Blumen fürs nächste Jahr

Umweltgeschichte für Kinder – Wie man helfen kann, dass wieder mehr Blumen blühen

„Komm, Kind!“, sagte die alte Nachbarin, die an sonnigen Tagen auf der Bank vor ihrem Haus saß und den Leuten zulächelte. „Lass uns unsere Welt etwas bunter machen und für Farben im nächsten Jahr sorgen!“
Sie winkte das Kind zu sich herüber und lud es in ihren Garten ein, in dem wie jeden Sommer wunderschöne Blumen blühten.
„Ich weiß nicht, wie man die Welt bunter machen kann. Zeigst du es mir?“, fragte das Kind.
„Sicher! Du kannst mir dabei helfen.“ Die alte Dame zeigte auf den Gartentisch, auf dem Körbe, Papiertüten und Marmeladegläser lagen. Die Körbe waren gefüllt mit welken Blumenköpfen.
„Oh!“ Das Kind war enttäuscht. Es hatte das bunte Bunt erwartet, aber nicht tote, trockene Blüten, die Mama und Papa immer in die Komposttonne steckten.
„Was machen wir damit?“, fragte es vorsichtig.
„Schau hier!“ Die Frau zupfte den Teller einer Sonnenblumenblüte auseinander und viele schwarze Kerne fielen auf den Tisch. „Das sind Samen für das neue Bunt.“
„Samen?“ Ratlos starrte das Kind auf die Sonnenblumenkerne. „Falsch. Das ist Vogelfutter. Damit haben wir im letzten Winter die Vögel gefüttert und mir schmecken die Kerne auch gut.“
Die Frau lächelte. „Stimmt. Sonnenblumensamen sind eine Leckerei, nicht nur für die Spatzen. Aber sie können mehr.“ Ihre Stimme klang geheimnisvoll nun. „In jedem Kern nämlich steckt … eine neue Sonnenblume.“
„Echt?“ Das Kind strahlte. „Und die machen den Garten wieder bunt? Toll!“ Es deutete auf die Körbe und Gläser. „Sollen wir noch mehr tote Blumenköpfe sammeln?“
„Das habe ich schon in den letzten Wochen getan. Gesammelt und getrocknet. Nun werden wir all diese Samen sortieren und in Gläsern und Samentüten aufbewahren. Im Frühjahr dann können wir sie aussäen!“
„Toll!“, staunte das Kind. „So einfach geht das mit den Blumen?“
„Ja. So einfach geht das“, antwortete die alte Frau. „Eigentlich müsste man gar nichts dazu tun. Die Natur erledigt dies von alleine. Ein bisschen aber können wir ihr dabei helfen, nicht? Die meisten Blumen, Kräuter und Gräser gibt es an vielen Orten nicht mehr. Dort hungern die Bienen und Hummeln und Käfer und Schmetterlinge, und das kann so nicht weitergehen. Wir müssen helfen!“
Das Kind nickte. „Ja! Das müssen wir! Fangen wir an?“
„Ja, fangen wir an!“
Die Beiden hatten gut zu tun. Den ganzen Nachmittag verbrachten sie mit den welken Blütenköpfen und sortierten die Samen vieler verschiedener Blüten und Kräuter in Gläser und Samentütchen. Zum Schluss bekam jedes Glas einen Aufkleber mit dem Namen der Pflanze und dem Datum.
„Im Frühjahr werden wir Saatbomben basteln, die wir dann verteilen“, sagte die alte Frau zum Abschied. „Wirst du mir auch dabei wieder helfen?“
Saatbomben? Das klang spannend. Am liebsten hätte das Kind gleich mit dem Bombenbasteln begonnen.
„Au ja“, rief es. „Und diese Bomben werfen wir in die Gärten und an die Wegränder und überall dort, wo Platz für Blumen ist. Oh, schön wird das sein im nächsten Sommer. Schön bunt.“
Und damit es im Städtchen wirklich schön bunt  werden würde, sammelte es mit seinen Freunden in diesem Sommer und Herbst noch viele Blumen- und Kräutersamen.

© Elke Bräunling


Blumenkind, Bildquelle © JillWellington/pixabay

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