Fünf Januargeschichten für Kinder
Fünf Januargeschichten für Kinder
Bunte Wintergeschichten und erster Schnee
„Der Januar ist leise. Und manchmal beginnt sein Zauber mit einem Wunsch.“
Der Januar kommt oft ohne großes Getöse. Er bringt klare Luft, blasse Sonne, kahle Äste und dieses besondere Gefühl, dass die Welt kurz innehält. Manchmal ist da schon Winter, aber noch kein Schnee. Und gerade dann werden Wünsche laut.
In diesen Januargeschichten geht es ums Warten und ums Staunen: um eine Schneekugel, die plötzlich „schneit“, um die Januarfrau, die dem Winter nachspürt, um Eiszapfen, die mit der Sonne flirten, und um einen vergessenen Apfel, der als roter Punkt im Winterweiß leuchtet. Dazu gibt es Ausmalbilder für ruhige Minuten, in denen der Winter ganz von selbst ein bisschen näher rückt.
Inhalt
- Schneit es nun doch?
- Die Januarfrau und der erste Schnee
- Der lange und der kurze Eiszapfen
- Als die Wintersonne ein wenig zauberte
- Ein roter Punkt im Winterweiß
- Ausmalbilder
Schneit es nun doch?

Wintergeschichte – Vom Warten auf Schnee und einem Schneekugel-Zauber
„Es schneit! Guck mal, es schneit!“
Aufgeregt stand Sina am Fenster und wedelte mit den Armen. „Schnee ist ja so toll!“
Ihr Bruder Stephen seufzte. Er wusste nicht, wie oft Sina in diesem Winter schon über Schnee und vom Schneien gesprochen hatten. Viel zu oft. Es nervte. Weil es nämlich einfach nicht schneien wollte. Das Wetter war zu schön.
Für Wolken war am blauen Winterhimmel kein Platz. Für Schneewolken schon gar nicht. Dazu war es nämlich auch zu warm und man konnte fast meinen, der Frühling stände schon vor der Tür. Und dabei war erst Januar.
„Es schneit!“, rief Sina wieder. „Guck doch endlich mal!“
„Gleich“, brummte er. „Es ist gerade so spannend.“
„Dein Buch?“ Fast kreischte Sina auf. Na ja, es klang ein bisschen wie ein Kreischen. „Dieser Schneezauber ist viel spannender. Nun komm schon und sieh es dir an!“
„Was?“
„Die Schneeflocken. Was denn sonst?“ Sina stapfte mit den Füßen auf. „Du musst dir das ansehen! Gleich.“
Stephen verdrehte die Augen. Kleine Schwestern konnten manchmal eine Plage sein. Trotzdem blickte er jetzt von seinem Magierbuch auf, das so megaaufregend war, dass er am liebsten in die Buchseiten zwischen die Worte gekrochen wäre, und linste zum Fenster hinüber. Die Sonne schien. Mit ihren Strahlen malte sie Bilder an die Wand. Schneeflocken waren keine dabei.
„Du nervst!“, schimpfte er. „Die Sonne scheint. Ich sehe ihre Strahlen. Sag mir: Wie soll es an einem himmelblauen Sonnentag schneien?“
Weil Sina darauf nichts mehr sagte, stand er aber doch auf und schlurfte zum Fenster. Bestimmt langweilte sie sich zu Tode, weil er so lange schon mit seinem Buch auf dem Bett lag und las. Hatte er Mama nicht versprochen, gut auf seine kleine Schwester aufzupassen und nett zu ihr zu sein?
„Na! Zeig mir mal deinen Schnee!“, sagte er versöhnlich.
Sina schwieg noch immer. Wie gebannt starrte sie auf die Schneekugel mit der kleinen Schneekugelstadt, die auf dem Fensterbrett stand. Die Fenster in den klizekleinen Minihäuschen waren hell erleuchtet und … es schneite, schneite, schneite.
Stephen fehlten die Worte.
„Wie … wie hast du das gemacht?“, stammelte er schließlich.
„Ich habe mir Schnee gewünscht. Nichts weiter. Und dann ist er gekommen“, flüsterte Sina. „Bin ich nun eine … Zauberin? Eine Schneezauberin?“
„Boah!“ Darauf wusste Stephen keine Antwort. Es war wie in seinem Buch. Manche Dinge passierten. Wie Träume. Oder … wie Märchen.
© Elke Bräunling
Die Januarfrau und der erste Schnee
Wintermärchen für Kinder – Wo bleibt denn nur der Januarschnee?
„Die Stille! Das Weiß! Die Zeichen meiner Tage. Ich vermisse sie. Oder bin ich zu früh?“ Auf ihrem Weg durch den Januar machte die Januarfrau auf der Krone eines Deichs Halt. Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Es ist zu warm. Ich glaube, ich bin in der falschen Zeit.“
„Soll ich mal ordentlich pusten?“, fragte der Wind und peitschte seinen stürmischen Atem über das Wasser, so dass hohe Wellen aufkamen und die Luft sich abkühlte.
Die Januarfrau aber winkte ab.
„Sonst gerne. Aber nein danke. Du bist der falsche Wind. Dein Weg führt vom Westen ins Land herein und Westwind bringt selten Frost und Schnee“, antwortete sie. „Aber deine Brüder aus dem kalten Norden oder dem weiten Osten darfst du rufen.“
Der Wind antwortete mit einem leichten Wellenschaukeln und zog sich zurück.
Die Januarfrau verließ den Deich über die nächste Treppe und stieg hinunter ins Städtchen. Es dämmerte bereits. In einigen Gärten standen noch die Lichterbäume vom Weihnachtsfest. Schön sahen sie aus, aber es fehlte der Schnee.
Eine große Sehnsucht überkam sie. War es zu ihrer Ankunft früher nicht anders gewesen, besser, winterlicher oder täuschte sie sich? Es hatte doch immer Schnee gegeben im Januar! Wo blieb er nur in diesem Jahr?
Ein Fenster wurde geöffnet und ein Kind streckte seinen Kopf heraus.
„Ich will jetzt endlich Schnee habe!“, rief es in den Himmel hinauf. „Hört ihr, ihr Wolken! Winter ohne Schnee ist keiner.“
Stimmt, dachte die Januarfrau. Januar ohne Schnee ist kein Januar. Was kann ich nur tun?
Da fing das Kind an zu singen:
„Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommt ihr geschneit …“
Leise stimmte die Januarfrau mit ein und sie fühlte sich dabei wie ein Kind, das fest darauf vertraut, dass alles, was man sich nur lange genug wünscht, in Erfüllung geht. Was für ein schönes Gefühl und was für ein feines Lied! Das musste einfach klappen.
Mit großen Augen schauten sie zum Himmel, die Januarfrau und das Kind.
Eine dicke Wolke segelte vorbei, nein, sie hielt an und siehe da, einige Schneeflocken tanzten zur Erde. Wirklich!
Da lächelte die Januarfrau. „Es wird schon werden, so wie es sich immer fügt“, freute sie sich. „Das Weiß der Zeit wird da sein, im Land und in unseren Träumen.“
© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl
Der lange und der kurze Eiszapfen
Wintermärchen – Manchmal ist es gar nicht schön, so schön zu sein
Es war einmal ein Eiszapfen, der so unzählig viele kleinen Eiszacken hatte, dass er wie ein wundervoller Eiszapfenblumenstrauß aussah. Lange hatte es gedauert, bis er so toll gewachsen war.
Und nun hing er glitzernd und prachtvoll von der Dachrinne herab. Er war mächtig stolz und rief jedem, der an ihm vorbei ging, zu:
„Ich bin der schönste Eiszapfen auf der Welt! Hörst du?“
„Bist du nicht“, tönte der ebenso schöne Eiszapfen vom Dach des Nachbarhauses herüber. „Meine Zacken sind viel länger.“
Das stimmte und der kleine war nun nicht mehr ganz so stolz. Er wollte auch so lange Zacken haben! Jeden Tag nun linste er neidvoll zum Nachbarhaus hinüber.
Eines Tages brach die Sonne durch die Winterwolkendecke.
Die beiden Eiszapfen staunten. Was für ein reizvolles Wundergeschöpf! Noch nie hatten sie so etwas Schönes gesehen.
„Du Schöne“, riefen sie erfreut. „Komm her und streichle uns!“
Die Sonne freute sich über die Schmeicheleien und lenkte einen ihrer Strahlen zu den Eiszapfen hinüber.
Was aber war das? Sie streichelte nur das Dach des Nachbarhauses und der lange Eiszapfen glitzerte und funkelte nun noch mehr und wunderhell im Winterlicht.
„Siehst du“, rief er. „Ich bin wirklich der schönste Eiszapfen auf der Welt!“ Er lachte laut auf. „Du hast Pech, mein Freund. Du hängst an der Nordseite deines Daches. Nie wird sie zu dir kommen, die Sonne, die wunderschöne.“
Und lockend umschmeichelte er die Sonne mehr und mehr.
Die Sonne freute sich und sie tat ihr Bestes. Mit aller Kraft strahlte sie auf den prächtig langen Eiszapfen hinab.
Dem wurde dabei warm und wärmer ums Herz, dass er meinte, vor Freude zu zerfließen-ßen-ßen-en-n-n-n. Und so – tropf, tropf, tropf – schmolz er dahin und war verschwunden.
Der kurze Eiszapfen, der dieses Schauspiel beobachtet hatte, wunderte sich zuerst. Dann musste er grinsen.
„Die letzten werden die ersten sein“, lachte er zum Dach des Nachbarhauses hinüber.
Und wie er lachte! Fröhlich und laut. „Hahahaha!“
© Elke Bräunling
Diese Geschichte findest du in dem Buch:

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Als die Wintersonne ein wenig zauberte

Wintergeschichte – Warten auf Schnee, Sonnenstrahlen und Eisblumensterne
„Schnee, wann kommst du?“, fragte das Kind. Es saß am Fenster und schaute sehnsüchtig in den Himmel. Die Sonne hatte die trüben Regenwolken der letzten Tage vertrieben. Warm und satt und hell strahlte sie vom Himmel herab.
„Ich mag dich, Sonne!“ Das Kind winkte der Sonne zu. „Besonders im Frühling und im Sommer und im Herbst.“
„Und im Winter?“, fragte die Sonne.
Das Kind zögerte.
„Schnee wäre schön“, meinte es schließlich. „Schnee ist toll. Er macht die Welt weiß. Man kann Ski fahren und rodeln, eine Schneeballschlacht machen oder einen Schneemann bauen.“
Es überlegte und fügte hinzu: „Eis ist auch toll. Zum Schlittschuhlaufen und Eiszapfengucken, ja, das wünsche ich mir auch.“
„Hm.“ Die Sonne strahlte nun weniger hell. Sie war nämlich ein kleines bisschen traurig.
„Magst du mich im Winter nicht leiden?“, fragte sie.
Das Kind erschrak. „Doch! Ja. Immer mag ich dich leiden.“
Es überlegte. „Nur“, meinte es dann vorsichtig, „Ich finde, du könntest im Winter noch schöner und heller strahlen. Über Eis und Schnee nämlich. Mit Schneeflockensternchen und Eiszapfen könntest du funkeln wie viele tausend Lichtpünktchen und mehr.“
„Viele tausend Lichtpünktchen und mehr?“ Die Sonne lächelte. Sie mochte schlaue Kinder. „Das hast du schön gesagt. Doch nun muss ich nachdenken. Vielleicht findet sich eine Lösung, die uns beiden gefällt.“
Das Kind nickte. „Aber beeil dich! Ich habe nämlich jetzt Winterferien und gaaaanz viel Zeit und ich … Oooooh!“
Das Kind schwieg und staunte. Ganz schnell nämlich hatte die Sonne mit Eiskristallen eine kleine Eis-Sonne ans Fenster gemalt. Schön sah sie aus mit ihren vielen Eissternchen. Wie Diamanten funkelten und gleißten sie im Sonnenlicht so hell, dass das Kind gleich nach Papier und Malstiften suchte. Ein Glitzerfunkelsonnenbild wollte es malen. Es hatte ja auch gaaaanz viel Zeit…
© Elke Bräunling
Ein roter Punkt im Winterweiß
Kindergeschichte Winter im Apfelbaum – Von Schneeflockensternchen und einem vergessenen Apfel
Der Januar war gekommen und der Wind wehte eisig kalt über die Apfelwiese. Die wenigen Blätter, die den Herbst überdauert hatten, waren starr vor Kälte und trocken wie altes Papier. Sie knisterten und knackten auch, wenn sie einander berührten. Es klang wie ein heiseres ‚Klick-Klack‘.
Und klick-klack klackerten ringsum vereinzelte Blätter zu Boden. Die Kälte hatte sie schwer gemacht und sie konnten sich nicht länger an den Bäumen halten. Sanft lösten sie sich von ihren Zweigen und fielen, eines nach dem anderen, schnurgerade ins nasse, mit Raureifsternchen bemalte Gras.
Nun hing der kleine Apfel, der bei der Ernte vergessen worden war, ganz alleine am Baum. Gar nicht gut fühlte sich dieses Alleinesein an. Am liebsten wäre der einsame Apfel seinen Blätterfreunden hinterher gesprungen. Er schaffte es jedoch nicht, sich von seinem Ast zu lösen. Er reckte und streckte sich, beugte und drehte sich im Wind, doch sein Stängel klebte am Zweig des Apfelbaumes fest.
Vor Anstrengung hatte er ganz frische, rote Backen bekommen.
„Wie schön du geworden bist!“, sagte der Rabe, der jeden Tag seinen Mittagsschlaf im Apfelbaum hielt. „Zum Anbeißen schön.“
Es war der selbe Rabe, der im Sommer „Was bist du doch für ein farbloser kleiner Apfel! Bestimmt schmeckst du bitter!“ zu ihm gesagt hatte.
„Bestimmt schmecke ich bitter“, antwortete der kleine Apfel nun schnell, denn er hatte keine Lust auf hungrige Rabenschnabelbisse. Noch weniger Lust aber hatte er, den Winter apfelseelenalleine im großen, kahlen Winterbaum zu verbringen. Es machte ihm Angst.
Da setzte sich ein kleines Sternchen auf sein kaltes, rotes Apfelbäckchen. Wie schön es war! Und wie zart es sich anfühlte! Zart und kostbar und kühl.
„Wer bist du?“, flüsterte der Apfel.
„Ich bin Schneeflöckchen“, antwortete das Sternchen. „Von ganz weit weg komme ich aus einer dicken grauen Himmelswolke. Und du? Sag, wer bist du und was machst du hier?“
„Das ist eine lange Geschichte“, sagte der Apfel mit einem Seufzer. „Wenn du bei mir bleibst, erzähle ich sie dir.“
„Ich bleibe gerne“, sagte das Sternchen. „Den ganzen Winter, wenn du magst. Es gefällt mir bei dir. Du duftest süß.“
Da freute sich der kleine Apfel. „Wie schön! Wie fein!“, sagte er. „Nun bin ich nicht mehr so allein.“
Und das war er auch nicht mehr. Noch viele Schneeflocken fanden den Weg zu dem kleinen, köstlich süß duftenden Apfel an dem großen, dunklen Baum. Und alle wollten sie bei ihm bleiben. Sie setzten sich auf die roten Apfelbacken und lachten und tuschelten und wisperten.
Auch der kleine Apfel, der nun kein trauriger, langweiliger Apfel mehr war, lachte und tuschelte und wisperte. Er war glücklich mit seinen neuen Freunden. Seine Apfelbacken glänzten so rot, dass man ihn von weitem am verschneiten Baum sehen konnte. Er sah aber auch so wunderschön aus mit seiner Schneeflockenmütze! Ein kleiner roter Punkt im hellen Winterweiß.
© Elke Bräunling
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