und den Schäfchenwolken

ein runder tag

„Sei kein Esel, Sommer!“, sagte eines Tages ein Mensch. „Komm wieder zurück und sei das, was du bist: Sommer nämlich! Wir haben so lange auf dich gewartet. Wir haben dich herbeigesehnt, haben von dir geträumt, haben Pläne gemacht mit dir. Und was tust du? Kurz zugezwinkert hast du uns und bist weiter gezogen auf die andere Seite des kleinen Meeres. Dort, weit im Norden, beherrschst du seit vielen Wochen mit hitziger Macht die Länder. Uns aber lässt du im Regen stehen. Hey, Sommer! Das ist nicht fair. Sei kein Esel! Komm zurück!“
Laut rief der Mensch. Doch der Sommer schwieg. Er streckte nur für einen Tag seinen Kopf unter die Wolkendecke und lauschte. Dann gähnte er und beschloss, im Norden zu bleiben.
Andere aber erhoben ihre Stimmen. Es waren die Esel.
„‚Sei kein Esel, Sommer‘? Mit Verlaub!“, empörten sie sich. „Wir sind nicht auf der Welt, um als Schimpfworte zu dienen. Also bitte, mit diesem Sommer möchten wir nicht in einem Atemzug genannt werden. Tss! Tss! Immer müssen wir armen Esel herhalten, wenn euch Menschen etwas nicht passt. Es ist … Es ist …“
Den Eseln fehlten die Worte und die anderen Tiere kicherten.
Besonders laut kicherten die Schafe.
„Nun ja, irgendwie eigenartig seid ihr Esel schon“, meinte eines.
Da geriet es bei den Eseln aber an die falsche Adresse. Sie stimmten in ein lautes Schimpfen und Wehklagen ein und das nervte die Schafe so sehr, dass sie einen Hüpfer machten und zum Himmel hinauf sprangen. Dort verwandelten sie sich in Wolkenschafe und zogen nach Norden, dem Sommer hinterher.
Toll sah das aus! Die anderen Tiere waren begeistert und sie folgten den Schafen. Mit einem Himmelssprung verwandelten sich Kühe und Pferde und Hühner und Schweine und Katzen und Mäuse und Eulen und Spatzen in Wolkentiere. Es waren noch viele Tiere mehr, auch Bären waren darunter, Frösche, Biber, Rehe, Gänse, drei Lamas, zwei Giraffen, ein Krokodil und ein Dromedar. Dicht drängten sie sich am Himmel und es blieb nun noch weniger Platz für die Sonne. Und so nannte man diesen Sommer in späteren Jahren den Sommer der Wolkentiere.
Nur die Esel, die blieben. Sie waren nicht den andern Tieren gefolgt und das war auch gut so. Es musste schließlich jemand unten im Land bleiben, um über den Sommer, die Menschen, die Tiere … die Welt … zu schimpfen.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in dem neuen Buch: Omas Geschichten durchs Jahr

Taschenbuch:Omas Geschichten durchs Jahr: Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Geschichten für Kinder Ebook: Omas Geschichten durchs Jahr: Frühling, Sommer, Herbst und Winter- Jahreszeitengeschichten für Kinder Information

Auch hier wird übers Wetter geschmunzelt: Das Sauwetter
Und hier werden ein paar Tränchen verdrückt: Der kleine Sonnenstrahl und das traurige nasse Blatt
Der Sommer aber wehrt sich. Er will nicht immer perfekt sein. Er kann es auch nicht. Ein ‚perfekter‘ (?) Sommer

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01. Juli 2017 von Elke
Kategorien: Kindergeschichten, Sommergeschichten, Spaßgeschichten, Wettergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Die Regenfrau

Die Regenfrau

Hörst du sie? Komm her und schau!
Da draußen steht die Regenfrau.
Den Hut trägt tief sie im Gesicht.
Die nasse Nase siehst du nicht.

Um ihren großen roten Mund
rankt sich ein Grinsen, frech und rund.
Die Haare sind gelockt und grau,
ihr Regenumhang, der strahlt blau.

Mit Perlchen ist er bunt geschmückt.
Sie glitzern hell. Du blickst verzückt
und schaust gebannt hinaus zu ihr.
Da, siehst du es? Jetzt winkt sie dir!

Du folgst ihr und verlässt das Haus,
trittst in die Regenwelt hinaus.
Und weil sie dir entgegen lacht,
spürst du, wie sie dich fröhlich macht.

Du hüpfst in eine Pfütze. Platsch!
Malst ein Gesicht dick in den Matsch!
Du winkst den Wolken zu und sagst,
wie sehr du Regen nun doch magst.

Das Regnen, das dich erst gestört,
hat dabei längst schon aufgehört.
Du glaubst es nicht? Komm her und schau!
Sie spielt mit dir, die Regenfrau…

© Elke Bräunling

30. Juni 2017 von Elke
Kategorien: Kindergedichte, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Die kleine Waldmaus und das Sommerloch

Die kleine Waldmaus wundert sich

„Also ich weiß nicht“, sagte die kleine Waldmaus eines späten Sommertages zu ihrem Freund, dem kleinen Igel, „ich weiß wirklich nicht, was die Menschen mit diesem Sommerloch meinen. Immer wieder höre ich sie darüber sprechen, wenn sie auf ihren Wandertouren an mir vorbeikommen. Auch jene Ruhesuchenden, die auf der Waldwiese Rast machen, haben jenes seltsame Loch immer wieder einmal erwähnt. Aber ich kann es hier nicht finden.“
„Ein Sommerloch?“ Der kleine Igel blickte auf. „Was ist das? Noch nie habe ich davon gehört.“
„Du hörst ja auch nie zu, wenn die Menschen etwas sagen“, sagte die Maus.
„Sollte ich das denn?“ Der Igel begriff nicht. „Was könnte wichtig sein, das die Menschen wissen könnten und ich nicht? Waren wir uns nicht einig, dass die meisten Zweibeiner nur glauben, viel zu können und zu wissen. In Wirklichkeit sieht das aber doch ganz anders aus, oder?“
Die kleine Waldmaus grinste. „Du hast recht. Menschen sind selten gescheit. Zumindest, was unser Leben im Wald angeht. Da wissen sie nichts und meinen doch, so viel klüger zu sein als wir Tiere. Ha! Das rührt zum Lachen.“
„Eben.“ Der Igel nickte. „Und was ist nun ein Sommerloch?“
„Wenn ich das wüsste.“ Die Maus seufzte. „Mir scheint, dies ist nun mal doch ein Ding, über das nur Menschen etwas sagen können, wenn sie denn etwas sagen und darüber nicht nur klagen.“
„Was nun? Sie klagen über dieses Loch?“
„Laut und deutlich. Es muss ein ganz ärgerliches Ding sein.“
Der Igel lachte. „Ach, dann meinen sie bestimmt das Wetter. Wenn nicht immer die Sonne scheint, sind sie sauer, die Menschen, und klagen dem vermeintlich Versäumten hinterher.“
„Ein Loch ist also ein ‚vermeintlich Versäumtes‘?“ Die Maus staunte.
„Ein Loch ist ein Loch und nicht immer von Vorteil.“
„Ha!“, rief da die Maus. „Was glaubst du, wie oft mich ein Loch schon gerettet hat. Ein Erdloch. Nein, viele davon. Es gibt nichts Besseres, als sich in einem Loch vor dem Feind zu verstecken.“
„Aha!“ Der Igel überlegte. „Ob die Menschen vielleicht im Sommer ein Loch suchen, in dem sie sich verstecken können?“
„Wovor?“, fragte die Maus.
„Das ist es wohl, was sie selbst nicht zu wissen scheinen. Deshalb reden sie ja ständig davon und passen auf unterwegs, ob sie es nicht doch unterwegs finden.“
„Aufpassen? Wovor?“
Der Igel kicherte. „Vor einem Loch. Und wenn du noch einen Schritt weiter gehst, fällst auch du in eines hinein.“
„Was? Oh!“ Die kleine Maus sprang zur Seite. Fast hätte sie das Loch, das zu den Wasserwegen unter der Erde führte, übersehen. Nicht auszudenken, wenn sie dort hinein gefallen wäre.

© Elke Bräunling

27. Juni 2017 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Gutenachtgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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