Das Hühnchen und das Kätzchen

Ist Huhn Melanie eine gute Fee?

Ein Haustier hat Mike noch nie gehabt. Glücklicherweise gab es nämlich ganz in der Nähe einen Bauernhof. Dort waren Kinder gern gesehen. Mike war fast jeden Tag dort. Am liebsten mochte er die Hühner leiden. Er verstand nicht, warum alle deswegen lachten. Klar, die anderen Tiere liebte er auch, alle, aber die Hühner blieben etwas ganz Besonderes für ihn.
Zwölf Hühner und ein Hahn lebten auf dem Hof. Mike hatte allen einen Namen gegeben. Er blieb aber der einzige, der sie auch auseinander halten konnte. Den Hahn Albert kannten alle. Die kleine Henne Melanie war Mikes Lieblingshenne. Sie war ein bisschen kleiner als die anderen und wenn die Sonne auf ihre Federn schien, funkelten die wie Edelsteine. Dieses Funkeln sah Mike nur bei Melanie und manchmal glaubte er, sie sei eine verzauberte Fee. 
Morgens weckte Albert die Bauernhofbewohner und wenn der Wind günstig stand, konnte auch Mike den Weckruf des Hahns hören. Einmal passierte es, dass Albert aufgeregt laut krähte wie nie zuvor. Mike sprang aus dem Bett und zog schnell seinen Jogginganzug an. Er musste zu den Hühnern, unbedingt. Da war etwas passiert, das spürte er.
Und er hatte sich nicht getäuscht. Aufgeregt scharrten sich die Hennen im Gehege um ein Fellbündel. Das zitterte und wimmerte leise.
Mike erschrak. Ein Katzenbaby war es, das hier saß.
Ich darf es nicht anfassen, dachte Mike.
Er erinnerte sich daran, dass Tante Anneliese, die Bäuerin, das einmal erklärt hatte. „Wenn du ein Tierbaby anfasst, kann es passieren, dass seine Mutter es nicht mehr annimmt, weißt du?“
Aber was tun? Die Hühner schienen auch nicht zu wissen, wie sie den fremden Gast behandeln sollten. Sie gackerten, steckten die Köpfe zusammen und zitterten. Nur Melanie hob den Kopf, dann trippelte sie näher zu dem Kätzchen hinüber.
Sie beäugte es genau und gurrte leise wie ein Täubchen, um das Katzenbaby zu beruhigen.
Die anderen Hühner waren ganz still geworden, selbst Albert schwieg und das wollte was heißen.
So gurrte Melanie und gurrte, und das Kätzchen wurde ruhig und ruhiger. Schließlich erhob es sich und schnupperte an Melanies Nase. Dann tappte es langsam mitten durch die Hühnerschar zum Zaun hinüber. Und da stand Mike.
Langsam ging Mike in die Knie und lockte das kleine Kätzchen zu sich heran. Melanie blieb hinter dem Tierbaby, als wolle sie ihm den richtigen Weg weisen. 
„Komm, komm, kleine Katze, wir werden deine Mama suchen, das verspreche ich dir!“
Mike flüsterte es nur und ihm war, als flüsterte Melanie dem Kätzchen die gleichen Worte in der Hühnersprache zu.
Sie ist doch eine Fee, dachte Mike. Eine Fee, die mir – vielleicht? – ein Kätzchen geschickt hat?

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

22. Juli 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Kindergeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schreibe einen Kommentar

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