Das Dankefest zu Erntedank

Erntedankgeschichte für Kinder – Ein Dankeschön an die Natur – an jedem Tag im Jahr

„Alle feiern Erntedank“, sagt das Kind. „Nur wir nicht.“
„Wer feiert?“, fragt der Vater.
„Alle. In der Kirche. Aber du gehst nie mit mir dorthin.“
Der Vater nickt. „Stimmt.“
Mehr sagt er nicht. Er hat schon viel zu diesem Thema gesagt und das Kind fragt nicht mehr. Trotzdem würde es gerne auch Erntedank feiern wie seine Klassenkameraden und Freunde.
„Aber ich will danke sagen für unser Essen“, flüstert es.
„Tun wir das nicht?“ Der Vater sieht das Kind an. „Jeden Tag bedanken wir uns. Wir freuen uns an dem Essen auf unserem Tisch. Hast du das vergessen?“
„Nein.“ Das Kind schüttelt den Kopf. Es denkt daran, wie oft die Eltern ein „Danke!“ oder ein „Was geht es uns doch gut!“ und „Wie fein, dass wir diese Köstlichkeit genießen dürfen!“ sagen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht von dem Glück, ein zufriedenes Leben führen zu dürfen, sprechen. Dem Kind gefällt das. Es ist wichtig, dankbar zu sein. Aber ein Erntedankfest feiern, ja, das wäre auch wichtig.
„Bestimmt wäre es trotzdem schön, auch ein Dankefest zu feiern. Wie die anderen es tun. Oder vielleicht so ähnlich“, schlägt es vor.
„Ich verstehe, was du meinst.“ Der Vater nickt. „Wir werden unser Dankeschön feiern! Jetzt gleich.“
„Toll!“ Das Kind freut sich. „Wo feiern wir?“
„Draußen. Die Natur ist’s, die uns unser Essen schenkt. Ihr wollen wir danken. Zieh dir eine Jacke an! Es ist kühl heute.“
Und dann gehen sie in den Garten. Vor jedem Beet dort machen sie Halt, vor jedem Busch, jedem Baum, jedem Strauch. Und überall bedanken sie sich mit einer Verbeugung, ein paar Worten und einem Lied für die Kräuter, die Früchte, die Blumen, das Gemüse und all das, was sie in diesem Jahr hier ernten durften. Es ist ein sehr feierlicher Gang durch den herbstlichen Garten. Sie gehen weiter zur Wiese, die an den Garten angrenzt, und rufen den Gräsern und Kräutern, den Büschen am Wegrand und den dahinter liegenden Feldern ihren Dank zu. Auch dem Wald, der hinter dem großen Rübenfeld beginnt, statten sie einen Besuch ab und danken für die Blumen, Beeren, Nüsse, Pilze und das Holz.
Es ist still an diesem Spätnachmittag hier. Fast kann man meinen, der Wald hielte den Atem an, um ihren Worten und dem Lied, das das Kind für die Bäume singt, zu lauschen. Plötzlich krächzen die Raben, ein Windstoß fegt durch die Krone der großen Kastanie und Kastanienfrüchte, viele davon noch in ihren Stachelhüllen verborgen, fallen zu Boden.
„Unser Lied hat ihm gefallen. Er sagt auch Dankeschön!“, ruft das Kind. „Bitteschön, lieber Baum!“
„Ja, bitteschön und dankeschön“, freut sich der Vater. „Das wird ein Festmahl geben!“
Sie sammeln die Früchte auf und machen sich auf den Heimweg. Es dämmert nämlich schon.

© Elke Bräunling

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Bildquelle © Pezibear/pixabay

 

 

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