Das Märchen vom trotzigen Apfel

Das Märchen vom Apfel, der nicht geerntet werden und für immer und alle Zeiten an seinem Platz im Baum bleiben wollte

Es war einmal ein Apfel, der nur einen Wunsch hatte: Alles sollte so bleiben, wie es war. Er liebte sein Leben und er liebte seinen Platz im Apfelbaum im höchsten Ast oben rechts. Hier wollte er bleiben, denn hier war er glücklich. Und deshalb hatte er den ganzen Sommer auch immer wieder „Ich-mag-nicht-gepflückt-und-aufgegessen-werden!“ gesagt. „Hört ihr!“
Da lachten die anderen Äpfel. „Wir alle müssen gehen“, sagten sie. „Es ist der Lauf der Dinge und das ist gut so.“
„Pah! Nicht mit mir!“ Laut hatte der Apfel geschimpft. Was interessierte ihn dieser ‚Lauf der Dinge‘?
Die Erntezeit kam. Mit langen Stöcken rüttelten Kinder an den Zweigen des alten Apfelbaums, die sie mit der Leiter nicht erreichen konnten, bis ein Apfel nach dem anderen zu Boden kullerte. Nur einer nicht. Es war der trotzige Apfel im höchsten Ast oben rechts
„Willst du alleine im Baum hängen bleiben?“, fragten die anderen Äpfel.
„Jawohl!“, erwiderte der Apfel. „Auf immer und ewig.“
Und mit aller Kraft klammerte er sich an seinen Zweig, bis er als einziger übrig blieb.
„Lass ihn hängen!“, sagte ein Junge und lachte. „Die Vögel freuen sich, wenn sie etwas zum Naschen finden.“
Oje, an die Vögel hatte der Apfel nicht gedacht. Schnell übte er sich im Grimassen schneiden, bis er so böse dreinblickte, dass es kein Vogel wagte, bei ihm Rast zu machen.
Es wurde Herbst. Die Blätter, mit denen sich der Apfel stets gut unterhalten hatte, wurden gelb und braun und fielen eines nach dem anderen zu Boden, bis der Herbstwind auch die letzten von den Ästen gefegt hatte. Nur den trotzigen Apfel schaffte auch er nicht.
Ja, und so hing der trotzige Apfel auch noch im frühen Winter hoch oben im Apfelbaum: Verschrumpelt, halb erfroren, hässlich und alleine, und er langweilte sich ganz schön an seinem kahlen Ast. Manchmal blickte er sehnsüchtig zum Fenster des Hauses, in dem einige seiner Kameraden glatt poliert in einem mit Tannengrün geschmückten Körbchen lagen.

© Elke Bräunling

 

Der Apfel

Der Apfel ist schon sehr alt. Du kannst von ihm schon in der Bibel lesen. Im Paradies nämlich hat Eva Adam den Apfel als verbotene Frucht gepflückt. Später in den alten Sagen gab es dann einen Königssohn namens Paris, der unter drei Göttinnen bei einem Wettbewerb die schönste wählen sollte. Er erwählte Aphrodite und gab ihr als Siegerpreis einen Apfel. Da waren die beiden anderen Göttinnen Hera und Athene sauer, und sie sorgten dafür, dass es Krieg gab im Land von Paris´ Vater. Der hieß Priamos, und war der König von Troja.
Die alten Römer kannten schon 30 Apfelsorten. Bei uns dann hat Karl der Große mit einem Gesetz befohlen, Apfelbäume zu pflanzen.
Immer in der Geschichte findest du Sagen über den Apfel. Doch die Menschen wussten auch schon früh, wie gesund Äpfel sind. Man hat den Apfel oft auch die Apotheke des kleinen Mannes genannt, denn er hilft bei vielen Krankheiten und schützt mit seinen Vitaminen. Es heißt auch heute daher noch: „An apple a day keeps the doctor away“. Das bedeutet: “Wer jeden Tag einen Apfel isst, braucht keinen Arzt.”
Übrigens: Der Apfel ist ein Kernobst und es gibt über 600 Kultursorten, die aus europäischen und asiatischen Wildformen gezüchtet wurden.
© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Autorin

16. September 2013 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Märchen, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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