Der kleine Wintergeist und der Faschingszauberer
Der kleine Wintergeist und der Faschingszauberer
Fastnachtsmärchen
„Manchmal reicht ein einziger Zauber, um alles durcheinanderzubringen.“
Der kleine Wintergeist wird von kleinen Fastnachts“geistern“ wieder einmal geweckt.
Ein heiteres Fastnachtsmärchen über das Vertreiben des Winters, einen listigen Zauberer und die Frage, ob der Winter wirklich immer kämpfen muss.
Für Kinder ab etwa 5 Jahren und für alle, die Fasching mögen. Mit einer kurzen Fassung für Erstleser, Fragerunde, Mitmachidee und Ausmalbild.
Der kleine Wintergeist und der Faschingszauberer
Wieder einmal weckte lärmendes Singen und Jubeln vom Tal her den kleinen Wintergeist aus einem kleinen Nickerchen. War er doch tatsächlich wieder einmal über seiner Arbeit, dem Frosten, Schneien und Stürmen, eingeschlafen.
Nun wehte vom Tal her ein lauer Wind bis herauf in seine Berghöhle. Und auch der Gesang, der ihn vertreiben sollte, drang immer deutlicher an seine Ohren:
“Wir treiben heut den Winter fort aus diesem Faschingsnarrenort, lalalala, lalala…”
“Ohojeoje”, heulte der kleine Wintergeist auf. “Wenn der Winterkönig dies erfährt, schickt er mich zur Strafe auf den Sommergletscher.”
Er eilte aus seiner Höhle und hob seinen Eiskristall-Zauberstab.
Sogleich stoben Abertausende kleiner Eis- und Schneekristalle aus seinem Zottelpelz und wirbelten, von Frostwinden begleitet, talwärts.
“Winter ist´s und Winter wird´s noch lange bleiben!”, rief er und machte sich höchstpersönlich auf den Weg ins Tal, um dort nach dem Rechten zu sehen. Als er die Stadt erreicht hatte, herrschte dort wieder strenger Winter und dichte Schneeflocken hüllten Häuser und Straßen in ein winterliches Weiß.
Ruhig war es hier nun, wo zuvor eine Schar fröhlich lärmender Clowns, Cowboys, Indianer, Geister, Gespenster, Ritter, Piraten, Hexen und Prinzessinnen durch die Straßen gezogen war.
Der kleine Wintergeist war zufrieden. Hatte er diese kleinen Kerle, die sich jedes Jahr aufs Neue aufmachten, ihn zu vertreiben, in die Flucht geschlagen!
“Dieses Mal bin ich euch Quälgeistern, die ihr euch Faschingsnarren nennt, zuvorgekommen. Hohoho!”
“Hohoho?”, fragte da eine fremde Stimme hinter ihm.
Verdutzt wandte sich der kleine Wintergeist um.
Ein seltsamer Kerl mit einem hohen, spitzen Hut und schwarzem Umhang stand vor ihm. Er trug einen Besen bei sich.
“Hohoho!”, lachte der kleine Wintergeist wieder. “Was bist du denn für ein seltsamer Geist?”
“Ein Zauberer”, antwortete der Fremde.
“Ein Zauberer? Was macht ein Zauberer mit einem Besen, sprich! Willst du etwa meinen Schnee damit wegkehren? Hoho!” Der kleine Wintergeist hielt sich den Bauch vor Lachen.
Da stieg der Fremde, der sich Zauberer nannte, auf seinen Besen, stieg damit in die Höhe und umkreiste ihn in einem fort hin und her und hui und zisch so wild, dass ihm ganz schwindelig wurde.
Der kleine Wintergeist wollte nach seinem Eiskristallsstab greifen, doch der Zauberer war schneller. Er packte ihn am Schopf und trug ihn – abrakadabra – durch die Lüfte aus der Stadt hinaus bis vor seine Höhle. Dort ließ er ihn – plumps – in den Schnee fallen und flog kichernd davon.
Verdutzt starrte der kleine Wintergeist dem Fremdling hinterher.
Was war das nur für ein komischer Vogel gewesen? Ein Gehilfe des Frühlings etwa?
Ja, da hörte er ihn wieder, diesen gemeinen Gesang vom Tal her. Laut und deutlich:
“Wir treiben heut den Winter fort aus diesem Faschingsnarrenort, lalalala, lalala…”
Der kleine Wintergeist seufzte tief. Er war es leid, immer wieder gegen alle Feinde anzukämpfen. Es wurde Zeit, nach Norden zu ziehen. Ja, darüber würde er jetzt nachdenken. Müde trottete er in seine Höhle für ein weiteres Nickerchen. Und dieses Mal schlief er so lange, dass er erst wieder erwachte, als die Faschingszeit längst vorüber und der Frühling schon ins Tal eingezogen war.
© Elke Bräunling
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AUSMALBILD

📘 Erstleserfassung
Der kleine Wintergeist und der Faschingszauberer
Der kleine Wintergeist schlief in seiner Berghöhle.
Er war müde vom Schneien, Frieren und Stürmen.
Da hörte er lautes Singen aus dem Tal.
Menschen lachten und jubelten.
„Wir treiben heut den Winter fort!“, sangen sie.
Der kleine Wintergeist erschrak.
„Oh je“, rief er.
„Wenn der Winterkönig das hört, bekomme ich Ärger!“
Er sprang auf und hob seinen Eiskristall-Zauberstab.
Viele kleine Schneekristalle wirbelten durch die Luft.
Ein kalter Wind zog ins Tal.
„Winter ist es! Und Winter bleibt es!“, rief der kleine Wintergeist.
Im Tal wurde es plötzlich still.
Schnee fiel auf die Häuser und Straßen.
Die Menschen waren verschwunden.
Der kleine Wintergeist freute sich.
„Dieses Mal habe ich gewonnen!“
„Hohoho?“, sagte da eine Stimme.
Der kleine Wintergeist drehte sich um.
Vor ihm stand ein Mann mit spitzem Hut und Umhang.
Er hielt einen Besen in der Hand.
„Wer bist du?“, fragte der Wintergeist.
„Ich bin ein Zauberer“, sagte der Mann.
Plötzlich flog der Zauberer auf seinem Besen los.
Er sauste um den kleinen Wintergeist herum.
Dem Wintergeist wurde ganz schwindelig.
Da packte der Zauberer ihn am Schopf.
Hui!
Schon flogen sie durch die Luft.
Der Zauberer setzte den Wintergeist vor seiner Höhle ab.
Plumps!
Dann flog er lachend davon.
Der kleine Wintergeist war verwirrt.
Was war das nur für ein Zauberer?
Aus dem Tal hörte er wieder das Singen.
„Wir treiben heut den Winter fort …“
Der kleine Wintergeist seufzte.
Er war sehr müde.
„Vielleicht ist es Zeit zu gehen“, murmelte er.
Er legte sich wieder schlafen.
Als er aufwachte, war der Fasching vorbei.
Und der Frühling war schon da.
© Elke Bräunling
❓ Fragerunde zum Nachdenken und Erzählen
Zum Textverständnis
1 Wo schläft der kleine Wintergeist?
2 Was weckt ihn aus seinem Schlaf?
3 Warum bekommt der Wintergeist Angst?
4 Was macht der Wintergeist, um den Winter zurückzubringen?
5 Wem begegnet der Wintergeist im Tal?
Zum Nachdenken
6. Warum ist der Zauberer stärker als der Wintergeist?
7. Glaubst du, der Wintergeist ist traurig oder erleichtert am Ende?
8. Findest du es gut, dass der Winter gehen muss?
Zum Weitererzählen
9. Was glaubst du: Kommt der Wintergeist im nächsten Jahr zurück?
10. Wie würde deine eigene Faschingsfigur aussehen?
Mitmachidee
Winter oder Frühling?
So geht’s:
Die Kinder überlegen gemeinsam:
Was gehört zum Winter?
Was gehört zum Frühling?
Jedes Kind malt zwei kleine Bilder auf ein Blatt Papier:
• auf der linken Seite: Winter
• auf der rechten Seite: Frühling
In die Winterhälfte kommen zum Beispiel:
• Schnee
• Eis
• Schneemann
• kalte Farben
• der kleine Wintergeist
In die Frühlingshälfte kommen:
• Sonne
• Blumen
• Vögel
• warme Farben
• Menschen, die lachen
Gesprächsimpuls:
• Was magst du lieber: Winter oder Frühling?
• Darf der Winter traurig sein, wenn er gehen muss?
• Kann man sich auch auf etwas Neues freuen?


Liebe Elke, erst einmal ein herzliches Dankeschön an sie, ich bin so begeistert von diesen Geschichten von ihnen, in meinen Beruf als Betreuungskraft nutze ich sie auch und oft, Sie müssten sehen wie verträumt die Bewohner bei manchen Geschichten sind, als wenn sie von der Vergangenheit träumen, sie erwecken zu Gesprächen und Ideen, einfach einzigartig. Danke
Mit freundlichen grüßen Dagmar
Dankeschön, liebe Dagmar. Kommentare wie dieser tun einfach nur gut. Sehr gut. Und ich blicke nun auch verträumt auf den Bildschirm …
So fängt ein Tag gut an! 🙂
Liebe Grüße
Ele