Ein neues Zuhause für die Birke
Ein neues Zuhause für die Birke
Frühlingsgeschichte
Nicht jeder Same findet sein Zuhause im Wald. Manche wachsen zwischen Steinen zu kleinen Wundern heran.
Manchmal beginnt ein neues Leben an einem ganz unerwarteten Ort.
Diese ruhige Frühlingsgeschichte erzählt, wie ein kleiner Birkensame zwischen Pflastersteinen Wurzeln schlägt und seinen Platz im Licht findet. Für Kinder ab ca. 4 Jahren, zum Vorlesen in Kita, Schule oder zuhause. Auch geeignet für ruhige Frühlingsstunden, Naturprojekte und Gespräche über Wachstum, Geduld und Neubeginn.
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Ein neues Zuhause für die Birke
Gleich neben der Garage hatte sich im Herbst der Same einer Birke in einer Ritze zwischen zwei Pflastersteinen verirrt. Und weil er dort ein wenig Sand fand, machte er eine Flugpause und kuschelte sich zu einem Schläfchen ein. Es war so gemütlich hier, dass er den Herbst und den Winter verschlief. Schneeflocken und Eiskristalle leisteten ihm Gesellschaft, und als der Frühling kam, verabschiedeten diese sich mit Tränen von ihm. Die Tränen der Winterkinder schmeckten süß und der Birkensame hatte Durst. Begierig kostete er die Süße und nahm sie in sich auf.
„Nun könnte ich weiter fliegen und nach einem neuen Zuhause im Wald oder im Park oder auf einer Wiese suchen“, überlegte der Same.
Doch zum Fliegen fühlte er sich auf einmal so schwer. Außerdem kitzelten ihn leise Stiche.
Es zwickte hier, es zwackte da, und schon bohrten sich zarte Wurzeltriebe einen Weg aus der Samenhülle. Sie drangen in den Sand ein und hielten sich tief im Boden fest. Da begriff der Same, dass er sein neues Zuhause längst gefunden hatte in den Pflastersteinen neben der Garage mitten in der Stadt.
„Viel trinken muss ich nun“, nahm er sich vor. „Und Triebe muss ich bilden. Schnell müssen die wachsen. Schnell und hoch der Sonne entgegen. Und dann, ja, dann wird aus mir ein stattlicher Baum werden.“ Er kicherte leise. „Ein Zauberbaum. Schließlich gelingt es nicht jedem meiner Samenkollegen, zwischen Steinen zu wurzeln und zu einem rechten Baum heranzuwachsen.“
Der Same gab sich Mühe und ein kleiner Trieb wuchs aus den Steinen heraus. Er beeilte sich, denn er sehnte sich nach Licht. Schnell bildete er Zweige, die sich nach allen Seiten dem Licht zureckten. Sobald die kleinen Birkenzweige erste Lichtstreifen erhaschen konnten, verspürte der Same wieder ein leises Kitzeln und ihm war, als flüsterten zarte Stimmchen:
„Gib uns frei! Wir wollen die Welt sehen, den Himmel und die Sonne.“
Die Blätter waren es, die ihre Blattknospen verlassen wollten.
Tief atmete da der Same, aus dessen Bauch inzwischen unzählig viele kleine Wurzelstränge wuchsen, durch und er sog das Licht in seinen Trieb und in die Blattknospen.
Eines warmen Frühlingstages war es dann soweit: Die Knospen platzten – pling plingplingpling pling – auf und junge Blätter entfalteten ihr zartes Frühlingsgrün.
Der Same war zufrieden.
„Geschafft!“, sagte er und kuschelte sich noch ein bisschen fester in den Boden unter den Pflastersteinen. „Jetzt bin ich ein Baum geworden. Ein kleiner Baum. Ein klitzekleiner, um genau zu sein. Ich glaube, ich habe meinen Job gut gemacht. Oder?“
© Elke Bräunling
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Ich wènschen dem kleinen Baum ein langes Leben er soll waCHSEN UND GROOS WERDEN,
Jeanny