Ruhetag für Mama

Familiengeschichte für Kinder – Als sich Mama einmal einen Tag nur für sich alleine wünschte

Als Tim zum 28ten Mal ‚Was wünschst du dir zum Geburtstag (oder Muttertag)‚ fragte, schlug Mama genervt die Hände über dem Kopf zusammen und sagte:
„Wenn du mir wirklich ein ganz wundervolles Geschenk machen möchtest, so schenke mir einen Tag lang Zeit. Zeit nur für mich alleine.“
Tim seufzte. „Immer wünschst du dir Zeit. Doof ist das.“
Mama nickte. „Jeder Mensch braucht zuweilen etwas Zeit für sich und seine Träume.“ Sie blickte zu ihrem Computer hinüber. „Und ich träume schon so lange davon, ein Buch zu schreiben. Einen Krimi.“ Sie seufzt wieder. „Doch dazu braucht man viel …“
„… viel Zeit!“, unterbrach Tim seine Mutter. Er wusste längst, dass Mama sich für diesen Krimi ihre Zeit nachts stahl und oft morgens müde war. „Ich weiß es und ich werde dir ein ganz großes Zeitgeschenk machen“, versprach er.
„Kein Geschenk, bitte“, bat Mama. „Nur einen Tag Ruhe.“
„Einverstanden.“ Tim beschloss, alles dafür zu tun, dass Mama an ihrem Geburtstag (am Muttertag) nichts weiter als ihre Ruhe hatte.
Und das tat er dann auch.
Auf Zehenspitzen schlich Tim an Mamas Ruhetag durch die Wohnung und passte auf, dass auch kein anderer Mama störte.
„Mama schläft“, sagte er zu allen, die heute anriefen und Mama sprechen wollten. Er sagte es sogar zu Papa, der aus Südafrika, wo er für zwei Monate arbeitete, anrief, zu Oma und zu Bea, Mamas bester Freundin. An die Wohnungstür hängte er ein Schild und darauf stand in Großbuchstaben geschrieben: „NOTFALL ! BITTE HEUTE NICHT LÄUTEN“. Und in Kleinbuchstaben stand darunter: „Wenn Ihr Lust habt, dürft ihr alle morgen kommen. Vielleicht feiern wir dann ja ein Fest.“
Still war es in der Wohnung. Unheimlich still. Und still war es auch in Mamas Zimmer. Fast auch unheimlich still. Tim hörte nämlich nicht wie sonst das Klacken der Computertasten. Er wunderte sich. Wollte Mama an ihrem Ruhetag nicht an ihrem Krimi weiter schreiben? Oder schlief sie etwa?
Tim lauschte lange, dann war ihm diese Stille so unheimlich, dass er die Tür zu Mamas Zimmer öffnete.
Mama saß am Schreibtisch vor dem Computer, doch sie schaute nicht auf den Computerbildschirm. Nein, aus dem Fenster starrte sie. Dann wandte sie sich langsam zu ihm um.
„Keiner denkt heute an mich. Kein Anruf. Keine Besucher. Das macht mich so traurig“, sagte sie leise. „Und diese Stille hier ist so still, dass ich nicht richtig denken kann. Verstehst du das?“
Mama freute sich nicht? Tim schüttelte den Kopf. Nein, das verstand er nicht, doch man musste ja nicht alles verstehen.

© Elke Bräunling

Ruhetag, Bildquelle © StockSnap/pixabay

 

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