Als der kleine Frieden weinte

Als der kleine Frieden weinte

Eine leise Friedensgeschichte über Hoffnung und Mut

Titel + Illustration Baum im Frühling, in seinen Ästen sitzen Eule, Eichhörnchen, Figur des kleinen Friedens (schemenhaft)„Der Frieden ist klein, aber er findet seinen Weg.“

Manchmal scheint es, als wäre der Frieden auf der Welt verloren gegangen. Nachrichten erzählen von Streit, von Krieg und von Menschen, die einander nicht mehr zuhören.
Doch vielleicht ist der Frieden nicht verschwunden. Vielleicht hat er sich nur eine Weile versteckt – so wie der kleine Frieden in dieser Geschichte. Und vielleicht wartet er darauf, dass jemand ihm wieder einen Platz gibt.
Diese kurze Geschichte eignet sich zum Vorlesen für Kinder, für ruhige Gesprächsrunden in der Schule oder auch für Seniorengruppen. Sie lädt dazu ein, über Frieden, Zuhören und kleine Gesten der Freundlichkeit nachzudenken.

 

 

Als der kleine Frieden weinte

Der kleine Frieden hatte sich hoch oben im Geäst einer alten Eiche versteckt.
Schon lange saß er dort und weinte. Er war unzufrieden. Und enttäuscht. Und zutiefst verletzt. Seine Tränen tropften wie kleine Regenbäche über seine Wangen und weiter über Äste und erste Frühlingsblätter.
Der kleine Frieden sagte nichts. Aber er fühlte sich sehr allein. Und ihm war kalt.
„Vielleicht brauche mich niemand mehr“, murmelte er schließlich.
Oh! Dieser Gedanke tat weh.
Illustration Baum im Frühling, in seinen Ästen sitzen Eule, Eichhörnchen, Figur des kleinen Friedens (schemenhaft)Da raschelte es im Geäst und eine dumpfe Stimme rief:
„Hey, was geschieht hier? Mein Kopf ist ganz nass!“
Es war die alte Eule, die von den tropfenden Tränen aus dem Schlaf geweckt wurde. Sie blinzelte und schüttelte die Federn.
Auch das Eichhörnchen war aufgewacht und blickte neugierig nach oben.
„Ist schon Frühling?“, rief es. „Oh, schön wäre das!“
„Mitnichten!“, brummte die Eule. „Etwas anderes ist das hier. – Oder jemand anderes?“
Der kleine Frieden zuckte zusammen.
„Ich bin es nur. Der kleine Frieden“, sagte er schließlich leise. „Ich verstecke ich mich hier.“
Die Eule sah lange zu ihm hinauf. „Wer sich versteckt, ist nicht verschwunden“, meinte sie.
„Aber ich werde nicht mehr gehört“, flüsterte der kleine Frieden. „Ich glaube, ich bin einfach zu klein. Man braucht mich nicht. Vielleicht gibt es mich auch gar nicht mehr.“
Das Eichhörnchen kicherte. „Wie soll es dich auch geben, wenn du dich hier verbirgst, kleiner Frieden?“, fragte es.
Die Eule nickte. „Klein sein ist nichts Schlechtes“, tröstete sie. „Die wichtigsten Dinge passen oft in kleine Hände.“
„Und wenn meine Hände zu klein sind?“, fragte der kleine Frieden schüchtern.
„Du wirst sogar sehr gebraucht, kleiner Frieden! Überall auf der Welt“, sagte die alte kluge Eule und ihre Stimme klang ernst nun. „Wachse heran und werde zu einem großen Frieden!“
„Stimmt!“, rief das Eichhörnchen. „Ganz groß wachsen musst du!“
„Und wie soll ich das machen?“ Eine leise Zuversicht klang nun in der Stimme des kleinen Friedens. „Ich möchte so gerne wieder gehört und gefühlt werden.“
„Geh zu den Menschen und bleibe!“, sagte die Eule. „Öffne ihnen dein Herz und setze dich zu ihren Gedanken und Wünschen.“
Illustration Baum im Frühling, in seinen Ästen sitzen Eule, Eichhörnchen, über ihnen schwebt Figur des kleinen Friedens, weiter weg Tal mit Häusern„Hm!“ Der kleine Frieden dachte nach. Er spürte, wie Kälte und Müdigkeit von ihm wichen.
„Ja. Ich gehe!“, sagte er schließlich. „Nicht weit. Nur dorthin, wo jemand ein bisschen Wärme braucht. Und Ruhe.“
Das Eichhörnchen nickte. „Das reicht oft schon.“
„Danke!“ Der kleine Frieden lächelte.
Und als er wenig später auf einer Windböe davonglitt, blieb der Wald still zurück.

„Der Frieden ist klein, aber er findet seinen Weg.“

© Elke Bräunling

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Fragen zur Geschichte

  • Warum glaubst du, hat sich der kleine Frieden versteckt?
  • Kann Frieden wirklich „klein“ sein? Wo begegnet er uns im Alltag?
  • Was könnten Menschen tun, damit der Frieden wieder wächst?

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Kleiner Sachtext

Was bedeutet Frieden eigentlich?

Frieden bedeutet mehr als nur das Ende von Krieg.
Frieden heißt, dass Menschen miteinander reden, statt zu kämpfen. Dass sie versuchen, einander zu verstehen und Streit ohne Gewalt zu lösen.
Oft beginnt Frieden ganz klein: wenn jemand zuhört, wenn man sich entschuldigt oder wenn zwei Menschen beschließen, freundlich miteinander umzugehen.
Viele große Veränderungen in der Welt haben mit ganz kleinen Schritten begonnen.

Wissenskärtchen FriedenVielleicht ist der Frieden gar nicht so weit weg. Still sitzt er in unseren Gedanken und wartet darauf, dass wir ihn wieder einladen.

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AUSMALBILDER

Ausmalbild Baum im Frühling, in seinen Ästen sitzen Eule, Eichhörnchen, Figur des kleinen Friedens

Ausmalbild Figur des kleinen Friedens im Baum

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