Die kleine Waldmaus und das Beerenfest

 

Die kleine Waldmaus und das Beerenfest

Großen Beerenhunger hat die kleine Waldmaus heute. Aber nicht nur sie

Endlich hatte die kleine Waldmaus an einem heißen Frühsommertag am Rande der Waldwiese ein Plätzchen mit Walderdbeeren gefunden. Es lag so abgelegen hinter einem morschen Baumstumpf, dass es nicht gleich von jedem Wiesengast entdeckt werden konnte. Hier reiften die Beeren besonders gut und sie waren unentdeckt geblieben.
Nun aber war die kleine Waldmaus gekommen. Sie stand vor den roten, duftenden Erdbeerfrüchten, staunte und freute sich. Oh, und wie sie sich freute! Nach der langen Winter- und Frühlingszeit hatte sie sich so sehr nach frischen Beeren gesehnt. Es waren die ersten süßen Früchte, die sie in diesem Jahr fand. Erste Male waren immer ganz besondere Male. Und erste Beeren im Jahr waren auch ganz besondere Beeren. Sie schmeckten süßer als süß und so köstlich, dass man sie nie mehr vergessen würde.
Die kleine Maus jubelte. Das Wasser lief ihr im Munde zusammen vor lauter Naschfreude und Beerenhunger. Am liebsten hätte sie sich gleich auf die süße Pracht gestürzt, um zu schmausen, schmausen, schmausen, bis sie pappsatt und ihr Bäuchlein dick und rund gefuttert war.
Weil sie sich aber so sehr freute und weil die Beeren funkelrot glänzten wie kostbare Edelsteine, hielt die kleine Maus für einen Moment inne.
„Oft habe ich von euch geträumt im langen Winter“, flüsterte sie und ihr kleines Mauseherz klopfte vor Freude – und auch ein bisschen vor Ungeduld – schneller als sonst. „Ihr aber seid noch viel schöner als jeder süße Beerentraum es sein kann.“
Sie schnupperte an den Früchten. „So schön seid ihr und alle mein. Sagt, ist das nicht prima?“
„Mitnichten“, tönte da eine Stimme aus dem schattigen Wiesenkraut. „Die Beeren, sie gehören nicht dir allein, kleine Maus. Ein Teil von ihnen ist auch mein.“
„Und warum versteckst du dich dann?“, fragte die kleine Maus.
„Die Strahlen der Sonne hindern mich daran, meinen kühlen Platz zu verlassen.“
„Und wer bist du?“
„Die Wiesenschnecke bin ich“, antwortete die Schnecke.
„Und ich bin die Waldmaus“, rief die kleine Waldmaus in die Kräuterbüsche hinein. „Und es sind genug Beeren für uns beide da.“
„Für uns drei“, meldeten sich brummende Stimmen aus der Tiefe des Baumstumpfes. „Nein, eigentlich sind wir drei mal drei Waldkäfer. Wir sind gerade vom Mittagsschläfchen erwacht und hätten nun ein bisschen Appetit.“
„Ich bin nur ein Spatz. Ein mal eins“, rief ein Spatz, der auf dem Baumstumpf saß.„Beerenappetit hätte ich auch.“
„Lasst ihr uns auch noch etwas zum Naschen?“, baten zwei Bienen.
Ihnen folgten eine Wespe, zwei Hornissen, ein schwarzer Waldkäfer und ein Tausendfüßler. Zuletzt kam auch noch eine kleine Wiesenmaus. Auch sie hatte großen Beerenhunger.
Die kleine Waldmaus staunte. So viele Tiere. Und alle hatten Beerenhunger. Ob da überhaupt etwas für sie übrig blieb?
Ein bisschen spürte sie, wie ein kleiner leiser Ärger in ihrem Bauch grummelte. Dann aber blickte sie auf die roten Beeren. Es waren so viele und genug für alle.
„Es ist genug für alle da“, rief sie. „Wir teilen. Ist doch klar, oder?“
„Klar“, antworteten die Wiesentiere, und die kleine Wiesenmaus fügte hinzu:
„Und jetzt machen wir ein Beerenfest. Das wird fein.“
Und fein wurde es auch. Sie aßen und schnabulierten und naschten und freuten sich am köstlichen Beerensüß. Und wirklich. Alle wurden satt und es waren noch viele Beeren übrig, dass sie beschlossen, am nächsten Tag wieder zu kommen. Zu einem neuen Beerenfest am Rande der Waldwiese hinter dem alten Baumstumpf.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

29. Mai 2017 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Kindergeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten, Waldgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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