Zwergengeflüster im Frühlingsgarten

Der Frühling weckt die Gartenzwerge auf

„Huhu! Schläfst du noch?“
„Hmmm?“
„Huhu! Hihi! Ich glaube, ich glaube, es geht, es geht wieder los.“
„Was geht, geht wieder los?“
„Huhu hihi!“
„Uwah uwah. Wer stört?“
„Aufwachen! Hört ihr? Wacht auf! Die Gartenzeit, hört ihr, unsere Zeit, fängt wieder an. Hach, wie schön ist das! Oh, wie sehr ich mich freue!“
„Gartenzeit? Hm? Winterzeit ist’s noch und für uns Schlafenszeit.“
„Gewesen. Hihi. Hört ihr? Gewesen. Der Frühling ist nah. Nein, falsch, er ist da. Hurra!“
„Nicht nah. Nein, nein. Da! Er ist da. Hurra!“
Trubelig ging es zu im kleinen Geräteschuppen hinter den Gemüsebeeten in Oma Erdmanns Garten. Trubelig, laut und lustig. Die Gartenzwerge, die sorgsam in Stroh verpackt hier ihr Winterplätzchen hatten, erwachten einer nach dem anderen aus dem Schlaf. Doch nicht alle waren gleich Feuer und Flamme. Man hatte da schon in früheren Jahren die Erfahrung mit der Unzuverlässigkeit des Frühlings, dieses launischen Kerls mit seinen verrückten Wettergesellen, gemacht. Kaum hatte man sich an die neue Zeit mit Licht und Sonne gewöhnt, schon wurde es wieder dunkel und kalt, manchmal sogar wieder eisig weiß im Garten. Man kannte das schon.
„Freut euch nicht zu früh“, schnarrte da auch schon der große Gartenzwerg mit dem Zylinderhut und der Gartenschere in der Hand. „Morgen kann die Welt wieder ganz anders aussehen.“
„Müde. Ich bin noch müde“, murrte der Brillenzwerg, der mit der Nickelbrille und den dicken Büchern unterm linken Arm. „Die Schlafenszeit kann noch nicht zu Ende sein. Unmöglich.“
„Wer stört? Und warum seid ihr so laut?“, knurrte ein dritter Zwerg. Es war der Schubkarrenzwerg, der nur langsam aus dem Schlaf erwachte. „Immer diese Frühaufsteher!“
„Wacht endlich auf, ihr Schlafmützen!“, rief der Rotzipfelmützenzwerg, der Rechen und Schaufel in den Händen hielt. „Es gibt endlich wieder etwas für uns zu tun. Ist das nicht wundervoll?“
„Frühling ist’s“, ergänzte ein anderer. „Die Gartenzeit ist wieder da. Hurra!“
Laute Jubelrufe erschallten erneut und wild redeten die Zwerge durcheinander.
„Wann kommt Oma Erdmann, uns zu befreien?“
Der Zwerg mit dem Zylinderhut, der immer etwas zu bemängeln fand, meldete sich wieder zu Wort.
„Ist es denn bewiesen, dass wir Frühling haben?“, fragte er und seine Stimme klang ungnädig, misstrauisch fast. „Man sollte sich nicht täuschen lassen.“
„Launeverderber“, rief der kleine Narrenzwerg mit der pink-gelb-getupften Zipfelmütze. „Er ist da, der Frühling. Hört doch!“
Die Zwerge lauschten. Ja, sie hörten ihn. Dieser Frühling sang sogar ein Lied. Laut hallte es durch den Garten:
„Froh zu sein, bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.“
„Es ist das Lied des frohen, fröhlichen Frühlings“, sagte einer der Zwerge zufrieden.
„Er singt aber mit der Stimme von Oma Erdmann“, grummelte der Zylinderzwerg, doch er grummelte es nur leise. Wenn Oma Erdmann guter Dinge war und ein Frühlingsliedchen sang, sollte man nicht länger zweifeln.
Und leise summte nun auch er das kleine Lied und alle Zwerge stimmten mit ein. Ein lustiger und sehr heiterer Zwergenchor.
„Froh zu sein, bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.“

© Elke Bräunling

Aus dem Buch: Omas Frühlingsgeschichten


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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. März 2018 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Frühlingsgeschichten, Kindergeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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