Die kleine Waldmaus und das süße Beerenglück*

Beerensuche mit der kleinen Waldmaus im sommerlichen Wald

„Sommerzeit ist Beerenzeit und nun ist es wieder so weit“, sagte Opa Maus. „Halte unterwegs deine Augen nach süßen Waldbeeren offen, kleine Maus!“
Beeren? Nichts lieber als das. Die kleine Waldmaus liebte Beeren über alles. Leckeres Beerensüß und würziges Blütensüß gab es im Wald nicht immer zu naschen.
„Vielleicht schmeckt das Süß nur deshalb so köstlich, weil man es nicht jeden Tag haben kann?“, überlegte sie, als sie an diesem sonnigen Tag unterwegs auf der Suche nach Nahrung war. Oh, wie groß war ihre Lust auf eine oder zwei oder auch drei süße Walderdbeeren.
„Halte Ausschau nach sonnigen, windstillen Wiesenplätzen“, hatte Opa Maus geraten. „Mit etwas Glück findest du sie dort.“
Glück? Ja, das wünschte sich die kleine Maus nun, während sie unter schattigen Waldkräutern hindurch zur Waldwiese huschte. Dort war die Sonne den ganzen Tag unterwegs, aber es gab auch abgelegene, windstille Plätzchen.
Die Strahlen der Sonne brannten heiß auf der Wiese und die kleine Maus musste sich bald unter einem Kräuterbüschel ausruhen. Sonnenstrahlen waren keine Freunde der Nachttiere und eigentlich hätte die kleine Waldmaus erst am Abend auf Beerensuche gehen dürfen. Aber ehrlich, wie sollte sie das leuchtende Rot der Walderdbeeren und Himbeeren im Dunkel des Abends so schnell entdecken? Da galt es, nur der Nase zu folgen. Die aber konnte nicht rot sehen und die kleine Maus wollte auch nicht warten. Jetzt wollte sie das Beerensüß naschen. Nicht später und nicht am Abend und schon gar nicht in der Nacht. Wenn es nur nicht so heiß auf der sommersonnigen Wiese wäre!
Die kleine Waldmaus dachte nach.
„Ob ich nicht besser die Schatten des Abends abwarten soll?“, fragte sie und weil sie für einen Moment vergaß, vorsichtig zu sein, sprach sie diese Worte laut aus.
„Warten ist klug. Doch manchmal verpasst man dabei das schnelle Glück“, antwortete eine fröhliche Stimme.
„Und das süße Glück?“, fragte die kleine Waldmaus. „Verpasst man das auch?“
„Es kommt darauf an, welches Glück du suchst.“
„Beerenglück“, rief die kleine Maus. „Süßes, rotes Waldbeerenglück.“
Und weil sie an nichts anderes mehr als an süße, rote Walderdbeeren denken konnte, vergaß sie wieder, vorsichtig zu sein. Dort drüben, bei den gelben Blüten nämlich, meinte sie, ein rotes Beerenrot leuchten zu sehen. Hmm! Ganz trocken war ihr Hals nun und sie konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als gleich und auf der Stelle diese süße Beere zu naschen. Schnell griff sie zu.
„Happs!“ Sie wollte zubeißen, doch da rief eine Stimme laut:
„Halt! Hilfe! Halt ein! Willst du mich aufessen?“
Es war die fröhliche Stimme von vorhin und das rote Ding vor ihr war keine Beere. Nein, es war ein Marienkäfer, der ein Glückskäfer war. Er lag im Kelch der gelben Blüte und sonnte sich. Schon öfter hatte die kleine Waldmaus ihn getroffen.
„Ach, du bist es nur?“ Die kleine Maus war enttäuscht.
Der Glückskäfer kicherte. „Ich vermute, du hast mich gerade mit einer Walderdbeere verwechselt?“
Die kleine Maus nickte und schwieg.
Da hörte der Käfer auf zu kichern. „Sei nicht traurig, kleine Maus“, sagte er. „Aber eine Beere bin ich leider nicht. Sag, was kann ich tun, damit du wieder lachst?“
„Wenn du ein echter Glückskäfer bist, so bringe mir Glück und zeige mir einen Platz mit reifen, roten Walderdbeeren!“, bat die kleine Maus.
„Nichts leichter als das“, antwortete der Glückskäfer. „Ich weiß, wo das süße Glück auf dich wartet. Folge mir!“
Er erhob sich von seinem gelben Blütenbeet, pumpte seine Flügel auf und führte die kleine Waldmaus mit einem lauten Käferbrummsummen ein paar Meter weiter zu einem ruhigen Wiesenplätzchen hinter einem alten Baumstamm. Und was die kleine Waldmaus dort sah, ist eine neue Geschichte. Eine glücklich süße Beerengeschichte.

© Elke Bräunling

Hier geht die Geschichte weiter und du erfährst, dass die kleine Waldmaus nicht die einzige ist, die Beerenhunger hat. Doch lies selbst: Die kleine Waldmaus und das Beerenfest

 

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Kleine Waldmaus, Bildquelle © RolandKuck/pixabay

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