Die kleine Waldmaus, der Igel und der süße Winterduft

Adventsmärchen für Kinder – Als die kleine Waldmaus auf dem Waldweg einen Weihnachtskeks fand

Ein Adventsmärchen mit der kleinen Waldmaus für Kathrin und ihre Kindergartenkinder 🙂

„Hmhm! Wie duftet es hier so süß nach frischen Beeren? Hm! Hm! Nein, im Winter gibt es keine Beeren. So hat es Opa Maus gesagt.“
Die kleine Waldmaus, die an diesem warmen Frühwintertag keine Lust hatte, in ihrer Schlafhöhle zu bleiben, schnupperte.
„Diesen wunderfeinen Duft möchte ich finden. Ob es ein Winterduft ist?“
Sie atmete noch einmal tief durch, dann zog sie los, um den lockenden Worten ihrer Nase zu folgen. Doch da war nichts. Keine Beere, keine Pflaume, kein Apfel, nichts, was diesem Wunderduft ähneln könnte. Da war nur nasses, welkes Laub, das den Waldboden bedeckte.
„Hallo, süßer Duft, wo bist du?“, rief sie. „Ich möchte dich besser riechen und sehen und schmecken können.“
„Düfte können nicht sprechen“, brummte eine Stimme. „Sehen kann man sie auch nicht.“
Die kleine Waldmaus sah sich um. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie meinen, es könnte ihr Freund, der kleine Igel, sein.
„Nein“, murmelte sie. „Alle Igel schlafen längst, wir haben doch bald Winter, wenn es auch ein sehr warmer Baldwinter ist.“
„Jedenfalls habe ich hier noch nie ein Duftding gesehen“, fuhr die Stimme da fort. „Aber dich sehe ich, kleine Waldmaus. Was tust du hier? Längst solltest du schlafen.“
„Kleine Igel auch!“, rief die kleine Waldmaus und ihr Herz schlug ein bisschen schneller. Vor Freude, den Freund vor der langen Winternacht noch einmal zu sehen.
Und da kam der auch schon unter dem Laub hervorgekrochen und beide freuten, einander wiederzusehen.
„Lass uns das Duftding suchen!“, schlug die kleine Maus vor.
Der Igel zögerte. Er hatte es nicht so mit Düften. Aber warum nicht? Alles war besser als alleine zu sein und auf den Schnee zu warten.
„Einverstanden!“ Er schnupperte nun auch. „Los! Immer der Nase nach!“
„Meine Nase sagt, es ist nicht mehr weit!“, freute sich die kleine Maus.
Der Igel nickte. „Ich fürchte, sie führt uns zum großen Menschenweg. Vielleicht ist dieser Duft ein Menschenduft?“
Langsam tasteten sie sich aus dem sicheren Wald hinaus auf den Waldweg und dort sahen sie es sofort: Ein fremdartiges Duftding lag da und das roch himmlisch lecker nach allen Beeren des Waldes. Es sah aus wie ein kleiner Stern. Ein duftender kleiner Stern, der ein schwarzes glänzendes Mäntelchen trug.
„Oh!“, rief die kleine Maus und ihr Mauseherz zersprang beinahe vor Glück. „Ein Sternchen ist vom Himmel gefallen und kommt uns besuchen. Ein Sternchen, das so lecker duftet, dass ich am liebsten einen seiner Zacken anknappern möchte.“
Sie blickte zum Himmel hinauf. „Danke, lieber Himmel! Dankeschön.“
„Himmelssterne kann man nicht essen“, brummte der kleine Igel. „Sie duften auch nicht, glaube ich. Aber diesen Geruch, hmhm, ja, den kenne ich. Er ist süß und süß mag ich nicht leiden. Es ist das Süß, das die Menschen Schokolade nennen. Ich glaube, hmhm, ja, ich glaube, dein Stern ist ein Weihnachtskeks. Bestimmt ist er einem Menschenkind aus der Tasche gefallen.“
Die kleine Waldmaus staunte. Wie klug ihr Freund doch war!  „Woher weißt du das?“, fragte sie.
„Von meinen Besuchen bei den Menschengärten kenne ich es und ich glaube, es ist gerade die Zeit gekommen, in der die Menschen süße Duftdinge ganz besonders lieben. Wie ich es gesehen habe, feiern sie diese Zeit. Es ist die schönste Zeit im Jahr, wie sie sagen.“
Feiern? Die schönste Zeit im Jahr? Darunter konnte sich die kleine Maus nichts vorstellen, doch sie war neugierig geworden. Unbedingt wollte sie dieses süße, duftende Feiern sehen.
„Oh … wie … schön!“, flüsterte sie. „Das will ich sehn.“ Sie schenkte dem Freund einen Bettelblick. „Geh mit mir zu den Menschen. Vielleicht finden wir dort noch viele andere feine Duftdinge!“
Streng blickte der Igel die kleine Maus an.
„Es ist Winter. Du solltest schlafen gehen, hörst du?“, mahnte er wieder.
„Du auch!“ Die kleine Maus lachte. „Aber zuerst schnuppern wir ein bisschen von der schönsten Zeit der Menschen, die so fein duftet. Nur ein kleines Bisschen.“
„Einverstanden!“, sagte der Igel , aber er brummte es nicht so unwillig wie sonst.
Und dann machten sie sich auf den Weg zu den Menschengärten. Was für ein Abenteuer! Und was für eine spannende Zeit, die nicht nur den Kindern gefiel, sondern auch kleinen Waldmäusen und kleinen Igeln.

© Elke Bräunling


Lebkuchensternchen, Bildquelle © Sabrina_Ripke_Fotografie/pixabay

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