Jule und der Faschingsgeist

Fröhliche Fastnachtsgeschichte für Kinder – Vor „gruseligen“ Faschingsgeistern muss sich keiner fürchten

Eine bärengute Faschingslaune hatte Jule heute. Als Ritter verkleidet sauste sie mit ihrer Faschingstrompete durch die Straßen des ruhigen Wohnviertels und veranstaltete einen Höllenlärm.
Tröööt! Tröööt! Tröööööööt!
Einige Nachbarn lächelten, andere warfen Jule böse Blicke hinterher.
„Ruuuhe!“, beschwerte sich Frau Nagel, diese Launeverderberin. „Ich wünsche Ruhe!“
„Geht nicht!“, rief Jule. „Ich feiere Fasching. Da darf jeder Lärm machen.“ Und sie trompetete noch lauter als zuvor.
Auf einmal stand eine seltsame Gestalt vor ihr. Sie war verhüllt in weiße Laken und hatte das bleiche Gesicht zu einer schaurigen Grimasse verzerrt.
Ein Geist? Hoho! Jule war viel zu gut gelaunt, um sich zu fürchten.
„Bist du ein Faschingsgeist?“, fragte sie. „Blöd siehst du aus.“
„Ich bin der schrecklichste Gruselgeist der Welt“, heulte der Geist. „Und ich werde dich nun zu Tode erschrecken. Huhuuu!“
Jule kicherte. „Es gibt keine Geister, sagt Papa.“
„Oooh!“, fistelte der Geist. „Auch Väter können sich irren. Sieh mich an! Alle Kinder fürchten sich vor mir.“
„Ich nicht.“ Jule blies so laut in ihre Trompete, dass es in des Geistes Ohren dröhnte.
„Ich kann mich in einen Ritter ohne Kopf verwandeln“, drohte der Geist und stand sogleich als Ritter vor Jule. Er nahm den Kopf vom Hals und warf ihn wie einen Ball in die Luft.
„Ich bin auch ein Ritter“, antwortete Jule und fing den Ritterkopfball auf. „Spielen wir Ball?“
„Grrr!“, grollte der Fremde. „Gib mir meinen Kopf zurück, aber dalli!“
„Schade. Ball spielen macht Spaß.“ Jule war enttäuscht.
Der Faschingsgeist aber hatte sich längst in ein riesiges Drachenmonster verwandelt.
„Vor einem Drachen wirst du dich fürchten“, fauchte er. „Tausend Meter weit speie ich meine Feuerstöße aus. Huachhhh!“
„Einen Drachen habe ich schon“, meinte Jule. „Der fliegt weit im Wind. Kannst du auch fliegen?“
„Oha, oha!“ Der Geist schien sich zu ärgern. Er schrumpfte zusammen und stand als altes Weiblein mit Hakennase, Buckel und Zauberstab vor Jule.
„Aber eine gemeine Gifthexe“, krächzte er, „wird dich das Fürchten lehren. Ich könnte dich in eine Maus verwandeln oder in einen kleinen Käfer, den ich mit den Fingern – Ssssst! – zerdrücke. Hä!”
„Hexen sammeln Kräuter und helfen kranken Menschen“, sagte Jule unbeeindruckt.
Die Hexe schüttelte ihren hässlichen Kopf. „Nicht alle Hexen sind gut.“
„Mein Papa hat gesagt…“
„Dein Papa, dein Papa…“
Der Faschingsgeist war nun sehr aufgeregt. „Ich werde dich heute noch erschrecken. Als Riesensaurier nämlich. Auffressen wird er dich.“
„Saurier fressen Blätter“, erklärt Jule dem Geist, der sich gerade in einem Riesensaurier verwandeln wollte. „Außerdem sind die ausgestorben.“
„Hat das auch dein Papa gesagt?“, brüllte der Geist.
„Das haben wir in der Schule gelernt“, sagte Jule und blies wieder in ihre Trompete. Immer lauter trompetete sie, und der Geist begann, schaurig laut zu schreien.
Da musste Jule lachen.
„Wenn du so laut schreist, bist du nachher heiser, und dann macht dir der Faschingsumzug bestimmt keinen Spaß. Also, bis später!“, sagte sie und lief laut trompetend davon.
Es war nämlich Zeit. Der Faschingsumzug würde gleich beginnen.

© Elke Bräunling


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Ein Faschingsgeist?, Bildquelle © Boenz/pixabay