Adventskalender *22* Der Zug der Kinder

22. Kapitel

Der Zug der Kinder

„Es gibt hier aber keinen Glasbläser?“, sagte ein Junge.
„Doch“, rief ein anderer Junge aufgeregt. „Im Schlettstadter Wald hinter dem Hahnenberg. Da wohnt Meister Egbert. Er hat eine große Werkstatt. Ich war einmal dort mit meinem Vater.“
„Hinter dem Hahnenberg?“, rief Frederik. „Das ist aber weit.“
„Dort spuken die alten Königsburger“, heulte Mariele auf. „Nein, dorthin gehe ich nicht.“
Die anderen Kinder kicherten, doch sie fühlten sich auch nicht ganz so wohl in ihrer Haut. Es war ein weiter Weg über den Hahnenberg.
„Also, ich“, sagte Frederik mit fester Stimme, „ich gehe.“
„Ich auch“, rief Anna.
„Dann komme ich auch mit“, flüsterte Mariele zaghaft.
„Ich gehe auch.“
„Ich auch, ich auch“, riefen die Kinder.
Dann heckten sie einen Plan aus.
Am nächsten Morgen schlichen Anna, Mariele, Frederik und Flöckchen heimlich aus dem Haus. Es war noch dunkel, als sie ihren Treffpunkt, das alte Kloster, erreichten. Und kalt war es. In der Nacht hatte es geschneit. Auf den Wegen lag tiefer Schnee. Trotzdem waren viele Kinder mit ihren Schlitten gekommen. Das mit den Äpfeln hatte sich herumgesprochen und so war es ein langer Kinderzug, der sich auf den Weg zu Meister Egbert machte.
Es war mühsam, durch den Neuschnee zu stapfen, doch als es hell wurde, hatten sie das Dorf Kestenholz am Waldrand erreicht. Nun lag der hohe Hahnenberg vor ihnen. Er sah gar nicht so unheimlich aus mit seiner Schneehaube. Trotzdem murmelte Mariele immer wieder „Ich habe keine Angst“ vor sich hin.
„Geister schlafen am Tag“, beruhigte Frederik sie. „Außerdem verjagt Flöckchen alle Spukgeister.“
„Warum wohnt Meister Egbert so weit weg im Wald?“, fragte Anna, während sie den steilen Pfad bergaufwärts stiegen.
„Wegen dem Holz. Das braucht er für seinen Ofen.“
„Ja, das ist praktisch. Davon hat er ja hier im Wald genug.“
„Wenn’s nur nicht am Hahnenberg wäre!“, seufzte Mariele.
Dann schwiegen sie. Es war anstrengend, bergan durch den tiefen Schnee zu stapfen. Die Kinder schwitzten trotz der Kälte. Ihre Gesichter brannten und ihre Nasen und Ohren wurden rot und röter. Und der Weg schien kein Ende zu nehmen.
Warum habe ich mich bloß auf diesen Plan eingelassen?, dachte Anna und hätte am liebsten vor Erschöpfung geweint.
Den anderen Kindern schien es nicht anders zu gehen. Doch es beklagte sich keiner. Sie dachten an die Äpfel und liefen und liefen und liefen…
Da knackte es plötzlich im Geäst. Unheimlich hallte es durch den stillen Winterwald.
„Ihh, der Königsburger“, schrie Mariele. „Flöckchen, hilf!“
Es knackte wieder und klang schon viel näher. Die Kinder erstarrten. Ängstlich blickten sie nach allen Seiten. Oh, wären sie doch nicht…! Und der Geist kam näher und näher. Es raschelte und knisterte und … Dann war es über ihnen.
Die Kinder duckten sich. Flöckchen aber bellte. Zögernd blickte Anna hoch. Das war doch? Nein!
Anna fing an zu lachen. “Ein Eichhörnchen“, japste sie. „Hihi. Ein Eichhörnchen.“
Da mussten alle lachen, und erleichtert setzten sie ihren Weg fort. Dann endlich hatten sie die Bergspitze erreicht. Jetzt war es nicht mehr weit hinab ins Tal zu Meister Egbert.

© Elke Bräunling

Wie die Geschichte weiter geht, erfährst du morgen am 23. Adventskalendertag im nächsten Kapitel, und zwar hier:

 

 

 

 

 

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

22. Dezember 2017 von Elke
Kategorien: Adventskalender, Geschichten für Kinder, Kindergeschichten, Traumgeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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