Archiv für Mutgeschichte

Ein Glückskäfer zum ersten Schultag

Auch Glückskäfer gehen zur Schule

Maja saß gerne hinter der Hecke mit dem Säulenobst. Hier konnte sie sich prima verstecken, den Käfern und Schmetterlingen zusehen und Kleeblätter mit vier Blättern suchen. Manchmal hatte sie Glück und fand schon nach kurzer Suche ein Glückskleeblatt. Heute hatte sie sogar Doppelglück. Auf einem vierblättrigen Kleeblatt saß ein Marienkäferchen.
Dieses Glück konnte Maja heute gut gebrauchen. Bald nämlich waren die Ferien zu Ende und sie würde dann auch ein Schulkind sein. Davor fürchtete sie sich aber ein bisschen.
„Du hast es gut, kleiner Käfer“, seufzte sie. „Du musst nicht zur Schule gehen.“
Da musste der Käfer aber gehörig kichern. „Hihihihi!“, lachte er. „Du glaubst, wir haben keine Pflichten? Wo sollen wir das Glück herbringen, wenn wir diesen Job nicht zuvor erlernten?“
Maja staunte. „Entschuldige“, sagte sie. „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Es gibt also nicht nur Baumschulen, sondern auch Käferschulen?“
Ihr gefiel das, warum sollten auch nur Menschenkinder in die Schule gehen?
„Hat dir die Schule auch Angst gemacht?“, fragte sie vorsichtig. Dann erzählte sie dem Käfer von ihren Träumen, in denen es in der Schule immer sehr wild zuging und streng und gar nicht nett. So wie es ihr Pelle und Frieder aus der Nachbarschaft erzählt hatten.
„Ach was!“ Der Käfer lachte. „Deine Freunde erzählen Blödsinn. Schule macht Spaß. Und ich habe da auch gleich eine Idee: Du kommst einen Tag lang mit mir in meine Schule, dafür begleite ich dich am ersten Schultag.“
Hm. Maja überlegte. Keine schlechte Idee. Wer hatte schon einen Glückskäfer als Begleiter?
„So machen wir es“, sagte sie, „und weißt du was, ich freue mich schon darauf. Auf deine Schule.“
„Also gut, dann treffen wir uns in einer Stunde hier. Ich habe noch etwas zu erledigen.“ Der Glückskäfer flog davon.
„Maja! Maja!“, hörte Maja da eine Stimme rufen. Es ist Mamas Stimme.
Sie öffnete die Augen. War sie hier doch glatt eingeschlafen.
„Glückskäfer! Wo bist du?“, flüsterte sie.
Der kleine Käfer aber war verschwunden. Oder hatte sie die Begegnung nur geträumt? Egal. In Majas Gedanken aber war er noch da und als sie am ersten Schultag mit ihrem neuen Ranzen und der Schultüte vor dem Schulhaus stand, saß da plötzlich ein kleiner Marienkäfer auf ihrer Schulter.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

06. August 2018 von Elke
Kategorien: Geschichten für Kinder, Geschichten über Gefühle, Kindergeschichten, Mutgeschichten, Schulgeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 1 Kommentar

Mia und der Angsthase

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Es grüßt heute ‚Anton (Angst-)Hase‘, der ängstlichste Hase aller Hasen, gemalt von meiner Kollegin, der Künstlerin Sonja Mengkowski

 

 

Mia und der Angsthase
Mia trifft den Angsthasen – Eine Mutgeschichte für die ersten Tage nach den Ferien – und eigentlich für jeden anderen Tag auch ;)

Eigentlich geht Mia gern zur Schule. Nur vor Herrn Klauser, ihrem Klassenlehrer, hat sie – irgendwie – Angst. Dessen Stimme klingt so laut, dass sich Mia immer duckt, wenn er sie anspricht oder gar zur Tafel ruft.
„Angsthase“, lacht Mias Bruder Max. „Du bist ein Angsthase.“
Das mag Mia gar nicht hören. „Pah! Und du bist ein Angeber.“
„Höhö.“ Max lacht sich halb kaputt. „Mädchen haben immer Angst.“
Mia ist wütend, und immer, wenn sie nicht weiter weiß, setzt sie sich zum Nachdenken auf ihre Schaukel im Garten.
„Nein“, sagt sie. „Mädchen sind keine Angsthasen.“
„Stimmt“, antwortet eine Fistelstimme von oben. „Weiß ich doch.“
Mia erschrickt. Wer spricht da?
In ihrem Bauch grummelt die Angst und Mia will weglaufen. Da knistert es. Eine kleine Gestalt hüpft durchs Geäst und landet auf Mias Schoß. „Hallo, hier bin ich.”
Mia staunt. „Wer bist du?“
Der Fremdling, der wie ein kleiner Hase aussieht, kichert. „Fürchtest du dich nicht vor mir? Ein Geist könnte ich sein, ein Monster oder ein gruselgrausiger Vampir. Eine verzauberte Hexe vielleicht, ein Gespenst, ein schreckliches Ungeheuer? Aber nein! Vor mir fürchtet sich keiner. Wer soll sich auch vor mir fürchten, ängstigen, zittern, gruseln, grausen? Immer geht es mir so. Ach, ich bin nicht zum Fürchten. Dumme Sache, oder? Aber…“
Der kleine Kerl redet und redet. Die Worte kreisen in Mias Kopf.
„Nein“, sagt sie. „Ich fürchte mich nicht vor dir. Wer bist du?“
Der Fremde richtet sich auf und flüstert Mia verschämt ins Ohr: ”Angsthase werde ich genannt!” Dabei blickt der Angsthase Mia so drollig an, dass sie lachen muss.
„DU bist DER Angsthase?”, fragt sie. „Dich gibt es wirklich?“
„Psst!”, flüstert der Angsthase. „Es muss nicht jeder wissen, wer ich bin! Es ist nämlich nicht schön, DER Angsthase zu sein.“
Mia nickt verständnisvoll. „Bestimmt lachen dich alle aus, nicht?“ Der Angsthase nickt. „Man verspottet mich, und als Schimpfwort muss ich auch herhalten. Ist das nicht gemein?“
„Und wie“, sagt Mia und denkt an ihren Bruder. „Zu mir hat Max heute auch ´Angsthase´ gesagt. Ich habe mich mächtig geärgert.“
„Verstehe ich gut“, knurrt der Angsthase. „So geht es mir jeden Tag viele tausend Male und mehr. Immer muss ich herhalten, wenn sich irgendjemand vor irgendetwas fürchtet. Doch sag, warum haben sie dich ´Angsthase´ genannt?“
Da erzählt Mia von der Schule, von Herrn Klausner und von ihrer Angst, an die Tafel zu gehen.
”Mut macht’s gut”, sagt der Angsthase. ”Verstehst du?“
„Hm.” Mia überlegt. „Du meinst, wenn ich mir vorsage, dass ich mutig bin, wird die Angst kleiner?“
Der Angsthase nickt. ”Dieser kleine Zauberspruch hilft.“
Mia atmet auf. „Das ist gut. Mut macht’s gut. Mut macht’s …“
Immer wieder sagt sie den Wunderspruch auf und sie spürt, wie sie die Schule gar nicht mehr ganz so schrecklich findet.
„Danke“, sagt sie zu dem Angsthasen, doch der ist längst verschwunden. Zu seinem nächsten Job oder so.

© Elke Bräunling

 

 

 

 

 

 

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03. August 2018 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Mutgeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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