Piratenparty in der Schule

Von der Klassenparty und tapferen Piratinnen

Laut ging es zu im Klassenzimmer. Die Klasse wollte eine Klassenparty mit einem gemeinsamen Motto feiern. Eines dabei war klar: Zauberer sollte es dieses Mal nicht geben. Auch keine Geister und andere Fantasygestalten, die sie in den letzten beiden Jahren aus den Zaubererbüchern nachgeahmt hatten.
Lange überlegten die Schüler.
„Ich hab’s“, rief Robin. „Wir verkleiden uns als Piraten und den Partyraum schmücken wir so, dass er wie ein Piratenschiff aussieht.“
„Tolle Idee.“ „Super.“ „Cool.“
Fast alle stimmten zu. „Das machen wir.“
„Und ich bin der Boss“, bestimmte der lange Alex. „Der größte ist immer der Boss.“
„Oh nein“, rief Gina und lachte. „Ein Boss muss schlau sein. So wie ich es bin.“
„Böh!“ Alex lachte auch. „Du bist doch bloß ein Mädchen. Phh!“
„Logisch!“ Die Jungs stimmten mit ein. „Es gibt keine Piratinnen. Nie hat es die gegeben.“
„Und deshalb dürft ihr bei unserer Fete auch nur am Strand stehen und auf unsere Rückkehr von den Beutezügen warten“, rief Pit. „Und kochen dürft ihr. Putzen. Waschen. Und all den Weiberkram.“
Weiberkram? Keine Piratinnen? Die Mädchen waren empört und fast hätte es Streit gegeben. Gina, die wirklich sehr schlau war, lenkte schließlich ein.
„Entscheiden wir morgen“, schlug sie vor. „Wir ‚Weiber’ müssen doch erst einmal gucken, ob wir Piratinnenkochrezepte und all das finden.“
„Gute Idee.“ Die Klasse war sich einig und während die Jungs von großen Abenteuern und Helden träumten, grinsten sich die Mädchen verschwörerisch zu. Denen würde sie es zeigen! Morgen.
Und das taten sie dann auch.
„Ich gehe an Fasching als Zheng Yi-Sao, auch Ching Shih genannt“, verkündete Marie am nächsten Morgen der staunenden Klasse. „Ich war eine berühmte chinesische Piratin im 18. Jahrhundert.“
„Und ich“, rief Luise, „bin Jeanne de Belleville. Ich habe um 1300 in Frankreich als Piratin gelebt. Man nannte mich auch ‚bretonische Tigerkatze’ wegen meines Mutes.“
„An mich, Grace O’Malley, denkt man noch heute in Liedern und Gedichten und in dem New Yorker Musical ‚The Pirate Queen’“, tönte Anna. „Ich bin eine tapfere irische Piratin im Kampf gegen die Schiffe von Königin Elizabeth I.“
„Ich bin Anne Bonny und ich habe auch gekämpft“, sagte nun Helen. „Ich lebte um 1700 in Irland und trug schon als Kind Jungenkleider. Später heuerte ich mit meinem Mann, einem Piraten, auf dem Schiff des bekannten Piraten Calico Jack Rackham an. Dort traf ich meine beste Freundin Mary Read, eine Piratin, von der alle glaubten, sie sei ein Mann.“
„Die bin ich“, rief Gina dazwischen und grinste. „Wir hatten eine tolle Zeit auf Calicos Schiff und erlebten viele Abenteuer. Leider“, sie winkte ab, „ja, leider waren die Männer zu feige für uns.“
„Stimmt“, fuhr Helen alias Anne Bonny fort. „Einmal hing die Mannschaft betrunken unter Deck, als wir in Jamaika von einem Kriegsschiff angegriffen wurden. Nur wir beide, Mary und ich, kämpften und töteten einige unserer Feinde. Doch es waren zu viele. Trotzdem gelang es uns, einer Strafe zu entgehen.“
„Die Männer unserer Piratencrew aber“, ergänzte Gina alias Mary, „wurden zum Tode verurteilt. Da wollte unser Boss Calico Jack Rackham vor der Hinrichtung Anne noch mal sehen und sie sagte zu ihm: ‚Es tut mir leid, dich hier zu sehen, Jack, aber wenn du wie ein Mann gekämpft hättest, müsstest du jetzt nicht wie ein Hund hängen‘.“
Sie lachte und Helen fragte:
„Sollen wir euch noch mehr Piratinnengeschichten erzählen?“
Da schütteln die Jungs der 3b nur stumm die Köpfe. Sie waren blass geworden – und über die Piratenparty musste nun auch nicht mehr gestritten werden.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

28. Januar 2018 von Elke
Kategorien: Geschichten für Kinder, Kindergeschichten, Mutgeschichten, Schulgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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