Elkes Kindergeschichten

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Kindergeschichten rund durch den Tag und das Jahr. Nach dem Sommer meldet sich Herr Herbst erst stürmisch und nebelig, dann besinnlich und adventlich mit vielen Geschichten und Bildern zu Wort. Ihm folgen Herr Winter und die verrückten Faschingstage, der Frühling wagt sich endlich auch aus seiner Winterschlafpause, ja, und weil die Tage und Monate rasen, ist der Sommer schon wieder da, Ferien kommen und gehen, ja, und schon winkt der Sommer uns wieder zum Abschied zu und gibt lächelnd das Zepter erneut weiter an den grimmigen Herrn Herbst. Und so fängt wieder alles von vorne an mit neuen Geschichten, Märchen und Gedichten …

Immer wieder zieht hier eine weitere Geschichte in das neue Blog-Zuhause von Elkes Kindergeschichten ein. So werden nach und nach die Texte aus dem alten Blog hier ihre neue Heimat finden, ja, und NAGELNEUE Geschichten und Gedichte wird es auch geben.

Die fröhlichen Herbstgeister, die Advents- und Weihnachtswichte, die Schneezwerge, Frühlingselfen und Sommerfeen und viele viele viele andere Freunde aller Kinder, die sich hier im Blog in Geschichten, Märchen und Gedichten verstecken, freuen sich sehr über Euren Besuch

Seid herzlich Willkommen, liebe Besucher, und fühlt Euch wohl hier!

Geschichten, Märchen und Gedichte zu bestimmten Monaten und Jahresfesten findet Ihr ganz leicht auf der rechten Seitenleiste im ARCHIV oder wenn Ihr nach Stichworten Eure Themen sucht in der Schlagwörterwolke oder im Feld SUCHE

 

Veröffentlicht in Fantasie und Traum, Frühling, Gutenachtgeschichten, Herbst, Sommer, Winter | Getaggt , , , , | 4 Kommentare

Ein Drache für Tim und Papa

Nie hat Papa Zeit, einen Drachen zu bauen

„In diesem Sommer werden wir mit einem Drachen über Wiesen und Felder sausen. Schon als Kind habe ich davon geträumt.“ Von tollen Drachenabenteuern schwärmte Papa schon, als im Frühsommer die Wiesen gemäht wurden. Er redete auch nun zum Ende des Sommers wieder darüber, wenn sie an abgeernteten Feldern vorbei fuhren.
„Es gibt nichts Schöneres, als über Stoppelfelder zu laufen“, sagte er und Tim fragte: „Wann?“
Dieses ‚Wann’ dauerte nun schon lange. Inzwischen war es Herbst geworden und der Drache war ein Traum geblieben. Manchmal war Tim traurig deswegen. Vor allem dann, wenn seine Freunde erzählten, wie viel Spaß sie an den Wochenenden mit ihren Vätern hatten. Im Gegensatz zu Papa fanden die nämlich Zeit zum Basteln und Drachensteigen, während Tim nur mit der Parkwiese und einem Plastikdrachen aus dem Supermarkt vorlieb nehmen musste. Wie sehr wünschte er sich auch einen tollen, altmodischen Drachen mit einem Rahmen aus Holz und mit buntem Glanzpapier, einem langen Drachenzackenschwanz und einem Drachengesicht. Und noch mehr wünschte er sich, dass Papa mit ihm diesen Drachen basteln würde. Schon im letzten Jahr hatte er davon geträumt. Im vorletzten auch. Aber Papa war wegen seines Jobs oft auf Reisen. Und wenn er Zuhause war, saß meist am Computer. Oder er war müde. Zum Basteln mit Tim blieb keine Zeit. Ob Papa ahnte, wie traurig Tim deswegen war?
Gelangweilt blätterte Tim eines Nachmittags in einem alten Bastelbuch, das er bei Opa entdeckt hatte. Bestimmt hatte Papa als kleiner Junge darin gelesen. Vielleicht würde er hier eine Anleitung zum Drachenbauen finden? Da! Da stand es im Inhaltsverzeichnis. ‚Wir basteln einen Drachen’, Seite 87. Schnell blätterte Tim durch das Buch und auf der Seite siebenundachtzig fiel ihm eine Karte entgegen. Eine alte Ansichtskarte mit einem Drachen.
‚GUTSCHEIN zum Drachenbasteln und für mindestens acht Ausflüge zu den Stoppelfeldern!’ stand auf der Rückseite zu lesen. Da war auch noch Postskriptum, ganz klein geschrieben: ‚PS: Du sollst nicht mehr traurig sein, weil ich so oft keine Zeit für dich gehabt habe. Es tut mir leid. Ich werde mich ändern. Dein Papa’.
Tim las und lächelte. Papa war also auch einmal ein trauriger Junge gewesen, weil Opa keine Zeit für ihn gehabt hatte. Wie konnte er das vergessen? Armer Papa!
Lange musste Tim darüber nachdenken.
„Armer Papa!“, sagte er wieder.
Später legte er die Gutscheinkarte auf den Esstisch neben Papas Teller. Was der wohl dazu sagen würde?

© Elke Bräunling

Weitere Geschichten von oder mit Drachen findest du, indem du oben links in das Suchfeld das Wort „Drache“ oder „Drachengeschichte“ eingibst.

Aus dem neuen Buch: Omas Herbstgeschichten


Taschenbuch: Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst für Kinder
Ebook mobi: Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst
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Der kleine grüne Kürbis

Der kleine grüne Kürbis hat ein kleines Problem: Ist es schön, schön zu sein?

Jeder wollte einen Kürbis haben. Fast unheimlich war das. Oder beängstigend.
„Mich kriegt ihr nicht“, sagte der kleine Kürbis mit den dunkelgrünen Streifen im hellgrünen Gewand. Und er duckte sich tief hinter seine Kollegen, die einer Pyramide gleich auf dem Verkaufstisch im Hofladen thronten.
Die lachten. Sie verstanden die Sorgen ihres kleinen Kollegen nicht.
„Es ist doch schön, neue Freunde zu finden und mit ihnen die Sonne zu sehen“, sagten sie zu dem ängstlichen kleinen Kürbis. „Oder willst du immer hier in diesem Raum auf dem Tisch liegen bleiben?“
„Neue Freunde? Die Sonne sehen? Das möchte ich auch. Nur …“ Der kleine Kürbis schluchzte leise. „Mich mag doch keiner. Ich bin klein und grün. Auch die Sonne mag mich nicht leiden. Warum sonst hat sie mir nicht auch ein leuchtend gelbes oder orangefarbenes Gewand geschenkt? Nein, das hat sie nicht. Überhaupt nicht gesehen hat sie mich, als wir draußen auf dem Feld lagen und uns wünschten, von ihren Strahlen gestreichelt zu werden. Oh, ich mag es nicht leiden, dieses Grün. Es ist langweilig und hässlich.“
Da grinsten die anderen Kürbisse, die gelben. Es war ein gefälliges, überhebliches Grinsen.
„Es kann nicht jeder schön sein“, meinte einer.
„Und es kann auch nicht jeder geliebt werden“, sagte ein anderer, und ein dritter rief:
„Pass auf, dass du dich nicht grün ärgerst. Hahaha.“
Und wieder lachten alle, während sich der kleine, grüne Kürbis noch mehr duckte, bis man ihn hinter den roten Rüben fast nicht mehr sehen konnte.
Gerade noch rechtzeitig. Eine Lehrerin betrat nämlich auch in diesem Augenblick mit ihrer Schulklasse den Hofladen.
„Kürbisse!“, riefen alle durcheinander. „Wir brauchen viele große, gelbe und orangefarbene Kürbisse.“
Und die Lehrerin erklärte: „Zum Fratzenschnitzen für unser großes Herbstgeisterfest.“
Fratzenschnitzen? Herbstgeisterfest? Vor lauter Schreck sagte die Kürbisse nichts mehr. Sie schwiegen auch, als eifrige Kinderhände nach ihnen griffen und sie forttrugen.
„Wie ist es doch schön, nicht zu schön zu sein!“, sagte der kleine grüne Kürbis später zu den roten Rüben, doch er sagte es nur leise.

© Elke Bräunling

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Das kleine Igelmädchen und der Ernst

Im Herbst beginnt der Ernst des Lebens, sagt Igelpapa. Wirklich? Wer war dieser ‚Ernst‘?

Der Tag wollte ein schöner Tag werden. Ein goldener, der schon ein wenig nach Herbst duftete. Man musste nur die Augen schließen und schnuppern.
Ninette, das junge Igelmädchen genoss die herrlichen Düfte. Es sollte der erste Herbst ihres Lebens werden und er roch für sie noch ein wenig verführerischer als der Sommer.
„Wenn dieser Herbst, der nun kommen soll, so fein duftet“, murmelte Ninette, „will ich ihn immer haben.“
Sie schnupperte wieder und verstand überhaupt nicht, dass Mama und Papa Igel und auch alle anderen in der Igelfamilie sagten, im Herbst beginne der Ernst des Igellebens. Fröhlich wollte Ninette jetzt sein, köstliche Sachen naschen und mit den Geschwistern spielen. ‚Ernst des Lebens.’ Wie das schon klang! Irgendwie langweilig; ein bisschen machte dieser Ernst ihr auch Angst.
„Im Herbst“, sagte Papa Igel nämlich immer, „musst du spuren und dich sputen.“
Spuren und sputen? Das klang wirklich ernst. Und nach Arbeit klang es auch.
‚Morgen werde ich Papa bitten, mir das ganz genau zu erklären!‘, dachte Ninette. ‚Heute aber werde ich den Tag genießen, mit Augen, Nase und vor allem mit dem Mund!‘
Auf ihren flinken Beinchen steuerte sie die Stelle an, an der sie gestern einen dicken Regenwurm gefunden und verspeist hatte. Sie lockerte mit ihren winzigen Füßen die Erde ein wenig auf und hatte Glück. Wieder schaute ein Würmchen neugierig ins Licht.
„Hm!“, freute sich Ninette. „Wie lecker er schmeckt. Wunderwurmlecker! So fühlt sich das Leben doch fein an. Wozu brauche ich da einen Ernst?“ Ninette sah sich um. Wo steckte der überhaupt?
„Ernst!“, rief sie so laut sie konnte. „Er-hernst!“
Nichts. Ninette rief und rief, aber da war niemand. Schon gar niemand, der Ernst hieß.
„Irgendwann“, murmelte sie schließlich, „erfahre ich, wer er ist und wo er steckt, dieser Ernst.“
In dem Moment raschelte es im Brombeerbusch neben ihr. Eine Katze war auf Mäusejagd. Sie war verärgert über den Krach, den das Igelmädchen machte. Ninette sah in die gefährlich funkelnden Augen der Katze und rollte sich augenblicklich zu einer Kugel zusammen.
„Was soll ich tun?“, fragte sie sich bang. „Flüchten? Oder besser abwarten?“
Da aber rief eine Menschenstimme laut: „Ernst! Wo steckst du? Eeeernst.“
Die Katze, die ein Kater war, zuckte zusammen. Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Nicht einmal in Ruhe Mäuse jagen konnte man hier. Da würden ihre Menschen aber mit einem Leckerchen bezahlen müssen. Gehorsam mauzte sie: „Hier bin ich!“ und lief hinter ihrem Menschen her.
Ninette blieb noch ein wenig eingerollt. Erst als sie sicher wusste, dass sie wieder allein war, linste sie vorsichtig aus ihrem Stachelkleid heraus.
„Das ist also dieser Ernst, der im Herbst beginnen würde“, murmelte sie. „Sie haben recht, ich sollte mich vor ihm hüten.“
Und was Papa Igel mit diesem ‚im Herbst musst du spuren und dich sputen‘ meinte, würde sie auch noch herausfinden.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl im Juli 2016

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Apfelmus für den Herrn Appelkrug

Omas Kartoffelpuffer mit Apfelmus schmecken toll und die soll der neue Nachbar, der so nett ist, doch gleich mal kennen lernen. Und nicht nur die …

Vor der Haustür standen zwei Körbe voller Äpfel. Herrlich duftige rotwangige. Die meisten von ihnen waren leicht angefault, hatten Dellen oder Druckstellen.
„Fallobst!“, wunderte sich Oma. „Wer schenkt uns Fallobst?“ Sie starrte die Straße entlang. „Das ist doch bestimmt wieder ein Streich von diesem Neuen, diesem seltsamen Herrn Appelkrug.“
Lina, die auf einmal ein schlechtes Gewissen hatte, nickte.
„Kann sein“, murmelte sie. „Wir haben uns gestern darüber unterhalten.“
„Worüber? Über Fallobst?“ Oma regte sich wirklich auf.
„Über Apfelmus“, versuchte Lina zu beschwichtigen. „Und dass Kartoffelpuffer mit Apfelmus genau so lecker schmecken wie Himmel und Erde.“
„Ihr habt beide einen guten Geschmack“, sagte Oma. „Dennoch frage ich mich, warum du dich immer bei dem alten Sonderling herumtreibst. Der Mann ist mir nicht geheuer.“
„Warum nicht?“
„Wer zieht in dem Alter noch um und dann ganz alleine und noch dazu in einen halb vergammelten, alten Bauernhof? Das ist doch nicht normal.“ Oma regte sich wirklich auf. „Und dann diese Haare. Der Mann trägt Pferdeschwanz und den in grau. Wie ein alter Hippie kommt er daher.“
„Ich mag Pferdeschwänze viel mehr als die kurzen Frisuren mit den halben Glatzen“, verteidigte Lina ihren neuen Freund. „Und du magst sie auch.“
Oma schwieg. Sie musste nun doch grinsen. „Du hast ja recht. Ich rede wieder wie eine alte Spießerin, und die möchte ich nicht sein. Oh! Ich doch nicht!“
Sie griff in den Korb und besah sich die Äpfel genauer. „Sie duften sehr aromatisch. Würzig und leicht säuerlich. Die perfekten Apfelmusäpfel.“ Sie grinste noch breiter. „Ich werde euren Ruf erhören und eine riesengroße Schüssel Apfelmus kochen. Für deinen neuen Freund und dich.“
„Und Kartoffelpuffer“, rief Lina da schnell. „Die sind Herrn Appelkrugs Lieblingsessen. Und meines auch. Und dann laden wir Herrn Appelkrug zum Essen ein. Damit du ihn endlich auch kennen lernst. Er ist nämlich seeeehr nett.“
„Einverstanden“, nuschelte Oma. „Ihr habt mich überredet.“
Nun grinste Lina genau so breit wie Oma. Das mit den Äpfeln war ja auch ein guter Plan gewesen. Oder?

© Elke Bräunling

Fallobst

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Max und der Spinnengeist

Muss man sich vor Spinnen gruseln?

Als Max am Abend im Bett liegt, entdeckt er an der Zimmerdecke ein Spinnennetz. Er denkt an den gruseligen Film, den er sich heimlich bei Valentin angesehen hat. Da war eine Spinne, die groß und immer größer gewachsen ist. Grausig hat sie ausgesehen. Wie ein riesiger Geist.
Trotz der Furcht schläft Max ein. Dann ist er auf einmal da, der Spinnengeist. Er kommt immer näher.
”Nei-ei-ein!”, schreit Max. ”Geh weg, du Ekelspinne! Mamaaa! Papaaa!“
Gerade will der Spinnengeist an Max´ Nase knabbern, doch dann ist Mama da und nimmt Max in die Arme. Im gleichen Moment ist der Spinnengeist verschwunden.
”Hast du schlecht geträumt?”, fragt Mama.
Max deutet zum Spinnennetz hinauf. „Der Spinnengeist wollte mich beißen. Er war riesig groß. Echt wahr.”
Mama muss lachen. ”Es gibt keine riesig großen Spinnengeister”, sagt sie.
”Ich hab ihn aber gesehen.” Max ärgert sich so sehr über Mamas Lachen, dass er sich verplappert. „Im Fernseher.”
Jetzt lacht Mama nicht mehr. ”Ihr habt euch einen Gruselfilm angesehen?”, fragt sie.
”Ein bisschen”, meint Max nun sehr kleinlaut.
”Aha!” Mama weiß Bescheid und sie guckt grimmig. Sie will schimpfen, doch dann grinst sie. ”Ich glaube”, sagt sie, ”dieser böse Traum war Strafe genug, nicht wahr?”
”Und wie!”, seufzt Max. ”Nie mehr werde ich mir eine Spinne angucken.”
”Halt!”, sagt Mama. ”Falsch gedacht. Spinnen sind sehr nützliche Tiere, die Schnaken und Stechmücken und Läuse vertilgen.”
Max staunt. ”Spinnen helfen uns, dass wir nicht gestochen werden?”
”Auch”, sagt Mama. ”Außerdem sind sie große Künstler. Morgen sehen wir uns im Garten ein Spinnennest an. Du wirst staunen.”
”Und ich muss mich nicht grausen?”, fragt Max.
”Nein”, sagt Mama. ”Spinnen sind für Menschen hierzulande ganz harmlos. Aber vor dummen Gruselfilmen solltest du dich grausen. Am besten, du schaust sie dir erst gar nicht an. Versprochen?”
”Versprochen!”, sagt Max.
Da lacht Mama wieder. ”Nun wird aber geschlafen. Es ist schon spät!”
Sie deckt Max wieder zu und keine Minute später ist Max auch schon eingeschlafen.

© Elke Bräunling


Eine lange Fassung dieser Geschichte findest du hier: Max und der Herbstspinnengeist

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Der Luftballonstrauß

Einen ganz besonderen Kirmesspaß hat Max neulich erlebt

Auf der Kirmes kauft Papa Max einen dicken, bunten Luftballonstrauß. Stolz und sehr vorsichtig trägt Max diesen Schatz über den Kirmesplatz. Die Leute lachen, als sie den kleinen Max mit dem großen Strauß voller fröhlicher Luftballons sehen. Zu komisch sieht das aus.
Das findet auch der Wind und er fegt – huiiii! – hinter den Bäumen hervor.
Huiiii!
„H-h-hiiilfe“, ruft Max, doch ehe Papa eingreifen kann, jagt der Wind wieder so heftig heran, dass der Luftballonstrauß wie ein Drache mit Max in die Lüfte steigt und langsam himmelwärts schwebt.
Max klammert sich an den Luftballons fest. Dieses Abenteuer macht ihm Spaß.
Hoch geht es und höher. Bald sind die Straßen und der Kirmesplatz klein wie Spielzeug. Auch Papa kann Max nur als winzig kleines Pünktchen erkennen, das aufgeregt auf dem Parkplatz hin- und herläuft. Max lacht. Zu lustig sieht das Papa-Pünktchen aus. Er blickt zu den Luftballons hinauf. Die tanzen vergnügt mit dem Wind um die Wette. Da wird Max mutiger.
„Ich kann fliegen“, ruft er. „Toll ist das!“
Für einen Augenblick schließt er verträumt die Augen. Als er sie wieder öffnet, steht er neben Papa auf dem Parkplatz.
Max wundert sich. Hat er diesen Himmelsausflug nur geträumt? Verstohlen blickt er zu den Luftballons in seiner Hand. Leise schaukeln sie im Wind hin- und her. Ihm ist, als lachten sie ihm zu. Max lacht zurück und lässt dabei für eine winzige Sekunde die Schnur seines Straußes los.
Huuui fegt der Wind herbei und Max´ Luftballonstrauß schwebt sacht und ohne Max himmelwärts.
„Viel Spaß da oben!“, ruft Max ihm nach dem ersten Schrecken hinterher. „Fliegen macht Spaß. Ihr werdet es sehen.“
Papa wundert sich. „Du bist nicht traurig“, fragt er.
Max schüttelt den Kopf. „Luftballons sind doch zum Fliegen da“, erklärt er ihm. „Wozu denn sonst?“
Ja, wozu sonst?
© Elke Bräunling


Eine längere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Max und der Luftballonstrauß

Diese Geschichte findet Ihr auch in dem neuen Buch: Opas Gutenachtgeschichten


Taschenbuch: Opas Gutenachtgeschichten: Betthupferl-Geschichten für Kinder
Ebook: Opas Gutenachtgeschichten


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Die Kastanienfrau

Den Bäumen ein Danke sagen im Herbst für all das, was sie für uns tun

„Die Kastanienfrau kannte früher jeder. Sie tauchte in den letzten Tagen des späten Sommers auf und zog ihre Runden durch die Stadt“, erzählte Onkel Hannes, als sie nach dem Essen bei Oma Lisa noch ein wenig zusammen saßen und plauderten. „Immer den gleichen Weg nahm sie.“
„Welchen Weg?“, fragte die kleine Mila.
„Und warum immer den gleichen?“, erkundigte sich Matthis.
„Und warum „früher’?“, wollte Papa wissen. „Ist sie heutzutage nicht mehr unterwegs?“
Onkel Hannes schlug die Hände über dem Kopf zusammen und stöhnte: „Oh! So viele Fragen auf einmal. „Ihr müsst wissen: Die Sache mit der Kastanienfrau war lange ein Geheimnis.“
Er sagte es leise und seine Stimme klang nun auch so geheimnisvoll, dass man meinen konnte, er habe diese rätselhafte Kastanienfrau selbst schon einmal getroffen. Oder wenigstens gesehen.
„Man munkelt, dass sie allen Kastanienbäumen der Stadt einen Besuch abstattet. Baum für Baum für Baum. Um jeden Stamm legt sie schützend und auch ein wenig liebkosend,die Arme und singt ihnen ihr stummes Lied vom Wachsen und Werden und Leben. Und auch vom Vergehen. Die Bäume sollen wissen, welch wichtigen Beitrag sie für das Leben von uns allen leisten und es soll ihnen wenigstens einmal im Jahr gedankt werden.“
„Oh, toll.“ Mit großen Augen sahen Mila und Matthis den Onkel an. Auch Mama hatte feuchte Augen bekommen.
„Wie wundervoll!“, sagte sie. „Das ist eine so schöne, so feine Geschichte. Und sie hat recht, die geheimnisvolle Kastanienfrau. Wir sollten alle den Bäumen öfter danken. Gerade wir Stadtleute. Sorgen die Bäume doch dafür, dass sich unsere Luft über Nacht ein bisschen erholt von all dem Schmutz, Staub und Gestank.“
„Ich will den Bäumen auch Danke sagen“, ruft Mila. „So wie es die Kastanienfrau tut.“
„Du willst Bäume umarmen?“ Spöttisch, aber auch ein wenig nachdenklich sieht Matthis seine Schwester an. Wie peinlich ist das denn? Wenn seine Freunde ihn dabei sehen würden. Nicht auszudenken wäre das. „Man kann sich auch ohne dieses Umarmen bedanken, oder?“
Papa grinst. „Aber gewiss kann man das.“
„Danke zu sagen ist nie verkehrt“, sagte Onkel Hannes. „Ich kann mir vorstellen, dass sich darüber nicht nur die Bäume freuen, sondern ganz bestimmt auch die Kastanienfrau.“
„Echt wahr? Dann werde ich gleich mit dem Bedanken anfangen“, rief Mila. „Vielleicht treffe ich die Kastanienfrau unterwegs?“
„Hast du sie denn nun schon einmal gesehen?“, fragte Matthis wieder.
Der Onkel schüttelte den Kopf. „Niemand hat sie je gesehen“, sagte er leise.
„Und warum flüsterst du dann?“, wollte Mila wissen. „Glaubst du, sie ist hier und kann uns hören?“
„Ich weiß es nicht“, sagte Onkel Hannes, noch leiser nun. „Ich weiß nur, dass wir sie hören können. Manchmal, wenn die Sonne ein besonders mildes, schimmerndes Licht auf das Land und ganz besonders auf die Bäume des frühen Herbstes legt. Dann nämlich hallt ihr Lied von Kastanienbaum zu Kastanienbaum und die Blätter sirren zufrieden im Rhythmus der Melodie. Schön klingt das. Zauberschön.“
Onkel Hannes machte eine Pause, dann fuhr er fort:
„Und dann geht alles ganz schnell. Die Blätter lassen sich von Tag zu Tag nun mehr von der Herbstsonne streicheln und werden gelb und immer gelber. Und die Kastanien, die lassen sich, eine nach der anderen, zu Boden fallen. Viele junge Kastanienbäume wollen sie werden. Oder Kastanienmännchen, von Kindern gebastelt.“
„Und die Kastanienfrau?“, fragte Mila.
„Die lacht“, sagte Onkel Hannes mit einem Lächeln. „Du kannst es hören, dieses Lachen. Wenn du draußen bist und einen Baum umarmst. Oder wenn du einfach nur Danke sagst.“

© Elke Bräunling

Hier findet Onkel Hannes die ersten Kastanien im Jahr, nein, sie fallen ihm auf den Kopf: Er ist wieder da

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Der Herbstjob der Septemberfrau

Wie gut die Septemberfrau und die Sonne zusammenarbeiten

„Ha!“, sagte die Septemberfrau. „Den Sommer, der noch immer hier im Lande weilt, gedenke ich in diesem Jahr pünktlich zu vertreiben. Er hat in meinem Monat, dem September, nichts zu suchen.“
Sie eilte über den Himmel und schob die Wolkenfront, die über den Bergen lag, ins Land hinein. Sie konnte es gar nicht erwarten, die Wiesen am Morgen mit einer Nebeldecke zu verzieren. Aber sie war sich darüber im Klaren, dass sie damit nicht übertreiben durfte. Denn auch sie wollte geliebt werden. Mit einem freundlichen Lächeln näherte sie sich der Sonne und verneigte sich vor ihr:
Herrin! Dürfte ich freundlich Euch bitten, zu Gast hier zu sein in unseren Mitten. Die Nebel des Morgens, sie blinkern dir zu. Schenk ihnen Licht, denn das Strahlen bist du.
Das gefiel der Sonne, die sich gerade ein wenig hinter den Wolken zurückziehen wollte.
„Oh wie schön! Ein Gedicht nur für mich hast du mir mitgebracht!“, sprach sie und streichelte die Septemberfrau sanft mit einem warmen Strahl. Ganz vorsichtig, damit sie sie nicht mit ihren heißen Strahlen verletzte. „Sehr gern werde ich euer Gast sein.“
Wie leicht fühlte sich die Septemberfrau da und sie sang:
Dankeschön, liebe Frau Sonne. Euch so zur Wonne werde mein Land ich dir malen. In sanft gelben Tönen soll’s strahlen.“
Und sogleich machte sie sich an die Arbeit. Sie tauchte ihren Pinsel in die sonnenblumengelbe Farbe und setzte hier ein Pünktchen auf die Blätter des Ahorns, da ein Pünktchen auf das Buchenlaub und immer wieder ließ gleich die Sonne ihre Strahlen darauf ruhen. Schön sah das aus. Zauberschön. Die Septemberfrau hielt inne und freute sich.
„Schön sieht es aus!“, sagte sie. „Zauberschön.“
Dann machte sie sich daran, die Seidenwollfäden zu entwirren, um sie mit Hilfen ihrer kleinen Helferinnen, den Alteweibersommerspinnen, über dem Land zu verteilen. Glänzen sollten sie im Strahlenkranz des Tautropfenlandes, wenn Frau Sonne morgens erwachte und ihre ersten Strahlen über Wiesen, Blumen, Felder, Seeufer und Wegraine gleiten ließ. Glitzerfunkelstrahlenhell.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl 2016

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Der Herbst auf dem Dach

Mit der Fantasie ist es oft so eine Sache

„Der Herbst ist heute Nacht gekommen“, sagt Nele beim Frühstück. „Mit einem lauten Plumps ist er auf dem Dach gelandet und hat gelacht. Dann hat er sich neben den Schornstein gelegt und zu einer Kugel zusammengerollt. Dort liegt er nun und schläft.“
Joshua verschluckt sich fast an seinem Käsebrot. „Boah Nele! Was bist du doch eine Märchentante! Das ist Quatsch. Der Herbst ist eine Jahreszeit. Er hat keine Beine, um auf Dächern herumzuspazieren.“
„Ist er ja auch nicht“, erwidert Nele entrüstet. „Du musst richtig zuhören: Er ist geplumpst!“
„Und das hast du gesehen?“
„Nein. Gehört. Und der Sommer, der hat sich auf den Rücken einer Wolke gesetzt. Auf eine Storchenwolke, und mit der ist er davon geflogen. Er hat auch gelacht.“
„Unterwegs hat er sicher den Frühling getroffen und dann haben sie zusammen Kaffee getrunken, oder? Nele, du bist unglaublich.“ Joshua tippt mit dem Zeigefinger an seine Stirn.
„Nein. Den Frühling nicht.“ Nele grinst und breitet die Arme weit aus. „Aber den großen Himmelsdrachen. Der nämlich ist ein Neffe des Herbstes.“
Joshua sieht seine Schwester verwundert an. Irgendwie klingt das spannend, was sie erzählt und nun will er es genauer wissen.
„Wie sieht er denn aus, der Herbst und der große Himmelsdrachen?“, fragt er.
„Gelb“, antwortet Nele. „Und braun und grün und auch ein bisschen rot. Er hat zwei schief sitzende Augen, die wie Wolken aussehen, und einen Blitzpfeil als Nase. Und er trägt ein Lachen im Gesicht.“
„Wer? Der Herbst oder dieser komische Drache?“
Joshua lässt nicht locker. Er kann so hartnäckig sein. Nele hat keine Lust mehr, von ihrem Traum zu erzählen. Das ist sowieso blöd, denn jeder träumt sich seine Bilder anders. Nur begreift Joshua das nicht. Keiner versteht es so richtig.
„Ich habe eine Idee!“ Joshua nimmt Nele an die Hand. „Komm, wir gehen in den Schuppen. Wir bauen einen Drachen, denn wenn der Herbst schon auf dem Dach angekommen ist, dann wird es sicher bald Wind geben und das Feld ist ja auch schon abgeerntet. Wir beide sind dann vorbereitet und lassen unseren Drachen steigen. Was meinst du?“
Gute Idee. Nele lacht. So ist das mit ihrem großen Bruder. Mit Träumen und all diesen Dingen, die man nicht unbedingt sehen kann, hat er nichts am Hut. Aber Basteln und Bauen, das kann er wie ein Weltmeister.
„Guck mal, wie schön er ist!“, schwärmt Joshua später, als der Drachen fertig ist. Nun freuen wir uns auf den Herbstwind und dann lassen wir ihn steigen. Vielleicht trifft er am Himmel ja deinen Himmelsdrachen. Das wäre doch schön.“
Vielleicht hat er doch etwas verstanden, der Joshua. Nele ist jedenfalls versöhnt. Toll ist es, einen großen Bruder zu haben.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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Herbstzeiten

Herbstzeiten

Erntezeiten, Farbenspiele,
Trauben, Nüsse, Äpfel, viele
Früchte auf der Märkte Tische.
Sonnensüße Erntefrische.
Und die Zeit, sie lacht dich an,
bunt, so wie’s der Herbst nur kann.

Silbertage, goldne Zeiten,
Wolkenspiele, Himmelweiten,
Sturmgebraus und Nebeltage,
Nässe, Kälte, Schnupfenplage.
Und die Zeit sucht ihre Zeit
in des Herbstes Endlichkeit.

Herbstgedanken, Duft und Träume.
Rot und gelb ‚blühn‘ nun die Bäume
als des Herbstes Blütenkinder.
Abschiedsfeuer vor dem Winter.
Und die Zeit, sie winkt dir zu.
Herbstesahnung. Herbstesruh.

© Elke Bräunling

Sonntagsbunt

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