Das Märchen vom bescheidenen Monat November

Novembermärchen  – Glaubst du auch, dass der Monat November ein trauriger, dunkler, grauer Monat ist? So sagen es jedenfalls viele Menschen und gleich fühlen sie sich auch gleich ein bisschen trauriger, dunkler, grauer. Aber stimmt das denn? Sieh dich um in der Novemberzeit, draußen in der Natur, bei den Menschen aus deiner Umgebung und auch bei dir in deinem Zuhause. Sag, findest du da nicht auch unzählige schöne Seiten des bescheidenen Monats November?

„Was für ein trister Monat der November doch ist!“, sagte eine Frau. „Er hat meine gute Laune verdrängt. Grau! Ich sehe nicht nur grau, nein, grau fühle ich mich auch. Grau, müde und nervös.“
„Wie recht Sie haben“, warf ein Mann ein. „Überall blickt man in griesgrämige Mienen. Ich habe wenig Lust, unter Menschen zu gehen. Ganz krank fühle ich mich. Und traurig.“
„Viele meiner Freunde sind krank“, klagte ein Junge. „Sie haben sich bei diesem nassen und kalten Wetter erkältet. Ganz alleine muss ich spielen. Doof ist das. Ich mag den November nicht leiden.“
„Ich auch nicht“, stimmte ein Mädchen zu. „Meine Oma redet so oft von den Toten. Im November muss man an sie denken, sagt sie. Das macht Oma aber traurig, weil sie dann an Opa denkt. Ich möchte mich immer an Opa erinnern, nicht nur im November. Echt, ich begreife das mit dem Totenmonat nicht.“
„Ich auch nicht!“, murmelte der November. „Warum macht man aus mir einen toten, unliebsamen und humorlosen Kerl? ‚Totenmonat‘ sagen sie zu mir auch! Ich bin aber nicht tot und leblos fühle ich mich auch nicht. Auch nicht übellaunig und nicht müde und krank und hässlich! Bin ich denn wirklich so hässlich?“
Er blickte auf sein graues Gewand, das im Licht der Novembersonne silbern und wie von Diamanten bestickt funkelschön glitzerte.
„Sie sehen nicht, was sie nicht sehen wollen“, murmelte er. Er murmelte es leise und fühlte sich nun doch ein bisschen traurig.
Ein bisschen traurig sahen auch seine Monatskollegen zu ihm hinab.
„Sollen wir ihn trösten?“, fragte der Juni.
„Wir könnten ihm ein buntes Wettertheater schicken“, überlegte der April.
„Oder Schnee“, warf der Januar ein. „Hellen, sauberen Schnee mit fröhlich tanzenden Schneeflocken.“
„Falsch!“, widersprach der September. „Damit zeigt ihr ihm nur seine vermeintlichen Unzulänglichkeiten. Dies würde meinen Herbstbruder noch mehr betrüben. Er ist so bescheiden und schüchtern. Lasst ihn weiter auf seine ruhige Weise durch die Lande ziehen, und wenn doch der eine oder andere Mensch seine schönen und liebenswerten Seiten entdeckt, wird ihn das umso mehr freuen.“
Die Monate nickten zustimmend. Dann blickten sie wieder zu den Novemberländern hinab. Still und leise zog der November dort mit seinem weiten Nebelumhang über Städte, Dörfer, Wiesen, Felder und Wälder und sorgte dafür, dass die Natur zur Ruhe kam.

© Elke Bräunling

 


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Bildquelle © cafepampas/pixabay

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