Adventskalender *18* Ein Bauch mehr wird auch noch satt

 

18. Kapitel

Ein Bauch mehr wird auch noch satt

Als Anna am nächsten Morgen aufwachte, stellte sie fest, dass ihr Traum gar kein Traum gewesen war. Neben ihr im Bett schnarchte Mariele leise vor sich hin. In der Kammer war es eisig kalt. Der Frost hatte die Scheiben des kleinen Fensters mit Eisblumenbildern bemalt. Frederik war schon aufgestanden. Auch Flöckchen lag nicht mehr zu ihren Füßen.
Da gibt es bestimmt irgendwo etwas zu essen. Flöckchen, dieser Vielfraß!, dachte Anna und stand auf.
„Puh, ist das kalt hier.“ Sie schlang sich das Wolltuch über die Schultern und kletterte die Stiege zur Küche hinunter. Dort war es warm. Ein Feuer brannte in der Herdstelle.
Zögernd trat Anna näher. „Guten Morgen.“
„Guten Morgen“, begrüßte sie die Mutter freundlich. „Hier! Deine Kleider. Sie sind wieder trocken.“
„Danke“, sagte Anna leise.
Sie ging zur Waschschüssel und machte Katzenwäsche. Sie schämte sich ein bisschen, weil alle zusahen. Schnell zog sie sich an und setzte sich zu Flöckchen, Frederik und Oma Liese an den Tisch. Dort warteten ein Becher warme Milch, Brot und Honig auf sie.
„Hm, das schmeckt fein“, sagte Anna und schlürfte genüsslich die Milch.
Sonderbar, wo sie warme Milch doch sonst nicht mochte!
„Kann Anna eine Zeitlang bei uns bleiben?“, fragte Frederik. „Das mit ihr ist nämlich eine ganz merkwürdige Geschichte.“
Die Mutter nahm Anna in die Arme. „Bleib nur hier, Kind! Einen hungrigen Bauch mehr bekommen wir auch noch satt, nicht wahr, Oma Liese?“
„Jaja“, murmelte Oma Liese. „Bei so einem harten Winter jagt man keinen Hund vor die Türe.“
„Und keine Anna“, sagte Anna.
An diesem Tag schwänzten Mariele und Frederik die Schule. Der Vater schickte sie wieder zu Meister Albert wegen der neuen Weinkrüge. Anna und Flöckchen begleiteten die beiden. Wie auf dem Kalenderbild trug Anna nun auch ein dunkles Wolltuch und Holzschuhe. Frederik hatte die Holzschuhe mit Stroh ausgestopft. Das war prima. Anna hatte überhaupt keine kalten Füße. Und schlittern, hatte Frederik erklärt, könnte man damit auch gut.
Anna freute sich. Vielleicht würden sie nachher noch auf die Eisbahn gehen.
„Ist Schule schwänzen nicht schlimm?“, fragte sie unterwegs.
„Nein. Wir gehen in die Schule, wenn wir Zeit haben und wenn wir gehen wollen. Isn es zu kalt, bleiben wir daheim. Auch, wenn wir im Wingert arbeiten müssen oder wenn Traubenlese ist oder wenn für Besorgungen machen müssen für unsere Eltern …“
„Und da könnt ihr einfach von der Schule wegbleiben? Cool! Ihr habt es gut. Es ist wirklich schön bei euch. Und streiten tut hier auch keiner!“
Sie wunderte sich, weil Mariele und Frederik laut loslachten.
„Eigentlich gehe ich lieber in die Schule als arbeiten“, sagte Mariele dann leise.
„Und streiten“, meinte Frederik, „tut jeder mal.“

© Elke Bräunling

Wie die Geschichte weiter geht, erfährst du morgen am 19. Adventskalendertag im nächsten Kapitel, und zwar hier:

 

 

 

 

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. Dezember 2017 von Elke
Kategorien: Adventskalender, Geschichten für Kinder, Kindergeschichten, Traumgeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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