Der kleine blaue Schmetterling und das Kind im Stall

Ein Traum von dem Kind in der Krippe

„Einmal“, sagte der kleine hellblaue Schmetterling, „einmal habe ich das Kind zum Lachen gebracht.“
„Welches Kind?“
„Das Kind, das in einer Krippe im Stall liegt und das alle so sehr lieben“, antwortete der Schmetterling.
„DAS Kind?“
„Du? Du hast das Kind zum Lachen gebracht?“
„Du schwindelst.“
„Das ist lange her und du bist noch so jung.“
„Hoho! Schwindler, du!“
Bunt ging es zu auf der herbstlichen Waldwiese. Die Freunde des kleinen blauen Schmetterlings lachten. So etwas aber auch!
Der Schmetterling aber beharrte auf seinen Worten.
„Es stimmt. Das Kind hat gelacht. Weil es sich über meinen Besuch freute“, rief er.
Seine Freunde aber lachten nur. Bis auf den schwarzen Mistkäfer, der sonst eigentlich nie viel sagte.
„Erzähle mir von deinem Abenteuer!“, sagte er. „Ich möchte das Kind im Stall durch deine Worte auch sehen können.“
„Wirklich wahr?“
Der Mistkäfer nickte, und der kleine blaue Schmetterling erzählte von seiner Reise in das fremde Land zu der Stadt, wo er den Stall entdeckt hatte.
„Es war ein alter, dunkler Stall. Ein Licht, das wunderzart funkelte, erhellte die Krippe mit dem Kind und Maria und Josef. Auch die Augen der Tiere, die bei der Krippe lagen, leuchteten. Es war ein feierlich schönes Leuchten, das mir Mut machte, zu dem Kind hinüber zu fliegen. Mit großen, freundlichen Augen sah es mich an. Ich glaube, es hatte noch nie zuvor einen kleinen blauen Schmetterling gesehen. Und zum Dank verbeugte ich mich in der Luft vor ihm. Dabei verlor ich für einen Augenblick den Halt und wäre beinahe auf die Nase des Kindes gefallen. Schnell drehte ich einen Luft-Purzelbaum, um mein Gleichgewicht wieder zu finden. Und da, da hat es gelacht, das Kind. Und ich habe zurück gelacht. Oh, schön war das!“
„Und dann?“, fragte der Mistkäfer und auch die anderen Wiesentiere lauschten nun still.
„Dann habe ich mich auf die Stirn des Esels, der bei der Krippe stand, gesetzt und mich ausgeruht. Und d-d-dabei …“ Der kleine Schmetterling stotterte nun. „D-d-dabei muss ich wohl eingeschlafen sein, denn als ich erwachte, saß ich wieder hier bei euch auf der Wiese. Schade, nicht? Doch irgendwie war es auch gut so.“
Er riss die Augen auf. Die Wiese lag nun ruhig und still vor ihm im frühwinterlichen Schlaf.
„Wo ist die bunte Herbstwiese und wo sind meine Wiesenfreunde? Mistkäfer, wo bist du?“ Der kleine Schmetterling wunderte sich. „Habe ich das alles nur geträumt?“, überlegte er. „Das Kind ebenso wie das Lachen meiner Freunde?“ Er begann zu zittern. Nicht vor Aufregung, sondern weil er fror. Schnell zog er sich in sein Schlafversteck zurück und faltete die Flügel zusammen.
„Aber schön war es. Diesen Traum möchte ich noch einmal träumen“, murmelte er. „Es hat so lieb gelacht, das Kind. Sooo lieb. Nur für mich. Sooo lieb …“
Und dann war er auch schon auf der Suche nach seinem Traum und nach dem Kind wieder eingeschlafen.
Psst! Schlaf gut, kleiner blauer Schmetterling.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

30. November 2018 von Elke
Kategorien: Adventskalender, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Gutenachtgeschichten, Kindergeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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