Die kleine Hexe, die nicht streiten wollte
Die kleine Hexe, die nicht streiten wollte
Kindergeschichte vom Streiten und friedlich sein

Eine kleine Geschichte darüber, wie Streit entsteht und wie man ihn vielleicht ein kleines bisschen verhindern kann. Denn der Frieden beginnt oft ganz leise.
Die kleine Hexe Tilla soll streiten lernen, doch sie will lieber freundlich sein.
In dieser warmen Kindergeschichte erleben Kinder, wie schnell Streit entstehen kann – und wie man ihn wieder lösen kann.
Mit Unterrichtsmodul (einfache Fassungen, Fragerunde, Mitmachideen, Ausmalbildern, Sachtext) zum Vorlesen, Nachdenken und Mitmachen für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter, für Erstleser, für den Unterricht und für ruhige Gesprächsrunden zu Hause oder in Gruppen.
Inhalt
- Geschichte
- Sehr einfache Kurzfassung
- Erstleserfassung
- Silbenschrift
- Fragerunde
- Sachtext: Streiten und friedlich sein
- Mitmachideen
- Vom Streit zum Frieden
- Ausmalbilder
Die kleine Hexe, die nicht streiten wollte
Die kleine Hexe Tilla fühlte sich unwohl. Ab heute nämlich sollte sie erwachsen sein und als Streithexe Unfriede im Land stiften. Damit aber hatte sie wenig am Hut.
”Streiten ist gemein”, maulte sie.
”Wir sind aber zum Streiten da!”, mahnte Hexenmama Pitrilla. ”Jetzt ist es an der Zeit, dass auch du deinen Job tust. Lange genug hast du die teure Streitschule besucht. Zeige nun, was du gelernt hast!”
”Ich mag aber nicht streiten”, maulte Tilla.
Hexenmama Pitrilla warf ihrem trotzigen Töchterlein einen bösen Blick zu.
”Du wirst ab heute arbeiten! Ich habe dir extra das Hochhaus im Eulenweg ausgesucht! Es ist höchste Zeit, dass dort einer von uns für Streitordnung sorgt”, befahl sie. ”Tu deine Arbeit sorgfältig! Es gibt eine Menge zu tun. In diesem Haus nämlich geht es mir viel zu lieb und nett zu.”
Mama Pitrilla schüttelte sich vor Grauen. ”Stell dir vor, die Bewohner sind nie unfreundlich zueinander! Nein, sie grüßen sich und helfen einander, und gestern -huhuhhh-…!” Hexenmama Pitrilla krümmte sich vor Entsetzen. ”…ja, gestern haben sie alle gemeinsam ein Fest gefeiert! Keinen Streit hat es gegeben, keinen Ärger, keinen Neid! Nichts! Sag, mein Kind, ist das nicht grässlich?”
Tilla zuckte ratlos mit den Schultern. ”Ich find es schön, wenn die Leute nett zueinander sind!”, meinte sie kleinlaut.
Da heulte Pitrilla laut auf. ”Was sagst du da? Ojeojeoje! So friedliche Worte aus dem Munde meiner Tochter? Was für eine Schande!”
Sie packte Tilla und kreischte mit grimmiger Miene:
”Du wirst dich von nun an wie eine richtige Streithexe benehmen! Noch heute ziehst du um ins Eulenweg-Hochhaus und tust das, was du in der Streitschule gelernt hast! Haben wir uns verstanden?”
”Nein! Nein! Nein!”, schrie Tilla und stapfte mit den Füßen auf. ”Ich will nicht streiten. Nie und nimmer will ich das tun. Kapier das endlich, du doofe Streitmama, du, und…!”
Die kleine Hexe Tilla schimpfte und zankte wütend los. Gar nicht mehr aufhören konnte sie damit.
Hexenmama Pitrilla aber nickte anerkennend mit dem Kopf.
”Nicht schlecht! Für ein Hexenkind, das nicht streiten mag, machst du deine Sache wirklich sehr gut. Weiter so!” sagte sie und grinste. ”Prima zanken kannst du schon! Und nun ab mit dir zum Eulenweg!”
Au weia! Kleinlaut trollte sich Tilla zu ihrer neuen Heimat, dem Eulenweghochhaus. Nie mehr werde ich so böse streiten wie eben, nahm sie sich unterwegs vor. Ganz lieb werde ich sein und dafür sorgen, dass alle Leute im Hochhaus nett zueinander sind. Jawohl, so werde ich es machen. Streithexenmama wird sich wundern.
Voller Eifer machte Tilla einen Luftsprung und stolperte dabei über eine Katze, die schläfrig in der Sonne lag.
”Pass doch auf, du blödes Vieh!”, brüllte sie und ihr Kopf rötete sich vor Zorn. ”Wie kannst du bloß so dämlich hier herumliegen. Und überhaupt: Ich werde…!?”
Ich werde…!?
Mitten im Schimpfen hielt Tilla inne. Was tat sie da gerade?
„Oh nein!“, murmelte sie und rieb sich die Stirn. „Das ging aber schnell.“
Die Katze öffnete träge ein Auge, sah sie an und gähnte.
Tilla setzte sich vorsichtig neben sie ins Gras. Einen Moment lang sagte sie nichts.
Dann seufzte sie leise.
„Das war kein guter Anfang“, murmelte sie. „Ich bin doch keine Streithexe! Nein, eine ganz liebe Hexe will ich sein und alle hier in dem großen Haus sollen sich freuen.“
Sie strich sich über die Stirn, atmete tief durch und sah die Katze an.
„Verzeih mir!“, sagte sie. „Ich wollte nicht laut werden.“
Die Katze blinzelte zufrieden und Tilla lächelte ein kleines bisschen.
Vielleicht, dachte sie, war es gar nicht so leicht, nicht zu streiten. Aber vielleicht
konnte sie es ja lernen.
Sie stand auf. „Am besten ist, ich fange einfach noch einmal von vorne an.“
Und das tat sie auch. Freundlich. Mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht.
© Elke Bräunling
💭 Und du? Was hilft dir, wenn du merkst, dass ein Streit beginnt?
Die nachfolgenden Gedanken und Texte vertiefen die Geschichte und laden zum Erinnern, Nachdenken und Mitfühlen ein.
Diese Versionen sind sprachliche Bearbeitungen derselben Geschichte zur besseren Zugänglichkeit und stellen keine eigenständigen Werke dar.
Die kleine Hexe, die nicht streiten wollte: Sehr einfache Kurzfassung
Die kleine Hexe Tilla soll streiten.
Das hat ihre Mama gesagt.
Aber Tilla will nicht streiten.
Sie mag das nicht.
„Streiten ist gemein“, sagt sie.
Ihre Mama schimpft:
„Du bist eine Streithexe! Du musst streiten!“
Tilla wird wütend.
Sie stampft mit dem Fuß.
„Ich will nicht!“, ruft sie.
Und plötzlich merkt sie:
Sie streitet ja schon.
Da schickt Mama sie los.
Tilla soll in ein Haus ziehen,
in dem alle Menschen nett zueinander sind.
Unterwegs denkt Tilla nach.
„Ich werde lieb sein“, sagt sie.
„Ich werde nicht streiten.“
Da stolpert sie über eine Katze.
„Pass doch auf!“, schimpft Tilla laut. „Dumme Katze!“
Dann wird sie still.
„Oh“, sagt sie leise. „Jetzt habe ich schon wieder gestritten.“
Tilla setzt sich neben die Katze.
„Ich versuche es noch einmal“, sagt sie.
Und diesmal spricht sie freundlich.
© Elke Bräunling
Die kleine Hexe, die nicht streiten wollte: Erstleser
Die kleine Hexe Tilla soll eine richtige Streithexe werden.
Das hat ihre Mutter beschlossen.
Doch Tilla mag das gar nicht.
„Streiten ist gemein“, sagt sie.
Ihre Mutter versteht das nicht.
„Wir sind zum Streiten da!“, ruft sie. „Das ist unsere Aufgabe!“
Sie schickt Tilla in ein großes Haus.
Dort wohnen Menschen, die immer freundlich zueinander sind.
„Dort gibt es viel zu tun“, sagt die Mutter. „Sorge dafür, dass sie sich endlich streiten!“
Tilla geht los.
Unterwegs denkt sie nach.
„Ich werde nicht streiten“, nimmt sie sich vor. „Ich werde freundlich sein.“
Doch plötzlich stolpert sie über eine Katze.
Tilla erschrickt und wird wütend.
„Pass doch auf!“, ruft sie laut.
Dann merkt sie, was passiert ist.
Sie wollte doch gar nicht streiten.
Tilla wird still.
„Das ging aber schnell“, murmelt sie.
Sie setzt sich zur Katze.
„Ich versuche es noch einmal“, sagt sie.
Und diesmal spricht sie leise und freundlich.
Da merkt Tilla:
Nicht zu streiten ist gar nicht so einfach.
Aber man kann es lernen.
© Elke Bräunling
Die kleine Hexe, die nicht streiten wollte: Silbenschrift
Die klei-ne He-xe Til-la soll strei-ten.
Das hat ih-re Ma-ma ge-sagt.
A-ber Til-la will das nicht.
„Strei-ten ist ge-mein“, sagt sie.
Die Ma-ma schimpft:
„Du bist ei-ne Streit-he-xe! Du musst strei-ten!“
Til-la wird wü-tend.
Sie stampft mit dem Fuß.
„Ich will nicht!“, ruft sie.
Da merkt sie:
Sie strei-tet ja schon.
Die Ma-ma schickt sie los.
Til-la geht zum Eu-len-weg.
Un-ter-wegs denkt sie nach.
„Ich wer-de lieb sein“, sagt sie.
Da stol-pert sie über ei-ne Kat-ze.
„Pass doch auf!“, ruft Til-la laut.
Dann wird sie still.
„Oh“, sagt sie.
„Jetzt ha-be ich wie-der ge-strit-ten.“
Til-la setzt sich ne-ben die Kat-ze.
„Ich ver-su-che es noch ein-mal“, sagt sie.
Und dies-mal spricht sie freund-lich.
Fragerunde
🟡 1. Zum Verstehen der Geschichte
• Was soll Tilla lernen?
• Warum mag Tilla das Streiten nicht?
• Was sagt ihre Mutter dazu?
• Wohin schickt die Mutter Tilla?
• Was passiert mit der Katze?
• Was merkt Tilla danach?
🟢 2. Genau hinschauen
• Warum sagt die Mutter, dass Streiten ihre Aufgabe ist?
• Was findet Tilla daran falsch?
• Warum streitet Tilla trotzdem?
• Passiert Streit manchmal einfach so?
🔵 3. Gefühle verstehen
• Wie fühlt sich Tilla am Anfang?
• Wie fühlt sie sich, als ihre Mutter schimpft?
• Wie fühlt sie sich, als sie über die Katze stolpert?
• Wie fühlt sie sich danach?
• Kennst du das Gefühl, plötzlich wütend zu werden?
🟣 4. Streit – warum passiert er?
• Warum streiten Menschen?
• Muss man immer absichtlich streiten?
• Kann Streit auch einfach „passieren“?
Erkenntnis:
Streit beginnt oft schneller, als man denkt
🟠 5. Freundlich sein. Ist das leicht?
• Warum ist es schwer, freundlich zu bleiben?
• Was kann helfen, ruhig zu bleiben?
• Was könnte Tilla beim nächsten Mal anders machen?
🟤 6. Übertragung in den Alltag
• Hast du schon einmal gestritten, obwohl du das gar nicht wolltest?
• Was hast du danach gemacht?
• Hast du dich schon einmal entschuldigt?
🔴 7. Perspektivwechsel
• Wie denkt wohl die Hexenmutter über das Streiten?
• Was würde die Katze erzählen?
• Was könnte im Eulenweghaus passieren?
🟢 8. Kreative Fragen
• Wie geht die Geschichte weiter?
• Wird Tilla eine gute Streithexe?
• Oder eine Friedenshexe?
Abschlussfrage
Was ist besser: immer recht haben oder freundlich sein?
Sachtext: Streiten und friedlich sein
Menschen und Kinder streiten manchmal. Das ist ganz normal.
Wenn jemand etwas anderes will als du oder wenn du dich ärgerst, kann Streit entstehen.
Manchmal passiert das ganz schnell. Ein Wort kann reichen … und schon wird man laut.
Streiten fühlt sich oft nicht gut an. Man wird wütend. Das Herz schlägt schneller.
Und hinterher ist man oft traurig.
Aber:
Streiten bedeutet nicht, dass man ein schlechter Mensch ist.
Es bedeutet nur, dass man gerade nicht weiß, wie man anders reagieren kann.
🌸 Was hilft, friedlich zu bleiben?
• kurz still werden
• tief durchatmen
• überlegen, was man sagen möchte
• freundlich sprechen
Manchmal hilft es auch, einfach einen Moment zu warten.
💛 Und wenn man schon gestritten hat?
Dann kann man etwas tun:
• sich entschuldigen
• noch einmal ruhig sprechen
• es beim nächsten Mal anders versuchen
Das nennt man: lernen
🌼 Wichtig zu wissen
Friedlich sein bedeutet nicht, dass man immer alles gut finden muss.
Man darf sagen, was man möchte.
Aber:
Man kann es freundlich sagen
💬 Zum Mitnehmen
Streit passiert schnell.
Frieden braucht ein kleines bisschen Übung.
Mitmachideen: Streiten und Frieden üben
🟡 1. Atemübung „Stopp!“
Wenn du merkst, dass du wütend wirst:
• bleib kurz stehen
• atme tief ein
• atme langsam aus
• sag leise zu dir: „Stopp“
🟢 2. Zwei Stimmen
Spielt es nach:
Ein Kind ist „laut und wütend“
Ein Kind ist „ruhig und freundlich“
• Sprecht denselben Satz einmal laut
und einmal freundlich
Was fühlt sich besser an?
🔵 3. Friedenswort finden
Überlegt gemeinsam:
Welche Wörter klingen freundlich?
z. B.:
• bitte
• danke
• tut mir leid
🟣 4. Malaufgabe
Male:
• ein Bild vom Streit
• und daneben ein Bild vom Frieden
Was ist anders?
🟠 5. Kleine Rollenspiele
Spielt Situationen nach:
• jemand nimmt dir etwas weg
• jemand rempelt dich an
Wie kannst du reagieren, ohne zu streiten?
🟤 6. Für Gruppen / Klassen
Setzt euch in einen Kreis.
Jeder sagt:
• „Ich fühle mich gut, wenn …“
💛 Abschlussidee
Lege die Hand aufs Herz und sage:
„Ich kann freundlich sein.“
Vom Streit zum Frieden
Manchmal streiten Kinder. Das ist nicht schön, aber es passiert.
Auch Erwachsene streiten. Sie werden laut oder sagen Dinge, die sie später bereuen.
Doch oft können sie sich wieder versöhnen:
Sie reden miteinander. Sie hören einander zu. Und manchmal sagen sie dann: „Es tut mir leid.“
Und dann wird alles wieder gut.
Aber wenn große Menschen streiten – Könige oder Politiker -, spricht man oft von Krieg und Frieden.
Das klingt groß und schwer. Und doch beginnt es genauso wie bei Tilla.
Mit einem Wort.
Mit einem Missverständnis.
Mit einem Gefühl, das plötzlich zu groß wird.
Und genau wie bei Tilla kann auch das wieder besser werden:
Wenn man miteinander spricht.
Wenn man versucht, einander zu verstehen.
Wenn man nicht nur Recht haben will.
Frieden beginnt nämlich nicht erst in der Welt. Nein, er beginnt ganz leise zwischen zwei Menschen.
So wie bei Tilla.
Wichtig: „Streiten geht schnell. Frieden braucht ein bisschen Mut.“
© Elke Bräunling

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