Als die Aprilfee das Wetter verschlief

Mit dem Wetter im April ist es so eine Sache, und ganz unschuldig daran ist die Aprilfee nicht …

„Reif. Die Zeit ist reif.“
Suchend sah sich die Märzfee um. Hier gab es für sie nichts mehr zu tun. Ihren Job hatte sie erledigt, die Natur war erwacht und auf den Frühling vorbereitet.
„Wo bleibt meine Nachfolgerin, die Aprilfee? Meine Zeit ist vorbei. Aber wie kann ich das Land ohne Feenschutz alleine lassen?“
Die Märzfee war erschöpft. Jedes Jahr aufs Neue ließ ihre Aprilkollegin sie warten.
„Bestimmt hat sie wieder verschlafen“, murmelte sie. „Dabei sollte sie sich darum kümmern, die Menschen aus ihrer Frühjahrsmüdigkeit zu locken. Jetzt ist es an der Zeit, nachdem ich die Natur aufgeweckt habe. Ja, und um das Wetter sollte sie sich auch kümmern. Die Blumen- und Kräutersamen, die ich ausgestreut habe, brauchen Wärme und Sonnenlicht und Regennässe. Alles zusammen. Sie dürfen nicht verdursten und auch nicht in feuchter Erde ersticken. Sie, ja, sie brauchen ihre Wetterfee … und die schläft.“
Die Märzfee brach ab. Grübeln war sinnlos. Es gab nur eines: Sie musste die Wettergeister um Hilfe bitten.
Und das tat sie dann auch. Und wie in jedem Jahr rieben sich diese vor Freude die Hände. Alle zusammen machten sie sich auf den Weg: die Geister der Sonne und Wärme, des warmen und kalten Windes, der Fröste und Schneeflocken, des Donners und Blitzes und auch die Sturmgeister. Und alle zusammen wollten sie sofort und auf der Stelle mit ihren Jobs loslegen. Da sie sich, auch wie in jedem Jahr, nicht einigen konnten, stritten und schimpften sie aufeinander los. Was für ein Getöse und Lärmen war das am Aprilhimmel!
So wild ging es zu, dass die Aprilfee endlich aus ihrem Winterschlaf erwachte. Sie schüttelte ihr langes, wirres, rot-braun-schwarz-blond-weiß leuchtendes Haar und viele Millionen und Abermillionen kleiner rot-braun-schwarz-blond-weißer Feenstaubfünkchen stoben durch die Luft. Die verteilten sich überall im Land. Sie krochen auch in die Nasen der Menschen und der Wettergeister, sodass alle erst einmal kräftig niesen mussten.
„Hatschi! Haaatschi!“, hallte es durchs Land und über den Himmel und die Aprilfee lächelte.
„Na bitte!“, sagte sie zur Märzfee. „Eine Aufgabe habe ich bereits erledigt. Die Menschen sind nun wach. Das ‚Hatschi! Haaatschi!‘ vertreibt jeden Schlaf. Du darfst dich zurückziehen, liebe Märzkollegin. Und entschuldige bitte meine kleine Verspätung. Ich hatte mich doch tatsächlich ein wenig in der Zeit vertan. Nun aber muss ich mich um das Aprilwetter kümmern, so wie es sich für mich als Wetterfee gebührt.“
Und ehe die Märzfee dazu etwas sagen konnte, war die Aprilfee bereits davon geschwebt gen Himmel, wo die Wettergeister immer noch laut aufeinander einschimpften. Und die stritten und stritten dort wieder und wieder, den ganzen Monat April lang.
So kommt es, dass es im Monat der Aprilfee manchmal an einem Tag regnen, schneien, stürmen, warm und kalt sein kann. Alles auf einmal. Irgendwie, scheint es, muss sie es eben doch noch ein paar hundert Jahre und mehr üben, eine rechte Wetterfee zu sein.
© Elke Bräunling

Eine weitere April-Monats-Wettergeschichte findet Ihr hier: Vom närrischen Monat April und hier: Als der April einmal nicht mehr ein ‚Aprilnarr‘ sein wollte
Viel Spaß damit!
🙂

Geschichten der Monatsfeen findet Ihr hier:
Als die Januarfee das Glück suchte
Als die Februarfee ihr buntes Winterlied sang
Als die Märzfee den Frühling brachte
Als die Aprilfee das Wetter verschlief
Als die Maifee frische Freude brachte
Als die Junifee die Nächte heller machte
Als die Julifee die Sommerwärme brachte
Als die Augustfee die Äpfel küsste
Als die Septemberfee den Sommer verabschiedete
Als die Oktoberfee das Land bunt bemalte
Als die Novemberfee die Ruhe brachte
Als die Dezemberfee ein Lächeln zauberte

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin
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6 Responses to Als die Aprilfee das Wetter verschlief

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