Die kleine Wildbiene und der Weg zum Haselstrauch

Der Duft der Haselblüten lockt

„Hm! Wie fein es duftet!“ Die kleine Wildbiene schnupperte. „Es ist ein Duft, der meinen Bauch knurren lässt und der mir ‚Es ist Nektar-Naschzeit‘ zuruft.“
Oh, wie aufgeregt war sie! Endlich Nektar naschen. In ihren hungrigen Winterträumen hatte es genau so geduftet wie es hier nun die Blüten des Haselstrauchs tun. Lockend winkten ihr die langen, gelben Haselblüten zu. Die Sonne hatte sie heute zum ersten Mal mit ihren warmen Strahlen geöffnet. Nun trug der Wind ihren Duft auf die Wiese und zum nahen Wäldchen – und auch zur Schlafhöhle der kleine Wildbiene – herüber.
Da! Wieder streifte eine Windbrise die Nase der kleine Biene.
„Hunger!“, rief die. „Ich bin hungrig!“
Sie schluckte ein, zwei, drei Mal, dann flog sie los, dem Blütenduft entgegen. Es war nicht weit. Sie musste nur über die Wiese hinüber zu dem leckeren Haselstrauch fliegen.
Ganz aufgeregt war die kleine Wildbiene nun. So aufgeregt, dass sie nur noch ihrem Ziel entgegen blickte. Darüber vergaß sie, auf den Weg zu achten. Und da passierte es! Plötzlich nämlich war da ein lautes Käferbrummen. Die kleine Biene strauchelte und machte vor Schreck einen Purzelbaum.
„Pass auf! Du fliegst mir in den Weg und das ist nicht …“, brummsummte es da auch schon.
Zu spät! Schon war sie mit dem kleinen Marienkäfer, dessen Weg sie gekreuzt hatte, zusammengestoßen. Und brummsummbumm purzelten die beiden zu Boden.
Die kleine Wildbiene rieb sich den Kopf.
„Du tust mir weh“, rief sie. „Was bist du für ein harter Käferkerl.“
Der Käfer sagte erst einmal nichts. Er war zu sehr verdutzt.
„Käferpanzer sind hart“, meinte er dann. „Bienenköpfe haben da nichts zu suchen. Warum hast du nicht aufgepasst?“
„Weil … weil ich zu dem süßen Blütenstrauch hinüber gesehen habe und weil … weil ich so sehr hungrig bin.“
„Hungrig?“, fragte der Käfer. „Das bin ich auch. Und dieser Blütenstrauch dort ist auch mein Ziel. Vielleicht finde ich dort Blattläuse zum Naschen. Er sah die kleine Biene an. „Wie gut, dass uns nichts passiert ist. Lass uns nun besser zusammen weiter fliegen. Dann können wir aufeinander aufpassen und es passiert uns nichts.“
Die kleine Wildbiene nickte. „Und gemeinsam naschen macht auch viel mehr Spaß, könnte ich mir vorstellen.“
„Und wie! Komm! Beeilen wir uns!“ Der Käfer nickte.
Dann plusterten sie ihre Flügel auf und flogen los, den lockenden Haselblüten entgegen.

© Elke Bräunling


Frühlingsnektar, Bildquelle © Sweetaholic/pixabay

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