Der erste Christbaum

Kannst du dir vorstellen, dass die ersten Christbäume an Zimmerdecken aufgehängt wurden? Das „lernt“ Anna abends beim Geschichten erzählen

Dass es nicht seit allen Zeiten einen Christbaum gegeben hatte, hat Anna nicht gewusst, doch heute erzählen ihr Mama und Papa die Geschichte des Christbaums. Den hatte es nämlich zuerst im Elsass gegeben. Vor über 400 Jahren, und das war lange, bevor man ihn in anderen Ländern kannte.
„Ehrlich wahr?“, fragt Anna.
„Ehrlich wahr“, sagt Papa. „Den allerersten Christbaum soll es in Schlettstatt gegeben haben. In der ‚Auberge des Allies‘.“
„Obärsch?“, fragt Anna.
Mama lacht. „Das ist französisch und heißt Wirtshaus. Damals war das Elsass gerade deutsch gewesen, und die Auberge war ein altes Zunfthaus mit einer gemütlichen Stube. Dort hatte man den ersten Christbaum aufgestellt.“
„Nein“, sagt Papa. „Die ersten Christbäume hatte man an den Zimmerdecken aufgehängt.“
„Hihi. Ein aufgehängter Christbaum? Wie komisch“, kichert Anna, und sie stellt sich vor, wie so ein Christbaum kopfüber an der Decke hängt.
„Die ersten Christbäume hatten auch noch keine Kerzen“, erzählt Mama weiter. „An ihren Zweigen hingen kleine rote Äpfel. Das waren die Christkindleäpfel. Dann gab es als Schmuck noch bunte Papierrosen, kleine Lebkuchen, Zucker und Oblaten.“
„Schön“, sagt Anna. „Auch ohne Kerzen.“
„Später aber hatte es im Herbst einmal sehr früh Frost gegeben“, fährt Papa fort, „und alle Äpfel waren an den Bäumen erfroren. Da waren die Menschen sehr traurig gewesen. Einen Christbaum ohne rote Äpfel konnten sie sich nicht vorstellen.“
„Aber dann“, sagt Mama, „hatte ein Glasbläser eine Idee: Er blies kleine Glaskugeln und bemalte sie rot wie kleine Äpfel. Das waren die ersten Christbaumkugeln.“
„Da haben sich die Leute bestimmt gefreut, nicht?“, fragt Anna.
„Ja, sehr.“
„Und wann war das mit den ersten Christbaumkugeln?“
„Och, das ist auch schon über 200 Jahre her.“
„Und wer hatte die Idee mit dem allerersten Christbaum?“, fragt Anna, die das alles sehr spannend findet.
„Das weiß keiner so recht”, antwortet Mama. “Er wurde zu Ehren des Christkindes aufgehängt, und deshalb nannte man ihn auch ‚Christkindelsbaum‘. Noch heute streitet man sich darüber. Die einen sagen, er hätte in Schlettstadt gestanden, andere meinen, es sei in Straßburg gewesen.“
„Egal”, sagt Anna. “Hauptsache, dass überhaupt jemand den Christbaum und die Glaskugeln erfunden hat. Denn was wäre Weihnachten ohne Christbaum?”

© Elke Bräunling

GANZ NEU WIEDER

Der Bestseller aus dem Jahr 1992 wegen der fortwährenden Nachfrage nun als eBook wieder erhältlich:

Das Haus mit den Butzenscheiben (Ein Zeitreisemärchen)

Elke Bräunling
Das Haus mit den Butzenscheiben – eBook
Ein Zeitreisemärchen rund um die ersten Weihnachtsbäume

Altmodisch sieht das Haus mit den Butzenscheiben auf Annas Adventskalender aus, und zuerst ist sie enttäuscht. Aber dann lernt Anna sein Geheimnis kennen. Mit ihrem Hund Flöckchen landet sie in einer anderen Zeit an einem anderen Ort – im Elsass vor zweihundert Jahren, wo sie bei einer Familie unterkommt. Auf dieser Zeitreise in das Jahr 1752 erlebt sie mit, wie die ersten Christbäume geschmückt und die ersten Glaskugeln erfunden werden.

Eine märchenhafte Erzählung mit historischem Kontext für die Advents- und Weihnachtszeit von Elke Bräunling

Länge: 64 Seiten (damalige Druckausgabe)

Und HIER findest du eine Fantasiereise zum Haus mit dem Butzenscheiben, genauer gesagt zu der magischen Kerze im Fenster unten rechts: Das Licht im Fenster – Fantasiereise

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin
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