Der kleine Stern und der Waldadvent


Im Wald, hat der kleine Stern gehört, soll es zur Adventszeit besonders schön sein

Die Adventszeit nahte und überall herrschte eine leise, klammheimliche, fröhliche Vorfreude auf diese schönsten Wochen im Jahr. Auch im Himmel war das so. Man konnte meinen, die Spannung und Freude unter den Sternen knistern zu hören, und irgendwie bemühten sich alle Sterne, noch heller und noch strahlender von ihrem Himmelsplatz zur Erde hinab zu leuchten.
Auch der kleine Stern gab sich große Mühe und er strengte sich sehr an, besonders hell zu strahlen.
„Advent ist schön hier am Himmel!“, rief er. „So schön!“
„Noch schöner ist er im Wald“, flüsterten ihm da die Wolken zu. „Schön und geheimnisvoll.“
Geheimnisvoll? Und schöner als das große Sternenstrahlen am Himmel?
Sehr neugierig war der kleine Stern geworden. Zu gerne wollte er diesen Waldadvent kennenlernen. Für einen kurzen Moment nur. Und weil er immer wieder daran denken musste, hüpfte er eines Abends auf eine Schneewolke und zog mit ihr zur Erde hinab bis hin zu dem kleinen Wald. Dort machte die Wolke Halt und der kleine Stern linste auf die kahlen Kronen der Bäume hinab.
Hier unten herrschte eine Stille, die fast feierlich erschien. Es war wie im Himmel, und das gefiel dem kleinen Stern. Es gefiel ihm sogar wunderfein gut. Er mochte diesen Wald. Nur den Advent, so wie er ihn vom Himmel und von seinen heimlichen Besuchen in der kleinen Stadt her kannte, konnte er hier nicht erkennen. Er sah keine Lichter, kein Funkeln, Glitzern und Flimmern. Er hörte auch keine Musik und er vermisste die Menschen, die er von seinen Besuchen in der Stadt her kannte. Das machte ihn ein bisschen ratlos.
„Und wo finde ich hier nun den Advent?“, fragte er.
„Pssst! Die Wolke sank noch ein bisschen tiefer fast bis zu dem Baumwipfeln hinab und schickte dann ihre Schneeflockenfracht zu Boden. Die Flöckchen tauchten die Tannen, die kahlen Baumkronen, die Sträucher, Büsche, Wege, Wiesen und das Ufer des kleinen Waldbaches in ein sanftes Weiß. Sternchen an Sternchen schmückten sie, Häkelspitzen gleich, den Wald und verliehen ihm ein festliches Gewand. Ein bisschen funkelten sie sogar im Lichtschein des Mondes. Zauberschön sah das aus!
Der kleine Stern freute sich.
„Ja“, murmelte er. „Das ist ein Advent, der mir gefällt.“
Der funkelweiße Waldadvent gefiel dem kleinen Sternchen sogar so sehr, dass er beschloss, für eine Weile hier zu bleiben. Er verabschiedete sich von der Wolke, die nun sehr schlank geworden war. Dann hüpfte er in den Wald hinab und landete im Wipfel der großen Kiefer. Hier würde er erst einmal für ein Schläfchen bleiben. Die Reise hatte ihn nämlich müde gemacht.

© Elke Bräunling