Herr Griesgram und die Kinder im Park
Herr Griesgram und die Kinder im Park
Fröhliche Kindergeschichte
Manchmal begegnet man Menschen, die über alles schimpfen und ständig ein grimmiges Gesicht machen. Sie können selbst an den schönsten Tagen nicht lachen und verbreiten schlechte Laune, wo immer sie auftauchen. So einer ist Herr Griesgram. Er sitzt im Park auf seiner Bank und meckert über die Sonne, über die spielenden Kinder, ja sogar über das Lachen der Leute. Niemand wagt es, ihm zu widersprechen – bis ein mutiges Mädchen ihn anspricht.
Mit Grimassen, Humor und ganz viel Kinderlachen gelingt es den Kindern, Herrn Griesgram zu überraschen. Und sogar ein kleines Lächeln in sein Gesicht zu zaubern.
Mit Ausmalbild.
Herr Griesgram und die Kinder im Park
Es war ein sonnig warmer, bunter Herbsttag.
Herr Griesgram, der sonnig warme, bunte Tage nicht ausstehen konnte, saß im Park auf einer Bank und suchte nach Gründen, um sich zu ärgern. Es liebte es nämlich, über alles und jeden zu schimpfen und zu meckern. Schließlich fühlte er sich am wohlsten, wenn er griesgrämig gucken konnte.
„Grässlich!“, brummte er und sah auf das fröhliche Treiben ringsum. „Dieses laute Lachen der Kinder und die zufriedenen Gesichter der Erwachsenen – einfach grässlich ist das! Auf die Nerven gehen sie mir alle hier. Es gibt keinen Grund, fröhlich zu sein und zu lachen. Ha! Wo kämen wir denn da hin?“
Er sah zur Wiese hinüber, wo Kinder Ball spielten und laut „Tor! Tor! Tor!“ jubelten.
„Ich hasse es, wenn sie so laut schreien“, knurrte er und schnitt eine besonders griesgrämige Grimasse. Grausig sah er aus, wie er so da saß mit seinem bösen Fratzengesicht, den hängenden Mundwinkeln, dem Stirnrunzeln und den dunkel funkelnden Augen. Zum Gruseln grausig.
Die Leute, die an seiner Bank vorbei kamen, beschleunigten ihre Schritte und sahen schnell zur Seite. Der finstere Herr Griesgram sollte ihnen nicht den Tag verderben. Da blickte Herr Griesgram noch grimmiger drein. Es gefiel ihm nicht, dass die Leute ihn nicht beachten wollten. Verflixt! In sein Gesicht blicken sollten sie und begreifen, dass gute Laune keinen Pfifferling wert war. Nein, sie sollten sich auch nicht freuen.
„Unverschämtheit!“ Er runzelte die Stirn noch ein wenig mehr und ließ die Mundwinkel noch ein wenig tiefer nach unten hängen.
Da baute sich ein kleines Mädchen, die Hände in die Hüften gestützt, vor ihm auf. Interessiert musterte es den grimmigen alten Kerl von Kopf bis Fuß.
„Warum guckst du so böse?“, fragte es schließlich. „Und warum hast du diesen dunklen Anzug und den altmodischen Hut an? Das sieht langweilig aus.“
„Warum? Ha! Darum!“, knurrte Herr Griesgram und grinste ein erbostes Fratzengrinsen.
Das Mädchen nickte. „Ach so“, sagte es, „du bist ein Schauspieler und übst für eine Griesgramrolle?“ Es klatschte in die Hände. „Toll! Fratzen schneiden kann ich auch.“
„Kannst du nicht“, grollte Herr Griesgram. Er war etwas aus der Fassung geraten.
„Kann ich doch!“ Das Mädchen stapfte mit dem Fuß auf.
„Das ist kein Spiel.“ Herr Griesgram wedelte abwehrend mit den Händen. „Geh weg, du ungezogenes kleines Ding!“
Das kleine Mädchen aber lachte und begann, Grimassen zu schneiden. Es legte die Stirn in Falten, ließ den Unterkiefer so weit nach unten hängen, dass sich die Unterlippe weit hervor wölbte. Dann riss es die Augen auf, so weit es nur ging.
Witzig sah das aus. So witzig, dass die Leute stehen blieben und lachten.
Auch das kleine Mädchen lachte, bevor es sein Gesicht zu einer neuen Grimasse verzog. Spaß machte das! Und wie!
Klar, andere Kinder wollten nun auch Grimassen schneiden – und bald stand eine dichte Traube grimmig blickender und gleichsam kichernder Fratzengesichter vor Herrn Griesgrams Bank.
Herr Griesgram fühlte sich sehr unbehaglich.
„Unverschämtheit!“, polterte er schließlich, doch dieses Poltern klang etwas kläglich. So kläglich, dass er aufstand und mit eingezogenem Kopf ganz schnell davon eilen wollte.
„Hey! Halt!“ Das kleine Mädchen streckte ihm die Hand entgegen. „Bist du ein Schauspieler?“
Herr Griesgram blickte erstaunt auf. Ein kleines bisschen zuckte es um seine Mundwinkel.
„Schauspieler? Nun! Na ja“, brummte er. „Wie … wie hast das erkannt?“
Ganz vorsichtig legte er seine Hand in die des Kindes.
„Na gut!“, murmelte er dann versöhnlich, „für heute reicht es mit dem Grimassenschneiden.“
Und zum ersten Mal seit langer Zeit sah man ihn lächeln. Ein winzig kleines Lächeln, aber echt.
© Elke Bräunling
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