Ein Pinguin zum Freund
Ein Pinguin zum Freund
Tiermärchen im Winter
Im Zoo, wo Pinguine auch leben, gibt es im Winter jeden Tag etwas zu essen
Manchmal beginnt Freundschaft mit einer ungewöhnlichen Frage: Was wäre, wenn man einen Freund hätte, den kaum jemand kennt – einen Pinguin?
In diesem Wintermärchen denkt ein kleiner Rabe laut über Hunger, Neugier und das Anderssein nach und entdeckt, dass das Leben reicher wird, wenn man Neues wagt.
Mit Kurzfassung für Erstleser, Fragerunde und Ausmalbild.
Ein Pinguin zum Freund
„Es ist nicht üblich, einen Pinguin zum Freund zu haben“, erzählte Rabenopa. „Weil es nämlich nicht einmal üblich ist, einen Pinguin zu kennen. Ich aber habe einen Freund, der auch ein Pinguin ist.“
Er nickte, tauchte seinen Schnabel in den Schnee und suchte nach etwas Essbarem.
„Was ist ein Pinguin?“, fragte der kleine Rabe. „Wenn es etwas zu essen wäre, würde mich das sehr freuen. Dann könnte ich ihn mir gleich wünschen, denn ich bin hungrig.“
Rabenopa zog den Schnabel aus dem Schnee und legte ein Wurzelstück vor des kleinen Raben Füße.
„Falsch“, antwortete er. „Ein Vogel ist’s. Ein Vogel, der gerne im Winter lebt.“
„Im Winter?“, wundert sich der kleine Rabe. „Wie wohnt man im Winter?“
„Kühl“, sagte Rabenopa. „Das Winterland ist kalt und auch sehr weit weg. Oft liegt dort fast immer Eis und Schnee.“
Der kleine Rabe überlegte.
„Jetzt ist Winter mit Eis und mit Schnee und kalt ist es auch“, meinte er dann und blickte in den Himmel. „Eigentlich könnten nun ein Pinguin, oder zwei oder drei, auch hier vorbeikommen. Und eigentlich könnte dein Freund, der ein Pinguin ist, uns besuchen.“
Rabenopa schüttelte den Kopf. „Pinguine können nicht fliegen. Sie schwimmen und tauchen. Außerdem ist der Weg zu uns viel zu weit.“
Wieder dachte der kleine Rabe nach. „Ein Vogel, der nicht fliegen, aber schwimmen kann, ist ein komischer Vogel und eigentlich ähnelt er mehr einem Fisch. Fische können auch schwimmen und nicht fliegen. Sag, ist er zu dir hierher geschwommen, dein Pinguinfreund?“
„Oh nein!“ Rabenopa schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn besucht.“
„Im Winterland, wo es kalt und frostig ist?“
„Nein. Über zwei Berge und drei Täler in der großen Stadt. Im Zoo.“
„Was ist ‚Zoo‘?“ Der kleine Rabe kam aus dem Wundern nicht mehr heraus.
„Ein Menschenort. Dort wohnen Tiere, deren Heimat weit weg liegt. Sie haben es gut dort und zu essen gibt es auch. Jeden Tag.“
„Zu essen? Jeden Tag? Auch im Winter, wenn man Hunger haben muss?“
Rabenopa nickte. „Keiner muss dort hungern.“
„Auch kleine Raben und Rabenopas nicht?“ Begehrlich sah der kleine Rabe den Großvater an.
Der grinste. „Ich weiß, was du mich jetzt gleich fragen willst.“
„Ich auch“, sagte der kleine Rabe und grinste auch. „Wann fliegen wir in den Zoo und besuchen deinen Freund, den seltsamen Pinguin-Vogel, der nicht fliegen kann? Vielleicht findet sich dort, wo es immer etwas zu essen gibt, auch einen Pinguinfreund für mich?“
„Für dich? Warum?“, fragte Rabenopa.
Der kleine Rabe breitete die Flügel aus und erhob sich in die Luft. „Es ist nicht üblich, einen Pinguin zum Freund zu haben“, rief er. „Aber ich finde, man hat mehr vom Leben, wenn man einen kennt.“
© Elke Bräunling
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Kurzfassung für Erstleser
Ein Pinguin zum Freund
„Es ist nicht üblich, einen Pinguin zum Freund zu haben“, sagt der Rabenopa. „Ich habe aber einen.“
Der kleine Rabe staunt.
„Was ist ein Pinguin? Kann man ihn essen? Ich habe Hunger.“
Rabenopa lacht.
„Nein. Ein Pinguin ist ein Vogel. Er lebt im Winterland. Dort ist es kalt und eisig.“
Der kleine Rabe denkt nach.
„Jetzt ist doch auch Winter. Dann könnte ein Pinguin uns besuchen.“
„Nein“, sagt Rabenopa.
„Pinguine können nicht fliegen. Sie schwimmen. Und sie leben weit weg.“
„Wie hast du deinen Freund dann getroffen?“, fragt der kleine Rabe.
„Im Zoo“, sagt Rabenopa.
„Dort wohnen Tiere aus fernen Ländern. Und sie bekommen jeden Tag Futter.“
Der kleine Rabe spitzt die Ohren. „Jeden Tag? Auch im Winter?“
Rabenopa nickt.
Da ruft der kleine Rabe fröhlich:
„Dann fliegen wir in den Zoo! Es ist vielleicht nicht üblich, einen Pinguin zum Freund zu haben. Aber ich finde: Man hat mehr vom Leben, wenn man einen kennt.“
© Elke Bräunling
Fragerunde zum Text
Einfache Textfragen
1 Wer erzählt von seinem Pinguinfreund?
2 Was ist ein Pinguin: Fisch oder Vogel?
3 Wo leben Pinguine normalerweise?
4 Warum kann der Pinguin nicht einfach zu den Raben kommen?
5 Wo hat der Rabenopa seinen Freund getroffen?
Zum Nachdenken
6 Warum findet der kleine Rabe den Zoo spannend?
7 Was ist für den kleinen Rabe wichtiger: Gewohnheiten oder Neugier?
8 Warum sagt er am Ende: „Man hat mehr vom Leben, wenn man einen kennt“?
Kreative Anschlussfragen
9 Welches Tier würdest du gern zum Freund haben?
10 Wohin würdet ihr euch besuchen?
11 Was würdet ihr zusammen machen?
AUSMALBILD


