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Das Leben ist voller Geschichten. Jeder Lebensmoment vermag eine Geschichte in sich zu verbergen oder laut herauszurufen oder leise in sich hinein zu weinen oder bunt zu zeichnen, zu singen, zu träumen…


Kindergeschichten rund durch den Tag und das Jahr. Nach dem Sommer meldet sich Herr Herbst erst stürmisch und nebelig, dann besinnlich und adventlich mit vielen Geschichten und Bildern zu Wort. Ihm folgen Herr Winter und die verrückten Faschingstage, der Frühling wagt sich endlich auch aus seiner Winterschlafpause, ja, und weil die Tage und Monate rasen, ist der Sommer schon wieder da, Ferien kommen und gehen, ja, und schon winkt der Sommer uns wieder zum Abschied zu und gibt lächelnd das Zepter erneut weiter an den grimmigen Herrn Herbst. Und so fängt wieder alles von vorne an mit neuen Geschichten, Märchen und Gedichten …

Immer wieder zieht hier eine weitere Geschichte in das neue Blog-Zuhause von Elkes Kindergeschichten ein. So werden nach und nach die Texte aus dem alten Blog von der einstigen Plattform blog.de hier ihre neue Heimat finden.
Es handelt sich um viele Geschichten und Märchen aus vergriffenen Büchern und/oder Zeitschriften/Zeitungen, (von denen heute keiner mehr redet,) die gerne noch weiter leben wollen. Ja, und auch NAGELNEUE Geschichten und Gedichte wird es hier nach und nach und nach geben. Es bleibt also spannend.   

Die fröhlichen Weiterlesen →

21. Dezember 2016 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Sommergeschichten, Traumgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , | 4 Kommentare

„Adieu“, sagt der Sommer

Adieu, sagt der Sommer 2

„Adieu“, sagt der Sommer
Abschiedsgedicht

„Adieu“, sagt der Sommer.
Er reicht dem Herbst die Hand
und schickt die letzte Sommersonne
zum Abschied übers Land.

„Adieu“, sagt der Sommer,
und Trauer schwingt in seinem Wort
leise mit ihm durch die Lüfte.
Nur schweren Herzens geht er fort.

„Adieu“, sagt der Sommer,
er macht sich langsam rar.
Seine Zeit ist nun zu Ende.
Der Herbst, der ist bald da.

© Elke Bräunling

21. August 2017 von Elke
Kategorien: Kindergedichte, Märchen, Sommergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Oma Wolke und die faulen Früchte

Auch Früchte, die unter den Bäumen liegen, kann man noch essen

Oma Wolke war eine tolle Nachbarin. Mit ihr konnte man über alles reden und sie hatte auch fast immer Zeit für Pia und Pit. Oder etwas Leckeres zum Naschen. Oder beides. Manchmal konnte sie aber auch echt peinlich sein und dann ähnelte sie jenen altmodischen Omas, die man aus Büchern oder Filmen kannte.
So auch heute. Auf ihrem Heimweg vom Sportplatz trafen die Geschwister die Nachbarin nämlich am Wiesenpfad, der vom Park hinter den Häusern an Wiesen und Feldern vorbei zur Siedlung führte. Unter einem Birnbaum stand sie und sammelte die verdorbenen und faulen Früchte auf, die im Gras lagen. Die legte sie in einen Korb.
Igitt! So peinlich war das! Die Birnen da auf dem Boden waren faul und voller Würmer. Dellen hatten sie auch. Vom Aufprall. Die konnte man doch nicht mehr essen.
„Was machst du mit den ollen, faulen Birnen, Oma Wolke?“, fragte Pia. „Die sehen ja voll kaputt aus.“
Pit nickte. „Das ist nur Abfall“, meinte er. „Für den Müll.“
Oma Wolke ließ sich nicht beirren.
„Redet nicht so viel! Helft mir lieber!“, sagte sie. „In den Müll kommt hier erst einmal gar nichts. Die stark angefaulten Früchte sind ein leckeres Mahl für die Wiesentiere, die besseren nehmen wir mit. Viele Birnen kann man noch gut verwerten. Man muss sie nur säubern und die faulen Stellen heraus schneiden. Ich werde aus ihnen ein feines Birnenmus kochen und Saft pressen. Vielleicht backe ich auch einen Birnenkuchen. Den esst ihr doch gerne.“
„Ich esse keinen Müll“, sagte Pit. Er schüttelte sich. Nicht einmal daran denken mochte er.
Auch Pia zögerte. Oma Wolke hatte vielleicht Ideen! Nie würde sie Dinge essen, die wie Abfall auf dem Boden gelegen haben. Okay, Nüsse und Kastanien sammelte sie im Herbst auch auf, aber das war etwas anderes. Die hatten eine harte Schale und keine Faulstellen oder gar Würmer.
„Der Birnenkuchen, den du aus den faulen Früchten machst, schmeckt bestimmt nicht so lecker wie die tollen Kuchen und Torten, die du sonst backst“, meinte sie schließlich
Oma Wolke grinste. „Wetten, dass doch? Und wetten, dass gerade die Kuchen mit Fallobst besonders gut schmecken?“
Dann erzählte sie den Geschwistern, dass sie im Sommer und Herbst die meisten ihrer Obstkuchen mit Früchten backte, die sie zuvor vom Boden aufgelesen hatte.
„Sie schmecken etwas süßer und reifer als die Früchte vom Baum, die oft schon grün und hart geerntet werden und ohne Sonne nachreifen. Die hier duften köstlich. Nach Morgentau, Spätsommer, Rosenblüten und Vanille.“ Sie hielt eine Birne mit einer kleinen, runden Faulstelle vor Pias Nase. „Schnupper mal!“
„Hm. Die riecht nach Herbst“, meinte Pia. „So ein bisschen zu reif, fast faul.“
Oma Wolke nickte.
„Stimmt. Sie duftet genau richtig für einen echten Birnenvanillekuchen auf bretonische Art. Ihr werdet sehen. Er wird euch schmecken.“
„Na ja.“ Die Geschwister sahen sich voller Zweifel an. Dann aber halfen sie doch Oma Wolke, die restlichen Birnen einzusammeln und nach Hause zu tragen. Sie halfen auch später beim Backen und beim Essen. Und ja. Oma Wolke hatte recht gehabt: Dieser bretonische Birnenvanillekuchen mit Fallobst-Früchten schmeckte fein, herrlich fein, wie alle Kuchen aus Oma Wolkes Backstube. Nach Sommer und Herbst gleichzeitig, ein bisschen auch wie ein Urlaub am Meer. Und nach Birnen natürlich. Birnen, die sich freuten, so köstlich schmecken zu dürfen und nicht im Müll landen zu müssen.

© Elke Bräunling

19. August 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Baumgeschichten, Geschichen für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Herbstgeschichten, Kindergeschichten, Sommergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der kleine Igel und der Winterbauch

Viel essen muss der kleine Igel, damit der Bauch für die lange Zeit des Winterschlafs dick und rund ist

Viel Sturm brachte das Gewitter an diesem Spätsommerabend mit. Sturm und Regen und Blitz und Donner. Es ging laut zu im Wald und die Waldtiere verkrochen sich lieber in ihren Verstecken und Höhlen und Nestern.
Auch der kleine Igel blieb länger als sonst in seinem Versteck im Holzstapel bei der Waldwiese, in dem er über Tag geschlafen hatte. Starken Regen und Sturm mochte er nämlich nicht leiden. Es war auch gefährlich, bei Gewitter unterwegs zu sein. Ein Blitz könnte einschlagen oder der Sturm könnte Äste von den Bäumen werfen oder gar einen ganzen Baum zu Boden fallen lassen. Nun aber war das Unwetter weiter gezogen und von Blättern, Zweigen und Blüten tropften die Regentropfen einer nach dem anderen zu Boden. Es waren so viele, dass man meinen konnte, es würde noch regnen.
„Eine gute Zeit, diese Nachregenzeit“, sagte der kleine Igel.
Er liebte die Stunden nach dem Regen. Die tropfenden Tropfen weckten nämlich viele Tiere auf und verlockten sie mit ihrer Regentropfenmusik, ihre Verstecke und Schlafplätze zu verlassen. Überall im Wald würde er sie nun treffen, seine Tierfreunde und auch die Feinde. Auch die Tiere, die ihm besonders gut schmeckten, waren nach dem Regen besonders zahlreich im Wald unterwegs. Am liebsten verzehrte er Schnecken und Regenwürmer und die krochen in dieser Nacht allüberall über den Waldboden. Sie mochten das Licht des Tages nämlich genau so wenig leiden wie der kleine Igel. Auch liebten sie die Feuchtigkeit, genau so wie der kleine Igel sie liebte. Und sie waren hungrig. Nach dem Regen würden sie viel Nahrung im Wald finden.
Auch der kleine Igel war hungrig. Eine reiche Beute würde er heute machen und das war auch gut so. Sein Bauch war noch nicht rund genug, um den langen Winterschlaf in der Igelhöhle gesund zu überstehen. Viel musste er noch essen.
„Essen, essen, essen“, rief er nun und schnuffelte. „Ich muss jetzt ganz viel essen, denn ich brauche einen dicken, runden und gesunden Winterbauch.“
Und das tat er dann auch in dieser Nacht, der noch viele andere Igelfeinschmeckernächte folgten. Essen! Essen! Essen! Manchmal taten sie ihm leid, die Würmer und Schnecken, die in seinem Bauch landeten. Aber wie sollte er den Winter überstehen, wenn er sich nun im Herbst nicht sattfräße?
„Das Leben kann so gemein sein“, murmelte er zwischen zwei Bissen. „Gemein und schön. Sonst wäre es nicht das Leben.“

© Elke Bräunling

16. August 2017 von Elke
Kategorien: Geschichen für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Herbstgeschichten, Kindergeschichten, Märchen, Sommergeschichten, Tiergeschichten, Waldgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Der kleine Igel und der lustige Mensch

Einmal gab ein Mensch dem kleinen Igel einen Job

Als erstes traf der kleine Igel, der sich vor Menschen fürchtete, im Garten einen … Mensch. Was für ein Schreck! Beinahe wäre er geflüchtet hinaus auf die Wiese und weiter zum Wald, wo er zuhause war. Aber er hatte Hunger. Hatte die alte Katze nicht auch gesagt, im Garten würde er mehr Nahrung finden als auf der Wiese, die die Sommerhitze so sehr ausgetrocknet hatte? Dankbar erinnerte sich der kleine Igel an die Worte der Katze. Die waren stärker als die Angst. Auch der Hunger war stärker. Und so versteckte er sich zwischen gelben Ringelblumenbüscheln. Er zog den Kopf so weit ein, dass er gerade noch etwas sehen konnte, und blinzelte zu dem Mensch hinüber.
Der beugte sich gerade über ein Pflanzenbeet. Er schien dort etwas zu suchen.
„Da haben wir den Salat!“, sagte er dabei und seine Stimme klang ärgerlich und auch ein bisschen traurig. „Was wir dieses Jahr ein Pech mit unseren Salat- und Gemüsebeeten haben! Die Schnecken fressen uns noch die Haare vom Kopf. Es sind aber auch so viele.“
Die Haare vom Kopf? Der kleine Igel erschrak. So gefährlich waren die Schnecken hier im Garten? Und gleich so viele! Huch!
„Einen Igel müsste man als Gast haben!“, fuhr der Mensch da fort. „Er könnte uns helfen.“ Er kratzte sich am Kopf und sah dabei aus, als würde er nachdenken. „Und mir war, als sei vorhin ein kleiner Igel durch den Garten gehuscht. Ein kleiner Igel, der uns und unseren Salatbeeten helfen könnte.“
Er richtete sich auf und blickte zu dem kleinen Igel herüber. Nun kam er auch noch näher. Ein Schritt und noch ein Schritt und …
Das Herz des kleinen Igels schlug schnell und schneller. Würde dieser Mensch ihn nun fangen und würde er ihm weh tun oder … Ja, was konnte er nicht alles mit ihm, dem armen, kleinen, hungrigen Igel, anstellen?
Der kleine Igel zögerte. Nein, diese Gefahr war ein satter Bauch nicht wert. Besser, er würde gleich und auf der Stelle weglaufen, zurück in seinen Wald. Dort war er sicher.
„Noch ein Schritt, Mensch!“, murmelte er. „Wenn du noch einen Schritt näher kommst, bin ich weg. Das schwöre ich dir. Hörst du?“
Und der Mensch schien zu hören. Er blieb stehen.
„Hab keine Angst, kleiner Igel!“, rief er ihm zu. „Und sei willkommen in unserem Garten! Bleibe ein bisschen bei uns und sei unser Gast!“
„Hm!“ Der kleine Igel blinzelte wieder. Das klang nicht nach Gefahr. Der Mensch schien ein netter Mensch zu sein.
„Wir freuen uns sehr über deinen Besuch“, sagte der Mensch da noch. „Und nun lasse ich dich alleine. Die Nacht kommt und ich bin müde. Gute Nacht, kleiner Igel!“
Mit jedem Wort entfernten sich die Menschenschritte mehr.
Der kleine Igel atmete auf.
„Ach ja“, rief da der Mensch von weitem noch. „Hab keine Scheu und friss dich satt in den Salat- und Gemüsebeeten! Der Tisch ist dort für dich schon seit Tagen gedeckt mit vielen leckeren Salatschnecken.“
„Salatschnecken?“ Der kleine Igel kicherte. Das war ja vielleicht ein lustiger Mensch! Das musste er Mama Igel unbedingt erzählen, wenn er wieder nach Hause kam. Sie sollte auch wissen, dass nicht alle Menschen gefährlich sind. Nein, da sind auch ein paar nette und lustige darunter.
Nun aber wollte er sich erst einmal den gedeckten Igeltisch anschauen und schnell tippelte er zum Salatbeet hinüber.
„Salatschnecken!“, murmelte er dabei und musste wieder lachen. „Welcher Igel isst schon gerne Salat?“

© Elke Bräunling

13. August 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Geschichten für Kinder, Herbstgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 4 Kommentare

Der Apfeltraum im Apfelbaum

 

Der Apfeltraum im Apfelbaum

Apfelgedicht

Hoch in einem Apfelbaum
träumt‘ ein Apfel einen Traum.
„Ha! Der Schönste bin ich. Seht,
wie gut mir dieses Schönsein steht!
Rot die Backen, prall und rund,
zudem bin ich kerngesund.
Jeder, der mich sieht, ruft: ‚Oh!
diesen Apfel mag ich so!
Lieber Apfel, komm zu mir!
Mir gelüstet sehr nach dir.‘
Nicht mit mir. Ich rufe: ‚Pah!
Ich bin nicht für jeden da!'“
Sprach’s und streckte sein Gesicht
zu der Sonne hellem Licht.
Längst war’n alle Äpfel fort,
nur der Apfel hing noch dort
oben hoch in seinem Baum.
Wahr geworden war sein Traum.
Als der Winter zog ins Land,
man ihn dort noch immer fand.
Er hängt jetzt noch, welk, verfroren,
seine Schönheit ist verloren.

© Elke Bräunling

09. August 2017 von Elke
Kategorien: Kindergedichte | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

Mit dem Bus zur Schule

Wenn die Schule in einem anderen Ort ist und der Busfahrer Egon Riese heißt

Maja, Timo und Lutz wohnen in einem kleinen Walddorf auf dem Land. Das Dorf ist so klein, dass es hier nur Häuser gibt und Bauernhöfe, eine Kirche, ein Gemeinschaftshaus und eine Kneipe, den Dorfkrug. Zum Einkaufen muss man in die Nachbardörfer fahren oder gleich ein paar Kilometer weiter in die Kleinstadt am Rande des großen Waldes. Man gewöhnt sich daran. Klar, eine Schule gibt es auch nicht, denn die wenigen Dorfkinder können schlecht eine ganze Schule mit allen Schulklassen füllen. Das ist aber auch nicht schlimm. Zur Schule geht es mit dem Bus über die Dörfer in das kleine Städtchen. Unterwegs sammelt der Bus in jedem Dorf die Schüler ein, und das ist eine coole Sache. Überhaupt: Busfahren ist toll. Man trifft hier viele nette Leute, man kann spielen, quatschen, blödeln. Man kann auch heimlich noch schnell ein paar Hausaufgaben im Bus machen. Das ist praktisch.
Seit heute sind auch die Erstklässler Maja, Timo und Lutz mit von der Partie. Auf die Fahrt mit dem Bus freuen sie sich mehr als auf die Schule. Wenn nur Egon Riese, der Busfahrer, nicht wäre. Der nämlich soll, sagen die älteren Kinder, ein gemeiner Kerl sein. Laut soll er sein, streng, unheimlich, ernst und mächtig wie ein schauriger Riese. Wie ein schauriger Riese sieht er auch aus, wenn er mit böser Miene den Bus stoppt, die Tür öffnet und den Kindern beim Einsteigen zusieht.
„Vor dem müsst ihr aufpassen“, hatten die anderen Kinder Maja, Timo und Lutz gewarnt. „Kinder, die nicht auf ihn hören oder die er nicht leiden mag, schmeißt er einfach, knack und zack, aus dem Bus.“
Echt wahr? Fast können die drei Erstklässler am Abend vor der ersten Schulbusfahrt nicht schlafen. Was, wenn der Riese Egon sie unterwegs mitten im Wald aussetzt? Huh! Gar nicht daran denken möchten die drei. Angstameisen tanzten in ihren Bäuchen und ihre Beine fühlen sich zittrig an, als sie am nächsten Morgen hinter den älteren Kindern in den Bus einsteigen.
„Guten Morgen, die Herrschaften!“, begrüßt Egon die Kinder mit donnernder Riesenstimme.
„Morgen“, rufen die Kinder und Maja sagt vorsichtig:
„Guten Morgen, Herr Riese.“
Busfahrer Egon stutzt, dann lacht er ein lautes dröhnendes Lachen, das gar nicht schaurig, sondern sehr nett klingt.
„Hahaha! Haben sie euch wieder ihr Schauermärchen vom fiesen Riesen erzählt, diese Teufelsgören? Hahaha! Das machen sie doch jedes Jahr wieder mit den Neuen.“
Er greift in seine Tasche und zieht drei bunte Bücher hervor. Die drückt er Maja, Timo und Lutz in die Hände.
„Mein Geschenk für alle Greenhorns. Ein Buch, das ich geschrieben habe.“ Er lachte wieder. „Und Riese heiße ich auch nicht. Ich sehe nur so aus. Gestatten, Klein. Egon Klein.“
‚Die Geschichte vom Riesen, der sich vor einem Bus fürchtet‘ steht in Großbuchstaben auf dem Buchdeckel. ‚Von Egon Klein‘.
Klein? Nicht Riese. Und überhaupt. Busfahrer Egon ist sehr nett und überhaupt kein Kinderhasser.
Maja, Timo und Lutz atmen auf. Sie freuen sich. Wie toll es sich doch anfühlt, mit Busfahrer Egon zur Schule fahren zu dürfen. Und was ein Greenhorn ist, würden sie auch noch lernen. Deshalb fahren sie ja in die Schule. Zum Lernen.

© Elke Bräunling

07. August 2017 von Elke
Kategorien: Dorfgeschichte, Geschichten für Kinder, Kindergeschichten, Mutgeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 1 Kommentar

Das ganz andere ‚Handy‘

Zum Reden braucht die Großtante kein Handy – Eine Geschichte für Kinder

Heute hatte Großtante Luise ihre Feriengäste Pia und Pit zur alten Martha geschickt. Eier holen. Martha hatte nämlich die fleißigsten Hühner im Dorf.
„Hast du Eier für uns, Martha?“, fragte Pia. „Tante Luise wollte dich deswegen anrufen, doch sie kann gerade ihr Handy nicht finden.“
Martha lachte. „Das kann mir nicht passieren. Mein Telefon hängt fest an der Wand. Mit einer Schnur.“
„Hast du kein Handy?“, fragte Pit.
Martha winkte ab. „Wozu?“
„Zum Telefonieren“, sagte Pia. „Ist doch klar.“
„Und zum Surfen und Lesen und Spiele spielen“, ergänzte Pit.
Martha, die zwar alt, aber nicht altmodisch war, schob die Brille in die Stirn und blickte die Geschwister mit großen Augen an.
„Zum Surfen und Lesen und Spiele spielen?“, fragte sie. „Was für eine verrückte Welt das doch ist! Zum Lesen habe ich meine Zeitungen und meine Bücher, zum Spielen meine Karten und das Schachspiel.“ Sie grinste schelmisch. „Und zum Surfen setze ich mich an meinen Computer. Ha! Das hättet ihr nicht gedacht, dass ich einen Computer habe. Stimmt’s?“ Nun lachte sie.
Stimmt. Das hatten Pia und Pit nicht geglaubt, auch wenn die Großtante immer „Täuscht euch nicht in der alten Martha. Sie ist ein Schlitzohr“ sagte.
„Aber mit einem Computer kannst du nicht telefonieren.“ Pit war froh, dass ihm das gerade noch einfiel.
„Ich habe ja auch ein Handy. Für den Notfall“, sagte Martha. „Und das liegt mit Geldbeutel und Schlüsselbund immer in meiner Tasche. Hier im Haus brauche ich es nicht. Ich telefoniere damit … und damit auch.“ Sie deutete auf das schwarzen Telefon mit der altmodischen Wählscheibe und auf den Eierkarton, der auf der Garderobenablage neben Marthas Hüten und Mützen lag.
„Du telefonierst mit einem Eierkarton?“, prustete Pit los und Pia stellte sich vor, wie die alte Martha einen Eierkarton ans Ohr hob und „Hallo, hier spricht Martha!“ sagte.
Martha lachte. Dann schlüpfte sie in ihre Wollweste, setzte die Mütze auf, steckte ein paar Geldmünzen ein und nahm den Eierkarton. „Kommt! Wir gehen telefon…, äh, Eier kaufen.“
„Du kaufst Eier?“, fragte Pit.
„Hast du denn keine?“ Pia starrte ungläubig aus dem Fenster auf die Hühnerwiese hinaus.
Martha grinste. „Kommt mit. Psst!“
Und dann zogen Pia und Pit mit der alten Martha durchs Dorf.
„Ich brauche noch ein paar Eier“, sagte Martha unterwegs zu jedem, den sie traf. Und mit jedem plauderte sie fünf oder zehn oder zwanzig oder mehr Minuten über Gott und die Welt. Nur nicht über Eier. Als sie sich nach vielen Plaudereien endlich auf den Heimweg machten, war der Eierkarton in Marthas Hand noch immer leer. Ihre Köpfe aber waren voller Neuigkeiten aus dem Dorf, dem Wald und aus der Welt dahinter.
Sie trafen übrigens noch weitere Dorfbewohner, die einen Eierkarton mit sich trugen. Er war leer wie der von Martha …
„Der Eierkarton“, staunte Pia, „ist wirklich so etwas wie ein Handy. Cool, nicht?“

© Elke Bräunling

Foto

Frische Eier vom Land

Diese Geschichte findest du neben vielen anderen in dem Buch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben


Taschenbuch:Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben: Geschichten vom Land
Ebook:Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben: Geschichten für Kinder vom Leben auf dem Land *

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05. August 2017 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Dorfgeschichte, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Urgroßvaters ‚gruselige‘ Schulgeschichten

Urgroßvaters Schulgeschichten sind vielfältig, man weiß nie, ob man sich gruseln soll oder nicht

„Erzählst du uns wieder eine Geschichte von früher, Opa? Eine gruselige von der Schule wäre toll!“
Finn, Emma und ihre Cousinen, die Zwillinge Jara und Lia, sitzen vor Urgroßvater Janos’ Korbsessel auf dem Boden und erbetteln sich Geschichten von früher, als der Urgroßvater so alt war, wie sie es heute sind. Seine Schulgeschichten lieben sie besonders.
„Die gruseln so schön“, schwärmt Emma, die wie ihre Cousinen bald in die Schule kommt und deswegen schon sehr aufgeregt ist.
„Gruseln?“, staunt Mama. „Es sind doch keine Gespenstergeschichten.“
„Nein“, sagt Lia. „Gespenstergeschichten sind lange nicht so unheimlich wie Uropas Schulgeschichten.“
„Und sie kribbeln auch nicht im Bauch“, ergänzt Jara.
Mama schüttelt den Kopf. „Was erzählst du den Kindern da, Opa Janos?“, fragt sie und sie guckt dabei ein bisschen nervös.
„Die Wahrheit“, knurrt der Urgroßvater. „Es sind die gleichen Geschichten, die ich auch dir damals erzählt habe, als du auf meinem Schoß herumgekrabbelt bist.“
„Ach, diese Geschichten!“ Mamas Stimme klingt gedehnt. Sie erinnert sich. Und sie denkt an das alte, halb zerfallene Schulhaus in Uropas Geburtsstädtchen, in dem acht Schulklassen in nur zwei Schulräumen unterrichtet wurden. Sie denkt an die strengen Lehrer, die Rohrstöcke, die Prügelstrafen, die Kämpfe zwischen katholischen und evangelischen Schülern und an den Zaun, der mitten durch den Schulhof verlief und die Mädchen von den Jungen trennte. Es war eine strenge, düstere Zeit, die Angst macht. Man soll sie aber auch nicht vergessen. Die Wahrheit kann manchmal eben grausamer sein als jedes noch so gruselige Märchen.
„Okay“, sagt Mama nun und setzt sich zu den Kindern auf den Boden. „Erzähle uns von deiner Schulzeit!“
Und während Finn, Emma, Jara und Lia vor Vorfreude in die Hände klatschen, zwinkert sie Urgroßvater Janos zu. Der zwinkert zurück und dann erzählt er ihnen viele kleine Geschichten von lustigen Streichen, die sie ihren Lehrern gespielt hatten, von Sportfesten, von Vorlese-Wettkämpfen und Schulfeiern, von Maikäferwochen und Kartoffelernten, von Ernteferien und Stoppelfeldtagen mit der ganzen Schule, von netten und weniger netten Schulkameraden und vom Lehrer Fritzl, der ein besonders komischer Mann gewesen war und über den man so oft so viel lachen konnte. Gruselig sind diese Geschichten alle nicht. Nicht in den Augen von Urgroßvater Janos, der dem Leben schon immer lieber ein lachendes Gewand ins Gesicht malt.

© Elke Bräunling

Weitere Schulgeschichten findest du hier: Schulgeschichtenlinks

31. Juli 2017 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichen für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Kindergeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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