Die kleine Waldmaus und der liebe Gruß

Kindergeschichte vom Miteinander – Vom Mögen und von der Freundlichkeit

Von allen Tieren im Wald und auf der Wiese liebte die kleine Waldmaus die Schmetterlinge am meisten. Klar, ihren Freund, den kleinen Igel, liebte sie auch sehr, ebenso das kleine Eichhörnchen, Opa Maus, ihre Mausegeschwister und (fast) alle Mausefreunde auf der Waldwiese. Und die liebten auch (fast) alle die kleine Maus.
Die Schmetterlinge aber waren ganz besonders interessante Gefährten  für die kleine Maus. Die aber beachteten sie nicht, wenn sie mit ihren zarten weißen, gelben, lilafarbenen, hellblauen und schwarz-rot-gelb-bunten Flügeln lockend und federleicht über die Wiese tänzelten. Nein. Es war, als würden diese wunderfeinen Wundertänzer sie gar nicht sehen. Das kränkte die kleine Waldmaus sehr. Wo sie doch die Schmetterlinge so sehr liebte! Alle anderen Tiere, selbst die gefährlichen Stechmücken und Wespen, hatten stets ein paar Worte oder ein Wiesenlächeln oder ein „Hahi“ (das heißt „Hallo!“ und „Hi!“ in der Wiesentiersprache) für sie übrig. Was machte sie bei den Wunderschmetterlingen bloß falsch? Ob sie ihnen noch ein bisschen netter begegnen sollte?
„Nett lächeln und freundlich grüßen musst du, wenn du in der Wald- und Wiesenwelt unterwegs bist, kleine Maus“, hatte Opa Maus einmal gesagt. „Ein lieber Gruß tut allen gut.“
Ein lieber Gruß? Opa Maus hatte recht. Bestimmt hatte sie die Schmetterlinge noch nicht lieb genug gegrüßt.
„Ich muss noch lieber und lauter und freundlicher grüßen“, nahm sich die kleine Waldmaus vor.
Sie setzte ein besonders nettes Lächeln auf und marschierte mit sehr freundlichen Grüßen über die Waldwiese.
„Hahi!“, rief sie. „Ich grüße euch alle besonders lieb und nett. Seht ihr? Hahi!“
„Hahi, kleine Maus! Hahi!“ Von allen Seiten riefen ihr die Wiesentiere ein ebenso freundliches, liebes „Hahi!“ zu. Das fühlte sich schön an. Das Herz der kleinen Maus pochte ein bisschen schneller. Nur die Schmetterlinge, diese eitlen Schönlinge, flogen weiter stumm an ihr vorbei. Deren einzige Aufmerksamkeit galt den Wiesenblüten.
Die kleine Maus war traurig. Und auch ein bisschen wütend.
„Ihr mögt nur Blütenköpfe leiden?“, rief sie. „Bitteschön! Das könnt ihr haben.“
Sie pflückte eine Margeritenblume und hielt sie, den Stängel fest zwischen den Zähnen haltend, einem Schmetterling entgegen. Und ehe sich die kleine Maus versah, setzte sich schon einer mit schlagenden Flügeln und tastenden Fühlern auf die Blüte. Er war ein besonders schönes hellblaues Exemplar mit kleinen, dunkelblauen Flügelpünktchen. Ein bisschen schimmerte er silbern im Licht der Sonne. Aber das interessierte die kleine Maus nun nicht mehr.
„Seltsam“, murmelte sie. „Ich musste nicht einmal freundlich lächeln und einen lieben Hahi!-Gruß rufen. Aber er ist ja auch nicht meinetwegen da. Hahi!“
Die kleine Maus hatte auf einmal keine Lust mehr, mit dem Schmetterling Freundschaft zu schließen. Schmetterlinge, fand sie, waren nicht nur schön und stumm, sie waren auch dumm.

© Elke Bräunling

Hallo, kleine Waldmaus!, Bildquelle ©  btfrewinphotography/pixabay

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