Der kleine himmelblaue Drache und das lachende Herz

Kindergeschichte für einen traurigen Tag – Wenn jemand traurig ist, darf man nicht weiterziehen

Als der kleine himmelblaue Drache einmal über die Gärten flog, hörte er von dort her ein Weinen. Ein sehr trauriges Kinderweinen.
Er erschrak und etwas in seinem Bauch krampfte sich zusammen und auf einmal fühlte er sich traurig. Sehr sogar. Er hielt inne. Nein, so konnte er nicht weiterfliegen zu dem runden grünen Bergsee, wo er seinen Freund, den gelbgetupften Höhlenmolch, treffen wollte. Das musste warten und auch Freund Molch musste sich gedulden. Das Traurigsein ging vor.
„Wenn du einmal groß bist, musst du an drei Dinge immer denken“, hatte Drachenoma einmal zu ihm gesagt. „Sei ehrlich zu anderen und ganz besonders zu dir selbst! Mache niemals jemanden traurig und lasse auch niemanden, der traurig ist, allein! Und vergiss dein Lächeln nicht. Es gibt im Leben nie einen Grund, nicht zu lächeln. Alles hat seine zwei Seiten, und wo Tränen wohnen, hat auch das Lächeln ein Zuhause.“
Der kleine himmelblaue Drache hatte genickt, obwohl er das mit den Tränen und den Lächeln nicht ganz verstanden hatte.
„Du wirst es merken, wenn es soweit ist“, hatte Drachenoma mit einem besonders einladenden Lächeln gesagt und hinzugefügt, dass ein grimmig blickender Drache zum Fürchten aussehe.
Das konnte der kleine Drache verstehen und seither bemühte er sich um ein freundliches Gesicht. Er war nämlich ein fröhliches Drachenkind.
So auch jetzt.  Obwohl er sich traurig fühlte, versuchte er es mit einem Lächeln und das traurige Gefühl in seinem Bauch wurde kleiner und kleiner. Wie leicht es doch war! Das musste er dem Kind, das dort unten im Garten im Gras saß und weinte, doch gleich erzählen.
Und mit diesem Lächeln flog er langsam noch einmal über den Garten, in dem das Kind saß.
„Hey, du!“, rief er zu ihm hinunter. „Du musst nicht traurig sein. Die Sonne scheint auch, wenn du weinst.“
„Ist mir doch egal“, rief das Kind unter Schluchzern. „Ich mag nicht alleine sein! Es ist langweilig und es macht mich traurig. Ich will mit meinen Freunden spielen!“
„Ich bin auch traurig und meine Freunde sind in alle Winde zerstreut“, antwortete der kleine Drache. „Und sie werden auch nicht so bald zurückkommen, egal, ob ich lache oder weine. Deshalb möchte ich lieber ein fröhlicher Drache sein.“
„Ein Drache bist du? Wo bist du?“ Das Kind weinte nun nicht mehr. Aufgeregt klang seine Stimme nun und auch schon ein bisschen fröhlicher. „Es gibt keine Drachen.“
„Doch. Mich.“ Der kleine himmelblaue Drache lachte. Ihm fiel ein, dass man ihn am Himmel seiner himmelblauen Farbe wegen nicht sehen konnte. Da war nur dieser kleine hellrote Fleck am Bauch, der ein bisschen einem Herzen ähnelte.
Und da entdeckte das Kind ihn auch schon. Eigentlich sah es nur einen lachenden, hellroten Fleck, der einem Herzen ähnelte, und das sah sehr lustig aus. So lustig, dass es endlich auch lachen konnte. Und so lachten beide, der kleine himmelblaue Drache und das traurige Kind, das nun nicht mehr so traurig war.

© Elke Bräunling

Hier erfährst du, warum der kleine himmelblaue Drachen ein himmelblauer Drache sein wollte: Das Märchen vom kleinen himmelblauen Drachen

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Wo bist du, kleiner himmelblauer Drache?, Bildquelle © tookapic/pixabay

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