Der Frühlings(auf)wecker

Viele Auf-„Wecker“ sind an diesem Frühlingsmorgen unterwegs

„Aua! Autsch!“
Erschrocken zuckte Hahn Fridolin zusammen. Was war das? Etwas Hartes, Seltsames hatte ihn getroffen. Ein rotes Ding, das vom Menschenhaus her kam.
So etwas aber auch. Er wollte doch gerade zu seinem zweiten Morgenlied ansetzen und dann … das.
„Kikerikiiii, kikerikautsch … aua … au!“
Ja, genau so hatte sein Lied nun geklungen und im Nachhall seiner Weckmelodie hatte eine Menschenstimme laut und sehr unfreundlich „Halt endlich deine Klappe! Ich habe frei und will ausschlafen“ gebrüllt.
So etwas aber auch! Pah!
„Ausgerechnet heute“, brummte Fridolin. „Wie kann man diesen Morgen verschlafen wollen? Der erste warme Frühlingstag wird es heute sein. Ich spüre es in all meinen Federn.“
Fridolin war empört. Er blickte zum Horizont. Das Morgenlicht nahm den Platz der Nacht ein und die Sonne bemalte den Himmel mit rosaroten und tiefgelben Farben. Sie kündigte einen schönen Tag mit milder Luft und hellem Licht an. Was wollte man mehr nach diesem harten Nebelwinter? Und überhaupt, der Fremdling da neben ihm sollte endlich mal die Klappe halten.
„Halt die Klappe!“, zischte er dem roten Ding, das der Mensch ihm zugeworfen hatte, zu. „Du störst. Überhaupt, wer bist du?“
„Ein Wecker bin ich“, sirrte das Ding mit heller Stimme. „Meine Pflicht habe ich getan und geweckt. Und das ist nun der Dank. Mein Mensch hat mich aus dem Fenster geworfen. Sag, ist das nicht bodenlos?“
Bodenlos? Mit diesem Wort konnte Fridolin wenig anfangen.
„Du liegst auf dem Boden, das stimmt“, sagte er, nachdem er ein bisschen überlegt hatte. „Ein Wecker aber bist du nicht. Der bin nämlich ich!“
Er richtete sich auf, reckte sich, um ein bisschen größer zu sein und sah das sirrende Ding, das ein Wecker sein wollte, strafend an.
„Und im übrigen: Du nervst. Kannst du nicht still sein?“
„Nein, kann ich nicht.“ Die Stimme dieses Möchtegernweckers klang kläglich. „Ich muss meinen Job tun und wecken, wecken, wecken. Hörst du?“
„Ich höre.“ Fridolin musste lachen und wenn Hähne lachten, klang das wie ein heiser lautes Kieksen. Und das war ähnlich laut wie das morgendliche „Kikeriki.“
„Ruhe da draußen!“, rief die Menschenstimme wieder. „Ich brauche keinen Wecker. Heute nicht und auch nicht morgen. Ich habe Urlaub.“
„Urlaub? Was ist das?“ Fridolin sah das Ding, das ein Wecker sein wollte, fragend an.
„Keine Ahnung“, murrte der Wecker. „Ich stelle nur fest, dass wir überflüssig sind.“
„Aber mich erwarten sie“, rief aus dem Storchnest der Storch, der in der Nacht zurückgekommen war. „Über mich freuen sich alle, denn ich bin, so sagt man, der beliebteste Wecker auf der Welt. Weil ich als Frühlingsbote ein Frühlingsaufwecker bin. Alles klar?“
Fridolin und der Menschenwecker sahen sich an. Ja, ja, alles klar. Was sollten sie darauf auch antworten?

© Elke Bräunling

 

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

07. März 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Frühlingsgeschichten, Kindergeschichten, Spaßgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert