Das Osterei auf der Fensterbank

Oma Webers Tag beginnt mit einem roten Ei

„Nanu? Was glitzert so rotgolden in der Morgensonne? Hat da jemand ein Schmuckstück vor das Fenster gelegt?“
Oma Weber blinzelte. Ihre Augen waren noch müde, denn sie hatte bis tief in die Nacht den neuen, spannenden Fantasyroman zu Ende gelesen. Sie beugte sich aus dem Schlafzimmerfenster und blickte zum Küchenfenster hinunter. Ein kleines rotes Ding lag dort auf der Fensterbank.
Oma Weber lächelte und malte sich aus, wie in der Nacht eine Fee auf dem Fensterbrett Rast gemacht und eine rote Perle aus ihrem Gewand verloren hatte. Ein schöner Gedanke. Oma Weber, die schöne Gedanken liebte, schmunzelte. Vielleicht, überlegte sie weiter, war es aber auch eine kleine, traurige Frühlingselfe gewesen. Vergebens hatte sie nach der duftenden Wunderblume gesucht, die mit ihren Frühlingsglöckchen die Marienkäfer aus dem Winterschlaf aufweckte. Weil sie sie aber nicht finden konnte, hatte sie rote Tränen geweint und eine ist aufs Fensterbrett getropft.
„Oh!“, sagte Oma Weber. „Ich denke, ich sollte der kleinen Elfe bei der Suche nach der Wunderblume mit den Glöckchen helfen. Gleich nachher werde ich in den Gartenmarkt fahren und Blumen für die Fensterbänke kaufen. Blumen, deren Blüten Glöckchen ähneln.“ Sie lächelte, liebte sie Blumen doch fast so sehr wie Bücher, Märchen und Marienkäfer. Und sie freute sich auch auf den Gartenmarkt. Ihren Fotoapparat würde sie mitnehmen und Blumen würde sie fotografieren.
„Was für ein guter Plan!“, sagte sie. „Ich glaube, dieser Tag wird ein guter Tag.“
Zuerst aber wollte sie sich die Elfenträne doch noch genauer ansehen. So einen kostbaren Fund machte man schließlich nicht jeden Tag. Sie eilte in die Küche, öffnete das Fenster und fand keine Elfenträne, sondern ein Schokoladenosterei, verpackt in rotes Glanzpapier.
Oma Weber lachte hell auf.
„Ein Osterei!“, rief sie. „Wer hat das wohl hier verloren? Ein eiliger Osterhase, der mich daran erinnern möchte, dass bald Ostern ist? Ja, genau so wird es gewesen sein.“
Verwundert schüttelte sie den Kopf. Hätte sie doch beinahe glatt die Ostereier für die Kinder vergessen. Wie gut, dass da immer und überall kleine Helfer waren, die sie an solch wichtige Dinge erinnerten.
„Danke, Osterhase!“, rief sie in den Garten hinaus.
Dann nahm sie einen Einkaufszettel und schrieb auf:
„Wunderblumen mit Glöckchen für die Elfen und Marienkäfer. (In Klammer: Ob Osterglocken die richtigen Blumen sind?), Ostereier für die Kinder, einen großen, goldenen Schokoladenosterhasen für Opa Weber und …“ Sie machte eine Pause, überlegte, lächelte. „Und ein neues dickes Buch für mich.“

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

05. April 2017 von Elke
Kategorien: Kindergeschichten, Ostergeschichte, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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