Der kleine Sternenengel und die Hoffnung

Zeigt denen nicht Eure Angst!

Lasst uns nicht die Hoffnung verlieren!
Lassen wir uns nicht die Worte grau bemalen!
Die hellen, bunten sind’s, die zĂ€hlen.
Nur die.
Und die Liebe
💕

 

Der kleine Sternenengel und die Hoffnung
Die Hoffnung, sie ist immer da. Das erfÀhrt auch der kleinen Sternenengel

Es war einmal ein kleiner Engel, der hatte viele kleine Sternchen auf seinem Gewand. Es waren so viele, dass keiner sie zu zĂ€hlen vermochte. An manchen Tagen leuchteten und blinkten sie alle zusammen um die Wette, dann nĂ€mlich, wenn der kleine Sternenengel glĂŒcklich war. Manchmal funkelten weniger Sterne auf seinem Kleid. Dann war der kleine Engel nicht ganz so froh. Es gab auch Tage, da sah man keinen einzigen Stern auf seinem Gewand. Das waren die Tage, an denen der kleine Engel traurig war. Auch einem Engel konnte dies nĂ€mlich passieren. Das war schlimm, denn wenn der kleine Sternenengel traurig war, musste er weinen, und wenn er weinte, purzelten die Lichtgeister, die fĂŒr das Sternenfunkeln verantwortlich waren, wie TrĂ€nenbĂ€che aus seinem Gewand. Leider passierte dies oft, denn der kleine Sternenengel war oft traurig.
„Du darfst nicht so viel weinen!”, sagten seine GefĂ€hrten.
„Aber ich bin so oft traurig!”, klagte der kleine Engel.
Das konnten die anderen Sternenengel nicht verstehen. „Warum bist du so oft traurig?”, fragten sie. „Am Himmel im Dunkeln zu funkeln macht doch Freude!“
Der kleine Sternenengel schĂŒttelte den Kopf. „Wie kann ich mich freuen, wenn ich auf die Erde sehe?”, fragte er. „So viel Not herrscht dort und so viel Elend. Wie kann ich da fröhlich funkeln?“
„Das Erdenelend macht dich traurig?”, fragte einer der Engel.
„Was geht es uns an?”, meinte ein anderer.
„Die Erde ist so weit weg!“
„Unser Job ist das Leuchten!“
Die Engel waren sich einig.
„Licht soll Hoffnung bringen“, murmelte der kleine Engel, doch es hörte ihm keiner mehr zu. Und wĂ€hrend seine GefĂ€hrten miteinander um die Wette funkelten, spĂ€hte er wieder auf die Erde hinab. Sogleich fiel sein Blick dorthin, wo Not herrschte: Er sah einen Mann und eine Frau. Sie schienen arm zu sein. Die Frau erwartete ein Kind. MĂŒde schleppten sie sich durch die Straßen einer Stadt, aber da war niemand, der sie aufnahm. An allen TĂŒren wurden sie abgewiesen. Als sie sich in einem dunklen Stall zum Schlaf legten, zerbrach dem kleinen Engel fast das Herz vor Kummer. Zu gerne hĂ€tte er ihnen geholfen.
„Licht soll Hoffnung bringen“, murmelte er nochmals betrĂŒbt. „Ach, was kann ich bloß tun?“
Schon tropften die TrĂ€nen ĂŒber seine Backen, und aus seinem Gewand purzelte ein Lichtgeist nach dem anderen, bis der kleine Engel kein einziges Sternchen mehr zum Funkeln ĂŒbrig hatte. Da musste er noch mehr weinen. Wie gerne wĂ€re ich jetzt in dem Stall bei diesen ungeliebten, armen Leuten, dachte er und schloss die Augen.
Auf einmal wurde es warm um ihn. Der kleine Engel blinzelte. Was war das? Verwundert sah er sich um. Helles Licht strahlte ihm entgegen, und von irgendwoher sang es.
„Was ist geschehen?”, murmelte er. „Wo bin ich?“
Er hörte ein leises Weinen. Da sah er das Kind. Es lag in einer Krippe. In einem Stall.
Das ist doch der alte Stall! dachte der kleine Engel und freute sich. Wie hell es hier war! Und der Mann und die Frau! Wie glĂŒcklich sie sich ĂŒber die Krippe beugten und dem Kind zulĂ€chelten!
Der kleine Sternenengel fĂŒhlte, wie alles in ihm lachte.
„Die Hoffnung“, jubelte er. „Sie ist da!“
Und er spĂŒrte, wie das Licht zu ihm zurĂŒckkehrte und wie die Sternchen auf seinem Gewand zu funkeln begannen. Der kleine Sternenengel war glĂŒcklich. Er warf einen liebevollen Blick auf das Kind, die Frau und den Mann und flĂŒsterte:
„Danke.“ Dann schwebte er funkelglitzerhell und hoffnungsfroh zum Himmel hinauf.
In dieser wundersamen Nacht strahlten die Sternchen auf dem Gewand des kleinen Engels heller als alle anderen Sterne am Himmel. Der kleine Engel war sehr froh, und er nahm sich vor, nie wieder die Hoffnung zu verlieren.
Er konnte aber nicht aus seiner Haut herausschlĂŒpfen. Immer wieder entdeckte er Dinge, die nicht schön anzusehen waren und die ihn so traurig machten, dass er trotz aller VorsĂ€tze weinen musste. Wie sollte er froh sein, wenn Menschen miteinander stritten, wenn sie böse zueinander waren und Kriege fĂŒhrten? Wenn sie hungerten, Not litten, einsam waren, Freunde oder ihre Heimat verloren? Ein Grund zum Traurigsein fand sich immer, und so landete der kleine Engel immer wieder weinend und frierend auf der Erde, weil er seine Lichtgeister verloren hatte. Aber wie durch ein Wunder fand er auch immer wieder ein StĂŒck Hoffnung, und mit ihr kehrten die Lichtgeister auf sein Sternengewand zurĂŒck.
Auch in diesem Jahr hatte der kleine Sternenengel sein Licht verloren. Das war, als er in unserem Land Menschen entdeckt hatte, die eine neue Heimat suchten. Doch sie schienen nicht willkommen zu sein. Der kleine Engel sah Hass und Gewalt, und er hörte viele böse Worte.
„Wo sollen sie denn hin?”, empörte er sich. „Es ist doch genug Platz in diesem reichen Land!“ Und weil er dies nicht begriff, musste er wieder weinen. Er weinte und … landete in einer Stadt mitten in einem hellen, warmen Lichtermeer. Viele Menschen, große und kleine, alte und junge, arme und junge, standen auf den Straßen,und jeder hielt ein kleines Licht in der Hand. Ein Licht gegen Hass und Streit und Gewalt. Es war eine funkelhelle Lichterkette, und auch die Menschengesichter strahlten hell und freundlich.
Der kleine Sternenengel lĂ€chtelte. „Die Hoffnung“, rief er. „Sie ist immer noch da!“
Da kehrten die Lichtgeister zu ihm zurĂŒck, und die Sternchen auf seinem Gewand funkelten. Der kleine Sternenengel blinkerte den Menschen einen Abschiedsgruß zu und kehrte zu seinem Himmelsplatz zurĂŒck. Er war zufrieden. Es gab sie noch immer, die Hoffnung. Und es wĂŒrde sie auch immer geben…

© Elke BrÀunling

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