Drei Wintermärchen für Kinder
Drei Wintermärchen für Kinder
Besinnlich-heitere Märchen von Schnee und Eis
Wenn der Winter auf sich warten lässt oder der Schnee leise ins Land zurückkehrt, beginnen die alten Geschichten zu flüstern.
Sie erzählen von Nebelgeistern und Schneekönigen, von Regentropfen, die zu Eisperlen werden, und von einer jungen Schneeprinzessin, die erst lernen muss, was ihre Aufgabe ist.
In diesen drei Wintermärchen für Kinder mit Ausmalbildern geht es um Geduld und Trotz, um Verwandlung und Staunen und um die besondere Magie der kalten Jahreszeit.
Mal heiter, mal besinnlich, immer märchenhaft begleiten sie Kinder (und Erwachsene) durch trübe Tage, frostige Nächte und die erste Freude über fallende Schneeflocken.
Nimm dir einen Moment Zeit, mach es dir gemütlich –
und tritt ein in eine Winterwelt aus Schnee, Eis und leisen Wundern ❄️✨
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Die List des Schneekönigs
Märchen vom Winterwetter – Das Ende der trüben Nebelzeit naht und es fällt endlich Schnee
Einmal ärgerten es die Nebelgeister sehr, dass alle über die trübe Nebelzeit schimpften. Die Menschen sollten sich nun auch einmal ärgern, und die grauen Geister beschlossen, dem Schneewinter mit dickem Nebel den Weg zur Erde zu versperren.
Und das taten sie auch. Schwer legten sie ihre Nebelarme über das Land und dort blieb es dunkel und nebeltrist.
Die Gesichter der Menschen verdüsterten sich immer mehr und sie riefen: „Wo bleibt der Winter?“
Auch die Wintergeister fühlten sich elend. Vergeblich rannten sie gegen die Nebelwolken an. Es war zum Eiszapfenausraufen! Am Hof des Schneekönigs herrschte großes Elend.
„Was soll nur werden?“, jammerten die Wintergeister. „Die Kinder warten auf uns.“
Die Nebelgeister lachten und streckten ihre Arme noch weiter aus. Da wurde es auf der Erde noch trüber, und die Schneeprinzessinnen wurden noch trauriger.
Auch der Eisgraf und die Reiffürstin waren niedergeschlagen.
„Ich verlerne das Frosten“, klagte der Eisgraf, und die Reiffürstin murmelte ein um das andere Mal:
„Kein Schnee, kein Eis, dreh mich im Kreis, kein Schnee, kein Eis, dreh mich im …“
„So kann es nicht weitergehen“, schrie der Schneekönig eines Tages und donnerte einen Schneehagel über sein jammerndes Volk. „Wir müssen verhandeln.“
Noch am gleichen Tag stieg er ins Nebeltal hinab.
Die Nebelgeister waren über sein Eindringen sehr erregt. Sie blieben unerbittlich, so sehr ihnen der Schneekönig auch schmeichelte.
„Ihr könntet viel schöner sein“, sagte der schließlich listig.
„Niemals! Keiner mag uns. Du lügst“, zischelten die Nebelgeister.
Nur ein Geisterjüngling sah ihn nachdenklich an.
„Wie können wir denn schön sein?“, fragte er.
„Ganz einfach“, antwortete der Schneekönig. „Meine Schwester, die Reiffürstin, könnte euer Nebelgrau in ein strahlendes Weiß verwandeln.“
Die Nebelgeister staunten. „Ein strahlendes Märchenweiß?“
Der Schneekönig nickte. „Aber ihr lasst ja nicht mit euch reden.“
Er verneigte sich und machte sich auf den Heimweg.
„Morgen“, erklärte er seinem Gefolge später, „werden wir ein Loch in der Nebeldecke finden, wetten?“
Und wirklich: Als sich die Wintergeister am nächsten Tag der Erde näherten, öffnete sich über einem Berg ein Nebelloch.
„Ich möchte schöner werden“, tönte die Stimme des Nebelgeistjünglings.
Der Schneekönig grinste. „Einverstanden“, rief er. „Ich schicke dir die Reiffürstin.“
„Aber sie darf nur auf den Berggipfel kommen“, fiepte der Jüngling.
Zu spät. Schon schlüpfte die Reiffürstin mit ihrem Gefolge durch das Nebelloch. Blitzschnell setzten sich die kleinen Reifgeister auf die Baumwipfel, umhüllten alle Äste mit blinkenden Reifkristallen und tauchten den Berg in ein strahlendes Weiß.
Darüber schwebte die Reiffürstin und sang ihr Lied:
„Viel Reif, viel Eis, ganz silbrig weiß. Ein Glanz so fein. So hell, so rein.“
Meilenweit hallte der Gesang durch die Lüfte. Es ließ ein leises ´Horcht-der-Winter-zieht-ins-Land´ erklingen.
„Gefällst du dir?“, fragte der Schneekönig.
„Schööön!“ Der Nebelgeistjüngling war selig.
Der Schneekönig grinste. „Du könntest noch schöner sein, wenn du die Sonne begrüßen würdest.“
Noch schöner? Schnell zog der junge eitle Geist alle Arme ein und machte dem Himmelblau Platz.
So fanden die Sonnenstrahlen endlich ihren Weg zur Erde. Sie verwandelten die in Reif getauchten Baumwipfel in Märchenbäume, der Berggipfel ragte wie eine Silberkrone über der Nebelmasse auf.
Neugierig schielten die anderen Nebelgeister auf den Berg mit der Glitzerkrone. So schön wollten sie auch sein. Gierig rissen sie ihre Nebelarme auseinander, so dass die Reif- und Eisgeister überall den Weg zur Erde fanden.
Bald überzog eine feine Reifschicht das Land. Ein frostig kalter Wintertag begann, und der Eisgraf verteilte überall Eis und Frost.
Als aber am Nachmittag die Sonne ihre Strahlen zurückzog, wunderten sich die Nebelgeister, dass ihre Schönheit nachließ.
„Man hat uns betrogen“, heulten sie. „Schnell, breitet eure Nebelarme aus!“
Der Eisgraf aber hatte das Land bereits so weit erobert, dass es für Nebel zu frostig war.
Die Nebelschwaden lösten sich in Wölkchen auf, aus denen es zart zu schneien begann, und am nächsten Tag bedeckte eine Schneeschicht das Land.
Wie freuten sich da die Kinder!
Die Nebelgeister aber schämten sich, dass sie auf die List des Schneekönigs hereingefallen waren. Immer wenn sie sich daran erinnern, werden ihre Gesichter vor lauter Schämen ganz rot. Du kannst es sehen, wenn die Sonne nach einem besonders schönen Wintertag untergeht. Findest du nicht auch, dass das Abendrot dann viel röter ist als sonst?
© Elke Bräunling
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Der Regentropfen und die Perle aus Eis

Wintermärchen – Wie aus dem Regentropfen eine Eisperle wurde
Der kleine Regentropfen war traurig. Viele Tage hatte er nun damit verbracht, auf die Erde hinab zu regnen – und sogleich wurde er wieder von der Sonne aufgesogen.
Von der Welt der Menschen aber hatte er fast nichts gesehen. Er kannte nur das Dunkel der Regenwolke und die kurzen Ausflüge durch die Luft. Im Frühling. Im Sommer. Im Herbst.
Nun stand der Winter vor der Tür und der kleine Regentropfen war müde. Traurig saß er in der dicken Wolke und weinte. Er konnte gar nicht mehr aufhören damit.
„Einmal nur möchte ich die Menschen kennen lernen und etwas von der Welt sehen“, erklärte er seinen Regentropfenkollegen. „Und einmal …“
Er kam nicht weiter, denn die Wolke öffnete wieder ihre Arme und schickte die Tropfen erneut zum Regnen hinaus.
„Dieses Mal“, nahm sich der kleine Regentropfen vor, „werde ich mich vor der Sonne verstecken. Sie darf mich nicht gleich wieder zur Wolke zurückschicken.“
Und damit ihm dies nun wirklich nicht passierte, floh er nicht wie sonst vor den prustenden Atemzügen des Windes. Und der pustete heute besonders heftig und eisig.
Der kleine Regentropfen zitterte, denn ihm war auf einmal schrecklich kalt.
„Hilfe!“, rief er. „Ich erfriere. Halt ein, Wind, hörst du?“
Der Wind lachte und pustete noch einige Male auf den Regentropfen ein.
„Hi-i-ilfe!“, schrie der wieder. „Ich erfrie-ie-ie-re!“
Zu spät. Die Kälte der Luft hatte ihn in ein kleines Eisperlchen verzaubert – und als Eisperlchen landete er nun auf der Erde mitten in der Blüte einer weißen Blume.
Was für ein Schreck! Der kleine Regentropfen war sehr verwirrt.
„I-i-ich friere!“, wimmerte er und wollte wieder weinen. Nun nämlich war er nicht nur traurig, nein, ihm war auch kalt.
„Schaut nur!“, hörte er auf einmal eine Menschenstimme rufen. „Unsere Christrose hat eine Perlenbrosche bekommen. Oh, wie schön sie funkelt!“
Der kleine Regentropfen hörte weitere Menschenstimmen. Sie klangen fröhlich.
„Was für ein wunderschönes Wintergeschenk!“, sagte jemand.
Wintergeschenk? Christrose? Perlenbrosche? Funkeln?
Jetzt spürte der kleine Regentropfen die Kälte nicht mehr, so sehr freute er sich.
„Sie meinen mich, den kleinen Regentropfen. Oder das Eisperlchen, zu dem der Winterwind mich verwandelt hat.“
Er lächelte. Viel hatte er nun schon von der Menschenwelt gesehen und erfahren.
Wie aufregend das war!
Und er schmiegte sich vor Freude noch ein Stück tiefer in den Blütenkelch und funkelte auch noch ein bisschen mehr. Damit auch sie, die Menschen, sich freuten.
© Elke Bräunling
Diese Geschichte findest du in dem Buch:

Taschenbuch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte von Herbst und Winter:
SAMMELBAND Herbst- und Wintergeschichten – Von Kindern erzählt *
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Kristanella und das Wintergewitter

Märchen vom Warten auf Schnee – Ist es das Werk von Prinzessin Kristanella, dass es nicht schneit?
Der Schneekönig ist ein glücklicher König. Zwölf Töchter und zwölf Söhne hat er. Das sind die Schneeprinzessinnen und Schneeprinzen. Der Schneekönig liebt seine Kinder über alles. Am meisten aber liebt er Kristanella, seine jüngste Tochter. Er verwöhnt sie auch am meisten.
Einmal aber war er sehr wütend auf sie. Es war das Jahr, in dem Kristanella zum ersten Mal arbeiten und den Schneeflocken ihren Weg zur Erde weisen sollte.
„Es ist an der Zeit, dass eine rechte Schneeprinzessin aus dir wird“, sagte der Schneekönig zu Kristanella.
„Aber ich möchte lieber mit meinen Flocken über den Himmel tanzen und singen und lachen“, maulte Kristanella. „Bitte!“
Sie bettelte und schmeichelte, doch ihr Vater blieb hart. Er zeigte auf ein Land mit Bergen und weiten Tälern.
„Dies ist dein Schneeland. Ich wünsche, dass es morgen prächtig weiß und tief verschneit ist.“
„Aber ich…“, begann Kristanella, doch der Schneekönig ließ sie nicht ausreden:
„Tu deine Pflicht!“, sagte er streng.
„Pah!“, trotzte Kristanella. „Ich verschenke doch nicht meine geliebten Flocken!“
Dann tobte sie über den Himmel, tanzte, lachte, sang und freute sich.
Der Schneekönig aber ärgerte sich sehr, wenn er auf das kleine Land mit den welken Winterwiesen und kahlen Bergen blickte.
Wo blieb Kristanella mit ihren Flocken? Wo blieb der Schnee?
Das fragten sich auch die Kinder in dem Land.
„Wo bleibt der Schnee?“, riefen sie traurig in den Himmel hinauf. „Wir wollen Schnee in den Ferien.“
Kristanella aber machte nur eine lange Nase und lachte.
„Kristanella!“, rief der Schneekönig wieder. „Tu deine Pflicht!“
„Pflicht? Hihihihiiiiii….“, gab Kristanella zur Antwort.
„Schneien, hihi, tu ich nie-ie-ie-ie-ie-ie!“
Da brüllte der Schneekönig so donnernd laut los, wie er noch nie in seinem Leben gebrüllt hatte. Der Himmel zuckte zusammen, Wolken bäumten sich auf und Blitze zischten zur Erde. Es donnerte, blitzte und dröhnte. Und der Schneekönig brüllte:
„Kristanella! Kristanella! Auf zur Erde, dass es werde hell und heller, schneeweiß klar. Kristanella! Kristanella! Auf die Reise! Sei so weise, schnell und schneller, bist du da!“
Ein besonders heller Blitz zuckte auf, und Kristanella sah in seinem Licht das wütende Gesicht ihres Vaters.
„Er scheint böse zu sein“, wisperte sie.
Sie war nun doch ängstlich geworden.
Angst hatten auch die Menschen.
„Ein Wintergewitter“, sagten die Erwachsenen.
„Vielleicht schneit es endlich“, hofften die Kinder und klammerten sich an ihre Eltern.
„Auf zur Erde, ihr Flocken!“, rief Kristanella und hatte auf einmal genauso viel Angst wie die Kinder. Und schon wirbelten erste Schneeflocken vom Himmel.
„Es schneit“, riefen die Kinder. „Juchhu! Endlich Schnee.“ Fröhlich rannten sie in das Schneeflockengestöber hinaus.
Zufrieden sah der Schneekönig zur Erde hinab.
„Na also“, brummte er, und es klang wie leises Donnergrollen. „Wozu ein Gewitter doch manchmal gut ist!“
Kristanella aber nahm traurig von ihren Flocken Abschied.
Als sie aber sah, wie sehr sich die Kinder über den Schnee freuten, war sie getröstet. Ja, sie war fast ein bisschen stolz auf ihr Werk. Und hatten ihr nicht die Flocken zum Abschied „Wir-sehen-uns-bald-wieder?“ zugerufen?
Wenn das stimmte…!?
Kristanella blickte über das weiße Schneeland und sang mit heller, kristallklarer Stimme:
„Bald sehn wir uns wieder, Flocken, und ich sing euch Lieder…“
Sie sang und sang, ja, und das tut sie seither jeden Winter.
Man kann sie hören, manchmal, an besonders hellen Wintertagen, wenn die Sonne scheint und Schneesterne funkeln.
Habt ihr es schon gehört? Psst! Leise! Ohren spitzen!
© Elke Bräunling
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🌠 Der Schneemaler und der Mond
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🌟 Die geheimnisvolle Schneekugel
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