Fasten mal anders! Vier Kindergeschichten zum Innehalten
Fasten mal anders!
Vier Kindergeschichten zum Innehalten
Freundliche Geschichten über kleine Veränderungen, Achtsamkeit und das, was Kindern und Erwachsenen guttut
Die Fastenzeit ist eine Zeit des Innehaltens. Nicht des Verzichts um jeden Preis, sondern des bewussten Hinschauens.
Diese Geschichten erzählen davon, wie Kinder – und mit ihnen die Erwachsenen – auf ihre ganz eigene Weise fasten: mit Neugier, Humor, Nachdenklichkeit und Herz. Es geht um kleine Veränderungen, neue Gedanken, achtsame Worte und darum, herauszufinden, was wirklich guttut.
Eine Einladung, die Fastenzeit freundlich zu betrachten als Zeit für mehr Miteinander, Leichtigkeit und bewusste Momente im Alltag. Mit Ausmalbildern.
Inhalt
Fastenfeste

Kindergeschichte zur Fastenzeit – Fasten, muss das sein?
Die Fastenzeit hatte begonnen. Eine komische Zeit, wie Pia und Pit fanden. Daran mussten sie sich erst gewöhnen. Und irgendwie hatten sie gerade noch mehr Sehnsucht nach ihren Eltern, die für ein Jahr in Kanada arbeiteten. Die fasteten nämlich nicht. Auch Opa hatte wenig Lust auf die Fastenzeit.
„Das Leben ist so kurz und ich möchte keinen Tag freiwillig mit Dingen vergeuden, zu denen ich mich zwingen muss und die mir nicht gut tun“, sagte er.
Oma nickte. „Wir versuchen, ein Leben mit Maß und Achtsamkeit zu führen für das, was wir tun und essen. Jeden Tag im Jahr, nicht nur zur Fastenzeit. Das gefällt mir besser.“
Pia und Pit atmeten auf. Auf das Fasten hatten sie auch keine Lust. Was sie von ihren Freunden darüber nämlich hörten, klang unbequem und nervig.
„Dennoch aber“, fuhr Oma fort, „können wir in den Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostern ein kleines bisschen mehr für unsere Achtsamkeit tun. Was haltet ihr davon, wenn wir in diesen Wochen versuchten, auf Zucker zu verzichten?“
Die Geschwister erschraken. Das klang nun aber doch bedenklich.
„Gar nichts Süßes?“, fragte Pit.
„Gehört Honig auch zum Zucker?“, erkundigte sich Pia vorsichtig. „Und Obst auch?“
„Nein. Wieso das denn auch?“ Um Omas Mundwinkel zuckte es und die Fältchen um ihre Augen lächelten.
„Weil … weil da ist ja auch Zucker drin“, stammelte Pia und Pit brummte:
„Ganz ohne süß wäre ganz schön doof.“
„Stimmt“, sagte Opa. „Ich möchte auch nicht bis Ostern auf ein Stück Kuchen verzichten.“
„Denkt ihr, ich wünsche mir das?“ Oma lachte nun. „Man kann auch ohne Zucker ‚süß‘ essen, und das probieren wir einfach mal aus. Ganz schön spannend ist das. Findet ihr nicht auch?“
Das stimmte. Auf Omas Ideen zum Süßessen ohne Zucker konnte man wirklich gespannt sein.
„Und jede süße Speise ohne Zucker werden wir feiern wie ein kleines Fest. Einverstanden?“
Das klang nun wirklich nicht schlecht. Pia und Pit atmeten auf. Auch Opa war die Erleichterung anzusehen.
„Es ist eine gute Idee, das Fasten zu feiern“, sagte er. „Und da fällt mir doch glatt der Funkensonntag ein. Bei meiner Cousine Luise auf dem Land wird der noch mit einem tollen Fest gefeiert. Am Abend dann wird auf dem Burgberg ein großes Funkenfeuer entzündet. Jeder darf ein Stück Feuerholz mit seinen Wünschen zum Frühlings- und Fastenbeginn mit auf den Feuerhaufen legen und das sollten wir auch tun. Einverstanden?
„Au ja!“ Pia und Pit jubelten, auch wenn sie das mit dem Fasten und den Feuerhölzern nicht ganz verstanden hatten. Egal. ‚Funkensonntag‘, das klang nach einem Fest und Feste waren ebenso willkommen wie die Besuche bei Großtante Luise. Und mal ehrlich: Die Großtante, die das Leben nur ungern ernst nahm, würde nicht auf den Zucker in ihrem Kuchen verzichten. Ganz gewiss nicht.
© Elke Bräunling
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Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir
eine Geschichte zu Festen im Winter

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Pommes-Fasten
Pit träumt. Er träumt von einem Schälchen Pommes rot-weiß. Eigentlich möchte er sich nie mehr Pommes mit Ketchup und Maio kaufen. Die sind nämlich ungesund und eine Nascherei. Und sie machen dick. Außerdem ist Fastenzeit.
In der Fastenzeit, hat Pit Mama und Papa versprochen, hält er sich an die Regeln, und die heißen: keine süßen Getränke und keine Naschereien, schon gar nicht zwischen den Mahlzeiten. Es sind keine harten Regeln und Pit passt auf, was er isst und trinkt. Nur bei Pommes rot-weiß ist da dieser gemeine innere Schweinehund manchmal da. Der verführt zu Dingen, die nicht gut tun oder die verboten sind. Und Pommes sind verbotene Naschereien.
Eine Tüte kaufen und heimlich essen, passt nicht zu dem Fasten-Versprechen, das Pit gegeben hat.
„Pommes“, hat Mama gesagt, „brechen das Fasten ebenso wie Schokolade, Kekse, Eis, Cola oder Hamburger.“
Fies ist das, findet Pit. Aber okay. Man muss verzichten können und Pit kann verzichten.
Nur heute nicht. Den ganzen Tag in der Schule denkt er an Pommes rot-weiß und das Wasser läuft ihm im Munde zusammen. Hmm! In seinem Magen grummelt es und sein Herz schlägt ein bisschen schneller. Vor Aufregung.
Er muss so sehr daran denken, dass er auf dem Heimweg am Imbissstand stehen bleibt. Der Pommesduft kitzelt gemein in der Nase, und Pit glaubt, keinen Schritt weiter gehen zu können.
Wie gelähmt ist sein Denken nun. Er kann nur noch eines tun: Geldstücke abzählen, zum Imbissstand gehen und „Ein mal Pommes rot-weiß“ sagen.
Ein mal Pommes rot-weiß. Sie duften würzig und lecker und besser als in seinen Träumen.
Wie gebannt sieht Pit zu, wie die Imbissverkäuferin die goldgelben Pommes aus der Friteuse in ein Papp-Schälchen gibt und mit Salz bestreut. Nun noch ein Klecks Ketchup und ein Klacks Majo und fertig ist die köstlichste Köstlichkeit auf der Welt. Und fertig ist auch die Sache mit dem Fastenversprechen.
Endlich hält Pit seine Pommes in der Hand. Er schnuppert. Sie duften noch immer. Nach Verbotenem. Und nach einem gebrochenen Versprechen. Und gar nicht mehr so lecker.
Pit runzelt die Stirn. Er hat auf einmal keine Lust mehr auf Pommes. Er blickt auf das Schälchen. Die Pommes lachen ihn an und locken. Pit lacht auch. Und mit einem Lachen reicht er das Schälchen dem Mann, der mit einer Bierflasche neben dem Imbissstand steht, sagt: „Guten Appetit“ und läuft schnell nach Hause.
© Elke Bräunling
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Als Anna mit Worten fastete
Fastengeschichte für Kinder – Anna will auch fasten, doch sie fastet anders
Anna fastet. Sie fastet leise und ganz anders. Sie sagt nicht „Nein danke, es ist Fastenzeit!“, wenn Mama ihr zum Nachtisch einen Pudding mit Schokoladensoße anbietet oder wenn sie an eiligen Tagen unterwegs einen ’schnellen ungesunden’ Hotdog essen.
Sie sagt auch nicht „Danke, ich faste!“, wenn Oma ihr heimlich Kekse zusteckt und Opa sie zu einem Kinobesuch einlädt. Auch wenn Papa ihr den Laptop zum Internetsurfen leiht oder mit ihr zusammen eine Sendung im Fernseher ansieht, sagt sie nicht „Nein!“
All diese Leckereien und Vergnügungen genießt Anna mit Freuden und mit viel Spaß.
Trotzdem fastet sie. Mit Worten. Gar nichts sagt Anna mehr. Sie lächelt nur oder nickt oder schüttelt den Kopf.
Anna, das kleine Plappermäulchen, das eigentlich nie schweigen kann, bleibt nun ganz still. Achtsam umgehen möchte sie mit ihren Worten und nicht wie sonst über alles und jedes und jedermann in einem fort reden und plappern und kichern und lästern und schimpfen.
„In der Fastenzeit“, hat Anna beschlossen, „spare ich meine Worte nur für ganz wichtige Dinge auf. Zum Trösten zum Beispiel. Oder wenn ich jemandem in Not helfen möchte, werde ich reden. Das ist eine gute Sache. Worte sind nämlich kostbar.“
So verbringt Anna die erste Fastenwoche eisern mit Schweigen. Still und stumm.
Ganz schön anstrengend sind diese schweigsamen Tage.
„Wortfasten“, murmelt Anna leise, „ist eine sehr anstrengende Sache. Aber ich werde durchhalten. Ehrensache!“
Wenn Anna also nun laut „Oh, das ist aber toll!“ oder „Hm, wie schmeckt das lecker!“ oder „Das ist aber lustig und ich freue mich so sehr!“ sagen will, reißt sie die Augen weit auf und verzieht den Mund zu einer breit lachenden, freundlichen Grimasse. Wenn sie schlicht mit „Ja!“ antworten möchte, nickt sie, und bei einer „Nein“-Antwort schüttelt sie den Kopf. Und wenn sie sauer ist, zornig oder wütend, zieht sie die Mundwinkel nach unten.
Wie ein lebendiger Smiley sieht Anna dabei aus. Ein lustiger oder ernster oder trauriger oder wütender Smiley. Ein Anna-Smiley. Zum Lachen komisch ist der.
Allen in Annas Familie gefällt die Sache mit dem Wortfasten sehr. Es fühlt sich erholsam an, dass Anna nicht wie sonst in einem fort redet und redet und redet.
Nur Mama macht sich langsam Sorgen und Frau Starke, die Lehrerin, ist mit Annas Wortfasten im Unterricht gar nicht einverstanden. Aber Frau Starke ist nicht in Not und braucht Annas Trostworte nicht. Oder ob Anna für die Schule vielleicht nicht doch eine Ausnahme machen soll?
© Elke Bräunling
Eine gesunde „Diät“ zur Fastenzeit
Fastengeschichte nicht nur für Kinder – Fit bleiben ist die beste Diät
„Bald ist Fastenzeit“, sagt Mama. „Wie wollen wir sie begehen? Habt ihr Pläne? Wünsche?“
Pläne? Wünsche? Fragend sehen wir uns an. Wir haben uns doch noch nie um die Fastenzeit groß gekümmert. Wir haben davon gehört, ja, aber wir fasteten nie.
„‚Fasten ist ungesund’, das hast du immer gesagt“, sage ich schnell, denn ich habe keine Lust auf Hungern und langweiliges Diätessen.
Mama nickt. „Stimmt“, sagt sie auch gleich. „Diäten zerstören unseren Körper.
„Zerstören? Wie das?“ Ich stelle mir vor, wie mein Magen knurren und wie mir schwindelig werden würde, wenn ich weniger essen dürfte.
„Ganz einfach“, sagt Mama. Dann erklärt sie uns die Sache mit dem Fasten und wie das so ist für unseren Körper.
„Stellt euch vor, ihr seid ein Auto!“, beginnt sie. „Was passiert mit eurem Motor, wenn ihr irgendetwas darin ändert?“
„Das Auto kann schneller fahren“, freut sich mein Bruder Leo. „Ist doch toll, oder?“
Mama nickt. „Das kann passieren“, sagt sie. „Aber was ist, wenn ihr Dinge im Motor verändert, die ihn langsamer machen. Vielleicht bleibt euer Auto unterwegs sogar stehen, weil durch Veränderungen etwas in ihm kaputt gegangen ist?“
„Nicht, wenn wir immer das richtige Benzin tanken und nach dem Ölstand schauen“, gibt Leo gleich zur Antwort und ich füge hinzu:
„Und auch nicht, wenn wir ihn gut behandeln und nichts darin verändern.“ Ich sehe Mama fragend an. „Aber warum fragst du uns das?“
„Rate!“
„Hm!“
Wir überlegten.
„Du meinst, weil unser Körper wie ein Motor ist?“, überlege ich laut.
„Na klar“, ruft Leo. „Irgendwie funktioniert er ja auch wie eine Maschine, oder?“
„Genau“, sagt Mama. „Und was passiert, wenn der Maschine etwas fehlt oder wenn wir ihn nicht mit der richtigen Nahrung füttern oder ihm zu wenig davon geben?“
„Er bleibt stehen“, rufe ich, und dann lachen wir erst mal, denn irgendwie klingt es doch sehr witzig, einen Körper mit einem Automotor zu vergleichen.
„Und deshalb müssen wir sogar essen“, überlegt Leo. Ganz viele leckere Sachen, die dem Körper Freude machen. Pommes, Hamburger, Eis, Pizza, Schokolade und viele andere tolle Sachen, die …“
„Die ihm die wichtigen Leitungen im Motor fett verstopfen“, unterbreche ich ihn und lache noch mehr, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Fastfood meinen Körper erfreuen würde. Na ja, den Mund, die Zunge und den Gaumen vielleicht, denn dieses Zeugs schmeckt halt einfach mega. Aber gesund ist es nicht. Und es macht dick.
„Es macht dick“, sage ich daher schnell. „Das kann ja nicht gesund sein.
„Stimmt!“ Mama nickt. „Ausgewogen essen und satt werden mit guten Fetten, Kohlehydraten und Eiweißen, das bekommt unserem Motor am besten. Würdet ihr bei einer Diät aber auf eines dieser Dinge verzichten, dann schaden wir uns … und unserem Körper.“
„Also keine Diät. Auch nicht in der Fastenzeit“, freut sich Leo. „Aber was dann?“
„Wir verzichten auf Fastfood und Süßkram und all das, was lecker schmeckt?“, frage ich vorsichtig und weiß wieder, warum ich das mit der Fastenzeit überhaupt sehr doof finde.
„Das sollten wir tun.“ Mama nickt. „Aber manchmal darf man sich auch mit dem ungesundem Zeugs eine Freude bereiten. Als Belohnung.“
„Als Belohnung?“ Misstrauisch sehen wir Mama an. „Wofür?“
„Für Sport!“ Mama grinst. „Gesundes Essen und Bewegung, das nämlich wird unser Fastenprogramm werden. Macht ihr mit?“
„Na ja!“ Wir nicken ergeben. Besser als eine Diät ist es allemal. Und unser Körper, der wie ein Motor laufen möchte, würde sich am meisten darüber freuen. Cool!
© Elke Bräunling
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🥕 Ab morgen wird gefastet
🌷 Frühlingszeit ist Fastenzeit
🍿 Fastenfeste
🍽️ Mama und das Fasten
👧 Johanna will auch fasten
🙃 Die Sache mit Kater Paul
❌ Die Fastenzeit fällt aus
🥧 Der Frühlingskuchen
🐾 Die Sache mit Kater Paul
Nachwort
Die Fastenzeit ist keine Zeit des Mangels. Sie ist eine Zeit des Innehaltens.
Zwischen Aschermittwoch und Ostern liegt ein stiller Raum, in dem wir genauer hinsehen können: auf uns selbst, auf das, was wir brauchen und auf das, was vielleicht ein bisschen zu viel geworden ist. Für Kinder wie für Erwachsene.
Diese Geschichten erzählen nicht vom strengen Verzichten und schon gar nicht vom Hungern. Sie erzählen vom Bewussterwerden. Vom Fragenstellen. Vom Ausprobieren. Vom Mut, Dinge anders zu machen als gewohnt.
Hier wird nicht nur auf Süßes oder Pommes verzichtet, sondern auch auf laute Worte, auf Gedankenlosigkeit, auf Gewohnheiten, die uns nicht guttun. Und manchmal wird gar nicht verzichtet, sondern neu entdeckt: gemeinsames Essen, ehrliche Gespräche, Bewegung, Lachen, kleine Feste im Alltag.
Die Kinder in diesen Geschichten fasten auf ihre eigene Weise. Neugierig, widersprüchlich, humorvoll und mit offenem Herzen. So, wie Kinder eben sind. Und vielleicht erkennen sich Erwachsene darin wieder, denn auch sie tragen dieses fragende, suchende Kind noch in sich.
Möge diese Sammlung dazu einladen, die Fastenzeit nicht als Pflicht zu sehen, sondern als freundliche Einladung zu mehr Achtsamkeit, zu mehr Miteinander und zu einem liebevolleren Blick auf das eigene Leben.
(Elke Bräunling)
AUSMALBILDER






Ein Gedanke zu „Fasten mal anders! Vier Kindergeschichten zum Innehalten“