Archiv der Kategorie Geschichten für Senioren

Der Herbst ist in Not

Es wird Zeit, die Blätter bunt zu färben

In diesem Jahr war Herr Herbst in Not. All seine Farben waren zur Neige gegangen und er wusste nicht, woher er neue nehmen sollte. Dabei war er schon spät dran. Er musste endlich anfangen mit der Buntmalerei draußen im Land. Schnell!
„Was für ein Stress!“, stöhnte er. „Ich fürchte, ich bin zu spät. Aber was mache ich nun? Die wichtigsten Farben, die ich für meinen Job brauche, fehlen mir. Da habe ich es doch glatt verschlafen, rechtzeitig für Vorrat zu sorgen! Oh! Oh! Was mache ich nun?“
Er schüttelte den Kopf und raufte sich das rotgoldene Haar. Was für ein Stress!
„Die Natur“, brummte er. „Sie muss mir mit Farben aushelfen. Sonst klappt es nicht mehr mit einer bunten Herbstzeit. Oh, oh, ich glaube ich sehe rot. Nein! Falsch. Ich fange mit Rot an. Gute Idee.“
Er machte sich auf zu den Gärten der Menschen und hielt nach einem Gemüse, das den Namen Rote Beete trug, Ausschau. Aber was war bloß los? Die Rüben in den Beeten waren längst geerntet und verschwunden. Auch auf den Feldern wurde er nicht mehr fündig.
„Zu spät!“, schimpfte er. „Ich bin einfach zu spät in diesem Jahr! Was mache ich nun?“
Die Sonne fiel ihm ein. Die wusste immer einen Rat, und hatte sie ihm nicht im letzten Jahr geholfen, als die Walnüsse nass unter den Bäumen lagen? Ja, die Sonne zu fragen, war eine gute Idee.
„Gut, dass du gekommen bist“, sagte Frau Sonne dann auch wenig später, als ihr der Herbst sein Leid klagte. „Warum stresst du dich auch jedes Jahr so sehr? Weißt du nicht, dass ich dir immer helfe?“
Oh! Das hatte der Herbst doch glatt vergessen und ein bisschen war ihm das peinlich.
„Ich bin halt auch nicht mehr der Jüngste, liebe Sonne“, brummte er. „In meinem Alter kann man nicht an alles denken, oder?“
Da lächelte die Sonne. „Ruh dich aus, du armer alter Kerl! Du hast es dir verdient. Ich schicke indessen meine Strahlenkinder zur Erde.“
„Strahlenkinder, Licht, Sonne … Ein guter Einfall!“
Der Herbst nickte und beinahe fielen ihm dabei die Augen zu, so müde war er. Schnell rutschte er auf einem Sonnenstrahl zur Erde hinab und legte sich zu einem Schläfchen unter seinen Lieblingskastanienbaum mit dem dichten grünen Blätterdach. Sogleich schlief er ein. Er schlief und schlief, und als er nach vierundzwanzig Tagen wieder aufwachte, leuchten ihm von der Baumkrone her viele sonnengelbe Blätter, die kleinen hellen Lichtern ähneln, entgegen.
Der Herbst atmete auf. Alles war gut!

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

07. Oktober 2018 von Elke
Kategorien: Geschichten für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Kindergeschichten, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Herbst ist toll

Die Zeichen des Herbstes sind nun deutlich zu sehen

„Nun ist er da, der Herbst! Und ich weiß nicht, ob ich mich darüber freue“, murmelte die Frau und blickte über die Waldlichtung.
Der Sturm hatte die meisten Blätter von den Bäumen gefegt. Wie Goldtaler waren sie vom Himmel gefallen und schmückten nun den Waldboden mit einem bunten Teppich. Eines nach dem anderen tanzten noch immer einzelne Blätter durch die Luft. Sie drehten sich viele Male um sich selbst, bevor sie zu Boden trudelten.
„Was hast du gesagt?“ Das Kind griff nach der Hand der Frau.
„Der Herbst ist gekommen!“, antwortete die. „Die Bäume haben in der Nacht eine Party gefeiert mit dem Wind und seinen Sturmbrüdern. Sie haben die Blätter zum Tanzen gebracht.“
„Toll!“ Das Kind bückte sich und sammelte die Blätter auf zu einem Blätterstrauß. „Eine Tanzparty! Das gefällt mir.“
Die Frau lächelte und blickte übers Tal.
Für einen Moment huschten ein paar eilige Wolken vor der Sonne vorbei. Sie tauchten den Wald in einen herbstlich kühlen Schatten.
„Haltet euch warm!“, raunten sie. „Es ist nicht, wie es scheint.“
Die Frau schüttelte sich und blickte ihnen hinterher.
„Tschüß, Sommer! Es war schön mit dir“, rief sie.
Sie ging zu dem Kind hinüber, das in einem Blätterhaufen nach Blättern wühlte.
„Schnupper mal!“, sagte sie. „Kannst du den Herbst auch riechen?“
„Er riecht nach nassem Holz, Nüssen, Pfefferminztee und Apfelkuchen“, antwortete das Kind und deutete zur Krone der Buche hinauf. „Und da oben hockt er und lacht.“
Die Frau blickte zu dem Raben hinauf, der auf dem höchsten Ast saß und zu krächzen begann. Laut, meckernd, ein bisschen spöttisch auch. Es schien, als riefe er seine Botschaften zur anderen Seite des Tales hinüber.
„Ich glaube, er freut sich.“ Sie lächelte, und ein bisschen fühlte auch sie, wie so etwas wie Freude von ihr Besitz nahm.
„Herbst ist toll!“, rief das Kind und drückte ihr einen Strauß Blätter in die Hand.
„Ja. Herbst ist toll.“
Von Osten flog in rasender Schnelle eine schwarze Starenwolke heran. Schnell. Zielsicher. Laut. Geradewegs zog sie ihren Weg nach West, um am Ende des Waldes in einem eleganten Bogen in die Südrichtung zu wechseln.
Die Frau und das Kind hoben die Arme und winkten ihnen zu.
„Macht’s gut!“, schickte die Frau ihnen hinterher.
„Kommt bald wieder! Tschüß!“, rief das Kind, dann wandte es sich seiner Mutter zu. „Und jetzt gehen wir Apfelkuchen essen, einverstanden?“
„Einverstanden.“
Sie fassten einander an der Hand und machten sich auf den Heimweg.

© Elke Bräunling

 

 

 

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06. Oktober 2018 von Elke
Kategorien: Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Herbstgeschichten, Kinderbücher, Kindergeschichten, Naturgeschichten, Waldgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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