Die Winterbiene und das Schneeglöckchen *
Die Winterbiene und das Schneeglöckchen
Frühlingsgeschichte im Winter
Wenn zwei zu früh aus dem Winterschlaf erwachen
Was geschieht, wenn der Frühling zu früh anklopft?
Eine kleine Wildbiene und ein einsames Schneeglöckchen begegnen sich an einem sonnigen Wintertag und teilen Wärme, Nahrung und Gemeinsamkeit.
Eine zarte Kindergeschichte über eine Wildbiene und ein Schneeglöckchen, die zu früh erwachen. Ein leises Märchen über Hunger, Nähe und Hoffnung.
Mit Ausmalbild und Mach mit!-Extras: Erstleserfassung, Silbenschrift, Fragerunde, Arbeitsanregungen
Die Winterbiene und das Schneeglöckchen
Es ist ein sonniger Januartag, als die kleine Wildbiene erwacht. Die Sonne hat sie wachgekitzelt und der warme Wind hat ihr einen Schubs gegeben und ihr ein „Aufwachen und Aufstehen! Heute ist ein früher Frühlingstag!“ zugeraunt.
„Ist es ein Traum?“, murmelt die kleine Biene, denn es gibt keinen frühen Frühling mitten im Winter.
Doch dann öffnet sie die Augen und blinzelt von ihrem Schlafplatz im Baumstamm aus in den sonnenwarmen Tag.
„Wie schön!“, ruft sie. „Ich muss wohl verschlafen haben. Da draußen ist längst der Frühling da.“
Und schon fliegt sie mit einem fröhlichen Brummsummen in den warmen Tag hinaus. Wie schön ist das und wie glücklich ist sie! Glücklich und auch hungrig.
„Hallo, Sonne! Hallo Frühlingswind! Ihr macht mich hungrig und lasst meinen Bauch grummeln. Sagt, wo finde ich süßen Nektar zum Trinken?“
Die Sonne und der Wind aber, die es mit dem Aufwecken so eilig gehabt haben, schweigen nun. Sie haben anderes zu tun: die Tiere aufwecken und die Knospen der ersten Blümchen öffnen.
Und so macht sich die kleine Wildbiene alleine auf die Suche nach süßem Nektar.
„Hallo, Blümchen, wo seid ihr?“, ruft sie. „Ich bin hungrig, aber euer Duft erreicht meine Nase nicht!“
Doch die Blümchen antworten nicht. Sie schlafen noch, denn es ist Winter, und die kleine Biene irrt hungrig durch den Tag vorbei an der schlafenden Wiese hinüber zum Waldrand bis zu den Gärten der Menschen.
„Ob das mit dem Frühling und den Frühlingsblümchen nur ein dummer Traum ist?“
Müde setzt sie sich auf ein sonnenwarmes Plätzchen unter dem kahlen Weidenbusch.
„Ich bin kein dummer Traum!“, wispert ihr da ein Stimmchen zu. „Ich bin Schneeglöckchen und ich bin viel zu früh aufgewacht. Alle meine Gefährten schlafen noch. Nur ich stehe da alleine und so fühle ich mich auch. Alleine.“
Die kleine Wildbiene nickt. „So geht es mir auch.“ Sie macht eine Pause. „Und hungrig bin ich!“
Da lächelt das kleine Schneeglöckchen. „Schön! Keiner muss alleine sein. Und hungrig auch nicht. Ich sauge meine Nahrung aus dem Boden und du, du saugst süßen Nektar aus meiner Blüte. Was hältst du davon?“
Viel hält die kleine Wildbiene von diesem Vorschlag. Zuerst trinkt sie sich im Blütenröckchen des Blümchens satt, dann kuschelt sie sich dort zu einem Schläfchen zusammen und murmelt müde:
„Wie schön es doch ist, an einem frühen Frühlingstag im Winter nicht alleine zu sein.“
© Elke Bräunling
Hast du schon einmal im Winter ein Schneeglöckchen oder eine Biene entdeckt?
❄️ Späte Schneeflocken und frühe Frühlingsblumen
🌱 Schneeglöckchen, Weißröckchen
💛 Kleine Schwester des Glücks
❄️🌸 Schneeflöckchen hilft Schneeglöckchen
🌤️ Frühlingskind und Winterkind
🎶 Schneeglöckchenmusik
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AUSMALBILD

Mach mit! – Extras
Erstleserfassung
🐝 Die Winterbiene und das Schneeglöckchen
Es ist ein sonniger Januartag.
Die kleine Wildbiene wacht auf.
Die Sonne kitzelt sie wach.
Der warme Wind flüstert:
„Aufwachen! Heute fühlt sich alles wie Frühling an.“
Die Biene reibt sich die Augen.
„Bin ich noch im Traum?“, murmelt sie. „Es ist doch Winter.“
Sie schaut hinaus.
Die Sonne scheint warm.
Die Biene summt fröhlich los.
Doch bald knurrt ihr Bauch.
„Ich habe Hunger“, sagt sie. „Wo finde ich süßen Nektar?“
Sie fliegt über die Wiese.
Aber die Blumen schlafen noch.
Es ist ja Winter.
Müde setzt sich die Biene unter einen kahlen Busch.
Da hört sie eine leise Stimme:
„Ich bin kein Traum.“
Vor ihr steht ein Schneeglöckchen.
„Ich bin viel zu früh aufgewacht“, sagt es. „Ich bin ganz alleine.“
Die Biene nickt.
„Mir geht es genauso. Und ich bin sehr hungrig.“
Das Schneeglöckchen lächelt.
„Dann helfen wir uns gegenseitig. Du trinkst meinen Nektar. Und ich bin nicht mehr allein.“
Die Biene trinkt.
Dann kuschelt sie sich in die Blüte.
„Wie schön“, murmelt sie. „Niemand muss alleine sein.“
© Elke Bräunling
❓ Fragerunde
Zum Text
1 Warum wacht die kleine Wildbiene auf?
2 In welcher Jahreszeit spielt die Geschichte?
3 Warum findet die Biene zuerst keinen Nektar?
4 Wen trifft die Biene am Ende?
5 Wie helfen sich Biene und Schneeglöckchen?
Zum Nachdenken
• Wie fühlt sich die Biene am Anfang?
• Wie fühlt sie sich am Ende?
• Kennst du das Gefühl, allein zu sein?
• Was hilft, wenn man sich allein fühlt?
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✏️ Kleine Arbeitsanregungen
🌼 1. Mal- & Gestaltidee
• Male die Winterbiene im Schneeglöckchen.
• Was siehst du noch: Sonne, Schnee, kahlen Busch?
🐝 2. Wortarbeit (für Erstleser)
• Kreise alle Wörter mit B ein (Biene, Blume, Bauch …).
• Welche Frühlingswörter kennst du noch?
🌱 3. Sachimpuls (kurz & einfach)
• Schneeglöckchen sind oft die ersten Blumen im Jahr.
• Manche Bienen wachen an warmen Wintertagen zu früh auf.
→ Warum brauchen sie dann Hilfe?
💬 4. Gesprächsanlass
• Was kannst du tun, damit sich jemand nicht allein fühlt?
• Wer hilft dir, wenn du Hilfe brauchst?
✂️ 5. Kreatividee
• Bastle ein Schneeglöckchen aus Papier.
• Schreibe einen Satz hinein: „Niemand muss allein sein.“
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🐝 Die Win·ter·bie·ne und das Schnee·glöck·chen
Sil·ben·schrift
Es ist ein son·ni·ger Ja·nu·ar·tag.
Die klei·ne Wild·bie·ne wacht auf.
Die Son·ne kit·zelt sie wach.
Der war·me Wind flüs·tert:
„Auf·wa·chen! Heu·te fühlt sich al·les wie Früh·ling an.“
Die Bie·ne reibt sich die Au·gen.
„Bin ich noch im Traum?“, mur·melt sie. „Es ist doch Win·ter.“
Sie schaut hi·naus.
Die Son·ne scheint warm.
Die Bie·ne summt fröh·lich los.
Doch bald knurrt ihr Bauch.
„Ich ha·be Hun·ger“, sagt sie. „Wo fin·de ich sü·ßen Nek·tar?“
Sie fliegt ü·ber die Wie·se.
A·ber die Blu·men schla·fen noch.
Es ist ja Win·ter.
Mü·de setzt sich die Bie·ne un·ter ei·nen kah·len Busch.
Da hört sie ei·ne lei·se Stim·me:
„Ich bin kein Traum.“
Vor ihr steht ein Schnee·glöck·chen.
„Ich bin viel zu früh auf·ge·wacht“, sagt es. „Ich bin ganz al·lei·ne.“
Die Bie·ne nickt.
„Mir geht es ge·nau·so. Und ich bin sehr hun·grig.“
Das Schnee·glöck·chen lä·chelt.
„Dann hel·fen wir uns ge·gen·sei·tig. Du trinkst mei·nen Nek·tar. Und ich bin nicht mehr al·lei·ne.“
Die Bie·ne trinkt.
Dann ku·schelt sie sich in die Blü·te.
„Wie schön“, mur·melt sie. „Nie·mand muss al·lei·ne sein.“
© Elke Bräunling

