Ein wundersamer Sommertag

Eine interessante Unterhaltung der Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen im Rosenbusch

Viel Betrieb herrschte im Rosenbusch am Gartenhäuschen. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen summten und surrten um die Blütenkelche. Heute aber waren die kleinen Strauchgäste nicht so begierig auf Nahrungssuche aus. Sie unterhielten sich. Über die Menschen, von denen sie nur selten Gutes zu berichten wussten. Die Zweibeiner schlugen nämlich meist nach ihnen oder sie versuchten, sie mit Spraydosen zu vergiften oder sie verjagten sie mit Fliegenklatschen und anderen schmerzhaften Geräten von Blüten, Kuchenstücken und Picknickdecken.
„Es scheint, als fürchteten sie uns“, wunderte sich eine Hummel. „Dabei habe ich noch nie einem Menschenwesen etwas zuleide getan.“
„Ich auch nicht!“
„Ich schon gar nicht!“
„Denkt ihr, wir?“
Rummelig ging es zu. Die Tiere waren sich einig. Keines von ihnen mochte einem Lebewesen wehtun. Warum nur wussten die Menschen, die doch sonst immer alles zu wissen vorgaben, dies nicht?
„Gestern allerdings“, wunderte sich eine Wespe, „ist mir etwas Seltsames passiert. Ich stillte im Himbeerstrauch meinen Hunger, als ein Kind mit einer Schüssel kam. Schon wollte ich fliehen, doch denkt, das Kind schlug nicht nach mir! Nein, es fragte höflich, ob es sich auch Beeren nehmen könne. Natürlich hatte ich nichts dagegen. Früchte gehören allen Lebewesen. Das Kind füllte seine Schüssel und verabschiedete sich mit einem fröhlichen ´Tschüs´! Ich sage euch, meine Verwunderung war groß.“
„Etwas Ähnliches ist mir gestern auch passiert“, sagte die Biene. „Auf der Kleewiese war´s, wo ich mich mit meinen Kolleginnen tummelte. Wir waren beim Nektarsammeln, als ein Pärchen kam. Wir wollten das Feld räumen, doch da fragten die jungen Leute höflich, ob sie für eine Weile neben uns Platz nehmen dürften. ´Die Wiese gehört allen´, haben wir geantwortet, ja, und da haben sie sich neben uns gelegt. Wir konnten ungestört unsere Arbeit fortsetzen. Ehrlich gesagt, es hat Spaß gemacht, um die beiden herumzusummen, und die haben sich später dann sogar für unser schönes Wiesenkonzert bedankt. Was sagt ihr dazu?“
„Verstehe einer die Menschen“, brummte die Hornisse. „Uns haben sie – aus Furcht – fast ausgerottet. Gestern aber hat mich ein Mann vorsichtig auf einer Zeitung aus dem Haus getragen, in das ich mich verirrt hatte. ´Machs gut´, hat er mir hinterher gerufen. Seltsam, nicht?“
„Ja, seltsam.“ Jedes Tier wusste eine ähnlich wundersame Geschichte vom gestrigen Tag zu erzählen.
„Vielleicht haben wir uns in den Menschen getäuscht“, meinte die Wespe.
„Oder haben sich die Menschen geändert?“, überlegte die Hummel.
„Recht wäre es“, sagte die Hornisse. „Die Welt gehört allen.“
„Hurra“, freuten sich die Bienen. „Sie scheinen es begriffen zu haben, die Menschen.“
Plötzlich hörten sie Menschenstimmen.
„Igitt!“, schrie eine Stimme entsetzt. „Unser Rosenbusch ist voller Ungeziefer!“
„Dagegen müssen wir etwas unternehmen“, rief eine andere Stimme.
Schon näherten sich Menschenhände mit Stöcken und Giftdosen dem Busch.
„Haut ab, ihr Mistviecher!“, brüllten die Stimmen.
Da machten die Tiere, dass sie davonkamen.
„Das gestern war wohl nur ein Traum gewesen…!? “, sagte die Hornisse später traurig. „Oder?“

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

11. Juli 2015 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Mutgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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