Löwenzahn ist doch kein Unkraut?
Löwenzahn ist doch kein Unkraut?
Warum Löwenzahn kein Unkraut ist – Eine Geschichte ĂŒber kleine Wunder der Natur
âManchmal wĂ€chst das Wertvollste genau dort, wo niemand es geplant hat.â
Der Löwenzahn gilt vielen als Unkraut, und doch ist er eine der stĂ€rksten und nĂŒtzlichsten Pflanzen des FrĂŒhlings. Diese Geschichte lĂ€dt dazu ein, genauer hinzusehen und das Kleine neu zu entdecken – drauĂen in der Natur und im eigenen Blick.
FĂŒr Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter, zum Vorlesen, fĂŒr kleine Entdeckungen drauĂen und fĂŒr alle, die die Natur mit neuen Augen sehen möchten.
Inhalt
Löwenzahn ist doch kein Unkraut?
Erstleser
Silbenschrift
Sachtext: Löwenzahn ist mehr als nur eine Blume
Mach mit – Löwenzahn entdecken
Löwenzahnhonig
Sachtext: Vom Unkraut
Tag des Unkrauts
Ausmalbilder
Löwenzahn ist doch kein Unkraut?
âOh, sieh nur, was da blĂŒht!â
Oma Emma deutete auf das gelbe BlĂŒmchen, das mitten im Trottoir* erblĂŒhte. Man konnte meinen, es wĂŒrde direkt aus den Beton heraus wachsen, doch wenn man genauer hinsah, entdeckte man die kleine Ritze im Pflaster.
âGanz schön schlau ist diese Blumeâ, staunte Lara. âUnd hĂŒbsch ist sie auch mit ihrer gelben BlĂŒte.â
âUnkraut ist es, keine Blumeâ, berichtigte Linus seine Schwester.
âGanz schön schlau, dieses Unkrautâ, wiederholte Lara. âUnd ĂŒberhaupt, was ist Unkraut?â
âZeugs, das so herumwĂ€chst und nervt, weil man es nicht haben will und ausrupfen mussâ, sagte Linus.
âOch! Das hat dieses hĂŒbsche Unkrautblume aber nicht verdient. Ist sie nicht cool, wie sie fast aus dem Beton wĂ€chst?â
âDas ist bei Unkraut so. Das wĂ€chst ĂŒberall.â Linus wusste Bescheid.
âDeshalb ist es ja auch cool. Es kann kĂ€mpfen.â Lara wollte nicht klein beigeben. AuĂerdem gefiel ihr dieses gelbe BlĂŒmchen. Toll sah es aus, wie es strahlte und das langweilige Trottoir gleich viel fröhlicher machte. âWie heiĂt dieses BlĂŒmchen denn, Oma?â
Oma Emma, die das GesprĂ€ch der Geschwister mit einem Schmunzeln belauscht hatte, beugte sich ĂŒber die kleine BlĂŒte.
âLöwenzahnâ, antwortete sie. âEs ist ein Löwenzahn.â
âUnd dieser schöne ‚Zahn‘ ist wirklich ein Unkraut?â, fragte Lara.
âUnkraut!â, sagte Oma Emma. âWas ist schon Unkraut? Wildpflanzen, die unerwĂŒnscht wachsen und die wir nicht nach Plan gepflanzt haben, nennt man Unkraut. Wir ĂŒbersehen gerne, dass wir diese Wildpflanzen brauchen. Sie bieten Nektar fĂŒr die Bienen und verschönern unsere Umwelt. AuĂerdem sind wundervolle HeilkrĂ€uter unter ihnen und lecker schmecken sie auch. Zumindest viele von ihnen. Und ich …â
Oma Emma redete und redete und ihre Wangen wurden rot und röter dabei.
âIst dieser Löwenzahn denn auch eine Heilpflanze?â, fragte Linus, der das mit diesen wilden Pflanzen nun doch sehr spannend fand.
âUnd kann man ihn essen?â, fĂŒgte Lara hinzu.
âBeides. Bei Problemen mit der Verdauung hilft Löwenzahn sehr, ja, und zum Essen ist er nicht nur eine Delikatesse fĂŒr die Bienenâ, erklĂ€rte Oma Emma. âLöwenzahnsalat mit jungen BlĂ€ttern zum Beispiel schmeckt köstlich und wird sogar in Feinschmeckerrestaurants angeboten. Noch besser schmeckt Löwenzahnhonig und in Notzeiten haben die Leute aus der Löwenzahnwurzel so etwas wie Kaffee gebraut. Ihr seht, von einem unnĂŒtzen Unkraut kann hier nicht die Rede sein. Am wichtigsten aber ist dieses BlĂŒmchen fĂŒr die Bienen, wĂ€chst es doch ĂŒberall und bietet damit den hungrigen Nektarsammlern immer und ĂŒberall Nahrung. Na, ist das nichts?â
„Und was heilt der Löwenzahn nun?“, hakte Linus nach.
„Vieles! Er gibt dem Blut neue Kraft nach dem Winter, hilft bei Problemen mit der Haut und ist nĂŒtzlich fĂŒr unsere Organe.“
âOh, viel ist das! Sehr viel sogarâ, sagte Linus. âNie wieder werde ich Unkraut zu einer Pflanze sagen.â
âWildkraut klingt ja auch viel schönerâ, ergĂ€nzte Lara. âOder?â
© Elke BrÀunling
*Trottoir ist französisch und heiĂt BĂŒrgersteig. Im sĂŒdwestdeutschen Raum sagt man meist Trottoir und das wird so ausgesprochen: „Trottwar“.
.
Löwenzahn- und Pusteblumengeschichten
đŒ Löwenzahnzauber
đŹïž Blumensonnen und Pusteblumenpusten
đ± PusteblumentrĂ€ume
đŒ Löwenzahntage
đ Löwenzahn ist doch kein Unkraut
đŠ Der kleine blaue Schmetterling und der Löwenzahn
đŸ Löwenzahnwiese
đ» Der kleine BĂ€r und der PusteblumenstrauĂ
âš Kleine Pusteblumenfantasie
đ§ Erstleserfassung
Löwenzahn ist doch kein Unkraut
Oma Emma blieb stehen.
Mitten auf dem Weg wuchs eine gelbe Blume.
âSieh nurâ, sagte sie.
Lara beugte sich nach unten.
âDie wĂ€chst ja aus dem Stein!â, staunte sie.
âUnkrautâ, sagte Linus. âDas wĂ€chst ĂŒberall.â
Lara schĂŒttelte den Kopf.
âIch finde sie schönâ, sagte sie. âUnd stark ist sie auch.â
âWie heiĂt sie?â, fragte Linus.
âLöwenzahnâ, antwortete Oma Emma.
âUnd das ist wirklich Unkraut?â, wollte Lara wissen.
Sie konnte es nicht glauben.
Oma Emma lÀchelte.
âWas ist schon Unkraut?â, fragte sie. âEs sind Pflanzen, die einfach so wachsen.â
Sie machte eine kurze Pause, dann erzÀhlte sie weiter:
âDiese Pflanzen sind wichtig. Bienen finden dort Nahrung. Und wir Menschen können sie auch nutzen.â
âWirklich?â, fragte Linus.
âJaâ, sagte Oma Emma. Sie nickte. âMan kann die BlĂ€tter essen. In einem Salat zum Beispiel. Und aus den BlĂŒten kann man etwas sĂŒĂen Löwenzahnhonig machen.â
Lara sah die Blume noch einmal an.
âDann ist sie gar kein Unkrautâ, sagte sie.
Oma Emma lĂ€chelte. âVielleicht haben wir das nur vergessenâ, sagte sie.
© Elke BrÀunling
đ€ Silbenschrift
Lö-wen-zahn ist doch kein Un-kraut
O-ma Em-ma blieb ste-hen.
Ei-ne gel-be Blu-me wuchs im Weg.
âSieh nurâ, sag-te sie.
La-ra beug-te sich hin-un-ter.
âDie wĂ€chst ja aus dem Stein!â
âUn-krautâ, sag-te Li-nus.
La-ra schĂŒt-tel-te den Kopf.
âIch fin-de sie schön.â
âWie heiĂt sie?â, frag-te Li-nus.
âLö-wen-zahnâ, er-klĂ€r-te O-ma Em-ma.
âWas ist Un-kraut?â, frag-te La-ra.
âPflan-zen, die ein-fach wach-senâ, sag-te O-ma Em-ma. âĂ-ber-all. Und sie sind wich-tig. Die Tie-re brau-chen sie. Ganz be-son-ders die Bie-nen.â
âBie-nen brau-chen sie?â, staun-te Linus.
âUnd wir auch?â, frag-te La-ra. âBrau-chen wir die Un-kraut-pflan-zen auch? Und den Lö-wenzahn?â
âJaâ, ant-wor-te-te O-ma Em-ma. âMan kann sie es-sen. Und es ist ge-sund.â
La-ra nick-te.
âDann ist es kein Un-krautâ, sag-te sie. âO-der?â
© Elke BrÀunling
đż Sachtext: Löwenzahn â mehr als nur eine Blume
Viele Menschen nennen den Löwenzahn âUnkrautâ.
Doch Löwenzahn ist viel mehr als das.
Er gehört zu den Wildpflanzen und wĂ€chst dort, wo er genug Licht und ein kleines bisschen Erde findet – sogar zwischen Pflastersteinen. Seine langen Wurzeln reichen tief in den Boden und machen ihn besonders widerstandsfĂ€hig.
Im FrĂŒhling gehört der Löwenzahn zu den wichtigsten Pflanzen fĂŒr Insekten. Seine leuchtend gelben BlĂŒten bieten Bienen, Hummeln und anderen Nektarsammlern eine der wichtigsten, ersten Nahrungsquellen nach dem Winter.
Auch fĂŒr uns Menschen ist der Löwenzahn eine besondere Pflanze.
Seine jungen BlĂ€tter kann man als Salat essen. Sie schmecken leicht bitter und sind sehr gesund. Die BlĂŒten werden manchmal zu Sirup oder âLöwenzahnhonigâ verarbeitet. Und frĂŒher nutzten die Menschen sogar die Wurzeln, um daraus ein GetrĂ€nk zu machen.
In alten Zeiten wussten viele Menschen genau, welche Pflanzen essbar oder heilkrÀftig sind. Dieses Wissen geht heute ein wenig verloren.
Vielleicht lohnt es sich, den Löwenzahn noch einmal neu anzusehen –
nicht als Unkraut, sondern als eine kleine, starke und sehr nĂŒtzliche Pflanze.
đŒ Wusstest du schon?
âą Löwenzahn gehört zu den ersten FrĂŒhlingsblumen fĂŒr Bienen đ
âą Alle Teile der Pflanze sind nutzbar – BlĂ€tter, BlĂŒten und Wurzeln
âą Die Pusteblume entsteht aus der gelben BlĂŒte
âą Die Samen fliegen mit kleinen âFallschirmenâ durch die Luft
âą FrĂŒher war Löwenzahn eine wichtige Nahrungspflanze
đŻ Mach mit! â Löwenzahn entdecken
1. Löwenzahn suchen đŒ
Geh nach drauĂen und halte Ausschau nach Löwenzahn.
Wo wÀchst er? Im Garten? Am Wegesrand? Zwischen Steinen?
2. Genau hinschauen đ
Betrachte die Pflanze ganz genau:
Wie sehen die BlÀtter aus?
Wie fĂŒhlt sich die BlĂŒte an?
Kannst du spÀter eine Pusteblume entdecken?
3. Pusten und staunen đŹïž
Wenn aus der BlĂŒte eine Pusteblume geworden ist,
puste vorsichtig die Samen weg.
Wohin fliegen sie?
4. Löwenzahn probieren đ„
Wenn ein Erwachsener dabei ist.
Probiert einmal ein junges Blatt (nur von sauberen Wiesen entfernt von StraĂen!).
Wie schmeckt es?
5. BlĂŒtenkranz âïž
Aus LöwenzahnblĂŒten kannst du dir schöne golden gelbe BlĂŒtenkrĂ€nze fĂŒrs Haar binden. Schön sehen sie aus – und du bist fĂŒr eine Weile nun eine kleine Löwenzahnfee, ein FrĂŒhlingssonnenkind oder ein BlĂŒtenmĂ€dchen beim FrĂŒhlingsfest.
Na, wĂŒrde dir das Freude bereiten?
6. Löwenzahn malen đ
Nimm Papier und Stifte und male eine LöwenzahnblĂŒte. Und daneben malst du die BlĂŒte als Pusteblume.
Welche gefÀllt dir besser?
đŻ Mitmachidee: Löwenzahnhonig
Das LöwenzahnblĂŒmchen ist nicht nur schön – man kann daraus auch etwas Leckeres machen: Löwenzahnhonig.
Das ist kein echter Honig, sondern ein sĂŒĂer Sirup aus BlĂŒten.
Du brauchst:
âą viele frische LöwenzahnblĂŒten (nur von sauberen Wiesen sammeln)
âą Wasser
âą Zucker
âą eine Zitrone
So gehtâs:
1 PflĂŒcke an einem sonnigen Tag viele gelbe LöwenzahnblĂŒten.
2 SchĂŒttle sie vorsichtig aus, damit kleine Tiere herauskrabbeln können.
3 Gib die BlĂŒten in einen Topf mit Wasser und koche sie kurz auf.
4 Lass alles einige Stunden ziehen.
5 Siebe die BlĂŒten ab.
6 Gib Zucker und Zitronensaft dazu und koche die FlĂŒssigkeit langsam ein, bis sie dickflĂŒssig wird.
Am Ende entsteht ein goldgelber Sirup, der ein bisschen wie Honig schmeckt.
Du kannst ihn aufs Brot streichen oder in Tee geben.
Wichtig: Lass dir dabei immer von einem Erwachsenen helfen.
đș Vom Unkraut
đż Sachtext: Was ist eigentlich âUnkrautâ?
Das Wort âUnkrautâ klingt nicht besonders freundlich.
Es bedeutet eigentlich nur: Es ist eine Pflanze, die dort wĂ€chst, wo wir sie nicht haben möchten. Das aber weiĂ die Pflanze selbst natĂŒrlich davon.
Sie wÀchst einfach dort, wo sie Licht, Wasser und ein bisschen Erde findet.
Ganz ohne Plan, ganz ohne Gartenzaun.
Viele dieser sogenannten âUnkrĂ€uterâ sind in Wirklichkeit WildkrĂ€uter, also
Pflanzen, die von selbst wachsen und nicht von Menschen gepflanzt wurden.
Und gerade diese WildkrÀuter sind oft besonders wertvoll.
Sie bieten Nahrung fĂŒr Bienen, Hummeln und andere Insekten.
Sie schĂŒtzen den Boden und helfen dabei, die Natur im Gleichgewicht zu halten.
Und viele von ihnen sind sogar essbar oder haben heilende KrÀfte.
Das wussten die Menschen frĂŒher ganz genau.
Sie sammelten WildkrĂ€uter, nutzten sie in der KĂŒche und als Heilpflanzen.
Die Menschen damals kannten ganz genau ihre Wirkung und wussten, wann und wo sie wachsen und gepflĂŒckt werden konnten.
Heute ist dieses Wissen ein wenig in Vergessenheit geraten.
Wir rĂ€umen GĂ€rten auf, zupfen âUnkrautâ heraus und achten oft nicht mehr darauf, was da eigentlich wĂ€chst.
Vielleicht lohnt es sich, noch einmal genauer hinzusehen.
Was wir nĂ€mlich Unkraut nennen, ist oft einfach nur eine Pflanze, deren Wert wir oft nicht kennen – oder vergessen haben.
.
đż Tag des Unkrauts â was ist das?
Der 28. MĂ€rz ist ein besonderer Tag: der Tag des Unkrauts.
Das klingt erst einmal komisch.Ein Ehrentag fĂŒr Unkraut? Warum sollte man es feiern?
Viele Menschen nennen Pflanzen âUnkrautâ, weil sie dort wachsen, wo sie nicht geplant sind zum Beispiel zwischen Steinen oder im Gartenbeet.
Sie halten sie fĂŒr nutzlos. Doch das sind diese Pflanzen keineswegs.
Die Unkrautpflanzen – oder besser gesagt: die WildkrĂ€uter – sind oft stark und mutig, weil sie sich ihren Platz zum Leben selbst suchen. Sie wachsen besonders auch dort, wo andere Pflanzen nicht gut leben oder ĂŒberleben können.
AuĂerdem sind sie wichtig fĂŒr Tiere. Bienen und andere Insekten finden dort Nahrung, besonders im FrĂŒhling. Und manche âUnkrĂ€uterâ sind sogar gesund fĂŒr uns Menschen. Man kann sie essen oder als Heilpflanzen nutzen.
Der Tag des Unkrauts erinnert uns daran, genauer hinzusehen. Vielleicht ist das, was wir âUnkrautâ nennen, in Wirklichkeit etwas ganz Wertvolles?
đż Zum Schluss
Nicht alles, was wir entfernen, ist unnĂŒtz.
Und nicht alles, was wir behalten, ist wertvoll.
Manchmal irren wir uns einfach ⊠und die Natur weià es lÀngst besser.
AUSMALBILDER


Buchempfehlung:
In diesem neuen sehr lehrreichen Natur-Kamishibai-Buch* von Heiderose & Andreas Fischer-Nagel findet ihr wunderschöne, farbenprĂ€chtige Löwenzahn- und Pusteblumenbilder sowie interessante BeitrĂ€ge und Löwenzahngeschichten, darunter auch mein MĂ€rchen „Der kleine blaue Schmetterling und der Löwenzahn“:
Der Löwenzahn: Natur-Kamishibai*
*Affiliate Links





Liebe Elke,
danke danke danke fĂŒr deine Geschichten, endlich Geschichten aus dem Herzen! Manche Kindergeschichten kann ich meinem Sohn gar nicht vorlesen, so leer und ohne Sinn. Danke fĂŒr diese liebevolle menschlichen Texte!
In welchem Buch ist diese tolle Geschichte vom Wildkraut:)?
Lg Marina
Danke, Marina. Dein Lob freut mich sehr und es bereitet mir gerade ein schönes Wochenende. Das tut gut.
Ich hoffe, ihr werdet noch sehr oft fĂŒndig hier im Blog.
Die Löwenzahngeschichte gibt es noch nicht in einem Buch, leider.
Liebe GrĂŒĂe und einen schönen Sonntag
Elke