Adventskalender *11* Ein verpatzter Adventssonntag

 

11. Kapitel

Ein verpatzter Adventssonntag

Anna freute sich auf das Sonntagsfrühstück. Bestimmt war nun alles wieder wie früher nach diesem gemütlichen Abend mit Mama und Papa. Eine Kerze würde auf dem Tisch stehen und nach dem Frühstück würden sie wie im letzten Jahr zum Förster gehen und Tannenzweige holen. Das würde wieder spaßig werden, wenn sie am Nachmittag den Adventskranz bastelten! Doch als Anna in die Küche kam, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen.
Zwei Adventskränze standen auf dem Tisch: einer mit roten Kerzen und Schleifen, einer mit Tannenzapfen und weißen Kerzen.
Anna war so erschrocken, dass sie gar nichts sagen konnte. Stumm deutete sie auf die beiden Adventskränze.
Mama lächelte. „Du weißt doch“, sagte sie freundlich, „dass ich im Moment so viel Stress im Geschäft habe. Zum Basteln habe ich einfach keine Zeit. Und auch keine Lust. Deshalb habe ich den Kranz für dich gekauft.“ Sie deutete auf den Kranz mit den roten Kerzen. „Der ist doch hübsch, oder?“
„Und ich“, sagte Papa, „habe auch einen Adventskranz für dich. Aus Tannenzapfen. Toll, nicht?“
Und dann kam sie, die Frage, die Anna so sehr fürchtete:
„Na, welcher Kranz gefällt dir denn besser?“
„Meiner?“, fragte Mama.
„Meiner ist schöner, ja?“, schmeichelte Papa.
„Sag, an welchem Kranz sollen wir die erste Kerze anzünden?“
„An meinem?“
“Nein, an meinem natürlich.“
„Anna, warum sagst du nichts?“
„Anna, so gib doch Antwort!“
Anna schwieg. Ein dicker Kloß steckte in ihrem Hals, und eine Träne tropfte über ihre Backe. Schnell wischte sie sie weg.
„Siehst du“, rief Papa, „sie weint. Kein Wunder. Du hast ja wegen deinem blöden Job überhaupt keine Zeit mehr für sie!“
„Und du?“, schimpfte Mama. „Hast du etwa noch Zeit für uns?“
„Man muss schließlich Geld verdienen.“
„Frau auch.“
„Früher war alles viel schöner“, sagte Anna leise.
Die Eltern schwiegen für einen Moment.
„Früher“, fragte Mama dann, „was heißt schon: ‚früher‘?“
Und Papa fügte hinzu: „‚Früher’, glaubt man, war alles viel schöner. Das bildet man sich nur ein.“
„Da habt ihr wenigstens nicht gestritten“, sagte Anna.
„Siehst du?“, rief Mama.
„Warum ich?“, schrie Papa. „Warum immer nur ich?“
Und schon stritten sie wieder.
„Das ist ja nicht zum Aushalten“, rief Papa auf einmal. Er nahm seine Jacke, sagte „Einen schönen Sonntag noch!“ und raste aus der Wohnung.
Mama fing an zu weinen.
Anna ging in ihr Zimmer. Sie hatte keinen Appetit mehr.

© Elke Bräunling

Wie die Geschichte weiter geht, erfährst du morgen am 12. Adventskalendertag im nächsten Kapitel, und zwar hier:

 

 

 

 

 

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Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

11. Dezember 2017 von Elke
Kategorien: Adventskalender, Geschichten für Kinder, Kindergeschichten, Traumgeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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