Mein Vater hat Zeit

Kindergeschichte vom Zeit haben – Einen Vater kann man sich auch teilen

Christians Freunde Pit, Tom und David hauen mächtig auf den Putz.
„Mein Papa hat ein neues Auto“, prahlt Pit. „Das fährt über 240 km.“
Über 240 km? Boah! Ganz schön schnell ist das! Die Freunde staunen. „Dürfen wir da mal mitfahren?“, fragen sie.
Pit schüttelt den Kopf. „Geht nicht. Für so etwas hat mein Papa keine Zeit. Hoho! Wo denkt ihr hin?“
„Phh! Mein Papa hat sogar zwei Autos“, sagt Tom schnell.
„Und meiner hat gerade ein neues Segelboot gekauft“, trumpft David auf. „Für unseren Urlaub in Spanien.“
Die Freunde sind sehr stolz auf ihre Väter.
„Und du?“, fragt Pit und klopft Christian ein wenig gönnerhaft auf die Schultern. „Was ist mit deinem Vater?“
„Mein Vater hat ein Fahrrad“, sagt Christian. „Damit fährt er mit mir zum Schwimmen oder zum Angeln, in den Wald, zum Spielplatz oder an den Fluss zum Schiffe gucken. Unterwegs erzählen wir uns viele spannende Geschichten und haben auch sonst ganz viel Spaß.“
„Toll.“ Die Freunde starren Christian mit großen Augen an. Sie sind fast ein bisschen neidisch. Ihre Väter haben keine Zeit zum Fahrradfahren, Angeln, Schwimmen, den Schiffen hinterher schauen und Geschichten erzählen. Die kommen nämlich erst von der Arbeit nach Hause, wenn Pit, Tom und David längst schlafen.
Christians Vater hat keine Arbeit und kein Auto und kein Segelboot. Aber er hat viel Zeit für Christian. Voller Sehnsucht blicken Pit, Tom und David auf ihren Freund in den alten, zerfransten Jeans, dem geflickten, verwaschenen Hemd und den eingerissenen Turnschuhen.
„Toll“, murmeln sie wieder und Pit fügt leise hinzu:
„Ich würde auch gerne mal so eine Radtour machen. Aber mein Papa hat dazu nie Zeit.“
Tom nickt „Meiner auch nicht“, sagt er traurig.
„Glaubst du meiner vielleicht?“, fragt David mit einem Seufzer.
„Ihr könnt uns ja ab und zu besuchen“, schlägt Christian vor. „Mein Vater hat auch Zeit für vier.“

© Elke Bräunling


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle © ivabalk/pixabay

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