Der kleine himmelblaue Drache ist frühlingsmüde
Der kleine himmelblaue Drache ist frühlingsmüde
Gutenachtmärchen im frühen Frühling
Auch in Winterhöhlen kann es laut und fröhlich zugehen
Diese Gutenachtgeschichte erzählt vom frühen Frühling und von einem kleinen Drachen, der sich auf das Licht und die Freiheit draußen freut und dennoch müde ist.
„Der kleine himmelblaue Drache ist frühlingsmüde“ ist ein leises Märchen über Frühlingsmüdigkeit, Rückzug und das Bedürfnis nach Ruhe.
Die Geschichte wird ergänzt durch eine Fantasiereise, eine Erstleserfassung, einen einfachen Sachtext, Mitmach-Ideen und Ausmalbilder. Sie eignet sich besonders gut für Kindergarten und Grundschule oder zum Vorlesen am Abend, für ruhige Momente im Frühling oder für Kinder, die spüren, dass sich etwas verändert – innen wie außen.
Inhalt
Intro
Geschichte: Der kleine himmelblaue Drache ist frühlingsmüde
Fantasiereise: In der Höhle des kleinen himmelblauen Drachen
Erstleserfassung
Sachtext: Warum man im Frühling manchmal müde ist
Mach-mit-Extras
Kleine Atempause am Abend
Ausmalbilder
Intro
Es gibt Wesen, die sind im Frühling nicht müde. Niemals. Sie singen. Sie summen. Sie murmeln. Sie reden. Und wenn sie freundlich sind, reden sie noch mehr.
Der kleine himmelblaue Drache dagegen ist frühlingsmüde.
Er möchte hinaus aus seiner Schlafhöhle, Licht sehen, Wolken zählen, endlich wieder fliegen. Doch in der Höhle geben die Murmelleute ein Dauer-Konzert, und selbst der alte Höhlenmolch findet daran nichts auszusetzen.
Der kleine Drache lernt, was Menschen das große Müdesein nennen: Man freut sich auf den Frühling und ist trotzdem erschöpft.
Dieses Gutenachtmärchen erzählt vom frühen Frühling, von Sehnsucht nach Licht und Freiheit und davon, dass auch gut Gemeintes manchmal einfach zu viel sein kann.
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Der kleine himmelblaue Drache ist frühlingsmüde
„Ist es vorbei? Ich muss doch mal nachsehen!“
Vorsichtig streckte der kleine himmelblaue Drache die Nase aus der engen Felsspalte der Höhle, in der er mit seinen Gefährten, dem achtbeinigen blinden Höhlenmolch und den ewig singenden Murmelleuten die Winterzeit verbracht hatte. Die Welt da draußen fehlte ihm und er wollte wieder Licht sehen, den Himmel die Sonne, die Wolken und die Lebewesen auf der Erde, die Menschen und Tiere.
„Der Winter ist lang gewesen“, sagte er. „Ich möchte das Leben wieder sehen.“
„Hier ist auch Leben. Oder langweilst du dich mit uns?“, meinte der alte Molch und einer der Murmelleute fragte:
„Sollen wir dir noch ein Lied singen?“
Der kleine Drache unterdrückte einen Seufzer. Alles, bloß kein weiteres Lied der Murmelleute mehr. Den ganzen Winter über hatten sie gesungen und gesummt und geflüstert und gebrabbelt, gemurmelt und geraunt und geredet, geredet, geredet. In einem fort. Keinen Nacht ist er zum Schlafen gekommen und auch am Tag nicht, und nun war er müde.
„Später!“, sagte er schnell. „Ich muss erst einmal nachsehen, ob dieses eisige Eis noch immer den Höhlenausgang versperrt. Vielleicht wartet schon der Frühling da draußen auf uns. Wäre das nicht wunderbar?“
Er streckte die Nase noch ein bisschen weiter aus dem Felsspalt, bis er nicht mehr weiter kam. Die hellblau schimmernde Eisscheibe versperrte nicht mehr ganz so dick den Weg.
„Das Wintereis! Es wird bald weggetaut sein und dann ist endlich der Frühling da. Ich möchte wieder frei sein und das Leben sehen.“
„Wir sind auch das Leben“, murmelte der alte Molch. „Das innere Leben, das Höhlenleben. Und es ist gut. Man kann es aushalten.“
„Und wie! Und wie sehr!“ Aufgeregt sprangen die pelzigen Murmelleute, die Murmellmänner und Murmelfrauen und Murmelkinder, durch die Höhle. „Es ist schön unser Leben hier, so friedlich und frei und still. Da ist keiner, der uns schaden will. Jaja.“
Der kleine himmelblaue Drache seufzte. Still? Oh, wenn es doch still wäre, so könnte man dieses Höhlenleben gut aushalten. Waren diese Murmelleute denn nie müde? Er wollte dies gerade fragen, als ein Murmelmann sich vor ihm aufbaute:
„Und weil es so schön mit uns ist, singen wir dir unser neues Lied.“
Der kleine himmelblaue Drache war zu müde, um sich zu wehren. Er versuchte es trotzdem:
„Macht euch keine Mühen“, sagte er. „Ihr habt mich so lange mit euren Liedern und Geschichten unterhalten, und dafür danke ich euch. Aber nun ruht euch aus und spart eure Kräfte für die Tage des Frühlings. Sie sind wirklich sehr nahe, scheint mir.“
Und ich bin müde, dachte er bei sich. So sehr müde.
„Oh, wir sind nicht müde!“, riefen da die Murmelleute im Chor und schon begannen sie zu singen. Einen vielstimmigen Kanon, der von Freunden handelte, die der Winter schuf und von denen man sich nie wieder trennen würde, von Stille, Friede und Freisein.“
Sie sangen und sangen, und weil es ein Kanon war, schienen sie gar nicht mehr damit aufzuhören.
Noch einmal seufzte der kleine Drache. Er seufzte ganz leise.
Jetzt verstehe ich, was die Menschen meinen, wenn sie von einem harten Winter und dem großen Müdesein im frühen Frühling sprechen, dachte er.
Ergeben schloss er die Augen und lauschte den Gesängen und schlief dann doch ein, um vom Frühling zu träumen, von warmen Lüften und Blütendüften, von Sonnenschein und der Freiheit, endlich wieder über den himmelblauen Himmel zu fliegen.
© Elke Bräunling
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In der Höhle des kleinen himmelblauen Drachen
Mach es dir bequem.
Vielleicht sitzt du, vielleicht liegst du.
Wenn du magst, schließe die Augen. Wenn nicht, dann lass den Blick weich werden.
Stell dir eine Höhle vor.
Sie liegt tief im Berg und ist geschützt vor Wind und Wetter. Die Wände sind kühl, aber nicht kalt. Der Boden ist fest und ruhig. Hier drinnen ist es dunkel genug, um zur Ruhe zu kommen, und hell genug, um sich sicher zu fühlen.
In dieser Höhle verbringt der kleine himmelblaue Drache den Winter.
Er liegt zusammengerollt an einem geschützten Platz. Seine Flügel ruhen an seinem Körper. Sein Atem geht langsam. Ein und aus. Ganz ruhig.
In der Höhle sind noch andere Wesen.
Da ist der alte Höhlenmolch, der wenig sieht, aber viel weiß. Und da sind die Murmelleute. Manchmal sind sie sehr lebhaft. Manchmal singen sie. Manchmal murmeln sie leise vor sich hin. Jetzt aber sind ihre Stimmen gedämpft. Sie sind da, aber sie drängen sich nicht auf.
Der kleine Drache hört sie nur noch aus der Ferne.
Es ist wie ein leises Rauschen.
Vorne, am Ausgang der Höhle, liegt noch ein Rest vom Winter.
Eine helle Eisscheibe versperrt den Weg nach draußen. Sie ist nicht mehr dick. Das Eis ist klar geworden. Es lässt schon Licht hindurch.
Du kannst es sehen: ein sanftes Blau, ein Schimmern, das von draußen hereinfällt.
Dahinter wartet der Frühling.
Noch leise. Noch vorsichtig. Er ruft nicht. Er drängt nicht. Er ist einfach da und wartet.
Der kleine Drache muss jetzt nichts tun.
Er muss nicht fliegen. Er muss nicht aufbrechen. Er darf noch bleiben.
Mit jedem Atemzug wird es ein wenig wärmer in der Höhle.
Nicht viel. Nur so, dass es gut tut.
Der Drache atmet ein und aus.
Ein und aus.
Und vielleicht atmest du mit ihm.
Wenn du magst, stell dir vor, wie der Frühling draußen einen Schritt näher kommt.
Schritt für Schritt für Schritt.
Näher kommt er und näher.
Und um dich herum wird es warm und wärmer.
Wohlig warm. Frühlingswarm.
Genieße diese Wärme.
Ruhe dich aus.
Warte mit dem kleinen himmelblauen Drachen auf den nahenden Frühling.
Psch ………
Wenn es sich richtig anfühlt, kannst du langsam wieder zurückkommen.
Beweg deine Hände.
Spür den Boden unter dir.
Öffne die Augen – oder bleib noch einen Moment in der Ruhe.
Der Frühling läuft dir nicht davon.
© Elke Bräunling
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Der kleine himmelblaue Drache ist frühlingsmüde
Erstleserfassung
Der kleine himmelblaue Drache saß in einer Höhle.
Den Winter über war er dort geblieben.
Mit ihm lebten der alte Höhlenmolch und die Murmelleute.
Der Drache war müde.
Sehr müde.
„Ist der Winter vorbei?“, fragte er.
Vorsichtig steckte er seine Nase aus der Höhle.
Draußen sah er Licht.
Das Eis vor dem Eingang war schon dünner geworden.
„Ich möchte den Frühling sehen“, sagte der Drache. „Ich möchte wieder fliegen.“
Der alte Molch antwortete ruhig:
„Auch hier ist Leben. Man kann es aushalten.“
Die Murmelleute freuten sich.
Sie sprangen durch die Höhle.
Sie sangen und summten.
„Sollen wir dir ein Lied singen?“, fragten sie.
Der Drache seufzte leise.
Die Murmelleute waren freundlich.
Aber sie waren sehr laut.
Den ganzen Winter hatten sie gesungen.
Jetzt war er einfach nur müde.
„Vielleicht später“, sagte der Drache höflich. „Ruhen wir uns noch ein wenig aus. Der Frühling ist bald da.“
Doch die Murmelleute begannen zu singen.
Sie sangen von Freundschaft.
Sie sangen von Frieden.
Und sie hörten nicht auf.
Der Drache schloss die Augen.
Jetzt verstand er, was Menschen meinten,
wenn sie vom großen Müdesein sprachen.
Er träumte vom Frühling.
Von warmem Wind.
Von Blüten.
Von Sonne.
Und davon, bald wieder durch den himmelblauen Himmel zu fliegen.
© Elke Bräunling
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Sachtext
Warum man im Frühling manchmal müde ist
Einfacher Sachtext für Kinder
Im Frühling wird es draußen heller.
Die Sonne scheint länger. Die Vögel singen wieder.
Viele freuen sich darüber.
Und doch sind manche Menschen müde. Auch Kinder.
Das nennt man Frühlingsmüdigkeit.
Im Winter war es lange dunkel. Der Körper hat sich daran gewöhnt.
Wenn es im Frühling plötzlich heller wird, muss sich der Körper neu einstellen.
Das braucht Zeit.
Manche fühlen sich dann schlapp. Andere sind schneller genervt.
Manche wollen mehr schlafen als sonst.
Das ist ganz normal.
Auch Kinder merken das.
Sie können müde sein, obwohl sie genug geschlafen haben.
Oder ihnen ist alles schnell zu viel.
So geht es auch dem kleinen himmelblauen Drachen.
Draußen wartet der Frühling. Aber innen ist er noch müde.
Dann hilft es, ruhig zu bleiben. Pausen zu machen.
Ein bisschen frische Luft zu schnappen.
Und sich nicht zur Eile zwingen. Nicht zu drängen.
Der Frühling läuft nicht weg. Und die Müdigkeit geht vorbei.
Manchmal braucht der Frühling einfach ein wenig Zeit.
© Elke Bräunling
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Mach-mit-Extras
🌱 Nachdenken & Erzählen
• Wann fühlst du dich manchmal so müde wie der kleine himmelblaue Drache?
• Was ist dir dann zu laut oder zu viel?
• Was hilft dir, wenn du Ruhe brauchst?
🎨 Malen & Gestalten
• Male den kleinen himmelblauen Drachen in seiner Höhle.
• Male, wovon er träumt, als er einschläft.
• Wie sieht der Frühling draußen vor der Höhle aus?
👂 Lauschen & Stillwerden
• Setz dich einen Moment ruhig hin.
• Schließe die Augen und höre zu.
• Welche Geräusche hörst du ganz leise?
🐉 Bewegung wie ein müder Drache
• Strecke dich langsam, als würdest du aufwachen.
• Atme tief ein und wieder aus.
• Schlage ganz sanft mit den Armen, als wären es Drachenflügel.
💬 Weitererzählen
• Was würdest du den Murmelleuten sagen?
• Was würdest du dem Drachen wünschen?
• Wie geht die Geschichte weiter, wenn der Frühling da ist?
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🌙 Zum Schluss eine kleine Atempause am Abend
Lass den Tag los
Wenn es Abend wird, darf der Tag langsam leiser werden.
So wie beim kleinen himmelblauen Drachen.
Mach es dir gemütlich.
Vielleicht im Bett. Vielleicht auf dem Sofa.
Das Licht darf gedimmt sein.
Lege eine Hand auf den Bauch.
Atme langsam ein.
Atme wieder aus.
So, als würdest du dich in einer warmen Höhle ausruhen.
Stell dir nun den kleinen himmelblauen Drachen vor.
Er liegt eingerollt und schläft.
Draußen wartet der Frühling.
Drinnen ist es ruhig.
Du musst heute nichts mehr tun.
Der Frühling kommt auch morgen noch.
Wenn du magst, kannst du dir einen Wunsch für morgen denken.
Einen kleinen.
Einen leisen.
Und dann lass den Tag los.
So wie der Drache es tut.
© Elke Bräunling
AUSMALBILDER





