Vier herbstliche Kastaniengeschichten
Vier herbstliche Kastaniengeschichten
Herbstgeschichten für Kinder
„Wenn die ersten Kastanien fallen, beginnt die Zeit für Geschichten voller Herbstzauber und kleiner Wunder.“
Vier herbstliche Kastaniengeschichten für Kinder: Von stacheligen Rosskastanien und leckeren Maronen, vom wilden Herbstwind, der Kastanien tanzen lässt, und vom Sonnenzauber in der Jackentasche. Perfekt zum Vorlesen und Staunen im goldenen Herbst! Mit vier Ausmalbildern.
Inhalt
- 🌰 „Stacheligel“ Kastanie
- 🍁 Der Herbst ist wieder da
- 💨 Die Kastanien und der Herbstwind
- 🌞 Zauberkastanien im Herbst – Der Sonnenzauber in der Jackentasche
„Stacheligel“ Kastanie
Wissenswertes zur Kastanie – Lerne die Kastanie besser kennen
Alle Kinder freuen sich, wenn im Herbst die Kastanien reif sind und die glänzenden braunen Kastanienkugeln aus der harten, grünen Stachelschale herausbrechen. Prima nämlich kann man mit Kastanien basteln. Das macht Spaß.
Aber Vorsicht: Zum Essen sind Rosskastanien nur für Rehe und Wildschweine ein Leckerbissen. Auch kranken Pferde hat man früher Kastanien ins Futter gemischt als Medizin gegen den gefährlichen Rosshusten. Für Menschen dagegen sind Rosskastanien giftig. Wer nur eine dieser rotbraunen Lackkugeln verspeist, bekommt bereits Durchfall und Übelkeit. Dennoch enthält die Rosskastanie wertvolle Stoffe für Medikamente gegen Rheuma und Gicht. Auch hilft sie bei Durchblutungsstörungen, und aus den Blüten lässt sich ein ausgezeichneter Hustentee zubereiten.
Es gibt aber auch Kastanien, die man essen kann, und ich sage euch, die schmecken lecker. Ihr kennt sie bestimmt von Rummelplätzen oder Weihnachtsmärkten, wo ihr sie beim Maronimann kaufen könnt. Es sind Esskastanien oder Maronen (so nennt man sie in der Schweiz und in Italien). Aus ihnen kann man tolle Gerichte und sogar Kuchen und Süßspeisen zaubern. Esskastanien wachsen im südeuropäischen Wäldern. Aber auch bei uns findet ihr sie in den Wäldern warmer Gebiete, wo auch Weinbau betrieben wird. Großen Spaß macht es, hier im Herbst durch die Wälder zu streifen und im Herbstlaub nach Esskastanien zu suchen. Aber Vorsicht: Die Hüllen der Esskastanien sind mächtig stachelig. Wie kleine, runde, gelbgrüne Igel sehen sie aus mit kleinen, spitzen Stacheln.
Wie lecker geröstete Kastanien schmecken, könnt Ihr in der Herbstzeit selbst ausprobieren, zum Beispiel nach diesem Rezept:
Geröstete Kastanien oder Maronen
Du brauchst Esskastanien/Maronen, die Menge wählst du selbst.
Schneide die gewölbte Seite der Kastanienfrucht über Kreuz ein und lege sie auf ein Backblech.
Heize den Ofen vor auf ca. 180-200 Grad (Umluft) und backe die Früchte gut 20 Minuten.
Sie sind gar, wenn die Schalen an der Schnittstelle aufspringen.
Die Kastanien werden nun in ein feuchtes Tuch eingeschlagen, damit sie etwas abkühlen. Dann kannst du sie schälen und naschen.
Du kannst sie aber auch in einer Pfanne in etwas Butter anrösten und servieren.
Wer es mag, gibt entweder etwas Rohrzucker oder Meersalz über die Früchte.
Guten Appetit.
Abwandlung: Du kannst Kastanien auch auf Ofenplatten oder Kaminplatten rösten.
© Elke Bräunling

Der Herbst ist wieder da
Kastaniengeschichte – Drei Kastanien und die erste Begegnung mit dem Herbst in diesem Jahr
Mit ernster Miene saß Onkel Hannes heute am Abendbrottisch. Es war Dienstag und Dienstage waren die ‚Onkel-Hannes-Tage‘ bei Oma Lisa. Das bedeutete, dass Onkel Hannes zum Abendessen zu Besuch kam und den restlichen Abend mit Oma Lisa verplauderte. Onkel Hannes war Opas bester Freund gewesen und er war es auch nach dessen Tod geblieben. Das war gut so. Alle in der Familie mochten ihn über alles gut leiden. Er war ein lustiger Mann, genau wie Opa es gewesen ist, und wenn er mit uns am Tisch saß und erzählte, konnte man fast meinen, Opa wäre auch wieder bei uns und würde seine witzigen Geschichten erzählen. Dabei war Opa schon sieben Jahre tot und meine kleine Schwester Mila konnte sich an ihn fast nicht mehr erinnern.
„Der Hannes“, sagte Oma Lisa oft, „ist Opas Geschenk für uns. Durch ihn wird Opa für ein paar Stunden wieder lebendig. Kann man sich etwas Schöneres wünschen?“
Nein, das konnte man nicht. Warum auch? Es war gut so, wie es war, und wir alle in der Familie liebten es, Oma Lisa auch dienstags zum Abendessen zu besuchen und sich dabei mit Onkel Hannes zu fühlen, als sei Opa noch da.
Auch heute waren wir wieder sehr glücklich, an Oma Lisas Tisch zu sitzen. Selbst Papa, der in letzter Zeit immer spät von der Arbeit nach Hause kam, war pünktlich eingetrudelt und wir schlangen hungrig Omas leckeren Gemüsekuchen mit Bauernsalat in uns hinein.
„Und?“, fragte Papa. „Was gibt es Neues?“
„Och, da wäre eine Sache“, sagte Onkel Hannes und seine Miene war auf einmal ernst. Todernst. „Aber ihr müsst jetzt sehr stark sein.“
Er griff in die Tasche seines Jackets und legte drei Kastanien neben seinen Teller auf den Tisch. „Die habe ich auf dem Weg hierher gefunden. Fast wäre ich darüber gestolpert, und die große, die ist mir sogar auf den Kopf gefallen.“ Er machte eine Pause. „Mit Stachelhülle, versteht sich.“
„Und?“, fragte Papa, der manche Dinge, die nichts mit Computer und Technikkram zu tun hatten, oft erst als Letzter kapierte. „Es ist dir ja nichts passiert, oder?“
Oma hauchte ein „Oh, wie schrecklich!“ und strich Onkel Hannes mit besorgter Miene über die Stirn. Wir anderen aber schwiegen. Der Schreck war zu groß. Und da war ja auch kein Zweifel. Es war passiert.
„Es ist also passiert“, sagte Mama da auch schon und alle nickten.
„Nein“, antwortete Onkel Hannes. „Es gibt keinen Grund zum Zweifeln. Es ist leider wieder soweit. Er ist wieder da.“
„Was denn um alles in der Welt?“, nuschelte Papa, der es immer noch nicht begriffen hatte, mit vollem Mund. „Und wer ist da? Ich kann niemanden entdecken. Und was hat das alles mit diesen Kastanien zu tun? Ich verste …“
In dem Augenblick hatte er es dann doch begriffen. Es war wie in jedem Jahr, wenn der Herbst mit seinen ersten Boten ankam. Und es war auch wie in jedem Jahr, dass wir ihn mit einem lauten Gelächter begrüßten. Den Herbst.
© Elke Bräunling
Hier erzählt Onkel Hannes die Geschichte von der Kastanienfrau, die im Herbst die Bäume besucht, sie umarmt und ihnen dankt für all das, was sie für die Menschen und die Umwelt tun: Die Kastanienfrau

Die Kastanien und der Herbstwind

Kastaniengeschichte – So gerne wollen die Kastanienfrüchte noch an ihren Plätzen in den Bäumen bleiben
„Ha! Ihr kriegt uns nicht!“
„Niemand kann uns vom Baum stehlen und aufessen.“
„In unserer Stachelhülle sind wir geschützt.“
„Das Leben ist schön und wir können es ohne Furcht genießen.“
„Uns droht keine Gefahr. Wir sind sicher. Hoho!“
Fröhlich und ein bisschen übermütig reckten die Kastanien ihre Stachelköpfe von der Baumkrone aus der Sonne entgegen. Es schien fast, als lachten sie die Vögel und die Eichhörnchen, die im Baum auf Futtersuche unterwegs waren, aus. Sie jubelten lange, doch die Waldbewohner interessierte das wenig. Schon gar nicht die Vögel, denn die machten sich nichts aus Kastanien. Nur das Eichhörnchen, das an seine fehlenden Wintervorräte dachte, schmunzelte.
„Man wird sehen“, murmelte es und wartete.
Doch da war ein anderer, der sich ein bisschen über diese vorlauten Kastanienfrüchte ärgerte. Es war der Herbstwind, der mit einer lauen Brise über die Bergkämme strich und den Späßen der vorwitzigen Früchten lauschte.
„Wartet, ihr Früchtchen!“, sirrte er den Kastanien zu. „Da ist doch einer, den ihr fürchten solltet. Bald seid ihr reif!“
Er meinte dies so, wie er es sagte, und eines Nachts fegte er mit heftigen Böen übers Land. Er brauste durch Straßen und Täler, jagte über Dächer und Berghöhen und fegte in die Kronen der Bäume hinein. Und wild bogen sich diese unter der Macht des Windes. Ihre Zweige peitschten hin und her und ihre Stämme stöhnten.
Der Herbstwind genoss dieses Schauspiel.
„Hey! Ha! Hooo!“, rief er. „Ho! Hooo!“
„Hey! Halt! Aufhören!“, heulten die Kastanien. „Halt ein, Wind! Wir können uns nicht mehr an unseren Zweigen festhalten. Sei bitte nicht zu wild!“
„Hey! Ha! Hooo!“, rief der Wind wieder. Er lachte. „Ho! Hooo! Es ist Herbst und ich tue meinen Job. Tut ihr auch euren. Ihr seid reif!“
Er pustete noch ein wenig heftiger auf die Bäume ein, bis die Kastanien – und auch die Eicheln, Bucheckern und Nüsse – sich nicht mehr in den Bäumen halten konnten. Wie dicke Regentropfen fielen sie aus den Baumkronen. Ihre schützenden Hüllen platzten auf und eine Kastanie nach der anderen kullerte auf den Waldboden.
Da lagen sie nun, traurig, wütend und ein bisschen erschrocken. Und ganz ohne ihre stachelige Schutzhülle.
„Bist du nun zufrieden, Wind?“, rief eine Kastanie in den Himmel hinauf. „Sag, was wird nun aus uns?“
Der Herbstwind aber antwortete nicht. Er tobte längst über einem anderen Teil des Landes. Es war schließlich Herbstzeit.
Und das Eichhörnchen? Das freute sich. Riesig.
© Elke Bräunling

Zauberkastanien im Herbst – Der Sonnenzauber in der Jackentasche
Kastaniengeschichte für Kinder – Wusstest du, dass die letzte Kastanie, die du findest, vielleicht eine Zauberkastanie ist?
Heute war ein stürmischer Herbsttag. Überall tanzten Blätter durch die Luft und trudelten dann zu Boden. Hier und da fiel eine letzte Kastanie, Eichel oder Walnuss zu Boden.
„Meine Tante sagt, die letzten Kastanien, können zaubern“, sagte Anna. „Sie sammelt sie und steckt sie in ihre Jackentasche.“
„Zaubern?“ Die Kinder konnten dies nicht glauben. „Das ist doch bloß eine von deinen komischen Ideen“, maulten sie.
„Nein. Ist es nicht.“ Anna bückte sich nach einer Kastanie und steckte sie in ihre Tasche. „Das ist nun meine Zauberkastanie“, erklärte sie. „Die werde ich immer bei mir tragen.“
„Und das soll ein Zauber sein?“, fragte Florian.
Anna nickte. „Wenn du die Kastanie anfasst, denkst du an die Sommersonne. Und wenn du im Winter an schönes warmes Wetter denkst, ist das wie ein Sonnenzauber. Die Zauberkastanie zaubert dich dann ein bisschen in den Sommer zurück.“
„Du spinnst.“ Ihre Freunde lachten.
„Nein“, sagte Anna. „Es ist schön, an grausigen Kaltwettertagen an die Sommersonne zu denken.“
Katja nickte. „Stimmt. Das ist eine tolle Idee.“ Sie bückte sich nach einer Kastanie.
„Warum nicht?“, brummte Florian und griff schnell nach einer Kastanie.
Dem schlossen sich die anderen Kinder an.
„Ich bin echt gespannt auf den Zauber“, meinte Max.
„Und ich freue mich darauf“, sagte Lena.
Die anderen nickten. Sie freuten sich wirklich, nun eine Zauberkastanie zu haben.
„Wir können noch mehr zaubern“, meinte Anna. „Im Frühling. Aus der Zauberkastanien können nämlich Zauberkastanienbäume wachsen.“
„Du meinst, wir vergraben unsere Kastanien in der Erde?“, fragte Florian.
„Meine Tante sagt, das macht man so:“ sagte Anna. „Sie trifft sich mit Freunden an einem warmen Frühlingstag und dann werfen sie ihre Kastanien alle gleichzeitig mit einem Schwung ganz weit in den Wald oder in den Park. „Drei-zwei-eins-null und Frühling ist!“, rufen sie dabei.
„Und dann?“, fragte Lena.
„Dann wachsen aus den Zauberkastanien vielleicht kleine Kastanienbäume. Ach nein, ganz bestimmt wachsen die, denn es sind ja Zauberkastanien“, erklärte Anna.
Ihre Freunde waren begeistert. „Das machen wir auch.“
Und Lena fügte leise hinzu: „Da hat man etwas zum Freuen. Besonders an kaltnassen Wintertagen.“
Dem hatten die Kinder nichts mehr hinzuzufügen.
Ja, so eine Zauberkastanie – es kann auch eine Zaubernuss sein – ist wirklich eine tolle Sache. Probier es aus!
© Elke Bräunling
Hier kannst du dir die Geschichte anhören. Sie wird erzählt von Regina Meier zu Verl
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