Als die Adventskerzen einen Streit hatten

Auch Kerzen können streiten und einander böse Worte zuwerfen. Ich habe es genau gehört, als ich mich an einem tristen Spätnachmittag im November für ein halbes Stündchen in meinen Sessel kuschelte, die Ruhe genoss und einfach einmal nichts tat. Zuvor hatte ich im Wald Tannenzweige geholt und sie zu einem großen Adventskranz gebunden. Als Schmuck habe ich kleine gelb-rote Äpfelchen in das Tannengrün gesteckt und natürlich Kerzen. Wunderschöne dicke rote Adventskerzen. Mehr nicht, denn ich mag den weihnachtlichen Glitzerkram nicht sonderlich.
Ich freute mich sehr über meinen Kranz. Lange betrachtete ich ihn, wie er vor mir auf dem Tisch stand und dachte an die Adventswochen, die vor uns lagen. Dann schloss ich für ein Weilchen die Augen und da, ja, da hörte ich Stimmen. Rauchig klingende, streitende Stimmen. Es waren die Kerzen am Adventskranz und sie stritten ähnlich wie in der folgenden Geschichte.

 

Als die Adventskerzen einen Streit hatten

In diesem Jahr hatten die Kerzen am Adventskranz einen bösen Streit. Jede nämlich wollte ihr Licht für das Weihnachtsfest aufsparen.
„Nein“, schimpfte die erste Kerze. „Ich bin doch nicht dämlich und brenne alleine vor mich hin, während ihr euer Licht für das Weihnachtsfest aufbewahrt?“
Da keifte die zweite Kerze los: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem andern zu! Also, ich werde auch nicht die erste sein. Klar?“
„Hoha!“, höhnte die dritte Kerze. „Aber wer, bitte, soll die Dumme sein? Ich kenne auch ein Sprichwort: ´Die letzten werden die ersten sein´, heißt es. Also, vierte Kerze, du bekommst den Vortritt!“
Davon aber wollte die vierte Kerze nichts wissen. „Ihr denkt, die letzten beißen die Hunde? Oh nein! Eure Sprichworte könnt ihr euch an den Hut stecken!“
Und so stritten die vier Kerzen und stritten und stritten. Nachgeben wollte keine.
Da kam ein Kind ins Zimmer. Es nahm ein Streichholz und zündete alle vier Kerzen auf einmal an. Die Kerzen heulten vor Schreck auf, doch dann hielten sie doch still und funkelten feierlich. Mit ihrem hellen Licht tauchten sie das Zimmer in einen wohlig warmen Lichtschein.
„Schööön!“, rief das Kind und klatschte vor Freude in die Hände. „Alle Kerzen sollen brennen. Jeden Tag ein kleines Bisschen!“
Die Kerzen schämten sich. „Der Klügere gibt nach“, murmelte die erste Kerze, und die anderen nickten, obwohl sie von Sprichwörtern eigentlich die Nase voll hatten.

© Elke Bräunling

 

 

Adventskranz – Sachtext –

Schon immer haben die Menschen im Winter ihre Häuser und Türen mit grünen Zweigen geschmückt. Sie holten sich vor allem die Zweige von Tannen, Fichten, Kiefern, Buchs, Eibe, Stechginster, Efeu, Wacholder, Stechpalme und Misteln. Sie glaubten nämlich, dass Zweige, die im Winter grün bleiben, Glück, Segen, Friede, Fruchtbarkeit und Gesundheit ins Haus brächten. Außerdem sollten sie böse Geister und die Dämonen der Dunkelheit fernhalten. Auch Kränze wurden gebunden und mit roten und goldenen Bändern verziert, denn das waren die Farben von Leben und Licht.
Im 19. Jahrhundert dann hatte Johann Heinrich Wichern, der in Hamburg ein Waisenhaus leitete, die Idee, in der Vorweihnachtszeit einen Holzkranz mit Zweigen und 24 Kerzen zu schmücken. An jedem Adventstag sollte eine Kerze mehr angezündet werden, bis an Heiligabend alle Kerzen brannten. Dieser Lichterkranz sollte das Weihnachtsfest ankündigen. Weil die Sache mit den 24 Kerzen jedoch zu umständlich und auch zu gefährlich war, schmückt man den Kranz heute nur noch mit vier Kerzen, für jeden Sonntag im Advent eine.

© Elke Bräunling

Aus dem Buch:

Taschenbuch Hör mal, Oma! Ich erzähle dir eine Geschichte vom Advent: Adventsgeschichten – von Kindern erzählt
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Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

30. November 2013 von Elke
Kategorien: Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Kindergeschichten, Märchen, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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