Sperrmüll ist toll!

Kindergeschichte von alten Schätzen – Was man im Sperrmüll finden und wiederverwerten kann

Im Sommer waren Marie und Felix mit ihren Eltern aufs Land umgezogen. Papa hatte hier nämlich einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Außerdem, fand Mama, war das Leben auf dem Land nicht so teuer. Sehr begeistert waren die Geschwister darüber nicht und sie fühlten sich auch nach mehreren Wochen noch nicht heimisch in dem kleinen Dorf.
„Die Leute hier sind Säue“, sagte Marie eines Tages. „Die werfen ihren Abfall einfach auf die Straße. Ihh!“ Sie schüttelte sich.
„Was erzählst du da?“, fragte Papa.
„Müll auf der Straße?“, wunderte sich Mama.
„Igitt“, sagte Felix. „Das stinkt bestimmt scheußlich.“
„Diese ollen Möbel und Töpfe stinken nicht“, meinte Marie. „Nur staubig sind sie. Nebenan habe ich sogar einen altmodischen Vogelkäfig ohne Vogel drin gesehen.“
Da sprang Papa aufgeregt auf. „Das ist Sperrmüll, ihr Stadtmäuse. Ich sage euch, das ist eine prima Sache.“
Auch Mamas Augen begannen zu glänzen.
„Dass es so etwas noch gibt“, rief sie. „Fantastisch! Mit etwas Glück findet man da wunderschöne alte Schätze.“
„Antiquitäten!“ Papa guckte so aufgeregt, dass man meinte, Sperrmüll sei so spannend wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. „Viele Leute“, sagte er, „werfen oft sehr wertvolle Dinge weg.“
„Du meinst, ein alter Vogelkäfig ist wertvoll?“, zweifelte Marie.
„Mag sein. Es kommt auf sein Alter an.“
Marie schüttelte den Kopf. „Das kapiere ich nicht. Aber ich kann diesen komischen Käfig ja mal holen.“
„Nein“, sagte Papa. „Wir gehen gemeinsam auf Sperrmülljagd. Das macht riesigen Spaß.“
Müll aufsammeln sollte spaßig sein? Marie und Felix verzogen das Gesicht, doch weil sich ihre Eltern so freuten, folgten sie ihnen.
Dann fanden aber auch sie es aufregend, am Straßenrand zwischen alten Möbelstücken, Kisten, Matratzen und anderem Krempel nach ‚Schätzen‘ Ausschau zu halten. Sie entdeckten einige Dinge, die ihnen gefielen: einen Holztisch, Tröge zum Blumenpflanzen, Steinguttöpfe, die in der Stadt viel Geld kosten würden, einen defekten Schaukelstuhl, Einweckgläser, Maries Vogelkäfig, der wirklich sehr alt und kostbar war, zwei Kisten voller Bücher, eine Schießscheibe mit dem Bild eines röhrenden Hirschen, eine Jahrmarktpuppe mit rotem Glitzerkleid und vieles mehr. Ständig fand einer der vier Sperrmüllsammler einen neuen Schatz.
„Mannomann!“, rief Papa. „Dies alles ist ganz schön ´was wert.“
Die Leute im Dort lachten über den Sammeleifer der Neuen.
„Ihr seid verrückt“, sagten sie und konnten nicht begreifen, dass es Spaß machte, im Müll auf Schatzsuche zu gehen. Doch dann halfen sie sogar mit, all die Schätze nach Hause zu tragen.
„Sperrmülljagd ist toll“, freute sich Felix, und er drückte die beiden Kisten mit den Büchern fest an sich.
Marie nickte. „Ja“, sagte sie, „das könnte ich jeden Tag machen. So eine tolle Puppe hätte mir Papa auf dem Jahrmarkt nie gekauft.“
Und zum ersten Mal fanden es die Geschwister nicht mehr so schlimm, nun auf dem Land zu wohnen.

© Elke Bräunling

 

 

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Bildquelle © congerdesign/pixabay

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