Das Märchen vom kleinen himmelblauen Drachen

Ein Märchen vom Träumen und Wünschen – Wenn ein himmelblauer Drache über den Himmel fliegt

Einmal wünschte sich ein kleiner Drache, unsichtbar zu sein. Diesen Wunsch aber konnte ihm keiner erfüllen und so machte er einen Besuch bei der Traumfee.
„Ich möchte blau sein. Himmelblau! Hilfst du mir?“, bat er sie. „Bitte!“
„Himmelblau?“, fragte die Traumfee. „Warum wünschst du dir ein himmelblaues Drachenkleid? Man kann dich damit doch gar nicht am Himmel fliegen sehen.“
„Ja! Oh ja!“, rief der kleine Drache da, und seine Augen begannen zu strahlen. „Das ist es, was ich mir wünsche. Keiner soll mich sehen.“
„Keiner?“ Die Traumfee wunderte sich. „Was ist ein Drache, den keiner sehen kann?“
„Ein glücklicher Drache“, sagte der kleine Drache schnell. „Und ein fröhlicher. Denn er kann machen, was er möchte, und keiner kann ihn sehen oder stören oder strafen oder hänseln oder verfolgen. Schön wird das sein. Drachentraumschön.“
„Und einsam“, wandte die Traumfee ein. „Fürchtest du nicht dieses himmelblaue Alleinesein?“
Der Drache schüttelte den Kopf. „Man kann mich nur an Blauhimmeltagen nicht sehen. Aber hören kann mich jeder und ich kann reden, lachen, singen, schimpfen und Gedichte erfinden, wenn ich das mag“, antwortete er. „Jeder kann mich dann hören. Und auch sehen kann man mich, wenn ich nicht gerade über den Himmel fliege. Wenn ich über eine Wiese laufe zum Beispiel. Oder wenn ich in der Krone der großen alten Eiche sitze und mich mit den Vögeln unterhalte. Oder wenn ich abends die Kinder besuche und durch die Kinderzimmerfenster schaue. Oder im …“. Noch viele Momente fielen dem kleinen Drachen ein, in denen er für alle Erdenbewohner zu sehen sein würde.
Die Traumfee schloss für einen Moment die Augen und stellte sich einen kleinen himmelblauen Drachen vor, der über Wiesen rannte, in Baumwipfeln hockte und vor Kinderzimmerfenstern herumgeisterte und redete, lachte, sang, schimpfte und Gedichte aufsagte. Niedlich sah das aus. Und alles fühlte sich richtig an. Es passte.
Sie schmunzelte. „Ich glaube, die himmelblaue Farbe ist genau die richtige Farbe für einen kleinen schüchternen Drachen, der nicht immer gesehen werden möchte. Ich werde mein Bestes tun, um dir deinen Wunsch zu erfüllen. Doch nun ist es höchste Zeit zum Schlafen, kleiner Drache. Vielleicht wirst du schon morgen mit einem himmelblauen Drachenkleid aufwachen.“
Und in der Nacht bemalte sie den kleinen Drachen sorgfältig mit einer leuchtend himmelblauen Farbe. Doch weil kein Wesen auf der Welt ganz unsichtbar sein sollte, malte sie ihm schnell noch einen klitzekleinen, hellroten Punkt, der ein bisschen einem Herzchen ähnelte, auf den Bauch genau an die Stelle, an der sein kleines Drachenherz schlug.
Wenn du also an einem himmelblauen Tag ein kleines hellrotes Herz über den Himmel fliegen siehst, weißt du Bescheid, und du kannst ihm zuwinken, dem kleinen schüchternen himmelblauen Drachen.

© Elke Bräunling

Hier findest du die Geschichte vom kleinen himmelblauen Drachen, der ein trauriges Kind tröstet: Der kleine himmelblaue Drache und das lachende Herz


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Wo ist der kleine himmelblaue Drache?, Bildquelle © Peggy_Marco/pixabay

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