Bist du eine Mutter?
Bist du eine Mutter?
Eine etwas andere Muttertagsgeschichte
„Meine Mama ist trotzdem bei mir.“
Jeder Tag im Jahr ist ein Muttertag. Ein kleiner Junge verschenkt Blumen an fremde Frauen, einfach nur deshalb, weil sie Mütter sind. Doch hinter seiner freundlichen Geste verbirgt sich eine berührende Geschichte über Verlust, Liebe und die Erinnerung an seine eigene Mama.
Eine leise Muttertagsgeschichte, die zeigt, dass Liebe über den Tod hinaus weiterleben kann. Für Kinder im Grundschulalter, Familien, Muttertagsprojekte, Gesprächsrunden über Gefühle und Verlust sowie für alle, die stille, hoffnungsvolle Geschichten mögen.
Mit Ausmalbild.
Bist du eine Mutter?
„Bist du eine Mutter?“ Mit einem fragenden Blick stand der Junge vor der Dame, die aus der Bäckerei kam.
„Ja. Warum fragst du?“ Misstrauisch starrte die Frau den Jungen an. Ob er betteln wollte?
Doch da zog der Junge eine Rose, die er hinter dem Rücken verborgen hielt, hervor und reichte sie der Dame.
„Für dich!“, sagte er.
„Für mich?“, staunte die Fremde. Sie lächelte nun. „Danke schön. Aber sag, warum schenkst du mir diese schöne Rose?“
„Weil du eine Mutter bist“, antwortete der Junge und grinste ein wenig verlegen. „Meine Oma sagt, jeder Tag im Jahr ist ein Muttertag und sollte gefeiert werden.“
„Das hast du schön gesagt.“ Die fremde Dame freute sich. „Doch warum schenkst du die Blume nicht deiner Mama?“
„Hab ich schon. Jeden Tag lege ich eine Blume auf ihr Grab. Sie ist nämlich gestorben, als ich auf die Welt kam.“
„Oh!“ Die Dame suchte nach Worten. „Das …“
„Ich weiß schon, was du sagen willst“, unterbrach sie der Junge schnell. „Meine Mama ist trotzdem bei mir, und Blumen mag sie besonders gerne leiden. Deshalb …“
„Deshalb …?“ Die Dame war verwirrt.
„Deshalb“, sagte der Junge, und mit einem „Tschüs“ rannte er davon.
Betroffen und gleichsam beglückt sah die Dame ihm hinterher.
„Armer kleiner Kerl!“, murmelte sie.
Da sah sie, wie der Junge bei der Apotheke stoppte und sich vor einer älteren Frau, den Blumenstrauß hinter dem Rücken verborgen, aufbaute. „Bist du eine Mutter?“, würde er sie fragen und ihr, falls diese bejahte, eine Blume überreichen.
Bist du eine Mutter?
Die Dame, die es eigentlich eilig gehabt hatte, ließ sich Zeit an diesem Morgen. Das Leben war zu schön und zu kurz, um es ständig in unnötiger Eile zu verbringen. Außerdem, war heute für sie nicht so etwas wie ein Muttertag?
…
„Der Junge kommt! Schnell!“ Frau Blumenfee vom nahen Blumenlädchen nahm einen Strauß mit nicht mehr ganz so frischen Margeriten aus der Vase in ihrem Schaufenster und legte ihn auf die Mülltonne, die im Hof stand. Und mit einem Lächeln sah sie, wie der Junge in den Hof schlich und sich über die „Abfall“-Blumen freute.
„Hab einen guten Tag, Kleiner!“, murmelte sie. „Bis morgen …“
© Elke Bräunling
Diese Geschichte findest du in dem Buch:

Taschenbuch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte von Frühling und Sommer: Frühlings- und Sommergeschichten – Von Kindern erzählt *
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Hallo!
Dürften wir die Geschichte „Bist du eine Mutter?“ in einer lokalen kleinen Zeitschrift abdrucken? Natürlich mit Quellenverweis.
Gruß, Robert V.
Gerne.
Wenden Sie sich bitte mit Bitte um Abdruckgenehmigung an meinen Verlag. Die Anschrift finden Sie hier: https://www.elkeskindergeschichten.de/abdruck-nutzung-kopien/
Vielen Dank und schöne Grüße
Ele
Eine wunderschöne Geschichte, die mir doch tatsächlich die Tränen in die Augen getrieben hat. Danke im Namen aller Mütter.
LG
Astrid
Dankeschön, liebe Astrid. Deine Tränen bedeuten mir sehr viel. <3
Liebgruß
Ele
Ich bin auf der Suche zur Vorbereitung der muttertagsstunde im Seniorenheim auf diese tolle Geschichte gestoßen, es hat mich sehr berührt, werde diesen Text am Vormittag im Heim vorlesen. Vielen Dank für diese tolle Begebenheit.
Danke, das freut mich sehr.
Alles Gute mit Ihrer Muttertagsstunde und liebe Frühlingsgrüße, 🌺
Elke