Vier Wintergeschichten mit der kleinen Waldmaus
Vier Wintergeschichten mit der kleinen Waldmaus
Kleine Kindergeschichten aus der Winterschlafhöhle
Der Winter im Wald ist eine Zeit der Stille, der Träume und des Wartens.
Tief unter der Erde, in einer warmen Schlafhöhle, hört die kleine Waldmaus dem Winter zu, manchmal ängstlich, manchmal neugierig, oft voller Sehnsucht nach Licht, Sonne und Freunden.
In diesen vier Wintergeschichten erlebt sie den Beginn der kalten Zeit, begegnet den leisen Kindern des Winters, entdeckt die schützende Decke aus Schnee und lernt, dass Winterglück manchmal genau dort entsteht, wo man es am wenigsten erwartet: im Traum.
Ein Sammelpost zum Vorlesen, Innehalten und Mitfühlen – für Kinder, Familien und alle, die den Winter gern leise mögen. Mit Ausmalbildern.
Inhalt
🐭 Die kleine Waldmaus und der Beginn des Winters
❄️ Die kleine Waldmaus und die Kinder des Winters
🛏️ Die kleine Waldmaus und die Decke aus Schnee
💭 Die kleine Waldmaus und das Winterglück
Die kleine Waldmaus und der Beginn des Winters

Märchen zum Winterbeginn im Wald – Eine neue Zeit beginnt nun für die Waldtiere
Der Herbst war gegangen und die Tiere des Waldes warteten auf den Winter.
Noch war die Luft sonnenwarm und das Leben fühlte sich an wie immer.
„Man kann sich an diesen außergewöhnlichen Wintersommer glatt gewöhnen“, sagte Opa Maus und die kleine Waldmaus überlegte, was er mit ‚Wintersommer‘ wohl meinte. Sie kannte nur den Sommer und den Herbst und ein bisschen auch den Frühling, und sie mochte diese Zeiten alle gut leiden. Unter Winter aber konnte sie sich nichts vorstellen.
„Den Winter“, sagte Opa Maus, „kann man schlecht erklären. Erleben muss man ihn.“ Und nach einer kleinen Pause fügte er hinzu. „Und überleben.“
Die kleine Waldmaus erschrak ein wenig. „Überleben?“, fragte sie. „Warum? Ist der Winter gefährlich für uns Mäuse?“
Der Mauseopa nickte. „Wenn wir uns nicht an die Regeln halten, kann er uns das Leben kosten. Ein gefährlicher Kerl ist er. Und tückisch zuweilen.“
Gefährlich? Und tückisch?
Die kleine Waldmaus beschloss, diesen Winter, wer oder was er auch immer sein mochte, nicht zu mögen.
„W-was w-was kann passieren? Ist er unser Feind, dieser Winter?“, fragte sie voller Furcht. Ein bisschen zitterte sie sogar.
„Nichts passiert, wenn du dich an die Regeln hältst“, tröstete Opa Maus. „Wenn du die Winterzeit brav in der Mausehöhle verbringst, kann dir keiner etwas anhaben. Die Kälte des Winters ist unser Feind. Der Frost, der Schnee und das Eis. Und der Hunger. Draußen nämlich findest du im Winter nur sehr wenig zu essen. Zu wenig.“
Und weil ihn die kleine Maus nun noch ängstlicher ansah, fügte er schnell hinzu: „Aber in unserer Höhle haben wir es warm und die Futtervorräte sind reichlich. Das muss uns nicht fürchten.“
Die kleine Waldmaus nickte langsam.
„Der Winter muss uns also nicht fürchten“, wiederholte sie. „Wir müssen nur in unserer Höhle bleiben und warten, bis seine Zeit weiter gezogen ist.“
Wieder nickte Opa Maus.
„Genau so ist es, kleine Maus. Abwarten und ein langes Schläfchen machen. Dann ist der Winter nicht schlimm.“
„Nicht schlimm“, sagte die kleine Maus.
Sie überlegte und stellte sich ein Leben, das für eine lange Zeit nur in der Höhle stattfand, vor.
„Aber langweilig könnte es sein“, sagte sie dann. „Sag, Opa Maus, und wann kommt dann wieder der Frühling?“
© Elke Bräunling
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Die kleine Waldmaus und die Kinder des Winters
Wintergeschichte für Kinder – Ein kurzer Schneeflockenspaß für die kleine Maus
„Was ist das?“
Aufgeregt starrte die kleine Waldmaus auf die eins, zwei, drei und vier kleinen, weißen Sternchen, die durch die Luft schwebten und sich sanft auf den Waldboden legten.
„Hallo, wer seid ihr?“
Die kleine Waldmaus, die an diesem Winternachmittag auf dem Heimweg war, staunte. Schön waren sie, die kleinen Dinger. Und leicht wie Vogelfedern fühlten sie sich an. Leicht und kühl.
Ob sie etwas mit dem ‚Weißwinter‘ zu tun hatten? Viel hatte Opa Maus von ihm erzählt und die kleine Waldmaus wusste nun, dass Winter kalt war und frostig und weiß. Die kleinen Sternchen waren auch kalt und frostig und weiß.
Sie blickte zum Himmel hinauf. Gelbgraue Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben. Tief lagen sie über dem Wald. Fast schien es, als berührten sie die Spitzen der Tannen. Kalt waren auch sie und finster. Es war, als wollte die Nacht am Tage kommen.
Wie Regentropfen purzelten diese kühlen, weißen Sternendinger nun von der Wolke aufs Land hinab. Es wurden mehr und immer mehr.
„Regensternchen? Nein, Winterkinder seid ihr“, rief die kleine Maus den Flocken zu. „Und ich bin ein Mausekind. Hört ihr?“
Die kleine Waldmaus sprang von einem Winterkind zu anderen. Es sah wie ein fröhlicher Mausetanz und sehr lustig aus. Und anstrengend. Wieder und wieder sprang und hüpfte die kleine Maus hinter den fallenden Sternenflöckchen her. Auffangen wollte sie sie. Da aber hatte sie kein Glück. Jedes Mal, wenn sie eines dieser Winterkinder mit den Pfötchen zu fassen bekam, verschwand dieses und ein Wassertröpfchen blieb zurück. Ein kühles Wassertröpfchen. Hm. Hm.
Die kleine Maus sah sich um. Das Licht des Tages wurde immer grauer und durch der Luft tanzten nun überall viele, ganz viele Winterkinder zum Boden herab. Sie landeten nun auch auf der kleinen Waldmaus und setzten sich auf ihren Kopf, ihre Schultern, die Arme, auf die Mausenase und die Mausezunge. Kalt fühlten sie sich an und feucht. Wie kalte Regentropfen. Sie schmeckten auch so. Ein bisschen süß und frisch und … kalt.
Die kleine Waldmaus erschauderte. Trotz des Tänzchens fühlten sich ihre die Glieder immer kühler und feuchter und steifer an.
Oh! Oh! Was hatte Opa Maus gesagt?
„Wenn der Winter kommt mit seinem Schnee, dem Eis und dem Frost, dann ist ein Leben im Wald gefährlich. In der Mausehöhle muss man den Winter verbringen. Sich warm einkuscheln muss man und schlafen muss man.“
Ja, so hatte er es gesagt.
„Oh! Oh! Ich glaube, ich darf nun nicht mehr hier draußen sein“, rief die kleine Maus. Ein bisschen war sie nun erschrocken. Oh! Oh!
Sie blickte nochmals zum Himmel hinauf. Viele, viele, viele Winterkinder purzelten ihr von dort entgegen.
„Hallo, Winter!“, rief die kleine Maus. „Hallo und guten Tag und tschüs!“
Dann machte sie, dass sie schnell nach Hause in die Mausehöhle kam. Der Schneewinter war gekommen und die Zeit zum Spielen machte Pause nun.
© Elke Bräunling
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Die kleine Waldmaus und die Decke aus Schnee
Tiermärchen im Winter – Als die kleine Waldmaus im Winter von der Waldwiese träumte
Wieder einmal war die kleine Waldmaus aus dem Winterschlaf erwacht. Sie hatte geträumt von der Waldwiese und von ihren Freunden. Gespielt haben sie miteinander und Spaß gehabt und die Sonne haben sie sich auf die Bäuche scheinen lassen. Schön war es gewesen. Schön und sonnenstrahlenwarm.
Warm war es auch im Mausebau in der Schlafhöhle. Wie auf der sonnigen Waldwiese.
Vielleicht war der Winter, der so kalt und kahl und weiß sein soll, längst vorüber?
„Ob sie wieder da ist, die Sonne?“, murmelte die kleine Waldmaus und mit einem Mal konnte sie an nichts anderes mehr denken.
Ja, die Sonne aus dem warmen Traum möchte sie haben. Jetzt!
Und sogleich trippelte sie zum Ausgang der Schlafhöhle. Leise, ganz leise wollte sie sich auf den Weg durch den langen Tunnel zum Höhlenausgang machen und nach der Sonne Ausschau halten. Für einen klitzekleinen Augenblick nur.
„Es ist Winter, kleine Maus“, mahnte Opa Maus. „Du darfst den Mäusebau nicht verlassen. Das ist gefährlich.“
„Gefährlich?“, fragte die kleine Waldmaus. „Wie gefährlich?“
„Weißgefährlich. Die Winterwelt ist kalt und weiß und voller Schnee und Eis.“
„Ich habe aber von der Sonne geträumt“, erwiderte die kleine Waldmaus. „Ganz warm ist mir nun. Bestimmt, weil es auf der Wiesenwelt längst auch wieder warm und hell und freundlich ist.“
„Schnee und Eis sind auch hell und freundlich“, erwiderte Opa Maus. „Und gefährlich. Sie zaubern die Kälte so schnell in deine Glieder, dass du dich bald nicht mehr bewegen kannst. Du wirst müde, bleibst liegen in dem kalten Schnee und schläfst ein. Ein Schlaf, aus dem du nicht mehr erwachen wirst. Pass also auf, kleine Maus, und bleib im warmen Winterhaus!“
„Oh!“ Mit großen Augen starrte die kleine Waldmaus Opa Maus an.
„Ich glaube“, sagte sie schließlich, „ich mag das Winterkalt mit seinem Schnee nicht leiden.“
„Keiner von uns liebt das Winterkalt, doch Schnee ist wichtig. Er legt sich wie eine glitzerweiße Decke auf Wiesen und Felder, Blumen und Baumwurzeln und schützt das Land vor dem großen Winterfrost“, erklärte Opa Maus.
„Glitzerweiße Decke?“, fragte die kleine Waldmaus und ihre Äuglein funkelten schon wieder neugierig. „Das stelle ich mir schön vor.“ Sie überlegte. „Und diese schöne glitzerweiße Decke schützt auch unseren Mäusebau. Das ist prima. Jetzt aber bin ich wieder müde. Weckst du mich, wenn das Winterkalt eine Pause macht, Opa Maus? Vielleicht kann ich sie ja dann doch einmal sehen, diese Decke aus Schnee. Und die Sonne.“
Und ehe Opa Maus darauf etwas erwidern konnte, war die kleine Waldmaus wieder eingeschlafen. Sie träumte von einer kuschelig warmen Schneedecke, von der Waldwiese und ihren Freunden und von der Sonne.
© Elke Bräunling
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Die kleine Waldmaus und das Winterglück
Wintergeschichte für Kinder – In manchen Zeiten kann man von Freunden nur träumen
„Die Sonne scheint“, jubelt die kleine Waldmaus. „Wie schön! Wir können in den Wald spazieren gehen. Endlich!“
„Es ist Winter und es ist kalt“, mahnte Opa Maus. „Wir Waldmäuse schlafen in diesen Zeiten und überhaupt haben wir auch mit der Sonne wenig zu tun. Wir sind Nachttiere und verlassen unsere Höhlen erst, wenn die Sonne sich schlafen legt.“
Das alles waren Dinge, die die kleine Waldmaus gerade nicht hören wollte. Sie wollte die Sonne sehen, die Freunde im Wald treffen und Spaß haben. Und diesen Winter mochte sie schon gar nicht leiden.
„Winter ist langweilig und kalt und weiß. Den bunten Frühling wünsche ich mir, den Sommer und den Herbst, am liebsten alle drei zusammen. Und meine Freunde möchte ich sehen: den kleinen Igel, das Eichhörnchen, die Spatzen und die anderen Waldmäuse, und die alle werde ich jetzt suchen gehen.“
„Da wirst du kein Glück haben.“ Opa Maus schüttelte den Kopf. „Deine Freunde schlafen jetzt genau so tief und fest, wie auch du es tun solltest.“
„Nicht alle. Ich weiß, dass mein Vogelfreund, der kleine Spatz, auch im Winter zur Futtersuche ausfliegt. Und das kleine Eichhörnchen ist an manchen Tagen ebenfalls zu seinen Vorratsverstecken unterwegs. Vielleicht auch heute. Weil nämlich die Sonne scheint und bei Sonnenschein ist es warm. Wenn ich Glück habe, treffe ich die beiden. Vielleicht sitzen sie sogar oben im Nussbaum und haben Spaß miteinander.“
„Hoho! Da würden sie aber schön frieren!“ Opa Maus lachte. „Es ist nämlich ein Eistag heute. Ein heller, sonniger, eiskalter Eistag. Da setzt sich keiner zum Plaudern in einen Baum. Auch nicht das Eichhörnchen mit seinem dicken Winterpelz. Für uns Mäuse ist diese eiskalte Kälte sogar sehr gefährlich und deshalb halten wir Winterschlaf. Du musst noch ein Weilchen warten, kleine Maus, bis du deine Freunde wieder treffen kannst.“
„Schade!“ Ein paar Tränen rannen über die Backen der kleinen Maus. „Das i-ist so-ho scha-ha-hade. Ich habe gro-hoße Sehnsucht nach den Freunden, nach der Sonne, der Wiese und dem Wald.“
Opa Maus nickte. „Sei nicht traurig, kleine Maus! Schlafe noch ein bisschen und denke an all die, die du vermisst. Im Traum werden sie bei dir sein.“
„Im Traum?“ Das Herz der kleinen Maus klopfte schneller. Vor Aufregung und ein bisschen auch aus Vorfreude.
„Das Winterglück für kleine Waldmäuse sind die Träume“, antwortete Opa Maus. „Sie bringen das Licht und die Sonne, die Wärme, den Duft des Frühlings und die Freunde in die dunkle Höhle. Und das tun sie, wann immer du es dir träumst. Kuschle dich in dein Bettchen, kleine Maus, schließe die Augen und öffne dein Herz für alles, was du dir wünschst. Das Winterglück wird dir den Zauber deiner Träume schenken.“
“Schööön!“, staunte die kleine Maus.
Schnell legte sie sich wieder in ihr Blätterbett und war … schwups … eingeschlafen.
Ob sie im Traumland all ihre Freunde nun traf?
© Elke Bräunling
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